Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 570 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DBB NEUE WEVt | I ■ ■ II I Jl.mJII jllll I*.....l .....■■ ............ ............."...................■ OrangenvFazi'l 1935/30 Von Dr. J. Adler (Tel-Aviv) Während Palästinas Export an Zitrusfrüchten von 5,467.063 Kisten in der Saison 1933/34 auf 7,283.606 in 1934/35 gestiegen war, erreichte er in der soeben beendeten Saison 1935/36 nur wieder 5,875.767 Kisten. Dabei hatte man eigentlich mit einer Rekordausfuhr von 8 bis 81/2 Millionen Kisten gerechnet! Aber durch diese Erwartungen zogen die Folgen des vorjährigen April- Chamsins einen dicken Strich. Leider wurde das Minus von 19,3 Prozent erst sehr spät im vollen Umfange erkannt, nämlich erst gegen Mitte Jänner 1936, als schon der größere Teil der Ernte zu billigsten Preisen hinausgegangen war. . . . Was die einzelnen Fruchtgattungen betrifft, so standen natürlich auch diesmal die Orangen — die heute mindestens der jüdische Konsument nicht mehr „Jaffa-Orangen", sondern „Erez-Israel-Orangen" nennen möge! — weitaus im Vordergrund, mit 5,250.000 Kisten gegenüber 6,500.000 in der vorigen Saison und 5,122.000 vor zwei Jahren. Daneben sind aber neuerdings auch die Grapefruits immer wichtiger geworden, mit diesmal 580.000 Kisten gegenüber 670.000 im Vorjahr und 330.000 in der Saison 1933/34. An dritter Stelle seien die Zitronen erwähnt, mit jetzt 35.000 Kisten gegenüber 30.000 in der vorigen Saison und 14.000 vor zwei Jahren. Diese erlebten also trotz des Chamsins keinen Rückgang, bilden allerdings vorläufig in unserer Ausfuhrrechnung noch einen sehr bescheidenen Posten. Der Rest des Exports entfiel auf Ethrogim, Mandarinen und andere Spezialitäten. Neben dem Quantum, das Palästina an Zitrusfrüchten exportiert, ist aucn der Inlandsverbrauch nicht zu vergessen, wenn man den Gesamtumfang der Ernte bestimmen will. Wie im Vorjahr, haben wir auch in der soeben beendeten Saison für unmittelbaren Konsum und für industrielle Verarbeitung (zu Fruchtsäften, Marmeladen, Konserven usw.) rund 1,400.000 Kisten absorbiert, während es vor zwei Jahren wohl etwa 300.000 Kisten weniger gewesen sind. Daraus läßt sich für 1933/34 eine Gesamternte (Export und Inländsverbrauch) von rund 6,6 Millionen Kisten, für 1934/35 eine von 8,7 und für 1935/36 eine von 7,3 Millionen Kisten berechnen. Je nach Größe der Früchte nimmt eine normale Orangenkiste 120 bis 240 Stück, eine normale Grapefruits-Kiste 64 bis 128 Stück auf; legt man als Schätzungsmaßstab jeweils den Mittelwert zugrunde, so resultiert, daß in der jetzt abgeschlossenen Saison insgesamt 1250 Millionen Stück Zitrusfrüchte in Palästina geerntet worden sind — davon 60 Prozent in jüdischen, 40 Prozent in arabischen Pflanzungen. Ein Pardess (Orangenplantage) Zwölf führende Märkte der palästinensischen Zitrus- , früchte (Zahl der exportierten Kisten): Großbritannien Holland Polen Deutschland 1933/34: 3,489.162 153.305 41.361 1,107.774 1934/35: 5,244.337 355.797 161.338 506.799 1935/36: 3,944.785 336.438 307.658 218.212 Schweden Rumänien Frankreich Norwegen 1933/34: 50.852 108.014 41.585 58.029 1934/35: 105.633 159.612 173.223 114.562 1935/36: 172.157 138.220 115.691 103.595 Dänemark Tschechosl. Belgien Finnland 1933/34: 91.159 — 43.246 20.460 1934/35: 61.794 49.145 128.404 40.728 1935/36: 81.919 79.874 78.430 44.585 In dieser Reihe der Kundenländer der palästinensischen Zitruswirtschaft (nach den Exportziffern für 1935/36 geordnet) erscheinen weiterhin an dreizehnter' Stelle die Schweiz, an vierzehnter die Sowjetunion, an fünfzehnter Jugoslawien und an sechzehnter Stelle Oesterreich, dessen Entwicklung als Markt für palästinensische Zitrusfrüchte nachstehende Uebersicht veranschaulichen soll. Palästinas Zitrusexport nach Oesterreich: Saison 1933/34: — Kisten 1934/35: 10.059 1935/36: 22.105 Damit ist klar erwiesen, daß für unsere Edelfrüchte noch bedeutende Absatzmöglichkeiten, auf dem österreichischen Markte erschlössen, werden Icöanen; auf jeden Kall ist der Aufstieg in, der Jetzt beendeten Saison, der einer reichlichen Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr entspricht, höchst erfreulich. Wie aus den weiter oben gegebenen Zahlen hervorgeht, hat Großbritannien auch .in 1935/36 den ersten Platz unter den Konsumenten der Palästina-Zitrusfrüchte behauptet, indem es 67,1 Prozent des Gesamtexports kaufte, was jedoch immerhin eine gewisse Abschwächung gegenüber dem Vorjahr darstellt, in welchem Großbritannien nicht weniger als 72 Prozent aufnahm. ■« Arbeit am Orangenbaum Das größte Hindernis auf dem britischen Markt bedeutet für uns die dortige Zollpolitik: einesteils der geradezu erdrückende Grapefruits-Zoll, andernteils die noch immer bestehende Verweigerung der „Imperial Preference", was eine empfindliche Diskriminierung der palästinensischen Zitrusfrüchte gegenüber der cypriotiflchen Konkurrenz und anderen Wettbewerbern, die reguläre Mitglieder des „British Empire" sind und daher die britische Zollvergtinstlgung genießen, mit sich bringt. ■ Ganz hervorragend entwickelte sich in der abgelaufenen Saison, vor allem, wenn man das kleinere Gesamtmaß unserer diesmaligen Ernte und Ausfuhr berücksichtigt, das polnische, schwedische, dänische, tschechoslowakische und finnländische Geschäft — im Zeichen relativer v/ie absoluter Steigerung. Was Holland, Rumänien und Norwegen angeht, so gestaltete sich der Absatz dorthin mindestens relativ nicht unbefriedigend. Der Verkauf nach Deutschland und Belgien litt sehr erheblich unter den. valutarischen Schwierigkeiten. Der französische Markt wurde dadurch in. seiner Aufnahmefähigkeit reduziert, daß im Jänner 1936, also kurz vor Mitte der Saison, der neue französisch-spanische Handelsvertrag in Kraft trat, durch den praktisch ein fast 98prozentiges Absatzmonopol der spanischen Apfelsinen in Frankreich konstitutiert wurde. Wie gestaltete sich die Saison kommerziell? Im ganzen verblüffend irregulär! Während bis gegen Ende Jänner 1936 Großbritannien und der Kontinent, nur niedrigste Preise bewilligt hatten, die unseren Exporteuren direkte Verluste an Fracht und Ware brachten, schlug mit Februar-Beginn die Situation vollkommen um. Palästinas Mißernte wurde plötzlich evident und bewirkte einen scharfen Rückgang der Verschiffungen; außerdem machte sich auch die spanische Ware auf den Märkten rar, da sie einseitig nach Frankreich ging, um •' ihr dortiges Monopol auszunutzen. Infolgedessen zogen die bisher so schwachen internationalen Preise für Palästina- Ware stark an — freilich, viel Vorteil hatten unsere Pflanzer und Exporteure nicht mehr davon, da inzwischen schon 60 Prozent der Gesamtexportmenge noch zu den niedrigen Preisen verkauft worden waren. Wieviel hat überhaupt der diesmalige Zitrusexport im ganzen eingebracht? Die „Jaffa Citrus Exchange" in Tel- Verpftckefli de* Orangen Nr. 570 vom 19. Juni 1936 ' Aviv (in deren englischer Firmenbezeichnung wir auch das „Jaffa" baldigst durch „Palestine" ersetzt sehen möchten) hat für 1933/34 den Zitrusexporterlös auf „fob"- Basis (ab palästinensischen Häfen) mit 2,328.951 Pfund und für 1934/35 mit 3,096.958 Pfund berechnet. Nach privaten Grundlagen dürfte er für 1935/36 auf etwa 2,3 Millionen Pfund zu schätzen sein. Somit ist infolge Mißernte und unregelmäßiger Preisbildung trotz einer weitaus vergrößerten Pflanzungs- und Erntefläche und daher entsprechend erhöhter Spesenaufwendungen .der finanzielle Bruttoertrag wieder ungefähr auf den Stand von 1933/34 gesunken. Deshalb hat ja auch, wie schon be-» kannt, die Palästina-Regierung, für die geschädigten Pflanzungen eine einmalige Ermäßigung der Landwirtschaftsgrundsteuer eingeleitet. Die nächste Exportsaison, 1936/37, wird für dl« Et.'irogim im August, für die Zitronen im Sept e tu b e r, für die Grapefruits im Oktober, für die Orangen im November beginnen. Da. wiederum zahlreiche junge Pflanzungen erstmals ihren Ertrag liefern werden und da in diesem Jahre der Frühlings-Chamsin unbedeutend gewesen ist, rechnet man mit einer Oesamtmenge von etwa 10 bis 12 Millionen Kisten, also mit einer glatten Verdoppelung gegenüber 1935/36. Mengenmäßig wird der Absatz in Großbritannien und auf anderen Märkten, die keine Quotierung oder Kontingentierung des Imports kennen, zweifellos nicht schwierig sein — um so komplizierter erscheint jedoch die künftige Preisbildung. Um der Gefahr eines Verlustgeschäftes vorzugreifen, sind daher aus Interessentenkreisen der Palästina-Regierung schon verschiedenste Vorschläge unterbreitet worden, z. B. für ein Neupflanzungsverbot, für Exportrestriktion durch strengere Qualitätsauslese, für permanente Steuersenkung, für Subventionierung der Zitruswirtschaft in mannigfacher Form. Am wichtigsten sind unseres Erachtens die handelspolitischen Vorschläge. Bei gutem Willen muß es sich durchsetzen lassen, daß Großbritannien uns die „Imperial Preference" einräumt und den Grapefruitszoll senkt. Und nicht minder dürfte ein Weg zu finden sein, um eine selbständige handelspolitische Initiative Palästinas zu ermöglichen, damit es solche Staaten, die selber ein großes Exportgeschäft nach unserem Lande betreiben, auch in entsprechender Relation zum Kauf unserer Zitrusfrüchte zwingen kann. Die Erlangung der handelspolitischen „Reziprozität" ist ja ein Fundamentalproblem unseres Außenhandels, ja unserer gesamten Volkswirtschaft schlechthin — und es kennzeichnet die Auffassungen, gegen die wir hierzulande täglich anzukämpfen haben, daß die Palästina-Regierung diesem Fragenkomplex bisher noch überhaupt keine ernstliche Aktion gewidmet hat! Vor dem Prozeß Frankfurter Aus Zürich wird uns geschrieben: Vier Monate sind seit dem Attentat des jüdischen Studenten David Frankfurter auf den nationalsozialistischen Landesleiter und hitleristischeh Agenten in der Schweiz, G u s 11 o f f, vergangen. : Während dieser Zeit hat die schweizerische' Untersuchungsbehörde ihre Nachforschungen Über die Hintergründe und etwaigen „Hintermänner" dieser Tat angestellt und ist eben bereit, das Material zum Anklageakt zu formen. Frankfurter hat bei seiner ersten Einvernahme erklärt, daß er.aus freien Stücken, unbeeinflußt von Menschen oder Parteidogmen, gehandelt habe, während die deutsche und außerdeutsche Hakenkreuzpresse wie auf ein Signal von einem Komplott der II. bzw. III. Internationale fabelte. Die antijüdische Hetze schien ihr in diesem Zusammenhang von untergeordneter Natur. Die Untersuchung der Schweizer Behörden brachte die Richtigkeit von Frankfurters Aussagen zutage, aber der nationalsozialistische Verleumdungsfeldzug ist nicht erfolglos geblieben. Denn der Berner Untersuchungsrichter ließ in Deutschland, wo der Attentäter eine Zeit lang studiert hatte, recherchieren, mit wem und in welchen Kreisen Frankfurter studiert habe, insbesondere aber über seine etwaigen Beziehungen zu Sozialisten und Kommunisten. Die Initiative zu dem Feldzug gegen die angeblichen Mittäter Frankfurters geht vom deutschen Propaganda-« Ministerium aus. Im Hauptverlag der Nationalsozialistischen Partei, Eher in Berlin, ist soeben eine 100 Seiten starke Broschüre mit dem Titel „Der Fall Gustloff" (Vorgeschichte und Hintergrund des Attentates in Davos) erschienen. In dieser Schrift bemüht sich der Autor, ein neuer Mann mit dem Namen Wolfgang D i e rw e g e, nachzuweisen, daß die Hauptschuld an dem Morde die radikale Presse der Schweiz trage, zu welcher der nationalsozialistische Publizist auch das „Pariser Tageblatt" und sogar den „Wiener Tag" rechnet. Er versucht auch gegen die „jüdische EnN lastungsoffensive des Frankfurter-Komitees" aufzutreten, in dem er mit Heranziehung von Lügen, Verleumdungen die „Frechheit" brandmarkt, einen „Mörder" und Kommunisten verteidigen zu wollen. Schließlich wendet sich Wolfgang Doerge auch dagegen, daß man nach , dem Davoser Attentat die nationalsozialistische Zentralen in' der Schweiz aufgelöst habe, obwohl die, Nationalsozialistische Partei sich niemals in