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Die neue Welt · 1936-06-19 · Heft 570 (19.6.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 570 (19.6.1936)
Date
1936-06-19
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 570 vom 19. Juni 1936 DIB NEUE WELT Seite 5 1 Sch. Rosenfeld: Arabische Politik und arabische Parteien (Schluß des Artikels von Nr. 568.) 3. Bereits ein Jahr nach San Remo, nach jenem denkwürdigen Tag, an dem England das Mandat über Palästina erhielt und damit auch das Mandat, seine eigene Balfour-Deklaration durchzuführen, begann im Lande die Hetze gegen uns Juden. Wer waren die Anführer? Es soll heute klar und deutlich herausgesagt werden: Die Anführer der Hetze waren die antisemitischen (richtiger antijüdischen!) englischen Be- (tf&EEL^QfBCTUt iür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 ■■»■■■■■■»■■■■■«■■■■■■■■■HMRBBig amten der Palästina-Regierung und die arabischen Effendis! Diese letzten hatten rein kapitalistische Interessen: Ihre Macht, ihren Reichtum schufen sie sich durch unmenschliche, rücksichtslose Ausbeutung des armen verknechteten Fellachen. (Es wäre gut, wenn dies jene „sozialen" Kreise Englands und des übrigen Europa zur Kenntnis nehmen wollten, die sich mit dem Araber solidarisch erklären in der Meinung, daß der wirklich revoltierende Araber der arme Fellache sei, während in Wirklichkeit ihre Sympathien den ausbeutenden Effendis zunutze kommen!) Jene „nationalen", um ihre Kultur und ihre heiligen Stätten so besorgten Effendis verstanden sehr gut, daß durch die jüdische Aufbauarbeit, durch die Einwanderung des jüdischen Arbeiters und des jüdischen Unternehmers indirekt das Lebensniveau der Fellachen gehoben werden wird, daß diese Sklaven kulturell und sozial aufsteigen werden, und daß dann der berechtigte soziale Kampf um besseren, gerechten Lohn und gesündere Arbeitsbedingungen in hygienischer, technischer, wohnkultureller Hinsicht seinen Anfang nehmen wird. Das, wir betonen, das war ihnen ein Dorn im Auge und so begannen sie ihre Hetze, wie gesagt, zu einer Zeit, da unserem Aufbauwerk auch die Beamten Englands, die Vollstrecker der Balfour- Deklaration und des Palästina-Mandats, nicht sehr „hilfreich" zur Seite standen. Diese paar reichen Effendis setzen sich in Haifa zusammen, halten eine „nationale" Beratung ab und senden „im Namen des ganzen arabischen Volkes" an die „Times" eine Depesche: „... wir, die Bewohner Palästinas, Muselmanen und Christen, erheben Protest dagegen, daß die Juden nach Erez Israel wieder einwandern sollen, daß dieses Land die „Heimstätte" des jüdischen Volkes werde — weil dieses Land ein muselmanisch-christliches ist, weil in diesem Lande seit 12 Jahrhunderten die arabische Sprache benützt wird. Die fremden Juden, welche vor und nach dem Krieg ins Land gekommen sind, haben durch Wort und Tat bewiesen, daß eine Verständigung zwischen uns und ihnen weder in sozialer, noch in ökonomischer Hinsicht möglich ist. ..." Das war die eine Seite: Reiche Effendis protestieren im Namen des „ganzen arabischen Volkes"... Und das Volk selbst? Was war die Ansicht der großen Masse, der Fellachen, der armen Araber? Nichts zeigt dieses deutlicher als folgendes historisches Dokument: „Jerusalem, den 8. Juni 1920. An alle Scheichs und Muchtaren in allen Dörfern! Ich war einer von jenen, die gefordert haben, daß das Mandat über unser Land an England übertragen werde — an jenes Land und jene Regierung, die gerecht und menscldich ihre Herrschaft ausübt. Wir haben diesen Entschluß naeh reiflicher Ueberlegung gefaßt, da wir erkannt haben, daß gewisse Effendis jede Anstrengung machen, alles zu zerstören und zu bekämpfen, was den katastrophalen Zustand unseres Landes verbessern könnte — weil diese Effendis ihre Herrschaft über Land und Volk welter innehaben wollen! Dieso Effendis wollen das Land verwüstet, verarmt und ohne Ernährungsqucllcn sehen, um daraus ihren eigenen Profit zu ziohen; aber die englische Regierung ist den Fellachen wohlgesinnt und der Zionismus ist die große Schule für uns! In dieser Schule kann der arme Fellache lernen, wie man den Boden bearbeiten muß, wie man eine gute Wirtschaft führen kann! Mit unserem Segen und in Liebe empfangen wir die Engländer und den Zionismus — weil diese das Fundemont des künftigen Emporsteigens, des kommenden Heils, der anbrechenden BUitoperiodo sind! Hütet Euch vor jenen, die zu Euch kommen und Eue?» anderes sagen. Hütet Euch vor jenen, die zu Euch komenm und Euch anderes sagen. Hütet Euch vor Euren Peinlgorn,. den Effendis! Hütet Euch und unterschreibt keine Erklärungen und Deklarationen, die jene Euch vorlegon! Lasset Euch von keinem und durch nichts einschüchtern! Denn sonst ist es ein Unglück für Euch, Iür das Land, für das ganze VoiU! Achmad Abrohlm Abi-Guseh." So sprach der älteste aller Scheichs im Lande, das war die Meinung der wahren Volksführer und geistigen Lenker. . 4. Um diese Zeit entstanden zwei arabische Parteien. Die eine — gemäßigt, die andere — extrem. Die eino führt Realpolitik, zieht Nutzen durch Anlehnung an die JJaüdatarmaclit,. die. andere verachtet Realpolitik, will ( nur Kampf. Die eine — beschränkt ihre Tätigkeit auf die politischen Grenzen des Landes, die andere breitet ihren Kampf über die Grenzen des Landes aus, träumt von einer Vereinigung mit Syrien, von einer Vereinigung und organisatorischen Zusammenfassung aller Muselmanen... Die eine — die gemäßigte — bekämpft den „höchsten muselmanischen Rat", der sich an die extreme Partei angeschlossen hat, die andere — die extreme — bekämpft den Zionismus ... Die Gegnerschaft zwischen den beiden Parteien hat ihre Wurzel in der Feindschaft zwischen zwei alten angesehenen arabischen Familien: den Husseini und Nashashibi. Der „höchste muselmanischc Rat" wurde von den Engländern geschaffen. Seine Aufgabe besteht darin, die ungeheuren Vermögensmassen zu verwalten, die sich seit vielen Geschlechtern für religiöse und charitative Zwecke angehäuft haben. Diese Vermögensmassen dürfen nicht veräußert werden, bloß ihre Erträgnisse werden verausgabt. In der türkischen Periode gab es in jeder Stadt Gerichtshöfe, welche über die Verteilung dieser riesigen Erträgnisse zu entscheiden hatten: die höchste Instanz war in Konstantinopel. Die englische Regierung bestimmte nun als Sitz des höchsten Gerichtes Jerusalem und als obersten Vorsitzenden in diesem Gericht: Amin al Husseini. Dieser Mann ist ein arabischer Notabel und — ein Verbrecher. Er war nämlich zu Zwangsarbeit verurteilt, weil er im Jahre 1920 die Araber zum Pogrom gegen die Juden aufgehetzt hatte. Was tat aber unser guter Freund Herbert Samuel? Er machte diesen Mann zum höchsten Richter im vorerwähnten obersten Gerichtshof und überdies zum Mufti von Jerusalem!.., Geblrssklnderhelm Konrotfstyit Höhenluft - Höhensonne 1250 m, ALPEN-MUCH, ALPEN-BUTTER, erstklassige Verpflegung. Besondere Berücksichtigung schlecht essender Kinder. Heimarzt, Spiel, Sport, Gymnastik, Ferialunterrlcht, Französisch, Englisch. Hebräisch. Auskünfte und Prospekte: SCHÜLERHEIM STADTPARK, III, Hansalgasse 6, Tel. B-54-9-86, Dr. E. ALDOR, XVII, Goldscheidgasse 6. Telephon B-40-3-53 Es ist jedem klar, daß damit Amin al Husseini eine Machtposition ersten Ranges erhielt: Tausende Stellungen, große und kleine, in allen Ecken und Winkeln des Landes, in allen Städten und Dörfern, gewaltige Summen, flüssig und verfügbar zu jeder Zeit und zu dem von ihm bestimmten Zweck — all das liegt in der Hand dieses Mannes. Der „höchste muselmanische Rat" mit dem Mufti an der Spitze beschränkte sich nach einiger Zeit nicht mehr mit bloß „religiösen" Aspirationen, sondern wurde — ein politischer Faktor! Offiziell heißt es, daß dieser „höchste muselmanische Rat" mit der „arabischen Exekutive" zusammenarbeite. Das sjnd jene Effendis, die, wie oben erwähnt, im Dezember 1920 in Haifa eine Konferenz abhielten und die stillschweigend von der Regierung als die legalen Repräsentanten des arabischen Volkes anerkannt worden sind. Faktisch ist der Mufti die politische Macht im „höchsten muselmanischen Rat" und in der „arabischen Exekutive". Alle Büdier. Mäßigste Preise — Große Auswahl' — Kataloge kostenlos HERMANN TUCHNER, Wien II, Ecke Taborstraße 52 Moderne Leihbücherei Gebühr 10 Gr. pro Tag, sonst nichts — Anfragen: Tel. R-41-4-20 Alle Bemühungen dieser beiden Institutionen, die ' allgemeine muselmanische Welt (so in Indien und Persien) für ihre Zwecke zu gewinnen, schlugen fehl. So schufen sie einen „Verband der jungen Muselmanen", der die Aufgabe hatte, die Ideen des Mufti am flachen Lande zu verbreiten und das „Zentrum der jungen Araber", welches eine Organisation von Christen und Muselmanen war, mit dem Ziel, Propaganda gegen den Bodenverkauf an Juden, gegen jüdische Einwanderung, gegen Handelsbeziehung mit Juden zu betreiben. Mit beiden Organisationen hatten sie keinen Erfolg. Die Ernennung des Amin al Husseini zum obersten Verwalter und Führer des „höchsten muselmanischen Rates" aber erweckte den Neid der anderen, nach der Herrschaft strebenden, Familie: der Nashashibi! Dagin Nashashibi sammelte alle Gegner des Mufti um sich und schuf eine „Opposition"; eine Partei mit einem einzigen Ziel: der Bekämpfung des Mufti. Ihre Forderung war: Rechnungslegung über die Verwaltung der ungeheuren Vermögenswerte, die durch die Hand des Mufti gehen! Bezüglich des Zionismus war Nashashibi der Ansicht, dieser sei eine Angelegenheit der Zukunft, des Mufti, sie sei eine brennende Frage des Tages! Aber auch diese „Opposition" hatte wenig Glück: eine kleine Schädigung des Ansehens des Mufti — das war alles. Holstein Kurhaus Westend Streng *ltP5 Aufsicht dor Ados Jliroal Schni.i'äeJ, Wian Tharmalbädar Im Haus« * Wlancr Kdch« Massig« Pralia Stern'sche Lehru. Erziehungsanstalt I, Werdertorgasse 12 . Tel. u-28-1-97 Volksschule für Knaben und Mädchen. 9 Uhr Schulbeginn, öffentlichkeitsrecht, Haupt- und Fortbildungsschule, Tagesheim, Internat, Fremdsprachen, Sport, Musik. Das Versagen aller Parteien, die bisher bestanden, hatten im Grunde eine Ursache: Alle, der Mufti, die Nashashibi, die „arabische Exekutive" waren Beamte der Regierung, lebten von ihrer Hand und von dem, von Juden geschaffenen Budget, also — konnten sie nicht genug energisch gegen ihre Brotgeber vorgehen. Gegen England und gegen den Zionismus — waren sie, aber aussprechen konnten sie es nur mit leiser Stimme.., Diesem Uebelstand sollte die 1932 neugeschaffene Partei abhelfen. Die neue Partei legte sich den Namen „Istihlal" („Unabhängigkeit") bei. Der Boden dieser Partei war rein national. Während der Mufti den Pan-Islamismus anstrebte, ging es dieser um „Pan-Arabismus". Ihre Losungen waren} Kampf gegen das Mandat! Kampf gegen den Zionismus!' Und in der Erkenntnis, daß Regierungsämter die freie politische Entfaltung behindern, als dritte Losung: „non Cooperation" — das heißt: „Keine Zusammenarbeit mit der englischen Regierung." (Wer der Partei angehören will, muß sein Amt niederlegen.) Zwei Jahre lang kämpfe diese Partei, konnte aber nicht viel Erfolg verzeichnen. Da kam das Jahr 1934 mit seiner großen jüdischen Einwanderung! Das war für die Araber ein .Signal zur politischen Umstellung. Der Mufti ließ die „arabische Exekutive" von der politischen Tribüne verschwinden und schuf die „Palästinensisch-arabische Partei", mit dem Hauptziel, die jüdische Immigration zu bekämsfen. Dagin Nashashibi ließ seine „Opposition" fallen und schuf sich eine neue Partei „Nationaler Schutz", — mit dem gleichen Ziel. Beide werben um die Jugend. Beide benutzen faschistische Organisationsformen! „Schwarz-Hemden", „Sturm-Truppen" sind beliebte Formen der Jugendorganisation. Und zwischen den Parteien tobt der innere Kampf weiter: Um die Frage der Vereinigung Palästinas mit Transjordanien unter der Herrschaft des Emir Abdullah! Der Mufti ist gegen die Vereinigung und bekämpft sie energisch, weil er heute der faktische Emir über Palästina und der Verwalter des ungeheuren Vermögens ist, was andernfalls wegfiele ... Nashashibi fördert die Vereinigung, weil er mit einem Schlag zwei Gegner vernichten will: einerseits die Bestrebungen, das Land zur jüdischen Heimstätte zu machen, anderseits die Stellung des Mufti... Das ist die Situation bei den arabischen Parteien knapp vor Ausbruch der letzten Unruhen. Zum jüdisch-arabischen Vertrag Aus London (16. Juni): Der heutige „Newa Chronicle" bringt eine Naclfricht aus Jerusalem, derzufolge es die Meinung der arabischen Politiker sei, daß der kürzlich verstorbene Oberst Lawrence den Text des vom verstorbenen König F e j s a 1 unterzeichneten jüdisch-arabischen Vertrages vom 3. Jänner 1919 bei der Uebersetzung absichtlich mit Zustimmung der Juden gefälscht habe. Oberst Lawrence habe bei der Uebersetzung zeigen wollen, daß sich Fejsal für die Errichtung einer internationalen jüdischen Heimstätte in Palästina ausspreche. „News Chronicle" bemerkt dazu, daß Fejsal dem Texte eine arabische Fußnote beigefügt habe, in welcher er die Errichtung einer internationalen jüdischen Heimstätte in Palästina von der Errichtung eines groß-arabischen Reiches abhängig mache. Oberst Lawrence habe bei der Uebersetzung ins Englische den Text gemildert, weil ihm gut bekannt gewesen sei, daß das arabische Reich nur gegründet werden kann, wenn die Juden die Verwirklichung ihrer Forderungen erreichen. (J. T. A.) Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Oesterreich: Heut' ist der schönste Tag in meinem Leben. England: Die Dubarry. Frankreich: Wenn ich Rothschild war' —• Liebe. Amerika: Die Courtisane von Versailles —- Mandaley — Hart an der Grenze — Der junge Arzt — Rendezvous — Die tolle Marietta — Schenk uns die Nacht — Zum Küssen geboren — Broadway-Melodie 1936 — Top Hat — Desire — Schwarze Fahnen über China — Die neue Zeit — Wuschelkopf — Der schwarze Engel — General Sutter — Lerne lieben, ohne zu weinen — Musik um Mitternacht — Mädchen von heute — Ich lebe mein Leben — Der unsichtbare Strahl — Habe die Ehre — Ich bin eine anständige Frau — Das gelbe Gift Wir leben für Liebe. Film« unter Arierparagraph Wenn Menschen reif zur Liebe werden — Die lustigen Weiber — Die weiße Hölle vom Pia Palü — Der seltsame Gast — Der schüchterne Casanova — Der müde Theodor — Der König lächelt, Paris lacht — Die letzte Galavorstellung im Zirkus Barsony — Im Trommelfeuer der Westfront — Krach im Hinterhaus — Fährmann Maria — Rendezvous in Wien — Liebes-Intermezzo — Flitterwochen — Durch die Wüste — Der Außenseiter Jana!-- yVmn der Hahn kräht.

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