Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 570 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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' Seit© 3 DIE NEUE WELT Nr. 570 vom 19. Juni 1936 1 BERGHAM. I.; RABENStEIQ3^ HIMMELPFORTQ^B KÖLLNERHOFGASSE 1 E1HZIG IH WEH III Reinseiden-Herren- Ä 80 hemden, be8te Paßform Jf nur Rtinfiden Kniehot« nur S 3.90 GRÖSSTE AUSWAHL In Pyjamas u.BDdemünte] Viele Sorten vs-aermeI-HemtIen —-" fitC. WotUeksfäfyd Verpflichtung des Besitzers Uns icar es vergönnt, nach Palästina zu kommen und die hohe Verpflichtung des Besitzers zu empfinden, die wir gegenüber dem Lande, aber auch gegenüber dem arabischen Volk haben, wie auch gegenüber der ganzen Kulturtvelt, die 'uns die Verwirklichung der Wiederbelebung von Land und Volk auftrug. Diesen Pflichten müssen ivir im vollen Beioußtsein unserer Verantwortung nachkommen. Aus den erfüllten Pflichten erwächst uns das moralische Recht, von allen Beteiligten zu verlangen, daß sie uns keine Hindernisse in den Weg legen. Gerade in diesen schweren Tagen muß uns ganz klar sein, ioas die Richtschnur unseres Verhaltens ist: die sittliche Forderung, die uns erwächst aus dem Anspruch der Juden auf Palästina." Haaretz (Tel-Aviv), 1936. Man beneidet Przytik In vielen Städtchen des BezirkesP r z y t i k (Polen), wo letztens ein Pogrom stattgefunden hatte, haben jüdische Kinder seit drei Monaten keine Milch mehr zu sehen bekommen, denn man läßt an Juden keine Milch verkaufen; vor jedem Jahrmarkt bringen die Juden ihre Kinder in die nächstliegende größere Bezirksstadt, da man Pogrome befürchtet; man beneidet sozusagen Przytik, weil es den Pogrom schoii hinter sich hat und unter verstärkter Polizeiwache steht. „Isr. Familienblatt (Berlin), Juni 1936. Der verführte Rassesdiänder Der 22jährige Ernst Ruef, ein Jude französischer Staatsangehörigkeit, ist wegen Verletzung des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre zu 15 Monaten Gefängnis verurteilt worden. Da Ruef Ausländer ist, war für die Strafverfolgung die Genehmigung des Reichsjustiz- und Reichsiymenministeriums erforderlich, die auch erteilt wurde. Der Staatsanwalt betonte, daß der Ausländer sich den in Deutschland geltenden Gesetzen fügen müsse. Als mildernd wurde angenommen, daß der junge Ruef von der arischen Frau verführt worden war. „Hamburger Fremdenblatt", 1936. An das Gewissen der Menschheit „Ich bin sehr interessiert an dem geplanten Jüdischen Weltkongreß, der im August 1986 in Genf zusammentreten wird, und ich vertraue darauf, daß er ein großer Erfolg werden wird. Es ist sicher, daß das Ge- Ferien an der italienischen Riviera 1. Vil. bis 30. IX. in Forte dfii Marml, breiter Sandstrand, nahes Gebirge, Pininenwälder, Wohngelegenheit f. Eltern im Ort Tagespreis für Feri enkind er S 9.- inkl. wahlfreiem Unterricnt und Sprachkursen. Auskunft durch das LANDSCHULHEIM FLORENZ Pian dei Giullari, Villa Pazzi wissen der Menschheit einer neuen Anregung bedarf, um sich gegen die verheerende und nicht zu verteidigende Verfolgung1.*, der Juden, die jetzt im Gange ist, zu erheben." Lord C e c i 1, Ehrenpräsident der britischen Völkerbundliga, 1936. Rückzug Sur Wauchope Die Juden wollten vom Gesetzgebenden Rat, in der sie nur eine Minderheit dargestellt hätten, nichts wissen. Aber auch die Araber, in viele Gruppen zerfallen, waren durchaus nicht von den Vorteilen einer solchen Versammlung überzeugt. Festgelegt auf den Legislative Council waren nur die Engländer, Seit langem suchten sie einen Weg zum Rückzug. Der arabische Aufstand stellt diese Rückzugsmöglichkeit dar. Palästina hat gezeigt, daß es angesichts der Schärfe der Gegensätze, für irgend eine Form der Selbstregierung nicht reif ist. Ohne Schwierigkeit kann der Hohe Kommissar jetzt von seinem Lieblingskind von gestern abrücken. .Basler „Nationalzeitung", Juni 1936. Das Problem der jüdischen Wanderung So wie es überhaupt unsere zionistische Sendung ist, den Einklang zwischen Zentrum und Peripherie herzustellen, damit die Judenheit eine sei, ein jüdisches Volk de facto und nicht nur als Wunschtraum existiere, so muß insbesondere das Problem der Wanderung, eines der zentralen Probleme unserer Zeit, unter dem Gesichtswinkel der Mehrung unserer nationalen Kraft, der Vereinheitlichung unserer nationalen Existenz erfaßt werden. Davon sind wir himmelweit entfernt. Dr. O. Wolfsberg (Jerusalem). Aktion* Hütet die Jugend Zeitungskeite des „Öxar Hanoar" (Schatz der Jugend) Moses Walfisch antwortet Glanemann, Epstein & Co. mit S 6.— und ruft zu Spenden auf: Franz Szyllagyl, III., Neullnggasse 31; Leo Kohn, III., Landstraßer Hauptstraße 21; Josef Hahn, III., Blutengasse 3: Hermann Rottenstreich, XX., Hannovergasse 12; Leopold Winter (Graf & Winter), III., Großmarkthalle: Heinrich E 1 c h 1 e r, XX., Rauscherstraße 3: Heinrich Roth, XV.. Reuenthalgasse 4/1. Michael Locker antwortet Hans Fischer mit einer Spende und ruft zu Spenden auf: Leo Dick, XIII., Matznergasse 15; Jalcob Koppelmann, XVIII.. Schulgasse 38: Hermann Stern, II., Große Mohrengasse 23; Julius M a s s u t e, XX.. Rauscherstrnße 10; M. G o 111 1 e b, II.. Große Stadtgutgasse 12; Felix Hohenberg, VIII.. Lerchenfelderstraße 123: Nouhauser & Co., IV., Preßgasse 30. Dr. Anny L 6 w antwortet Vilma W e 1 n e r mit S 8.-- und ruft zu Spenden auf: Ida H o 1 l c z e r, XIII., Elßlergasse 10; Ing. Otto Altmann, IV., Wiednergürtel 58/9; Dr. Paul Rosenbaum, III., Hintzerstraße 5; Dr. Leo Reich, IX.. Müllnergasse 33; Grete W a 1 d a p f e 1. I.. Herrengassc 6; Lisi Naschitz, II., Lasslnglcithnerplatz 2. Dr. Ilona L ö w y antwortet David Baß mit S 3.— und ruft zu Spenden auf: Dr. Helene Adolf, I., Falkcstraße 3; Sarah Burstin, XIX., Heüigenstädterstraße 84; Herr und Frau Professor Haber. XX., Staudlngergasso 19 oder 21. Josef Melzer antwortet Erna Lederer mit S 2.—. Philipp Großmann antwortet Josef Sehächter S 5.—. K 1 e i n f e l d Epstein Taub mit mit S 2.—. I. S l g a 11 antwortet Max Neger mit Georg Auerbach antwortet Benno mit S 10.—. Josef Katz antwortet Glanzmann, & C o. mit einer Spende. Hans Sperling antwortet Dr. M. einer Spende. Dr. Ernst Link, Innsbruck, antwortet Dr. Felix Klug und Ing. Richard B e r g e r mit S 5.—. Rabbiner Dr. Gabriel M e h r e r antwortet Oberkantor Walirnunn mit S 2.—. Moritz Teich antwortet David Wolf mit S 2.—. Dr. A. H o r o w 1 t z antwortet N. B a b a d mit S 3.—. Dr. Kurt Robitschek antwortet Egon B i ß mit S 2.—. Paul P o k o r n y antwortet Relnharz&Co. mit S 2.—. Emil Wang antwortet Adolf B e r 1 s t e i n und David Baß mit S 2.—. Salo Eck antwortet Oberkantor Wahrmann mit S 5.—. Benno Weisser antwortet Egon B 1 ß mit S 2.—. Leon Blum antwortet Dr. Wasserbrenner mit einer Spende. Fritz Mandl antwortet Brüder H e i 1 p e r n mit S 5.—. Ozar Hanoar Anfragen, Schachtelaustausch ausschließlich in der Sprechstunde, die jeden Dienstag zwischen V28 und Vs9 Uhr abends im Sekretariat des Verbandes der Judenstaatszionisten, Wien, I., Werdertorgasse 12, Tür 4 (Telephon U-23-8-31) von Herrn Edmund St ekel abgehalten wird. Kinder uns Meer! Ideale Ferienerholung bietet Wiener > iztin im Meerbad Batka, Jugoslawion. Kinder und Jugendliche S 5 - täelich. Prospekte Dr. Snlomea Glaser II. Hochedlinßervasse 9. Telephon \-46 7-57 Verb« d* Judensfaafsxionisien Oesterreichs Sektion X, Herndlgasse 23: Montag, den 22. Juni, halb 9 Uhr abends, Vortrag Dr. Salamon Wolf: Die politische Lage. Prater, II., Erlafstraße 5: Donnerstag, den 25. Juni, um halb 9 Uhr abends, Vortrag Aron Schwertfinger: Das Minoritätenrecht. Der Brith Hakanaim veranstaltet Sonntag, den 21. Juni, halb 11 Uhr vormittags im Schubert-Kino, DX., Währingerstraße 46, eine Sondervorstellung des grandiosen Films „Onkel Sidney". Reichhaltiges Beiprogramm. Karten bei den Funktionären und an der Kassa. * Sektion VI/V II, Kaiserstraße 30 (Bialikheim). Mittwoch, den 24. d. M., halb 9 Uhr abends: Vortrag Theodor G r u b n e r: Eindrücke einer Palästinareise. Hilfsverein „Esra" und Sektion der Judenstaatszionisten, XV., Schanzstraße 32. Die Einweihung des von Herrn R. Kaufmann gespendeten Sefer Tora findet am Sonntag, den 21. Juni 1936 um 4 Uhr nachmittags im Vereinslokal, XV., Schanzstraße 32, statt. Meir Großmann über die Lage in Palastina Aus London: In einer Londoner Versammlung sprach der Vorsitzende der Judenstaatspartei, Meir Großmann über die letzten Ereignisse in Palästina. Wir von der Judenstaatspartei, sagte Großmann, die stets eine Politik des „Sei bereit!"' befolgen, sind von dem, was jetzt in Palästina geschehen Ist, nicht überrascht. Das sind die Schmerzen der Geburt eines Staates und der Wiedergeburt einer Nation. Wir stehen erst am Anfang eines Weges voller Opfer und Gefahren. Die jüngsten Ereignisse in Palästina müssen uns zur Lehre dienen. In Zukunft werden wir für solche Notfälle besser gerüstet sein. Großmann beklagte In seinen weiteren Ausführungen die Spaltung in den zionistischen Reihen. Nur innerhalb der Reihen der Zionistischen Organisation sei der Platz zur Austragung von Ansohauungskämpfen. So lange man Innerhalb dieser Reihen stehe, gebe es jederzeit die Chance für Kooperation und Einheitsfront. Zum Schluß rief Großmann zum Zusammenschluß aller zionistischen Kräfte in dieser Zeit von Not und Gefahr auf. Guter Bat ist nicht immer teuer. Besichtigen Sie die große Auawahl moderner Möbel in meinen Ausstellungsräumen. Diese sind trotz hohe: Qualität verblüffend billig. Möbel-Edelmann, VIII., Lerchenfelderstraße 12. Große Auswahl! Teilzahlungen! B fiit Weekend und Reise die bestrenommierten -ICD Feinwurst Selchwaren Fleischkonserven I« Qualität Auch Postversand Sdtwefzerifche Kritik an England Aus Genf: „Journal de Geneve" kommentiert in zustimmendem Sinne die Vorwürfe derZionlsten gegenüber der Mandatarmacht und weist u. a. darauf hin, daß England zwar in den letzten Jahren — unter dem Druck der Verfolgungen der Juden In verschiedenen Ländern und insbesondere in Deutschland — die Tore Palästinas etwas weiter für die jüdische Einwanderung geöffnet, daß es aber andererseits durch seine passive Politik gegenüber der Entwicklung im Lande die Kolonisationsmöglichkeiten der Juden sehr beschränkt hat. So sei z. B. der Landbesitz der Juden, die 30 Prozent der Ge3amtbevölkerung ausmachen, kanm 8 Prozent aller bebaubaren Flächen in Palästina. Der arabische Nationalismus strebt die Schaffung eines arabischen Großreiches an, welches nicht nur die ganze arabische Halbinsel, Irak und Syrien, sondern auch Palästina umfassen soll. Heute, wo London wegen der Lage im Mittelmeerbecken beunruhigt ist, glauben die Araber, daß es die letzte Stunde zum handeln ist. Die Juden suchen Schutz bei England, weil sie wissen, daß England für die Sicherheit des Suez-Kanal und des Weges nach Indien eine ihm treue Bevölkerung in Palästina braucht. Doch darf man nicht an der Möglichkeit einer Versöhnung zwischen Arabern und Juden verzweifeln. Eine solche Versöhnung ist nicht unmöglich und sie müßte angestrebt werden, da der Einsatz in diesem Streite an Bedeutung das lokale Problem in Palästina weit übertrifft. (J. T. A.) Schutz der jüdischen Industrie gefordert Au Jerusalem (14. Juni): Eine Abordnung des Verbandes der jüdischen Industriellen forderte von der Regierung volle Entschädigung für den den jüdischen Industriebetrieben durch die Unruhen zugefügten Schaden, sowie ausreichenden Schutz für Fabriken in exponierter Lage. Welters wurde gefordert, daß die Regierung Maßnahmen treffe, um die Frage der Verladung von Exportv/aren zu lösen. Schließlich wurde der Atisbau des Hafens von Tel-Aviv mit der Begründung verlangt, daß die jüdischen Industrieunternehmungen um Jerusalem und Tel-Aviv konzentriert sind und die Notwendigkeit, den weit entfernten Hafen von Haifa zu benützen, für sie einen Nachteil darstellt. Die TelegraphemAgentur der Regierung provoziert Aus Warschau (J. T. A.): Die offizielle Polnische Telegraphen-Agentur (P. A.-T.) übermittelte der Presse die provokatorisch wirkende Nachricht, daß drei jüdische Kommunisten in der Bielanskastraße in Warschau der Christin Mär ja Kleniewska das Bild der Heiligen Mutter aus den Händen 1 für 3 bis 16 jahrlge. Kurort Sauerbrunn, schloßartige Villa, herrlicher Park, Bad, Brause, 5 reichl. Mahlzeiten, Fremdsprachen. Mittelschulnachhilfe, Schwimmunterricht. Leitung: Alice Frelstadt-Lederor, Edith Torten. Anmeldungen: Mo n tot so r i- Kindergarten, Wien I, Esslingg. 13, l'el. U-23-6-70. 10-12, 4-6 Uhr rissen, es zerrissen und mit Füßen traten. Spät nachts ersuchte die P. A.-T. die Zeitungsredaktion telephonisch, diese Nachricht zu stornieren; dies geschah aber zu einem Zeitpunkt, wo der P.-A.-T.-Redaktion bekannt sein mußte, daß eine gewisse Presse von der Nachricht bereits in einem ihr genehmen Sinne Gebrauch gemacht hat. Der tatsächliche Verlauf des Falles war folgender: Nach dem Vortrag Wladimir Jabotinskys im Theater „Nowoszczi" kam es in der Bielanska-Straße zu einer Schlägerei zwischen Zionisten-Revisionis t e n und Poale-Zionisten. Als Polizei sich näherte, flüchteten beide kämpfenden Gruppen, wobei in dem entstandenen Wirrwarr die Christin Marja Kleniewska einen unbeabsichtigten Stoß bekam und etwas, das sie in Papier eingewickelt hielt, zu Boden fallen ließ. In dem Paket mag sich ein Heiligen* bild befunden haben, wovon aber niemand eine Ahnung gehabt hat. Dies wurde durch die sofort eingeleitete Polizeiuntersuchung einwandfrei festgestellt. Die provokatorische Nachricht der P. A.-T. hat großes Aufsehen und Aufregung hervorgerufen. Die Widerruf der Nachricht durch die P. A.-T. geschah lediglich in der Form des Ersuchens um Stornierung, ohne daß gleichzeitig das Ergebnis der Untersuchung mitgeteilt wurde. Eine Abordnung dea jüdischen Parlamentsklubs beschwerte sich beim Innenministerium über dieses von ihr als „s c h ä n d 1 i c h" bezeichnete Verhalten der amtlichen Telegraphen-Agentur, das unabsehbare Folgen hätte haben können. Vizeminister Paczorkoweki versprach, die Angelegenheit zu untersuchen und den jüdischen Parlamentariern eine Antwort zu erteilen.