Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 570 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2711613-2712150-2712195--5850-2719524- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 570 vom 19. Juni 1986 DIE NEUE WELT Seite 3 England und Palästina Im Unterhaus Der neue Minister für die Kolonien, W. G. A. Ormsby-Gore, hatte zum erstenmal Gelegenheit, in Beantwortung von Anfragen Uber die Lage in Palästina und die beabsichtigten Maßnahmen zu sprechen. Er bedauerte es tief, daß die von dem Minister für die Dominien erwähnte Besserung der Lage in Palästina nicht angehalten hat. Die Palästina-Regierung treffe alle möglichen Maßnahmen zum Schutz von Leben und Eigentum und des Verkehrs; weitere Notstandsermächtigungen auf Grund des palästinensischen Verteidigungsgesetzes würden durch Proklamation erteilt. Seit dem letzten Zusammentritt des Hauses wurden die Truppen in Palästina weiter verstärkt. Ich möchte, schloß der Minister, diese Gelegenheit dazu benutzen, um meine tiefe persönliche Besorgnis um das Wohlergehen aller Teile der Bevölkerung Palästinas und mein Vertrauen darauf zum Ausdruck zu bringen, daß letzten Endes Mittel werden gefunden werden, um im Rahmen des Mandates dauerhaften Frieden und Zufriedenheit unter den Völkern Palästinas zu schaffen. Der Abgeordnete Herbert Morrison fragte, ob es der Regierung nicht bekannt sei, wer die Führer der Unruhen sind. dafür, daß in englischen Regierungskreisen die Einstellung der jüdischen Einwanderung als eine Maßnahme zur Lösung der Krise in Betracht gezogen worden wäre. Vielmehr nimmt man in Regierungskeisen an, daß der Streik im Zusammenhang auch mit den gegen ihn seitens der Administration ergriffenen Maßnahmen sich mit der Zeit totlaufen wird. Das führende konservative Wochenblatt „S p e ctator" kritisiert die Regierung, daß sie eine Haltung der „geschlossenen Uppen" hinsichtlich ihrer weiteren Politik für Palästina eingenommen habe. „Daily Herald" veröffentlicht einen Artikel von Lord Melchett, der u. a. ausführt: Weder haben die Juden die Macht, die Araber zu verschlingen, noch werden die Araber je die jüdische Arbeit in Palästina vernichten können. Die Araber werden zu der Ueberlegung kommen müssen, ob nicht die Verbindung beider Völker in Palästina Ausfluß eines großen Schicksals sei. Die angesehene Zeitschrift „News Statesman and Nation" appelliert an die englische Regierung, auch in diesem Augenblick jede Anstrengung zu unternehmen, um Juden und Araber einander näherzubringen. Die geplante Entsendung einer Kgl. Kommission befriedige niemanden. Eine Einstellung der jüdischen Einwan- VERBAND DER JUDENSTAATSZIONISTEN OESTERREICHS SOMMER-FEST s-ARademiel am Konstantinhügel, Prater Hauptallee 17 (Sommerkleidung) Samstag, 27. Juni 1936, halb 9 Uhr abends. Entree S 1.50. Neu angelegtes Tanzparkett im Freien. 2 erstklassige Jazzkapellen Jeder Besucher kann mit einem Los eine Graftlsfahrt mit dem .Lloyd Triestino* nach Palästina gewinnen. Lose gratis I Eugen Hoffmann (Femina), Otto Grosse (Simpl), Dr. Ossi Teller, Viktor Schlesinger mit ganz neuem Repertoire. Paul Thiemann (Tenor). Karten sind in allen Sektionen und bei allen Mitgliedern erhältlich. Kolonienminister Ormsby-Gore: Wie dem Abgeordneten bekannt ist, sagen die Führer, daß es sich um einen Streik handelt. Diejenigen Führer, die verdächtig sind oder gegen die ein offenkundiger Beweis vorliegt, daß sie für Verbrechen oder Gewaltakte verantwortlich sind, wurden verhaftet oder in Konzentrationslager nach Südpalästina gebracht. Der Abgeordnete Thos Williams fragte, ob nicht der von Sir Herbe rt Samuel eingesetzte Großmufti als das Oberhaupt der mohammedanischen Bevölkerung Palästinas angesehen werde und ob irgendwelche Informationen vorlägen, in denen er mit den gegenwärtigen Unruhen in Verbindung gebracht wird. Minister Ormsby-Gore antwortete, das Amt des Mufti sei rein religiösen Charakters. Der Träger dieses Amtes sei Vorsteher eines religiösen Gerichtes, das sich mit Fragen des Personenrechtes und der Religionsübung befasse. Gewiß sei der Mufti ad personam, wenn nicht erblich, religiöses Oberhaupt der Omar-Moschee in Jerusalem; ihn aber als von Sir Herbert Samuel eingesetzt zu bezeichnen, sei zu weitgehend; es wäre unrichtig, wenn das Haus daraus den Schluß zöge, daß der Mufti Regierungsbeamter sei. Auf eine Frage Lord Wintertons erklärte Minister Ormsby-Gore, daß die Regierung nicht beabsichtige, eine Kgl. Kommission einzusetzen oder ihr Arbeits- und Berichtsprogramm zu veröffentlichen, bevor nicht die englische Verwaltung wieder Herr des Landes sei und Gesetz und Ordnung endgültig wiederhergestellt sein würden. Herbert Morrison fragte, ob nicht die Führer dieses sogenannten Streiks gut gestellte Leute, manche von ihnen Kapitalisten, keineswegs aber Gewerkschaftsführer seien. Sei dies der Grund, warum man sie schütze? für 3- bis 14 jähr. SCHLOSS GINSELBERG NEUSTIFT BEI SCHEIBBS . N.-ö. Herrliche Lage Vorzügliche Kost Arzt im Holm Mäßige Preise Leitung: Dipl. I ADE DEIUIfSED Telephon A-48-3-89 Montessorllehrerin LUKE KEInlUEK II Grone Schiffgasse 5 Minister Ormsby-Gore erwiderte, unter denjenigen, die diese Bewegung führen, befänden sich Personen aller Art. Commander Oliver Locker-Lampson fragte, ob die Regierung nicht Mussolini verhindern könne, eine anti-englische Propaganda durch den Rundfunk in arabischer Sprache zu betreiben. Die Frage blieb unbeantwortet. Die Presse In der englischen Oeffentlichkeit mehren sich die Stimmen, daß außer Repressivmaßnahmen gegen die Araber auch andere Mittel zur Pazifizierung Palästinas in Betracht gezogen werden müssen. Auch „Daily Telegraph", der sich bis jetzt scharf gegen jede Konzession an den Terror aussprach, bringt jetzt einen Artikel' seines Jerusalemer Korrespondenten, der andeutet, daß eine zeitweilige Einstellung der jüdischen Einwanderung die Lage entspannen könnte. Die Rothermere-Presse, die von je eine unfreundliche Stellung gegenüber dem Zionismus einnimmt, fordert nun offen die Einstellung der jüdischen Einwanderung. Bis jetzt gibt es noch Keinerlei Zeichen clerung dürfe keinesfalls in Betracht gezogen werden. Es sei ein Irrtum, zu behaupten, daß die gesamte arabische Bevölkerung den Juden feindlich gesinnt sei. Die dem Zionismus freundlich gesinnte große Londoner Zeitschrift „Sunday Chronicle" bringt einen Artikel, in welchem gegen die Zionistische Organisation Vorwürfe erhoben werden, daß sie Strömungen begünstigt oder zuläßt, welche die Gegensätze in Palästina verschärfen. So greift der Autor die Zionisten an, weil sie zulassen, daß nationale Fonds für Kolonien verwendet werden, in welchen die jüdische Religion mißachtet und das Familienleben zerstört wird. „Das ist um so tragischer", heißtves.,in dem Artikel, „als es sehr viele Juden gibt, welche nur das Beste tun und einwandfreie Bürger des ihnen zugesagten Landes werden wollen. Diese Bemühungen werden aber leider seitens der linken jüdischen Verbände zunichte gemacht, zu denen die Araber (und auch Engländer) kein Vertrauen haben. Ich glaube nicht, daß die wahren Zionisten wissen, was in diesen Kreisen getrieben wird. Sie müssen es aber wissen und Ordnung in ihrem Haus machen, wenn sie die Sympathien der Welt gewinnen wollen." Die Rolle der Paläsftina«Regierung Das Blatt „Great Britain and the East", dessen sich die Palästina-Regierung besonders in letzter Zeit ausgiebig bedient, setzt seinen Kampf gegen den Zionismus fort und bringt in der letzten Nummer einen Artikel, in welchem unverhüllt die Liquidation des Zionismus gefordert wird. Das Blatt schreibt: „Das englische Volk hat niemals ein anderes Volk bedrücken wollen und eine solche Politik hat sich niemals gelohnt. In Palästina weisen Empfinden und Eigeninteresse in diese Richtung. Es wäre Wahnsinn, weiter Schlagworten zu huldigen, deren Nichtigkeit sich hinlänglich erwiesen habe. Dem englischen Volk wird jetzt klar, daß Araber und Zionisten niemals zusammenkommen werden. Man hat lange behauptet, daß gemeinsames Wirtschaftsinteresse die beiden Völker miteinander verbinden werde. Aber gerade in einer noch nie dagewesenen jüdischen Prosperität, in Palästina ist es zu diesen Unruhen gekommen. Sowohl die Hoffnung der offiziellen englischen Kreise, daß der Frieden nicht mehr gestört werden und England die Freundschaft der Araber und der Juden erringen würde, als auch die Hoffnung der Araber auf eine drastische Aenderung, die ihnen künftig Sicherheit gibt, ebenso auch die Hoffnung der Juden, daß die Vorteile, die die neue Einwanderung brachte, eine Zusammenarbeit zwischen alten und neuen Siedlern herbeiführen würde, sind enttäuscht worden. Man kann nationalen Geist nicht durch Gewalt besiegen. Ganz Palästina ist in leidenschaftlicher Hingabe für die arabische Sache gegen diejenigen vereint, die ihre Herren zu werden drohen; gleichzeitig gegen die Engländer. Das ist die wesentlichste Tatsache in der gegenwärtigen Lage. England ist in Palästina und Transjordanien, von anderen Ländern nicht zu reden, zum Erzfeind erklärt worden. Welchen Aüsweg gebe es aus dieser Lage? Wird man eine Geste machen, um die Araber zu beruhigen, oder wird man an der bisherigen Politik mit solcher Entschlossenheit festhalten, daß man etwa die Errichtung des Jüdischen Nationalheims durch ein jüdisches Wehrkorps, wie es seit langem befürwortet wird, erleichtern wird? Es heißt, daß die Zionisten 13 0.00 0 Bewaffnete aufbringen könnten. Die Möglichkeit einer solchen Entwicklung ist also beträchtlich." P O X - F! I M I E I a T : Qeoe&O'BeiiH DAS GILBE "GIFT Abenteuer an der Goldküste HEUTE IM KREUZ-KIM© „Auf alle Fälle ist eine klare Führung der englischen Palästina-Politik dringend wünschenswert. Man muß den einen oder den anderen Weg wählen. Auf der einen Seite stehen die Heere der arabischen Welt und des Islam; auf der anderen ein Teil der internationalen Judenheit. Zu behaupten, daß beide gleichzeitig zufriedengestellt werden können, hat sich als falsch erwiesen. Zu lange hat man dem Schlagwort gehuldigt, daß die Ideale von Arabern und Zionisten vereinbar seien. Jetzt sind die Schuppen von Englands Augen gefallen. Es gibt keine Rechtfertigung mehr dafür, den Weg tastend fortzusetzen." H/lows Schwach* Der Name Morris Schwärtz, obwohl niemals aus den Spalten der jüdischen Theaterberichte verbannt, hat im letzten Jahre wieder neuen Glanz und neue Attraktion gewonnen. Es geschah dies ari dem Tage, da sein New-Yorker Jüdisches Kunst* theater europäischen Boden betrat, um hier dag Meisterwerk dramatischer, dichterischer und szeni« scher Arbeit, „Josche Kalb", von J. J. SingeE vorzuführen. Man kannte Morris Schwartz und sein Theater: in der Welt als eine dynamische Kraft ersten Ranges;j als ein Institut, wo mit fanatischer Hingabe an die letzten Aufgaben der Bühne geschritten wurde; als einen Schauplatz künstlerischen Ringens um die Tiefen dramatischer Dichtung. Man wußte, daß Morris Schwartz der Weltliteratur von Shakespeare Regelmäßiger Reisedienst billig und bequem wie immer. Nächste Reise: 27. Juni 1936 Ferien-Reisen ab 5.!: Dr. S. TOCKER, Reisebüro Jfl Mg WBII (W.M.Renner) IX, lleehtenstelnstrane 2 Telephon A-lf-504 Auskün te und Prospekte über Reisen nach Bulgarien, England, Italien, Jugoslawien, Palästina, Ungarn u. andere Länder u. über Autobus-Reisen bis Tolstoj die Tore der Jüdischen Bühne öffnete, aus der intuitiven Erkenntnis heraus, daß der jüdische Schauspieler, durch Wort und Sprache und Geste an das jüdische Milieu gebannt, die Erweiterung seines Gestaltungsraumes brauche, um sich voll entfalten zu können» Aber heute erst — es sind zwölf Jahre seit Morris Schwartzens letztem Wiener Gastspiel am Carltheater vergangen — vermag man die Leistung abzuschätzen, die diese singulare Persönlichkeit vollbracht hat. Wien, das jüdische und das nicht jüdische, erwartet mit Spannung, die soviel bedeutet, wie innere Teilnahme und höchste Sympathie, das Wiedererscheinen von Morris Schwartz und seinem erlesenen Ensemble auf einer Wiener Bühne. Es ist sich dessen bewußt, daß von ihm das Reichste, was Theaterkunst bieten kann, zu erwarten ist. o. r. * Wie wir erfahren, beginnt das Gastspiel Morris Schwartz' am 25. Juni im Wiener Bürgertheater, Als Eröffnungsvorstellung wurde J. J. Singers „Josche Kalb", ein Schauspiel in 26 Bildern (dramatische Fassung und Regie: Morris Schwartz) gewählt. Das Ensemble bringt eigene Dekorationen, Kostüme, Beleuchtungskörper, Orchester usw. mit. „Josche Kalb" wurde vom Morris-Schwartz-Theater bisher in Amerika, Frankreich, England, Holland, Belgien, Litauen, Polen über 1500 mal gespielt. Inu» ausländische Hausbesatzer verwalten ihre MWl durch behördlich konz. Realitätenkanzlei Wien 1, Franz.Josefs*Kai 1, Tel. R 2T-5-30 Erstklassige Referenzen!