Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 570 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 570 vom 19. Juni 1936 Kein Aufhören des Terrors Ende des Araber*§irefks! Aus Jerusalem (J. T. A.): Einige hebräische Zeitungen und eine Reihe ausländischer Korrespondenten melden übereinstimmend, daß die Streikmüdigkeit im arabischen Lager in den letzten Tagen so sehr zugenommen hat, daß mit einem Abbruch des Streiks in den nächsten Tagen zu rechnen sei. Die hebräische Tageszeitung „Haboker" teilt mit, der arabische Streik werde nach dem 17. Juni, dem Tage, an dem die Araber *mmMmmmummammmmmammmammmma± ™ Jeden Sonntag billige Ferien-Son- „ .... _ « dertahrten mit der «Sern. Alta. Zeitung nach POLEN und CZERNOWITZ Abfahrt: 27. Juni 1936 (23») und 5. Juli, früh Anmeldungen „omicli I i R M c h" Reisebüro larlenbrücke". I, Rotenturmstr. 26, R-24-2-at>/87 ihre große Kundgebung abhalten und ihre letzte Anstrengung machen werden, abgebrochen werden. Eine prominente Persönlichkeit der arabischen Bewegung erklärte amerikanischen Journalisten: „Es ist leichter, den Teufel aus der Flasche zu lassen, als ihn wieder hineinzutun. Die Dinge sind nicht mehr unter der Kontrolle der Führung." Eine der Hauptursachen der Ueberfälle auf Gütertransporte und Siedlungen sei darin zu suchen, daß die infolge des Streiks verarmte und ausgehungerte Landbevölkerung sich ihren Lebensunterhalt mit Gewalt zu verschaffen sucht. Die Lage in Jerusalem Die Stadt Jerusalem, deren telegraphische und telephonische Verbindungen mit der Außenwelt fast einen ganzen Tag lang infolge arabischer Sabotageakte unterbrochen waren, hat nun wieder diese Verbindungen hergestellt. Dagegen ist die arabische Stadt Nablus vom Drahtverkehr völlig abgeschnitten. In der Jerusalemer Altstadt wurden am 12. Juni im Zusammenhang mit dem diesbezüglichen Erlaß der Regierung und unter dem Schutz der Polizei zum ersten Male wieder einige jüdische und christliche Läden geöffnet. In der Nähe des Rockefeller-Museums in Jerusalem wurde am 12. Juni ein britischer Polizeioffizier durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Auf dem jüdischen Friedhof auf dem Oelberg zu Jerusalem wurden 15 Grabsteine umgestürzt und zertrümmert. Ein Jude wurde ernst und ein zweiter leicht verwundet, als Araber bei Jagur einen Autobus mit Steinen bewarfen. Neue terroristische Anschläge Aus Jerusalem (15. Juni): Um das Wochenende, zwischen der achten und der neunten Unruhewoche, hat sich die Situation in Palästina abermals in einer Weise verschärft, daß diejenigen Kreise in allen Lagern, die sioh ein ruhig abwägendes Urteil bewahrt haben, von einer Kulmination der Ereignisse sprechen und nunmehr eine Wendung erwarten. Charakterisiert wird die Situation durch neue folgenschwere Anschläge der arabischen Aufrührer und verschärftere Gegenmaßnahmen der Regierung'. Amtlich wiTd mitgeteilt: Ein am 13. Juni erlassenes Dekret des High Commissioner für Palästina bestimmt, daß die Todesstrafe oder lebenslängliche Kerkerstrafe gegen Aufrührer erlassen werden kann, die auf den britischen Sicherheitsdienst schießen oder Bomben mit der Absicht werfen, Tod, Verletzungen oder Materialschäden zu verursachen. Die Distriktskommissare in Palästina können Kollektivstrafen auferlegen oder die Konfiszierung des beweglichen und unbeweglichen Vermögens bei denjenigen anordnen, die sich terroristischer Akte schuldig machen oder sich weigern, den Behörden bei der Verfolgung und Sioherstellung der Schuldigen behilflich zu sein. (Wir haben über diese Verordnung bereits berichtet. Anra. d. Red.) Katastrophaler Eisenbahnanschlag Aus Jerusalem (15. Juni): Durch eine Bombcnexplosion in einem von Haifa nach Lydda fahrenden Zug sind am 12. Juni achtzehn judische Passagiere, fünf von ihnen sehr schwer, verwundet worden. Die Bombe, eine mit Dynamit gefüllte BIechbliab.se, explodierte kurz; nach der Station Kalkllie, wo die arabischen Passagiere den Zug verlassen hatten. Der Zug wurde'sofort zum Stehen gebracht und Militär eröffnete das Feuer auf die fliehenden Araber, die entkommen konnten. UeftsiöH tckstem - Smtuemp Der Schauplatz der Katastrophe bot ein Bild furchtbarer Verwüstung. Der .Wagen, in dem die Explosion erfolgte, war vollkommen zertrümmert. Der unbeschädigt gebliebene Teil des Zuges fuhr nach Tel- A v i v weiter, während achtzehn erheblich verletzten Personen an Ort und Stelle erste Hilfe durch eine Ambulanz des Boten Magen David, die nach kurzer Zeit aus Tcl-Aviv an der Unglücksstello eingetroffen war, geleistet wurde. Die achtzehn Verwundeten wurden sodann ins Hadassa-Hospital nach Tcl-Aviv überführt. Die Namen der fünf Schwerverletzten sind: Abraham Sobol (18 Jahre), Chawa Mandelbaum (85 Jahre), Lydia Tischler (22 Jahre), Rachel Braver (60 Jahre), Mirjam Feuerstein (32 Jahre). Weniger schwer, aber doch sehr erheblich verletzt wurden das 6jährige Kind der Mirjam Feuerstein, der Äljährige Salonion Schwarz, die 23Jäbxi£e Jchudlt L c v i n, die 57jährige Chawa Rechtschaffen, der 26jährige Schlmschon Medler, der 2fijfthrige Abraham Misrachi, die 25jfthrigc Berta Klein, der 55jfthrigc Jakob Klein und der 52jährige David Ben-Rachel. Angriffe auf Emek-Siedlungen Jüdische Kolonien im Emek Jezrecl waren in der Nacht zum 13. Juni wiederum Ziel des Angriffes arabischer Aufruhrer. Schüsse wurden auf eine Reihe Siedlungen, so u. a. auf Atarot, Ben Schemen, Chedcra, Migdal und Mischmar Haemek abgegeben. Verwundete gab es nirgends. Zur Bekämpfung der Aufrührer wurde hier Maschinengewehr eingesetzt. Flugzeuge suchten das Bergland bei Nablus nach arabischen Banden ab. Auch der Distrikt von Ajn Charod war Gegenstand von arabischen Angriffen, Schüsse wurden auf Kfar-Jecheskiel und Tel -Joseph abgegeben, Polizei und Militär antworteten mit Maschinengewehrfeuer. Die Gegend wurde mit Raketen abgeleuchtet, ein Aeroplan verfolgte die flüchtenden Araber, die ihre Verletzten mit sich führten. Einige Schüsse wurden auch auf Restaurant Stefanie taAtfafeiM Hugo u. Julie Herlinger geb. Zollner \WJ Ii, Taborstraße 12 Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige Menüs, sowie alle Spezialitäten, schöner schattiger Garten die Mädchenfarm „Meschek-hapoalot" in Afuleh abgegeben. Beschossen wurde auch die Kolonie Bne- Brak, die Kadourieschule und Kraf-Tabor. Einige jüdische Häuschen in der Nähe von Tel-Mond wurden niedergebrannt. In Migdal versuchten arabische Banditen in eine jüdische Pflanzung einzudringen, wurden aber durch jüdische Polizei zurückgeworfen. Die jüdische. Kolonie Sedschera wurde um 4 Uhr früh von Arabern überfallen, die das gedroschene Getreide von 200 Dunam in Brand steckten. Die Terroristen wurden von den jüdischen Wächtern verjagt, einer derselben,' SchUlerpensionat Dir. Kehn «» ^«ar Ferienaufenthalt Semmerlng-Reichenau Vorzügliche Voroflegune O Gewissenhafte Aufsicht D Mäßige Preise Umgebung von Jaffa wurden Truppen in den Häusern dieser Stadt einquartiert. Das soeben von der „Official Gazette" veröffentlichte Gesetz, welches strengste Strafen, sogar Todesstrafe, für Aufrührer vorsieht, enthält noch die Bestimmung, daß die Distriktskommissare verfügen können, daß Häuser, aus denen Schüsse gegen Militär oder Polizei gefallen sind, bcschlagnah mt, sogar zerstört werden. Als erste Vergeltungsmaßnahme anläßlich des Bombenanschlages auf den Eisenbahnzug bei Ka.l kille, durch den hchtzehn jüdische Passagiere schwer verwundet wurden, hat die Regierung die Schließung der Station Kalküle angeordnet. Die Züge halten in Kalküle nicht mehr. (J. T. A.) Das dreissMfste Todesopfer Aus Jerusalem meldet Palcor unter dem 16. d. M.: Heute, Dienstag, früh, ist im hiesigen Hadassa- Spital der jüdische Chauffeur Jaakow G e r s o n an einer Verletzung gestorben. Er war 21 Jahre alt, stammte au3 Riga, wo er Mutter und Braut zurückläßt. Er befand sich seit vier Jahren in Palästina. Mit seinem Tod erreicht die Zahl der jüdischen Opfer, welche seit dem Ausbruch' der arabischen Unruhen gefallen sind, 30. 3 Millionen Pfund Schaden Sachkundige schätzen den Schaden, den Palästina in. den acht Wochen, seitdem die Unruhen andauern, erlitten hat, auf insgesamt drei Millionen Pfund. Die Regierung hat einen Schaden von 500.000 Pfund, die Juden infolge der Niederbrennungen und Zerstörung gen und der Wirtschaftsstörungen 1,500.000 Pfund, die Araber infolge Lohn- und Verdienstausfall durch Streik 1,000.000 Pfund erlitten. Der Jüdische Nationalfonds teilt mit, daß 38.000 Bäume in Mischmar Haemek und im Balfour- Wald vernichtet würden, und appelliert an die Judenheit in der Welt, am 10. und 11. Juli, den Geburtstagen von Theodor Herzl und Chaim Nachman Bialik, für Pflanzung von neuen 100,000 Bäumen, als Antwort auf den Vandalismus, zu spenden. Große Auswahl! kauff man für Jah rzehnfel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Iz a h I u n g en'l Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 Chauffeur eines arabischen Lastautos, wurde bis Tiberias verfolgt und dort verhaftet. Erstes Todesurteil zu erwarten In einem großen Mietsgebäude in Haifa, in dem viele" englische Familien wohnen, ereignete sich eine schwere Explosion. Ein Araber wurde unter dem Verdacht, einen Bombenanschlag verübt zu haben, verhaftet. Er wird voraussichtlich auf Grund des neuen Sabotage-Gesetzes zum Tode verurteilt werden. Die Regierung hat den streikenden Hafenarbeitern ein Ultimatum gestellt. Sic fordert sie in einem in der ganzen Stadt plakatierten Aufruf auf, innerhalb von drei Tagen die Arbeit aufzunehmen. Wer dies nicht tut, gilt als entlassen und wird auf keinen Fall wieder eingestellt. Aehnliche Ultimata werden heute auch an alle anderen Streikenden, die öffentliche Betriebe bestreiken, gerichtet werden. In Gaza wurden auf dem Flugplatz Ekrasitbomben gefunden. Das geplante Attentat konnte in letzter Minute vereitelt werden. Drei Personen wurden verhaftet. Kämpfe zwi'sdien Christen und Mohammedanern Aus Jerusalem (16. Juni): Im Verlauf des Montag, 15. Juni, kam es in den Städten und auf dem flachen Lande zu weiteren Terrorakten der Araber. Einem amtlichen Kommunique zufolge kam es in der Nacht zu Montag zu einem Feuerkampf zwischen Christen und Mohammedanern, in dessen Verlauf zwei Christen verwundet wurden. Drei Moslems wurden verhaftet. In der gleichen Nacht haben Terroristen eine Eisenbahnbrücke bei Gaza gesprengt. In Jaffa wurden anonyme Flugzettel verbreitet, in denen die Araber für Mittwoch, den 17. Juni, dem Jahrestag der bei den Unruhen von 1929 erfolgten Hinrichtung von drei Arabern, zu Kundgebungen aufgefordert werden. Der Oberste arabische Rat hat alle Mohammedaner aufgefordert, sich am 17. Juni in den Moscheen zu versammeln. Die Behörden haben umfassende Sicherungsmaßnahmen für diesen Tag getroffen. In der Nacht zu Sonntag war eine Reihe jüdischer Kolonien im Emek Jezreel, in Galiläa, in Judäa und in Samaria Ziel arabischer Schießereien. Beschossen wurden der Kibbuz Nescher, die Kolonie Ekron bei Tel Mond, Giwat eda, Gan jabne, das Juge.ndkollektiv der amerikanischen Poale Zion „Cherut" (Freiheit) bei Tel Mond. Ueberau erwiderten die jüdischen Kolonisten das Feuer und vertrieben die Terroristen. Die jüdische Kolonie Tel Joseph am Fuße des Berges Giliad, die Ende der vorigen Woche das besondere Ziel arabischer Angriffe war, wurde befestigt, die Befestigungen sind mit Maschinengewehren armiert, die dem Angriff besonders ausgesetzten Teile wurden sogar durch Schützengräben befestigt. Auch ein Flugzeug steht zu Abwehrmaßnahmen bereit. Sämtliche arabische Führer, die als Agitatoren der Streikbewegung und Teilnehmer an Attentaten in ein Konzentrationslager an der palästinensischägyptischen Grenze gebracht worden waren, sind nunmehr in das Konzentrationslager Sarafand bei Jaffa überführt worden. Hier haben die königlichen Luftstreitkräfte eine Garnison. Angesichts der Immer noch zahlreichen Bombenanschläge in der Rings um die Araberrevolte Eine Abordnung der' Dorfältesten des arabischen Dorfes Katra ersuchte die Siedler von Gedera, Einwohner des Dorfes in der Siedlung zu beschäftigen. Die Siedler schlugen diese Bitte ab. .(Palcor.) * Dem arabischen Mörder Bisutskys, des ersten Opfers vom 19. April, wurde befohlen, den Hinterbliebenen 250 Pfund als Entschädigung zu zahlen, den vom türkischen Gesetz vorgesehenen Höchstbetrag. (Palcor.). * In einer Antwort auf den Aufruf des Oberrabinners Jacob Meir an das arabische Volk, schreibt „Fa last in" (welcher nach 14tägigem Verbot wieder erscheint), daß die Araber nicht glauben, die Juden werden sich der Heiligen Stätten bemächtigen; sie glauben jedoch, daß die Juden das Land beherrschen wollen, in welchem Falle die Heiligen Stätten ihren Wert einbüßen würden. 'Palcor.) * Trotz der Schwierigkeiten der letzten Wochen wurde heute bei H c d o r a eine neue Arbeitersiedlung eingeweiht, welche Nve- Chaim (nach Arlosoroff) heißen wird. Bisher sind mit Hilfe des „N i r" 40 Häuser fertiggestellt worden; der Bau von weiteren 200 ist vorgesehen. (Palcor.) * Die arabische Tageszeitung „Falastin" schätzt die materiellen Verluste, welche den Arabern infolge des Streiks entstehen, auf £ 50.000 täglich. * „Dawar" erfährt aus verläßlicher Quelle, daß das arabische Oberste Komitee am .11. Juni das arabische Publikum gegen die Benützung der Eisenbahn gewarnt hatte. An diesem Datum begannen die Anschläge auf die Züge. * Hassan Schukri, ider Bürgermeister von Haifa, hat Palästina verlassen. An seiner Stelle wurde der Vize* bürgermeister Sabbatai Levy ernannt. * Der K er eil Kajemeth leitet eine Alstion zur Pflanzung von 100.000 Bäumen an Stelle der vernichteten Bäume ein. Diese beginnt am 20. und 21. Tammuz. # Die arabische Propaganda-Delegation, die sich am Freitag nach London begab, wird von Jamal el Husseini, einem Neffen des Mufti, geführt; ihr gehören auch die christlichen Araber Shibli Jamal und Dr. Tanus an. Da sie ausschließlich Propagandazwecke verfolgt, wird die Delegation von Regierungsmitgliedern nicht empfangen werden. Der Großmufti von Jerusalem, Haj Amin el Husseini, hat die Mohammedaner in Indien telegraphisch' aufgefordert, sofort Geldmittel zur Unterstützung der Streikbewegung nach Palästina zu überweisen. Die katholischen Araber haben sich an den Patriarchen mit der Bitte gewandt, den Papst zu einer Intervention zugunsten der Araber Palästinas zu voranlassen. (J. T. A.). Jteisebiiro Irufc teilt mit: Unsere beliebten Ferienreisen' nach Polen und Czernowitz mit direkten Schnellzügen beginnen am 28. Juni und 5. Juli. Wir bitten um frühe AnMieldting. Wider« ruf kann bis kurz vor ReiHeantritt erfolgen. Rnisebüro IRjTt, I„ KarlsplaU 1 (Ecke Kärntnewtruße), Tel. U-41-5-7t. ' II