Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 570 (19.6.1936)
- Date
- 1936-06-19
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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' 187 Preis 20 Groschen Freita v den 19* Juni 1930 TiÖ- Üniver^.. Nf 570 V* b* h ™*tä>tebibh *uog vom Verlege» versende« 4 --\iJ ©xpedie par l'Mlteat" REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.--. ™rm* Jährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire- 14,—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. Mit E bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tet. A-20-2'78 - Erscheint Dienstag u. Freitag ORBIS ' POLEN Abfahrt: 27. Juni (abends) Anmeldungen: Reisebüro „O R B I S" I. Kärntnerstraße 41, R-si-5-78 Oesterreichisches Verkehrs-Büro I. Friedrlchstraoe 7, B.87-500, i. Graben 20, tl.a9-o.35 Lord Meldiett für eine jüdische Legion Die Londoner Blätter befassen sich eingehend mit den Palästina-Unruhen. Der Jerusalemer Korrespondent des „Daily Telegraph" weist auf die exponierte Lage der jüdischen Kolonien hin und erklärt, die Forderung der Kolonisten nach Bewaffnung sei berechtigt. „News Chronicle" erklärt im Leitartikel, der arabische Terrorismu9 sei eine Herausforderung, der sich keine verantwortliche Regierung beugen könne. Solange nicht die arabischen Führer, heißt es in dem Artikel, den Mut und die Macht haben, diesen Terrorismua zurückzuweisen, können sie nicht erwarten, ein geneigtes Ohr für ihre''wahren Beschwerden zu finden. „Daily Telegraph" veröffentlicht eine Zuschrift Lord Melchetts, in der darauf hingewiesen wird, daß man zu Beginn.....des~~'2>ionisttSdien Experiments in Palästina dasselbe für ideell und moralisch gerechtfertigt, jedoch für praktisch verfehlt hielt. Heute, da das Werk sich praktisch bewähre, werden seine moralischen Grundlagen von den Gegnern herausgefordert. Haben wir Juden, fragt Lord Melchett, den Anspruch auf ein Nationalheim in Palästina oder nicht? Haben wir ihn nicht, dann sind alle unsere praktischen Erfolge ver- . schwendete Mühe. Haben wir aber einen wahren moralischen Anspruch in den Augen Englands und der Welt, dann darf der Versuch der arabischen Bevölkerung, unser Nationalhelm durch Waffengewalt zu zerstören, nicht geduldet werden. Lord Melcbett fordert die Möglichkeit jüdischer Selbstverteidigung in eigenen Formationen. Hätten die Araber nicht das Nationalheim als Angriffsobjekt, erklärt er weiter, so würden sie das englische Mandat in Palästina ebenso angreifen, wie sie das französische in Syrien angreifen. Die jüngste Erklärung des Koloniemniinisters sei zu begrüßen, denn die Stellung der europäischen Nationen an der ganzen Ost- und Südküste des Mittelmeeres wäre gefährdet, wenn man diesem Territorium Zugeständnisse machte. Das Nationalheim, erklärt Lord Melchett, sollte in Theorie und Praxis unterstützt, die jüdische Bevölkei'ung zu seiner Verteidigung organisiert und ihrer erwiesenen Schaffenskraft die Möglichkeit ^gegeben werden, jene Verhältnisse herzustellen, in denen die Bevölkerung zahlreich genug werden kann, um die Gefahr künftiger Anschläge auszuschalten. Zum Schluß weist Lord Melchett auf die strategische und wirtaohaftliche Bedeutung einer solchen Entwicklung für England hin. Die Reichsinteressen seien besser gesichert durch eine starke europäische Bevölkerung als •durch wenige Bataillone, die man ersparen könnte. Banditenkrieg Aus Jerusalem (16. Juni): Die ausländischen •Journalisten geben die Ansichten der britischen Behörden .Palästinas dahin wieder, daß sich bei manchen der arabischen Ueberfälle ein politischer Sinn nicht erkennen läßt und daß sich aus dem arabischen Aufstand mehr und mehr ein Banditen krieg entwickelt, der die nationalistische Empörung zum Vorwand ganz anderer Absichten nimmt. (J. T. A.) Perserteppiche zu staunend billigen Nachsaisonpreisen ' Herrliche Qualitätsware zu jedem annehmbaren Preis! PERSER- UND ORIENTTEPPICHE B.R.K AN/. All 1, PARKRING 12 Einsang Weihburggasse Gartenbau-Objekte „Lebenslänglich" — für Anständigkeit Unerhörtes Vorgehen einer tschsl. Sportbehörde Sollen jüdische Sportler an der Olympiade in Berlin teilnehmen? Sollen sie freiwillig in ein Land fahren, in welchem der Jude und jeder Jude nicht als Mensch, sondern als schmutziges Ungeziefer gewertet wird? Sollen sie Gäste Adolf Hitlers werden, des Mannes, der die Nürnberger Judengesetze geschaffen hat? Man müßte annehmen, daß solche Fragen überhaupt nicht entstehen können. Aber die Menschen leben jetzt eine Zeit, in welcher Begriffe von Menschlichkeit und menschlicher Würde gar nicht oder nur sehr bedingt gelten. So sind denn diese Fragen aufgeworfen worden. Jetzt in der Tschechoslowakei. Im Staate, dessen Gründer Masaryk ist, seit zwei Generationen Vorbild aller Kämpfer für Menschenrecht und Menschenwürde werden solche, das Empfinden von jüdischen Staatsgenossen verletzende Fragen auf die Tagesordnung gestellt und im Sinne der Preisgabe des Menschenrechtes und der Menschenwürde dieser Staatsgenossen beantwortet. Eine tschechoslowakische Sporbbehörde will die jüdischen Sportler zwingen, in das Land der jüdischen Schande zu fahren, um dort unter den Augen Adolf Hitlers zu spielen, vor ihm huldigend vorbeizuziehen und ihn als Gastherrn zu grüßen, ihn, der nicht nur die Juden Deutschlands, sondern die. Juden in aller Welt mit vordem nie erdachter, nie erschauter und nie erhörter Schmach beladen hat. Die Meldung, welche aus Prag kommt, lautet: „Der tschechoslowakische Rcichsverband für den Schwimmsport hat an die jüdischen Sportvereine die Mitteilung ergehen lassen, daß ihre für die olympischen Spiele ausgewählten Mitglieder unbe- Jeden Sonntag - Sonderfahrten mit «l FRANC0P0L und Czernowitz äs nach POLEN Nächste Abfahrten: 27. Juni und 5.Juli „Francopol", III, Schwarzenbergplatz 7, Tel.U-16-4-90 „Cedok", I. Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 Gerngroß, VII. Mariahilferstraße 42. Tel. B-38-2-68 dingt nicht nur an den Uebungen für die Olympiade, sondern auch an den Spielen in Berlin teilzunehmen haben. Für den Fall, daß sich jüdische Schwimmer weigern, dieser Weisung zu gehorchen, müßte mit der schwersten, im Sportregulativ vorgesehenen Strafe gegen sie vorgegangen, d. h. sie müßten mit lebenslänglicher Disqualifizierung bestraft werden." „Zur Beratung dieser Angelegenheit traten die jüdischen Schwimmvereine am 14. Juni zusammen. Mit überwiegender Stimmenmehrheit wurde beschlossen, sich an den olympischen Spielen in Berlin nicht zu beteiligen und alle Konsequenzen zu tragen, die sich aus diesem von jüdischer Menschenwürde gebotenen Beschlüsse ergeben. Die jüdischen Sportler nehmen es auf sich, die härtesten Strafen zu ertragen, um nicht ihre Menschwürde preisgeben zu müssen." * Die Richter werden die Gerichteten sein! Es muß hier vermerkt werden, daß sich noch vor wenigen Wochen auf Seiten der tschechoslowakischen Sportbehörden etwas Gefühl für die Würde jüdischer Sportler regte. Damals richteten die jüdischen Sportvereine an das Olympische Komitee in Prag die Mitteilung, daß sie zu ihrem großen Bedauern an den nach Berlin dirigierten Sportmannßchaften der Tschechoslowakei keinen. Anteil nehmen können. Die Sportbehörde antwortete, daß sie diesen Entschluß, auch mit Bedauern, zur Kenntnis nehme, die Berechtigung seiner Begründung einsehe und auf die jüüdischen Sportler keinen will immer gearteten Druck ausüben werde! Und jetzt auf einmal diese Abkehr von jedem Gefühl der Achtung für den gepeinigten und beleidigten, in seinen tiefsten Gefühlen getroffenen jüdischen Mitmenschen! Was ist da vorgegangen? Plötzlich wirft man jedes Bedenken ab und gibt das letzte Restchen Respekt vor getretener Menschenwürde. preis und droht Jünglingen und Mädchen mit lebenslänglicher Disqualifizierung, weil sie anständig sind und anständig bleiben wollen. Was stellen sich denn die Herren Sportgewaltigen in der Tschechoslowakei vor? Glauben sie, daß die Würde eines alten, leidenserprobten Volkes weniger gilt, als zwei Punkte mehr auf einer Sporttabelle und ein konventioneller Glückwunsch Adolf Hitlers? Die Angelegenheit aber, so ist zu glauben und zu hoffen, ist noch nicht endgültig erledigt. Noch lebt Masaryk, noch kann man ihn aufrufen zum Schutze der Menschenwürde, die preiszugeben man die jüdischen SöhneN.seines Landes zwingen will. Er möge richten. Er wird gerecht richten. * Der jüdische Sportler, der nicht nach Berlin geht, wird wohl als ein von der Sportbehörde „lebenslänglich" bestrafter — aber anständiger Mensch durchs Leben gehen. Der jüdische Sportler, der sich zur Fahrt nach Berlin zwingen läßt, wird vielleicht sportbehördlich belobt, sicher aber vom jüdischen Volke und von vielen, vielen Nichtjuden mit „lebenslänglicher" Verachtung bestraft werden. Robert Stricker. Eine Pressestimme Der „Prager Mittag" nimmt zur Nachricht, daß eine tschechoslowakische Sportbehörde die jüdischen Schwimmer unter Androhung schwerer Strafen zur Teilnahme an der Olympiade in Berlin pressen will, Stellung und schreibt: „Der Fall .der jüdischen Schwimmer, die bekanntlich mit zu' den besten der Republik gehören und die in dem Klub .Hagibor' den langjährigen Meister stellen, ist nicht von der sportlichen Seite zu lösen. Man kann es durchaus verstehen, daß der Schwimmverband der Tschechoslowakei seine besten Leute nicht entbehren will; der Verband will nun einmal prächtig vertreten sein und dies kann er nur, wenn er die jüdischen Sportler mit auf die Reise nimmt. Man muß sich aber die Situation der jüdi-« sehen Sportler vor Augen halten: sie sollen in das Land fahren, von wo sie täglich erfahren, daß sie ein Auswurf der Menschheit sind, Untermenschen, die an dem Elend der Welt schuldig sind, Kreaturen, deren Ehe mit den blonden, blauäugigen Ger» maninnen Bastarde gebiert. Sie sollen mithelfen, Nazi- Deutschland einen Triumph zu verschaffen. Das Olympische Komitee hatte seinerzeit den jüdi-' sehen Sportlern zugesagt, daß keinerlei Zwang auf sie ausgeübt werden darf und daß nur der fahren soll, der fahren will. Es wäre wünschenswert, wenn die Behörde jetzt auch zu ihrem Beschluß stehen und ein Machtwort einlegen würde, das die jüdischen Schwimmer der Republik von einer ernsten Sorge und bitteren Gcwissensqual befreien würde." 800 jüdische Polizisten in Palästina Aus Jerusalem (15. Juni): Als Antwort auf die jüdischen Forderungen nach Aufstellung einer Sonderpolizei von 2000 Mann hat die Regierung soeben die Mobilisierung von weiteren 400 jüdischen Polizisten angeordnet, so daß gegenwärtig 800 jüdische Polizisten, von der Regierung bewaffnet, Dienst tun, tff HUT Unser« beliebten Ferienreisen nach Polen und Czernowitz beginnen am 2*. Juni und 5. Juli. Aufenthalt beliebig bis inklusive September. Wir bitten um Ihre Teilnahme. Reisebüro ff IHUT" Karlsplatz 1 HttS i