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Die neue Welt · 1936-06-16 · Heft 569 (16.6.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 569 (16.6.1936)
Date
1936-06-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 569 vbm 16. Juni 1936 DIE NEUE WELT Seite 3 RUNDSCHAU Das „Feuerkreux" ehrt ♦ ♦ ♦ In der letzten Zeit hat die „Croix«de-Fdu"- öewegung des Faschisten Oberst de la Roque (Paris) viel von sich reden gemacht. Der sowjetrussischfranzösische Pakt insbesondere war dieser .bürgerlichen Richtung ein Dorn im Auge, und als sich — bei Beginn der Wahlbewegung in Frankreich — die ersten Anzeichen eines Erfolges der Linken, der sogenannten Volksfront, bemerkbar machten, setzte die Vereinigung >,Croix de Feu" (Feuerkreuz) mit einer starken nationalistischen Propaganda ein. Man fühlte sich hiebei oft genug an die Methoden des reichsdeutschen Hakenkreuzes erinnert; nicht allein wegen der „Kreuz"-Analogie, sondern auch wegen der antisemitischen, rassebetonten Parolen, die in der Agitation da und dort laut wurden. Gleichzeitig allerdings versuchten die Kreiso rings um das Feuerkreuz jede Verbindung mit Hitlerdeutschland, ja jede Parallele mit dem reichsdeutschen Nationalsozialismus zu negieren, indem sie betonten, daß französischer Patriotismus nicht zur Verfolgung und Diffamierung anderer Völker verpflichte. Das mag wohl stimmen. Die französische Mentalität ist eine andere als die der Hitler-Deutschen. Dafür spricht folgendes Faktum: Für Sonntag, den 14. Juni, hat das „Feuerkreuz" eine Gedenkfeier für die auf dem Schlachtfeld gefallenen jüdischen Frontkämpfer angesagt. — In der Einladung zu dieser Gedenkfeier heißt es: „Die Vereinigung .Feuerkreuz1 bekräftigt auf diese Weise (durch die Abhaltung der Feier) ihre Achtung aller religiösen Bekenntnisse und ihre Abneigung gegenüber Haßdoktrinen, die der Eintracht unter den Franzosen nur abträglich sein können." Also kein Vertilgen jüdischer Namen auf den Heldengedenktafeln wie im heutigen Deutschland, sondern Ehrung der jüdischen Kampfgenossen. Wir nehmen die Ankündigung der Feier mit Genugtuung entgegen, hoffend, daß Oberst de la Roque und seine Feuerkreuzler uns nicht bei nächster Gelegenheit enttäuschen werden. Ein HefxI*Diama Eine ausländische Pressekorrespondenz verbreitet die Nachricht, daß Max Reinhardt nach Werfeis „Weg der Verheißung" in New York ein Drama „Theodor Herzl" von Rhelbo inszenieren werde. Das Stück ist die Arbeit zweier Autoren (eines Dramaturgen und,"eines früheren Reinhardt-Mitarbeiters), die sich den Namen „Rhelbo" beigelegt haben.-Dieser Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Autoren-Namen und des Uebersetzers Sam Bolten zusammen. Nach dem Bericht Regelmäßiger Reisedienst nach POLEN billig und bequem wie immer. Nächste Reise: 27. Juni 1936 Ferien-Reisen ab 5. : Dr. S. TOCKER, Reisebüro Jfl (Üß W (W.M.Renner) IX, llechtenstelnstraßo 2 Telephon A-14-504 Auskümte und Prospekte über Reisen nach Bulgarien, England, Italien, Jugoslawien, Palästina, Ungarn u. andere Länder u. über Autobus-Reisen ist Fritz Kortner für die Darstellung der Hauptrolle, möglicherweise ein in Europa wenig bekannter Charakterdarsteller der jiddisch-amerikanischen Bühne ausersehen. Es soll bereits eine besondere Bearbeitung für die hebräischo Bühne und nach dieser Fassung ein Filmdrohbuch vorliegen. Also ein reger Betrieb rings um' die Gestalt Theodor Herzls. Ueber den Inhalt des Stücks erfährt man: Die ersten sechs Bilder sind eine historische Szenenreihe. Im ersten Bild erleben wir den Drcyf us-Prozeß. Herzl sieht, durch das forensische Schauspiel hindurch, die wahren Hintergründe des Prozesses (die sich dann viel später enthüllen sollten). In diesen Hintergründen erkennt er die universelle Judenfrage, das ungelöste, aber brennende jüdische Welt-Problem. Der Weg führt über Wien, London, Paris — nach Basel! Das sind die nächsten Bilder des ersten Teils. Wir sehen, wie das Echo der zionistischen Idee durch die Judenheit hindurchklingt. Ein gigantischer Kampf entbrennt, innerhalb des Judentums und in der aufhorchenden Außenwelt. Es gruppieren, organisieren sich die Fanatismen für und gegen Herzl. So führt die Linie des nacbgestaltenden Szenariums über Kontraste und Konflikte — nach Basel zum 1. Kongreß. Der zweite Teil spielt in Herzls privater Sphäre. Die Handlung zeigt den Konflikt zwischen Vater und Sohn und dessen dramatische Zuspitzung. Ueber den Abschluß des Dramas ist vorläufig nichts bekannt. Es muß natürlich zunächst die Frage geklärt werden, ob von zionistischer Seite gegen das Stück keine Bedenken bestehen, sollte es unter zionistischer Patronanz aufgeführt werden. Wie dem immer sei — die Geschäftigkeit der Autoren, das Kokettieren mit dem Namen Reinhardt usw. verlangen, daß man heute schon gegenüber dem Trommelwirbel der Reklame Distanz wahrt. Kommission: Zeichen der Schwäche Ferien 1936 in Fol»n für Juden. Wie alljährlich werden auch in diesem Jahre unzahlige jüdische Familien Ihre Ferien in Polen verbringen, teils um ihre Angehörigen zu besuchen, teils um in den billigen polnischen Sommerfrischen Erholung und Vergnügen zu spottbilligen Preisen zu finden. Wenn man bedenkt, daß man in polnischen Sommerfrischen ab S 3.— täglich gut leben kann; so wundert man sich nicht, daß Ferienreisen nach Bolen beim jüdischen Publikum beliebt »Ind. Es ist uns gelungen, sehr gUnatigeArrangements mit einer Reihe von jüdischen Häusern, in Kryniea, Hakopane, Iwonicz. Truakawiec usw. abzuschließen. Alle näheren Auskünfte Uber diese Reisen erhalten Sie bei Doktor S. Tocker „In die Welt", IX., Liechtenstelnstr&ÄQ. g. Wß m Geöftwta bscstoWiÄfit sn£ y&ütosm ääWV"^— Die Frage, ob eine Kommission zur Untersuchung der gegenwärtigen Vorfälle in Palästina zweckmäßig sei, wird in der englischen Presse eifrig behandelt. Im „Manchester Guardian" werden unter der Ueberschrift „Der tote Punkt in Palästina" die Möglichkeiten erörtert, die die Entsendung einer Königlichen Untersuchungskommission bietet. Gleichzeitig fordert das Blatt, die englische Regierung möge nicht die arabischen Wünsche berücksichtigen, denen zufolge nur die bereits in Palästina ansässigen Juden dort bleiben sollen, während eine Vergrößerung ihrer Zahl verhindert werden soll. Es wird auch die Frage aufgeworfen, ob nicht das Versprechen, eine Königliche Kommission nach Palästina zu entsenden, ein Zeichen der Schwäche sei. Die Juden, heißt es in dem Artikel, haben mit einiger Berechtigung die Königliche Kommission als ein Nachgeben vor der Gewalt und als einen Schritt kritisiert, dem andere auf demselben Wege leicht würden folgen können. Aber eine Kommission würde es nicht nur den Arabern ermöglichen, zu behaupten, daß sie infolge der jüdischen Einwanderung in ihren „bürgerlichen und religiösen Rechten" gelitten hätten; sie würde es auch den Juden ermöglichen, die Politik einer Prüfung zu unterziehen, die die Administration Jahre hindurch bei der Entwicklung des „Nationalheimes" verfolgt hat. Fraglich war die Administration — möglicherweise weil sie ihre eigenen Araber und eine weiterreichende Stimmung unter den Mohammedanern fürchtet, vielleicht auch, weil einige ihrer Beamten keine Enthusiasten für das Jüdische Nationalheim sind — außerordentlich vorsichtig in ihren Methoden. Ein Kommission würde zeigen, wie gering die Vertretung ist, die den Juden trotz ihrer zahlenmäßigen Stärke und ihrer Beiträge zu Kapital und öffentlichen Einkünften bei den öffentlichen Diensten, bei der Polizei, bei den Bahnen, bei der Hafenverwaltung, zugestanden wurde. Sie würde zeigen, wie behutsam die Administration den Begriff „wirtschaftliche Aufnahmefähigkeit" interpretiert hat und wie langsam sie bei der Erteilung an Juden war, Oedland zu erschließen. Die Araber glauben nun, daß jetzt eine wahr« „Krise" ein Wendepunkt gekommen sei, da mehr geeignete jüdische Einwanderer dringend an die Pforten pochen, ala jemals zuvor. Wenn diese Krise überwunden «Gin wird, wird man den Juden in l-aiäatina vielleicht erlauben, bis zu dem Punkt vorwärts zu gelangen, an dem ihre Zahl, ihr Fleiß, ihre Intelligenz und ihr Eifer für den Staat sie außerhalb der Reichweite jedes Angriffes gebracht haben werden und an dem ihr beharrliches Wohlwollen und die Macht der Tatsachen die Araber überzeugt haben werden, daß die beiden Völker miteinander leben und arbeiten können und sollen. Judiidhe Kommuni§fen Mit den Arabern solidarisch Auf einer inNewYork von der jiddischen Sektion der kommunistischen Partei Amerikas veranstalteten, von mehr als 3000 Personen besuchten Kundgebung hielten der Sekretär der kommunsitischen Partei, Karl Browd e r, und der Chefredakteur der jiddischen kommunistischen Tageszeitung „Freiheit", M. Olgin, Ansprachen, in denen sie die Unruhen in Palästina als eine Revolte de." arbeitenden arabischen Volkes gegen den englischen Imperialismus darstellten, aber die Verfolgung der Juden nicht billigten. Die Versammlung beschloß, ein Telegramm nach Palästina zu senden, in welchem sie sich mit den Arabern solidarisiert. Der Versammlung wohnte eine Delegation der amerikanischen Araber bei, die den Rednern Beifall zollte. Zionisten-Revisionisten, die sich eingefunden hatten, protestierten laut gegen die Redner. Es kam zu einer schweren Schlägerei zwischen Revisionisten und Kommunisten, und zu einem vorzeitigen Abbruch der Kundgebung führte. * Es ist gewiß nicht uninteressant, bei dieser Gelegenheit festzustellen, daß sich diese Herren, die jetzt arabischen Mordbrennern in Palästina moralischen Beistand leisten, erst vor einigen Wochen darum beworben haben, zum kommenden Jüdischen Weltkongreß zugelassen zu werden. Sie taten sehr, sehr beleidigt, als die nationale Judenschaft Amerikas es ablehnte, mit ihnen gemeinsam über das Schicksal des jüdischen Volkes zu beraten. Jugendliche Das Budapestcr Gericht hat in der Strafsache der jugendlichen Kommunisten — im Zusammenhang mit der Agitation in einigen M i t t-e 1 s c h u 1 e n, die der antisemitischen Presse Gelegenheit zu Ausfällen gegen die Juden und die zionistische. Bewegung, gegeben hatte — das Urteil gefällt. Der 18jährige jüdische Handelsschüler Pctcr S z i g c t i wurde zu einem Jahr Gefängnis, der Agent Alexander Schwartz zu zwei Monaten, der Schneidergehilfe Emerich L ö w i zu 15 Tagen Gefängnis verurteilt. Die Strafe der Angeklagten unter 18 Jahren wurde mit Bewährungsfrist suspendiert. Staatsanwalt und Angeklagte appellierten gegen das Urteil. * Die Aufdeckung dieses Falles hatte seinerzeit den ungarischen Zionisten schwere Sorgen um den Bestand der erst vor wenigen Jahren legalisierten Zionistischen Organisation bereitet, da unter dem Deckmantel einer zionistisch-sozialistischen Jugendorganisation (Haschomer Hazair) die Agitation an den Mittelschulen betrieben wurde. Er wartet ... Max Brod, der bekannte Prager Schriftsteller und Zionist, veröffentlicht in der „Jüdischen Revue" einen Artikel „Die Sowjets und der Zionismus", in welchem es heißt: „Waruni besteht in der Sowjetunion ein so h e ftiges Mißtrauen gegen den Zionismus? Warum nennt man die Beschäftigung mit der hebräischen Sprache, mit der nationalen Ueberlieferung reaktionär, während man allen anderen Völkern der Sowjetunion längst die Pflege ihrer Volkstradition gestattet hat, ja diese Pflege mächtig fördert? In Tadschikistan, einem fernasiatischen Bestandteil der Sowjetunion, wird Firdusis „Schach-namoh", das Königsbuch, als Volksbuch proklamiert; uns Juden aber ist das Studium unseres nationalen Volks- und Königsbuches, der Bibel, nicht gestattet. Sie sei allzu oft in klerikalem Sinne mißbraucht worden, sagt man mir als Erklärung dieser Maßnahme, Aber dann möge man den Mißbrauch bekämpfen, nicht aber auch den kritischen, historischen, poetischen Gebrauch unserer großen Ueberlieferung, den wir nicht entbehren können, auf den wir ebenso ein Recht haben wie das russische Volk auf die jetzt in Massenauflagen propagierten russischen Klassiker Puschkin, Gogol, Ostrowski. Sie werden kritisch gelesen, auch die jüdischen Arbeiter in Palästina lesen die B i be 1 kritisch. Es wäre eine Uebereinstimmung möglich, es ist genau derselbe Tatbestand, nur vorläufig noch durch Mißverständnisse verdeckt." „Ich ha.be im Jänner 1936 eine Reise in die Sowjetunion gemacht. Ith bin als Bewunderer der ungeheuren sozialen und kulturellen Errungenschaften der Sowjets zurückgekehrt. Auf dem letzten internationalen Schriftstellerkongreß in Paris traf ich nun viele Freunde wieder, mit denen ich in Moskau in literarische und kollegiale Beziehungen getreten bin. Ja, ich liebe diese Menschen, die am Werke der Zukunft bauen. Und es ist traurig für mich, daß ich in so vielem mit ihnen übereinstimme, nur gerade in dem einen Punkt nicht: in der Behandlung der Judenfrage. In Paris wurde offiziell von der Judenfrage nicht gesprochen, obwohl so viele, allerdings meist assimilierte oder assimilationssüchtige Juden anwesend waren — und obwohl gerade jetzt die Verhältnisse in Deutschland das Judenproblem neu zur Diskussion gestellt haben. Aber das Schicksal eines in Rußland lebenden jüdischen Autors kam doch zur Sprache. Er wurde von der G. P. U. verhaftet und ist bis heute verschollen. Sein Verbrechen besteht einzig und allein darin, daß er in einer palästinensischen Zeitschrift ein völlig unpolitisches Gedicht in hebräischer Sprache veröffentlicht hat. Ich habe meine russischen Freunde auf dieses seltsame Dichterschicksal hingewiesen und man hat mir eine Antwort versprochen. Ich warte nun schon Monate lang, i c h warte." * In dieser unerquicklichen Art hat sich seinerzeit die jüdische Assimilation dem Nationalliberalismus und dann der Sozialdemokratie angebiedert. Daß jetzt unter „zionistischer" Firma ein solcher Versuch mit dem Bolschewismus gemacht wird, berührt doppelt unangenehm. Die Assimilanten von annodazumal haben versichert, daß sich die Juden bemühen werden, möglichst unjüdisch zu werden. Die an die Adresse Moskau gerichtete Versicherung des Herrn Max Brod, daß die jüdischen Arbeiter die jüdische Bibel nur kritisch lesen, erinnert in fataler Weise an die unappetitlichen Versprechungen der Assimilanten an die nichtjüdischc .Umwelt, das Judentum auf das Minimalste einzuschränken. L)ie Assimilanten haben damit kein Glück gehabt. Max Brod wird auch keines haben. Er wartet? Er wird noch lange warten. ... Araberfteundlsdie korimaumsliisdie Anfrage im Unterhaus Aus London (14. Juni): In der Sitzung des Unterhauses behauptete Gallacher, das einzige kommunistische Mitglied des Hauses, daß englisches Militär am 27. Mai arabische Häuser in Misr niedergebrannt habe und daß ein arabischer Polizist in Kakun bei Tulkarem von einem englischen Polizisten erschossen wurde, weil er sich geweigert habe, ein arabisches Haus zu durchsuchen, dessen Bewohner gerade beim Morgengebet waren. Gallacher fragte, was unternommen wurde, um den durch diesen Vorfall hervorgerufenen Streik der arabischen Po* lizei in Tulkarem und Jaffa beizulegen. Minister Ormsby-Gore erklärte, es sei ihm weder von einem Streik der arabischen Polizei noch von den von dem Abgeordneten behaupteten Vorfällen etwa» bekannt. Er werde vom High Commissioner Informationen Über die angeblichen Vorfälle verlangen. (J, T. A.\ >

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