Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 568 (12.6.1936)
- Date
- 1936-06-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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.Seite 2 DIE NEUE WELT Nr. 368 vom 12. Juni ^^leden Mmiuaj» billige H«ner>-Son- + _ denaiuten mi, Oer C*ern. Alig. Zeitung ...» Polen «o Czernowitz Abfahrt: 27. Juni 1936(2i'>). BesOrtdersbllllflätam 14. JtlR: nacn KRAKAU und retour Inkl. Visum 1 Anmeldungen ..0 « 11 < n t i a S t t « h" Reisebüro ^^^j^^l^^^l^^^^^^^^^^^^^ gekündigten Erklärung iöa Parlamentsausschuß wird eifrig mit größtem Interesse entgegengesehen. * Am Samstag, den 6. Juni, abends, wurde die Levante -Messe In Tel-Avlv durch eine feierliche Zeremonie, die sich tu einer spontanen Ehrung für den Bürgermeister Diiengoff gestaltete, geschlossen. In den Gebäuden der Messe, werden jetzt vier große Fabriken Installiert, dio infolge der Unruhen aus Jaffa nach Tel- Aviv übertragen wurden; darunter auch die weltbekannte Zigarettenfabrik „M aspera". Mit den Baggerarbeiten an der Mündung de« Jarkon-Flusses bei Tcl-Aviv zwecks Schaffung der Landuntrsmtfglichk^lt für größere Dampfer wurde am Sonntag begonnen. Der große jüdische Dampfpr „Atid" (Zukunft) traf in Tel-Aviv ein, lud viele Waren ab und nahm viele palästinensische Produkte in neue Ladung. Einige andere Dampfer, die ihre Ladungen in Tel-Aviv löschen worden, sind für die nächsten Tage angekündigt. * Der Vorsitzende des Obersten Nationalausschusses der Araber Auni ßey Abdul H a d i und einige Mitglieder des Ausschusses begaben sich auf Einladung des tranejordanischen Ministerpräsidenten nach Amman (der Hauptstadt Transjordaniens). Man beurteilt diese Reise dahin, daß der Emir Abdullah von Transjordanien den Wunach hat. als Vermittler in der jetzigen Situation einzugreifen, um die Araber zu bewegen, den Streik aufzugeben und den Bericht der Königlichen Kommission abzuwarten, inzwischen noch eine Delegation nach London zu enteenden. * Die Libanon-Stadt S i d o n ist in einen Sympathiestreik, mit Palästina getreten. Die jüdische Presse berichtet über eine Zerstörung von 18.000 Bäumen und WelnstöcKen in Haifa im Verlaufe der letzten drei Tage. Bei den samstägigen Vorfällen in Haifa beteiligten sich auch zahlreiche Frauen, die den streikbreche-rischen Lehensmittelhändiern die Waren mit Oel und Paraffin begossen und Steinbarrikaden in d^r Nazareth-Straße errichteten. Der britische Koloiuennrimster über Palästina Aus London wird unter dem 9. d. gemeldet: Der neuernannte Kolonienminister Ormsby Gore hat heute im Unterhaus eine kurze Erklärung zu den Ereignissenin, Palästina abgegeben. Der Minister betonte dabei, daß die vor Pfingsten eingetretene leichte Entspannung nicht von Dauer gewesen sei. Die englischen Mandatsbehörden treffen... wie der Minister weiter ausführte, alle-geeigneten - Maßnahmen zum Schutze des Eigentums und des. Lebens, der Bewohner. Zusätzliche Sonderbestimmühgen würden' auf dem Verordnungswege verfügt werden.. Die Zahl der englischen Truppen in Palästina sei erheblich vermehrtworden.,. -..... Die Ausführungen Ormsby Gores gipfelten in der Hoffnung, daß, wenn einmal Ruhe und Ordnung wieder hergestellt seien, es der bereits vorgesehenen k ö n i glichen Kommission gelingen werde, im Rahmen der' Mandatsbestimmungen Mittel und Wege zu finden, umeinen dauerhaften Frieden zwischen den in Palästina ansässigen Völkern zu schaffen. Der Minister ließ jedoch keinen Zweifel daran, daß die königliche Kommission erst dann in Tätigkeit treten werde, wenn völlige Beruhigung in Palästina eingetreten sein werde. '''''''''^^^■onMMMaMMaBnnMMMVQaMHHvnnMMnnHnMnMHi Pjkstok Bekstefo - SetttiHemp ,. Danzig wünscht keine Juden in Zoppot Aus Danzig: Der „Danziger Vorposten", Organ nicht. nur der Nazipartei, sondern auch des Senats, erklärt in einem Leitartikel ausdrücklich, daß Danzig jüdische Kurgäste in Zoppot nicht wünscht. Man werde es verhindern, daß Juden die vön der nationalsozialistischen- Stadtverwaltung in Zoppot errichteten neuen Lokalitäten besuchen. Juden aus Polen und aus anderen Ländern mögen wissen, daß sie in Zoppot nicht erwünscht sind. Im Zusammenhang mit dieser Aeußerung des Danziger Regierungsorganes fordern die jüdischen Zeitungen in Polen ihre Leserschaft auf, Zoppot, welches bisher stark von Juden besucht wurde, aus Gründen der jüdischen Würde zu meiden. Verb« d« Judensfaafszionisten Oesterreichs Samstag, 13. Juni %9 Uhr abends, Sektionsheim, XVIII., Semperstraße 19, Vortrag Theodor Grubner. Samstag, den 13. Juni, »/29 Uhr abends, Sektion VI/VII, VII., Kaiserstraße 30 (Bialik-Heim), Vortrag Oberbaurat Ing. Robert Stricker: „Die jüdische Lage." Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32. Sonntag, den Ii. d., 7 Uhr abends, Heimabend. Voranzeige. Am 27. Juni findet im Etablissement Konstantinhügel, II., Prater Hauptallee, ein großes Sommerfest, veranstaltet von der Sektion Prater und der Judenstaatsjugend, statt. HerzI«Grabgang Der diesjährige Herzl-Grabgang findet Sonntag, den 14. Juni 1936, statt. * Die Juden staatler versammeln sich um 10 Uhr vormittags Ecke Hochschulstraße- Pete r: Jordan-Straße, Brith Hakanaini und Judcnstaats« (Jugend bereits um .Uhr: vormittags, RUNDSCHAU Wien und Holfytfo<><( Aus Hollywood kommt eine günstige Nachricht. Der Beamte des österreichischen Handelsministeriums Dv. Eugen Lanske hat. mit der ämerlkanlscheh Filmindustrie Uber die Möglichkeiten einer amerikanischen" Filmproduktion in Wien unterhandelt und ein gutes Resultat erzielt. Die Hollywooder Flimfirmen sind bereit; in Wien Spielfilme zu erzeugen. Näheres ist vorläufig nicht bekannt. Diese neue Filmproduktion wird sich zweifellos in deutscher Sprache vollziehen, das heißt Hollywood wird in Wien deutschsprachige Filme erzeugen. Bisher beriefen sich die Wiener Filmindustrie!len darauf, daß sie auf den reichsdeutschen Markt Rücksicht nehmen müßten, was soviel besagt, daß sie sich dem Goebbels- Diktat in b?zug auf den Inhalt des Films und die Besetzung unterwarfen. Der Arierparagraph domi- Resfauranft Stefanie tanhbhfc» Hugo u. Julie Harfiinger geb. Zöllner WJ II, Taborstrafle 12 Bekannt gute Küche, gepflegte Getränke, aufmerksamste Bedienung, zeitgemäße Preise, reichhaltige.Menüs, sowte alle Spezialitäten, schöner schättißer Garten ' niertc in der österreichischen Filmproduktion. Das kann jetzt anderg werden. Die reichdotierte Hollywooder Filmindustrie h^it es, nicht notwendig, auf die hakenkreuzlerischen Belange Rücksicht zu nehmen. Jetzt kann eine w,a h rhaft österreichische Filmproduktion entstehen. Die Herren, welche bisher so bereitwillig der reichsdeutschen Filmtotalität ' frönten, indem sie nichteinmal „hinter der Kamera" einen Juden duldeten, werden sich umstellen müssen. Das amerikanische Kapital ist hart. Es wird sie unbarmherzig zermalmen. 'ES wird Uber sie zur Tagesordnung übergehen und die Schändlichkeit tilgen, welche gewisse jüdische Filmproduzenten' lange Zeit hindurch verübt haben. - SchUlerpensionat Dir. Kohn l.x» ^SSSStlTSlS'20 Ferienaufenthalt Semmerlng-Reichensu ^Vorzügliche Verpflegung O QewieeenhaUe. Aufsicht O Mäßige PreUe und. den jüdischen Arzt zur Kränkenkassenprsjds'wieder zulassen. . Als Protest sind die christlichen Aerzte i« einen Streik getreten, aber es hat den Anschein, daß sie mit diesem Streik nichts erreichen werden. Denn die Patienten legen scheinbar keinen Wert auf die Herkunft ihres Arztes, sondern bloß auf dessen Tüchtigkeit. Der Pogrom von Przytlk vor Gericht Aus Warschau: Vor dem Distriktsgericht Ä Warschau begann jetzt ein für eine Dauer von mehreren Wochen berechneter Prozeß gegen 43 Christen und H Juden, die angeklagt sind, an den blutigen Unruhen, die^sich am 9. März d. J. in dem benachbarten Städtchen' Przytlk ereigneten, teilgenommen zu haben. Es handelt sich um Ausschreitungen, die den Charakter eines blutigen Pogroms trugen; Mitglieder des illegalen nationalradikalen Verbandes, unterstützt von aufgehetzter" Bauernschaft aus der Umgebung, drangen am genannten Tage in die von Juden bewohnten Gassen von Przytlk ein, demolierten fast alle jüdischen Läden, zerstörten viele jüdische Wohnungen und mißhandelten die gesamte jüdische Einwohnerschaft in der barbarischsten Weise. Das jüdische Ehepaar Joseph und C h a j a Minkowski, Eltern von neun unversorgten Kindern, wurde in der barbarischsten Weise getötet, einige der Kinder schwer verletzt. Zahlreiche andere Juden von Przytik wurden grausam geschlagen, einer erlag später den Verletzungen, andere .wurden zu Krüppeln geschlagen. Ein Versuch der jungen Juden des Ortes, einen Selbstschutz zu bilden, wurde von der Polizei, die nicht die Macht hatte, selbst der Exzesse Herr zu werden, trotzdem vereitelt. Während der Exzesse kam auch, einer der angreifenden Bauern, der 53jährige Stanislaw Wyesznaak, ums Leben. Im Zusammenhang k a y ft man . f ü r , J a h r z e h n t e I Ihre Möbel müssen daher nichf nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. VieieYdie mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher. Qualität auch zeitgemäß billig sind. Cr o ßc A uswäh Ii Tel (Zah lungen! HUbeS^us Edelmann, VSISf UrchenfeSäerstr. 12 Wir werden schaffen Die übertriebenen Meldungen aus Palästina, hauptsächlich jene, welche von judenfeindlichen Nachrichtenbüros ausgegeben Werden, können den Eindruck erwecken, daß ein allgemeiner arabischer Aufstand vor sich geht. Dem ist nicht so. Das Zentrum der Unruhen hat sich nach den arabischen Städten Nablus, Tulkarem, Jaffa und Gaza verschoben, wo Zusammenstöße zwischen arabischen Terroristen und englischer Polizei an der Tagesordnung sind. Aber das wirtschaftliche Leben der Juden Palästinas geht nach Maßgabe der vorhandenen Möglichkeiten seinen normalen Gang. Niemand wird bestreiten, daß die jüdischen Schäden infolge des arabischen Streiks und der Verwüstungen hoch sind, nichtsdestoweniger haben all die blutigen Vorfälle die Zuversicht-der jüdischen. Bevölkerung unerschüttert gelassen. Am Schewuoth fand in Tel-Aviv eine Gedächtnisfeier für das verbrannte Getreide und für die Vernich*, teten Bäume statt. Ein Knp.be verlas eine „Gedächtnisrolle", deren Text lautete: „Laßt uns gedenken des Verbrechens gegen, den goldenen Weizen auf den Feldern Israels, weicher in Flammen aufging, laßt uns gedenken der Seelen der brennenden Wälder und des Todesschmerzes der gefällten Bäume. Wir werden für jede Garbe Millionen anderer schaffen, für jeden gefällten Baum tausende neue Bäume pflanzen, welche Frucht und Schatten spenden werden." Diese Worte klingen .so ernst und stark, wie 'der Wille des jüdischen Palästina, den Aufbau fortzusetzen. Wönn sie die Antwort auf den arabischen Terror sind, dann braucht uns um das Schicksal unseres Jischuws in Palästina nicht bange zu sein. Streik gegen Begabung Das litauische Städtchen Roaeniai hat in diesen' Tagen etwas erlebt, was von'der litauischen Öffentlichkeit und noch weniger von der litauischen Regierung gebilligt wird. Dort hatten die christlichen Aerzte auf die Krankenkasse einen Druck ausgeübt, und die Krankenkasse hatte, diesem Drucke folgend, einen jüdischen Arzt in den Listen der Kassenärzte gestrichen. Die Krankenkasse aber hatte ihre Rechnung ohne die Mitglieder der Kasse gemacht, denn diese erklärten, daß dieser jüdische Arzt der tüchtigste von allen Aerzten sei. Sie verlangten die sofortige Wiedereinsetzung des jüdischen Arztes, und wiederum mußte die Krankenkassenleitung dem Drucke der Oeffentlichkeit nachgeben HüfSOStGln Kurheus Westend Streng *W2 Aufsicht dar Adas Jiirpcl Sehlf fiehul, Wlan TharmalbOdar Im Hausa * Vfiantr KQdi« * MOiilge Prall« damit, wurden auch mehrere Juden verhaftet und unter Anklage gestellt. Von jüdischer Seite wird behauptet,-daß Wyesznaak im Verlauf der wilden Schießerei, die von den Exzedenten veranstaltet wurde, tödlich getroffen wurde, während ein' Polizist gesehen haben will, wie Wyesznaak von einem jungen Juden aus einer jüdischen Wohnung erschossen wurde. Zur Verhandlung wurden mehr als 400 Zeugen-.geladen. Die Verlesung der Anklageschrift dauerte .eineln». halb Stunden; Im letzten Teilder Anklageschrift wfrd die Ermordung des Ehepaares Minkowski geschildert- ■ Der Angriff auf das Haus des Schusters Josef Minkowski geschah in der Weise, daß erst einige Steine «BEL Geftlßsklntfefflßim KonraW 1250 m, ALPEN-MILCH, ALPEN-BUTTER, erstklassige Verpflegung. Besondere Berücksichtigung schlecht essender Kinder, Hefmarzt, Spiel, Sport, Gymnastik, Fertalunterrlcht, Französisch, Englisch, Hebräisch. Auskünfte und Prospekte: SCHÜLERHEIM STADTPARK, III. Hansalgssse 6, Tel. B-M-9-86, Dr. E. ALPOR, XVII, Goldscheidgasae 6, Telephon B-40-3-53 durch die Fenster geworfen wurden, durch die Minkowskis 15jähriger Sohn Gabriel getroffen wurde und das Bewußtsein verlor. Die drei jüngsten K i n d er Minkowskis krochen unter das Bett. Das Ehepaar Minkowskilief nach vorne, um die Tür zu verrammeln. Es wurde von der eindringenden Menge ergriffen und-solang« mißhandelt, bis es kein Lebenszeichen mehr von sich gab. Später stellte sich heraus, daß Josef Minkowski' sofort tot war, seine Frau wurde in sterbendem Zustand' in das Hospital nach Radom gebracht, wo sie während einer versuchten Operation den Verletzungen erlag. Der 6jährige Schmuel Minkowski wurde hervorgezogen und so-schwer auf den Kopf geschlagen, daß er das Bewußt-, sein verlor. Gabriel. Minkowski, leidet seit der Mißhand* Jung an psychischen Störungen und kann nicht als Zeuge vernommen werden. .. Die von Minkowskis Wohnung ziehende , Menge, ergriff den Juden Chaim Baumöl und warf ihn in den Fl.uß, er konnte sich aber retten.. Die gleichp.. Menge fügte den Juden Schlomo Teper, Adam Berkowicz und, Abraham Goldberg sehr schwere .Verletzungen bei. Nach Verlesung des Anklageaktes begann das. Gericht mit dem Verhör der Angeklagten. Keiner der christlichen Angeklagten gibt eine Schuld zu. Auch dio jüdischen Angeklagten erklären, daß sie in keinem. FaJlo..di$ Angreifer waren. Es wurden sodann die Zeugen, vereidigt. Die Verteidiger der jüdischen Angeklagten erhoben Beschwerde darüber, daß ihr Antrag auf Ladung weiterer 60: Zeugen abgelehnt wurde. •v , Das altbewährte, beliebte österreichische Mineral* wassor „Preblaucr-Saucrbruiin" ist in Aonthekcn, T)ln, gerien und Lebensmittelgeschäften erhältlich.