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Die neue Welt · 1936-06-09 · Heft 567 (9.6.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 567 (9.6.1936)
Date
1936-06-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 567 vööj Juni 1936 »IE NEUE WELT Seite 3 Die nächst© Ausgabe unsere» Blattes erscheint wegen des Fronlefclwams-Tages Mittwoch, den 10. Juni Rings um die AtabettevoUe In Saloniki bereiten sich zahlreiche Hafenarbeiter auf die Auswanderung nach Palästina vor, wo sie in dem neuen Hafen von Tc 1 - Aviv Beschäftigung zu finden hoffen. Es heißt, daß die Zionistische Exekutive die Zuteilung besonderer Zertifikate außerhalb der Quote für diese Hafenarbeiter bewilligen werde. Bisher sind bereits 250 jüdische Haf cnarbelterf amtticn aus Saloniki nach Haifa ausgewandert. Während des Streiks haben diese jüdischen Hafenarbeiter besonders wertvolle Dienste geleistet. * DfA 36. tTahrcskonfcrcn« der Zionistischen Fttde- TntJo« für Großbritannien und Irland forderte In einer Resolution die Absetzung do s G r o ß mu f t.i als Vorsitzenden des Obersten Moslcmltischen Rates und des Bürgermeisters Dr. K h a l i d i, weil sie Mitglieder des Arabischen Streikkomitees sind, im Interesse der öffentlichen Sicherheit wird die Regierung aufgefordert, die Amtsdauer des Vorsitzenden des Obersten Mosiemltischen Rates und des Bürgermeisters von Jerualcm, die Gehälter aus öffentlichen Mlttclt beziehen, sofort; zu beendigen. Die Konferenz erklärt© sich solidarisch mit der Proklamation des Waad Leumi, de« Jüdischen Natlonalrates Palästinas, vom 24. Mai, in der zum Ausdruck gebracht wird, daß es bei „gutem Willen und gegenseitiger Achtung" möglich sei, einen gemeinsamen \Y*g für Juden lind Araber zu finden. * Der sephardische Landesrabbincr für Palästina, der 80jährige Jacob Mcir, erließ einen Aufruf an die arabische Bevölkerung, in welchem er die Versicherung abgibt, daß die Juden mit den Arabern in Frieden leben wollen und nicht die geringste Absicht haben, je die Heiligen Stätten der Mohammedaner anzutasten. * „Daily Telegraph" meldet aus Jerusalem, daß am 1. Juni abends auf dem Gelände, auf dem sich das Wohnhaus des High Coramissioner befindet, zwei Bomben zur Explosion gebracht wurden; verletzt wurde niemand. * Der High Commissioner Sir Arthur Wauchope hat sich nach der Hauptstadt von Transjordanien, Amman, begeben, wo er Besprechungen mit militärischen Kommanden und dem Emir Abdullall abhielt. Es verlautet, daß der High Commissioner den Emir ersucht haben soll, auf die Führer der palästinensischen Araber dahin einzuwirken, daß die Terrorakte in Palästina aufhören, bevor die Regierung schärfste Maßnahmen ergreift. Das Mitglied der Exekutive der Jewish Agency, Mosche S h e r t o k, wurde vom High Commissioner Sir Arthur Wauchope zu einer langen Unterhaltung über die Lage im Lande empfangen. * Im Hinblick auf die am Samstag, den 6. Juni, abends, erfolgende Schließung der Levante-Messe in Tel-Aviy_hat sich, der Besuch der Messe stark gesteigert. Bis Jetzt wurdo die Messe von mehr als 300.000 Menschen besucht. AUS ALLER WELT iür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Die Wirtschaft in Palästina Die Wirkungen des Terrors. T e 1 - A w i w (Palnews): Obwohl der arabische Streik an sich den jüdischen Wirtschaftssektor kaum berührt und auch die anfänglichen Schwierigkeiten, die sich aus dem Jaffaer Hafenstreik ergaben, überwunden wurden, übt die von Woche zu Woche sich verschärfende Unsicherheit und Terrorisierung des Landes durch Brandstiftungen, Ueberfälle, Mord und Verkehrssabotage auf die Dauer einen lähmenden Einfluß auf das Wirtschaftsleben aus. Vor allem wirkt die Passivität der Regierung gegenüber dem Terror außerordentlich deprimierend, und muß den Eindruck hervorrufen, daß die Regierung entweder nicht willens oder nicht in der Lage ist, dem Terror ein Ende zu machen. Die täglichen Berichte der Weltpresse über den um sich greifenden Terror diskreditieren Palästina in den Augen des Auslandes und stören die internationalen Wirtschaftsverbindungen. Dazu tragen nicht zuletzt auch Zahlungsverweigerungen arabischer Importeure bei. Die Einstellung der Zahlungen durch die arabischen Kaufleute, die Verluste, die die Verkehrsunternehmungen auf die Dauer erleiden und sich auf weitere Zweige der Wirtschaft fortpflanzen, und der Umsatzrückgang infolge der allgemeinen Unsicherheit im Lande drohen zu ernsthaften Wirtschaftsstocküngen zu führen. Es wird erwartet, daß sich die Regierung der wirtschaftlichen Rückwirkungen der Situation1 bewußt wird und sie nicht länger ignoriert. Ein begrüßenswertes Symptom in dieser Richtung stellt die von der Regierung erteilte Erlaubnis zur Güterabladung an der Jarkon- Mündung in Tel-Aviv dar, mit der bereits begonnen wurde. Ein Maimonides-Gymnasium in Paris Aus Paris: In Paris fand jetzt die Eröffnung des von der Pariser Jüdischen Gemeinde anläßlich des 800. Geburtstages des Rambam geschaffenen Maimonides-Gymnaaiums statt. Das Gymnasium,.wird jetzt von 102 Schülern, davon mehreren aus Nordafrika, besucht. Leiter ist Professor Marc Cohn. Direktor des Kuratoriums ist der bekannte Schriftsteller Edmond Fle-g, der an der Schule auch jüdische fisfl püißii.t,.Q u,n.d. mscatHE JiBtßüri.Qiit.ct, Antisemitische Unruhen in Polen In der Toicnsladt Min$k»Masowjcck Aus Warschau wird gemeldet: Pic Leiden der jüdischen Bevölkerung In der Stadt Minsk-Mazow l c c k hei Warschau nehmen kein Ende, der Vogrofo ist In Permanenz erklärt worden. Fast 6000 Juden haben die Stadt bereits verlassen, aber die wenigen hundert Juden, die standhaft sind und aushalten wollen, sind Gegenstand unaufhörlicher Angriffe. Man wajrt nicht, die Straße ZU betreten, ebensowenig in der Macht das Bett aufzusuchen, denn die Angriffe erneuern sieh immer wieder. Unablässig hört man aus nah und lern das Krachen von eingeschlagenen Fenstern und Türen und die Schreie von gequälten Menschen, immer nieder flackern Brände auf. Manche in Ihren Häusern verbarrikadierten jüdischen Familien haben seit Tagen nichts gegessen, es besteht keine Möglichkeit, sie mit Nahrung zu versorgen. Die. drei jüdischen Toten des ersten Pogrom» in Minsh-Mazowieck blieben drei Tage lang unbestatlet, weil keiner der zurückgebliebenen Juden sich auf die Straße wagen konnte. Der Warschauer Jüdische Bestattungsverein „Cbcssed schel emess" entsandte eine Begräbnismannschaft nach Minsk-Makowieck, die nach langem Suchen zwei der Toten, eine 82jährige Frau und einen filjährigen Mann, zn Grabe brachleu, während man den dritten Toten nicht mehr finden konnte; anscheinend Ist er verschleppt worden. Die Bcstattungsmannsehaft versuchte, Brot für die hungernden Kinder aus einer benachbarten Stadl; heranzuholen, konnte aber hierzu keinen Wagen auftreiben, da unter dem noch ungebrochenen antisemitischen Terror kein Fuhrmann eine Fahrt wagt. Die Polizei hat festgestellt, daß 150 Mitglieder der Warschauer Illegalen „Nara" (nationaldemokratlsches Juqfeudlnger) au dem ersten Pogrom In Minsk-Mazowleck teilgenommen haben. ff § R iJ T" unsere beliebten Ferienreisen nach Polen und Czernowitz beginnen am 2S. Juni und 5. Juli. Aufenthalt beliebig bis inklusive September. Wir bitten um Ihre Teilnahme. Reisebüro ffff lOff V"1 (Reiseleiter: ■ r* <Uf B Rosenkranz) Telephon U-44-5-77 Die jüdischen Parlamentarier haben ein drittes Mal beim Ministerpräsidenten General Slavoj-Skladlcowski interveniert, der versprach, sich persönlich mit dem Minsker Starosta in Verbindung zu setzen. Der Ministerpräsident hat auch sofort den Minsker Starosta angerufen und ihn aufgefordert, die Ruhe wieder herzustellen. Die jüdischen Zeitungen veröffentlichen eine Namensliste von 51 beim ersten Pogrom erheblich verletzten Juden und teilen mit, daß die Liste lange nicht vollständig sei, mehrere Verletzte halten sich noch, jetzt verborgen. Die gesamte jüdische Einwohnerschaft von Minsk-Mazowieck ist vollkommen ruiniert. In anderen polnischen Stfadfcen Die Vorgänge in Minsk-Mazowieck haben in einer Keine anderer Städte antisemitische Unruhen ausgelöst. Nach Wawer kamen aus Warschau vier nationaldemokratische Agitatoren und hetzten die Bevölkerung gegen die Juden auf. Eine Gruppe Huligans stürmte das Haus des Wawerer Ortsrabbiners Kestenberg, mißhandelte den Rabbiner schwer und fügte seinem Sohne tiefe Messerstiche bei, Fenster, Türen und Inneneinrichtung des Hauses und der nahegelegenen Synagoge wurden vollständig zertrümmert. Auch in Radzimin, Wolomin, Karczew, Wlochi, Mrozi, Dobra und Kolibiel kam es zu antijüdischen Ausschreitungen. In S k o 1 e wurden mehrere jüdische Einwohner verletzt, unter ihnen ein gewisser Glasstein schwer. Die VöSkerbundfLigen gegen Hitler* Deutschland Aus Glasgow: Die in Glasgow tagende Juristiach-Politische Kommission des Internationalen Verbandes der Gesellschaften für den Völkerbund faßte einmütig den Beschluß, dem Plenum des Kongresses der internationalen Gesellschaften für den Völkerbund den von der holländischen Volk erb undliga unterbreiteten Pi'otest gegen die deutschen Judengesetze (Nürnberger Gesetze) zur Annahme zu empfehlen. Der Delegierte der palästinensischen Liga für den Völkerbund Dr. N. Feinberg hielt eine Ansprache an die Kommission, in der er das Bedauern aussprach, daß keine deutsche Delegation dem diesjährigen Kongreß der Völkerbundgesellschaften beiwohnt; er hätte gewünscht, in Gegenwart der Deutschen ein Verdammungsurteil über die Quälereien und Verfolgung der halben Million Juden im Dritten Reich zu sprechen. Es scheint aber, so führte Dr. N. Feinberg aus, daß die deutschen Delegierten sich scheuen, an einer offenen Debatte über diese Angelegenheit teilzunehmen, ihr Fernbleiben ist nur ein Ausdruck dieser Angst. Sämtliche anderen Redner unterstützten die Resolution der holländischen Gesellschaft und äußerten ihr tiefes Mitgefühl mit dem Martyrium der Juden in Deutschland. Eine Ausnahme machte nur der ungarische Vertreter, Poka P i v n i, der erklärte, er sei zwar kein Antisemit und komme aus einem Lande, das a.ls ein „Paradies für die Juden" angesehen werde, er halt© c9 jedoch nicht für fair, eine Resolution gegen Deutschland in Abwesenheit der deutschen Vertreter zu fassen. Das Mitglied des englischen Unterhauses Sir Archibald Sinclair erklärte im Namen der Englischen Liga für den Völkerbund, was heute den Juden in Deutschland angetan werde, sei eine Schande für die Zivi lisatlon, die Welt belade sich mit Schuld, wenn sie diesen Verfolgungen gegenüber gleichgültig bleibt. Die zweite Delegierte der Englischen Liga Mrs. D u g d a 1 e, eine Nichte Lord Balfours, trat insbesondere den Ausführungen des ungarischen Delegierten entgegen und legte Nachdruck auf die Tatsache, daß die Initiative zu der Resolution diesmal nicht von der palästinensischen, sondern von der holländischen Liga kam. Wer gegen die Resolution ist, Willigt die Nürnberger Gesetze. Der Sprecher der holländischen Völkcrbundliga, Van Raalte, erklärte, wenn Deutschland die Anwendung des Prinzips der Gleichberechtigung für sich im internationalen Leben fordert, so müsse es dieses Prinzip auch bei Behandlung seiner internen Angelegenheiten anwenden. Dabei ist die Behandlung der Juden in Deutschland keineswegs eine interne deutsche Angelegenheit, denn die Judenverfolgung bedeute eine Verletzung des Artikels 23 des Völkerbundstatuts. Die Ausführungen des holländischen Redners wurden von Prof. Borel, Frankreich, Dr. C. C. Wang, China, und M. Lypacewich, Polen, unterstützt. Der polnische Delegierte sagte, abgesehen von dieser Resolution müsse man sich auch noch nach praktischen Wegen umsehen, auf denen das jüdische Problem gelöst werden könne. Polen sei gegenwärtig in Gefahr, von einer antisemitischen Welle überflutet zu werden. Man müsse konstruktive Wege suchen, um den Juden zu helfen; eine besondere Aufmerksamkeit müsse man dem Jüdischen Nationalheim in Palästina zuwenden, dessen Aufbau müsse beschleunigt werden. Zehn Jahre jüdische Kulturautonomie in Estland Aus Tal 1 in: Am 3. Juni wurde in Estland im Beisein von Mitgliedern der Regierung die Zehn-Jahr- Feier der jüdischen Kulturautonomie, jetzt der einzig gen in der Welt,, festlich begangen. (J. T. A.) CRIKVENICA Billigst Urlaubsmöglichkeit am schönsten Meeresstrand der Adria Orth. W Pension ENGEL Billige Arrangements*. Bezahlung In Wien möglich lAuskunlt; Willy Donner (B-30-5-22) Griechischer Unterrichtßminister über den hebräischen Unterricht. Aus Saloniki: Vor einiger Zeit hatte das griechische Unterrichtsministerium einen Erlaß herausgegeben, in dem moderner Hebräisch-Unterricht an den jüdischen Schulen verboten wurde. Später wurde dieser Erlaß zurückgezogen. Seinen Standpunkt zur Frage des Hebräisch-Unterrichts hat nunmehr Unterrichtsminister Louvaris anläßlich eines Besuches in Saloniki dargelegt: „Nicht nur die Juden Griechenlands, sondern auch die unter besonderen Verhältnissen lebenden Juden der ganzen Welt sind genötigt, Hebräisch zu lernen. Eine ethnische Minderheit, selbst wenn sie als solche nicht anerkannt ist, ist undenkbar ohne das Recht, die Sprache ihrer Religion zu lernen. Das vor kurzem erlassene Verbot des Hebräisch-Unterrichts an griechisch-jüdischen Schulen war auf eine mißverständliche Auslegung der gesetzlichen Bestimmungen zurückzuführen. Meiner Ansicht nach haben die Juden sogar Anspruch auf ein eigenes höheres Unterrichtswesen mit eigenen Schulen, sowie darauf, daß der Unterricht in hebräischen und jüdischen Fächern ausschließlich von jüdischen Stellen, ohne Einmischung staatlicher Organe, überwacht werde." (J. T. A.)( Die Prager Alt-Neu-Schul Aus Prag: Die vielen großen Neubauten in der Prager Altstadt ließen Befürchtungen aufkommen, daß das Straßenniveau sich infolge der erhöhten Belastung senken könnte. Daher hat der Obmann der Alt-Neu- Synagoge, Prof. Dr. S. Lieben, eine bautechnische Kon* trolle dieses alten jüdischen Wahrzeichens vornehmen lassen. Diese Prüfung hat der alte Tempel bestanden VERBAND DER JUDENSTAATSZIONISTEN OESTERREICHS SEKTION XfSfl-XV Mittwoch, den 10. Juni 1936, um halb 9 Uhr abends im Sektionsheim; XIV, Schanzstraße Nr. 32 SEKTION X Donnerstag, den 11. Juni 1936, um halb 9 Uhr abends im S e k t i o n s h e i m, X, Herndlgasse Nr. 23 Vortrag des soeben aus Palästina zurückgekehrten Theodor GRUBNER

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