Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 567 (9.6.1936)
- Date
- 1936-06-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 567 vom 9. Juni 1933 1 Nach Ansicht der Fachleute kann die „Alt-Neu-Schul" noch ein- bis zweitausend Jahre durchhalten! Bei dieser Gelegenheit ließ die Kultusgemeinde im Innern der Synagoge verschiedene Ausbesserungen vornehmen. So wird die alte Fahne repariert, die Kaiser Ferdinand III. im Jahre 1648 den Juden Prags in Anerkennung ihrer heldenhaften Haltung bei der Verteidigung der Stadt geschenkt hat. 1791 trug man die Fahne das einzigemal aus der Synagoge durch die Stadt im Krönungszug Kaiser Leopold II. Die Fahne mußte von 10 Leuten getragen werden. Neben dieser Reliquie werden auch die 48 Thora- Vorhänge ausgebessert, die aus der Zeit des Rabbi Löw, Rabbi Spira und Rabbi Landau stammen. Einer ist eine Schenkung des ersten jüdischen Adeligen Bassevi von Treuenberg. Auch die 22 schweren, handgetriebenen silbernen Thora-Rollenträgcr werden von Meister Zelenka, dem Spezialisten für Antiquitäten- Restaurierung, hergerichtet. Entgegen allen Gerüchten wird betont, daß gar keine Gefahr für die 7 0 0 j ä h r i g e Alt-Neu-Synagoge besteht. Leiste Nachrichten aus Palästina Kritische Lage in Haifa Aus Jerusalem (7. Juni): Amtlich wird mitgeteilt, daß die Eisenbahnbrücke zwischen Haifa und Ludd durch Explosivstoffe beschädigt wurde, weshalb der Verkehr über die Brücke eingestellt wurde. Die Eisenbahnzüge verkehren beiderseits bis zur Brücke, wo ein Umsteigen erfolgt. Die Zentrale der arabischen Arbeiterpartei in Jaffa wurde behördlich geschlossen. Eine in Jaffa neu herausgegebene arabische Tageszeitung wurde sofort nach dem Erscheinen beschlagnahmt. Die arabischen Polizisten von Jerusalem haben das Angebot der Erhöhung ihrer Löhnung um einen Schilling abgelehnt. Das Angebot wurde auch von den jüdischen Polizisten mit der Begründung zurückgewiesen, daß es unter arabischem Druck gemacht worden sei. Der Generalinspektor der Palästina-Polizei, R. G. B. Spiee r, wurde verständigt, daß der Polizeidienst in Jerusalem, falls notwendig, vom Militär übernommen werden würde. Die arabische Streikleitung kündigt an, daß innerhalb der nächsten Tage auch die bisher noch nicht dem Streik angeschlossenen Gemeindeverwaltungen ihre Tätigkeit eingestellt haben werden. Einer von den beiden Arabern, die im Zusammenhang mit dem Mord vor dem Edison-Kino verhaftet worden sind, wurde wegen Waffenbesitzes zu neun Monaten Gefängnis verurteilt. Der zweite Araber wurde freigesprochen. Die Polizei wehrte einen arabischen Ueberfall auf die Kolonie Beth Alpha in der Nacht mit Maschinengewehren ab. Elf der Angreifer wurden verhaftet. „Doar Hajo m" erfährt, daß die Mitglieder der arabischen terroristischen Organisation außer Munition und Nahrungsmitteln je sechs Pfund monatlich an Lohn bekommen. Allein in Jerusalem werden 17.000 Araber aus dem Streikfonds unterstützt. In. allen anderen Zentren erhalten 20.000 Araber regelmäßig Subsidien. Den arabischen Hafenarbeitern in Haifa wurde der volle Lohn und außerdem Prämien versprochen, falls sie sich dem Streik ansehließen. Auch den Regierungsbeamten wurde für den Anschluß an dem Streik die Zahlung der vollen Gehälter zugesichert. Die streikenden Chauffeure bekommen die vollen Löhne ausgezahlt. Allgemein, auch in den Regierungskreisen, hält man es für erwiesen, daß der arabische Streikfonds aus de in Ausland finanziert wird. Der Bürgermeister von Haifa, Hassan Bey Schurki, der sich bisher der Streikbewegung fernhielt, hat gemeinsam mit dem arabischen Teil der Stadtverordneten an den britischen Oberkommissar einen Brief gerichtet, in dem er mit seinem und der arabischen Stadtverordneten Rücktritt droht, falls nicht binnen zehn Tagen die Forderungen der Araber erfüllt werden. Im Hause des Mufti wurde ein Propagandabüro errichtet. Emir Abdulla von Trans.iordanien lud arabische Vertreter für Samstag zu einer Besprechung ein. Dies wird in Jerusalem mit Vermittlungsvorschlägen in Zusammenhang gebracht. Der Samstag, 6. Juni, war durch eine Verschärfung der Lage in Haifa gekennzeichnet. Es wurde versucht, einige verhaftete Araber zu befreien, Polizei und Militär wurden mit Steinen beworfen und beschossen und waren gezwungen, von der Schußwaffe Gebrauch zu machen. Ein Araber wurde getötet, einer verwundet. In den Straßen wurden Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett und auoh einige Geschütze postiert. (J. T. A.) Das (üdi&cUe p^atädina läßt ricU nickt uwteckdegm Aus einem Briefe des Wiener Architekten Dr. Ing. G. K. (wohnhaft in Haifa) vom 30. Mai 1936, an seine Eltern in Wien „... Ich kam gestern Abend aus Tel-Aviv zurück, wo die Architekten eine Tagung veranstaltet hatten. In Tel-Aviv ist es ruhig und geschäftig, wie immer. Hörte man nicht immer wieder Schüsse gegen Abend aus Jaffa, so wüßte man nichts vom Krieg, (In Haifa bekommt man immerhin während des Tages unten in der Stadt die Araber zu sehe n.) Ueberwältigend ist der Gegensatz zwischen diesem Willen der Araber, den Frieden zu, stören und den Juden, ihn zu bewahren. Die Bahn von Haifa führt bei Tul Kerem und Kalkilie durch Kriegsgebiet, wo immer wieder Militär die Durchfahrt sichern muß. Die Straße Jerusalem—Tel-Aviv war in den letzten Wochen wieder einmal besonders gefährdet. Auf dem Messegelände, in diesem festlichen Rahmen, der wirklich jedem europäischen Anspruch genügt, traf man Leute in Mengen aus Hern ganzen Lande. In den offiziellen Pavillons der Regierung, der jewish Agency, des Natio' nalfonds, der Pica usw., sah man durch Modelle, Pläne und Statistiketi, um wieviel wir seit zwei Jahren in Straßen, Schulen, Spitälern, Siedlungspunkten, Arbeitsmethoden weitergekommen sind. Man liest im Alltag immer nur Einzelfakten und ist überwältigt, wenn rnern sie als planmäßigen und — erfolgreichen Aufbau dieses Landes überblickt. Qualität und Quantität von Landesprodukten sind enorm gewachsen. Wir können heute zum Beispiel Glas, Bier und Badewannen im Lande erzeugen. Aus der Zahl der fremden Pavillons zu schließen, ist das Interesse, mit uns Handel zu treiben, gestiegen. Auch Oesterreich. hat sich einen eigenen Pavillon in diesem Jahre zugelegt. Von den Dächern der Pavillons sieht man auf „Tcl-Aviv-Beach", wo die Zollstation cr~ richtet ist und Tag und Nacht mit Scheinioerfcrn, die xoahrscheinlich etwas aufreizend nach Jaffa hinüberleuchten, an der Verlängerung des Landungssteges gearbeitet wird. Vor Jaffa liegt nicht ein Schiff, um so mehr vor Tel-Aviv. Was hat doch unser Volk für einen starken Lebenswillen und gewaltige Energie! Und was für Glück, in dieser Zeit zu leben, in der man sich vor Schlägen nicht mehr ducken muß! In den letzten Wochen wurde von jüdischer Seite direkt den Arabern der Friede vorgeschlagen, seit den letzten Tagen weiß man, daß sie sich bemühen — so weit es noch geht — ehrenvoll aus dieser Niederlage herauszukommen. Wie und wann, kann vielleicht schon die nächste Woche zeigen. * Nahariah erhall den ersten Preis Auf der Tel-Aviver Messe fand am 25. Mai ein Gemüsewettbewerb statt. Die palästinensische Regierung unterstützte diesen Wettbewerb dadurch, daß sie eine Anzahl von Preisen zur Verfügung stellte. Einerseits wurden die einzelnen Gemüsearten in Wettbewerb gebracht, andererseits wurden Musterkollektionen von verschiedenen Gemüsen der Siedlungen zur Beurteilung ausgestellt. Letzterer Wettbewerb verdient besondere Beachtung, da er am ehesten ein sachlich begründetes Urteil über die Gemüseproduktion einer Kolonie zuläßt. N a h a r i a h beteiligte sich an beiden Konkurrenzen. In der Sammelkonkurrenz wurden nur zwei Preise verteilt, und zwar einer an die Kolonie Nahariah — also an die jüngste aller Siedlungen — und ein Preis an die landwirtschaftliche Schule Mikweh-Israel, die älteste aller landwirtschaftlichen Stellen des Landes. Insgesamt hatten sich an dieser Konkurrenz 35 Aussteller beteiligt. In den Einzelkonkurrenzen erhielt Nahariah einen zweiten Preis für Blumenkohl und einen dritten Preis für rote Rüben. Jakob Josefsberg. Die Grenze" // das Schauspiel vom deutschen Judenschicksal,' gelangte im Jüdischen Kulturtheater (I., Franz-Josefs-Kai Nr. 3) zur 50. Aufführung. Es ist dies ein Erfolg, der einerseits dem starken Stück von Cederland und Dahlberg (deutsch von A. Ganzert), andererseits der abgerundeten Darstellung zu verdanken ist. Walter Steiners Regie gibt dem Ensemble Gelegenheit, alle seine Qualitäten zu zeigen. Wieder wurden die Damen Koch, Walter und Groß sowie die Herren Müller, Weics, Lerner und Links bejubelt. Es war ein Abend voll Erschütterung und Selbsteinkehr. * „Die Grenze" bleibt auch weiterhin auf dem Spielplan. Donnerstag, den 11. Juni, 17 Uhr nachmittags, „D i e Grenze" bei ermäßigten' Preisen in der Premierenbesetzung.____ Ein Frankopol-Sonderzug au3 Polen. Mittwoch früh 6.30 Uhr trifft in Wien ein Sonderzug aus Polen mit zirka 200 Personen zu den Wiener Festwochen ein. #;% •,. ., .-.,^3» w ■£^^v?: \ Von S 2 Wochenraten er« hallen Sie alle Gegenstände In größter Auswahl und better Qualität bis 20 Monate Kredit SCHLESINGER Vit, Burggasse 122-124 Telephon B-32-2-24, B-35-6-55 Maimonides-Institut, II., Praterstraßc 11. Vorlesungen im Sommersemester 193 6. Jeden Montag, Rabbiner Dr. M. Bauer, 6 bis 7 Uhr: En Jakob; 7 bis 8 Uhr: „Ikkarim". — Dienstag, Dr. S. Rappaport, 6 bis 7 Uhr: Midrisch; 7 bis 8 Uhr: Aus Geschichte und Literatur. — Mittwoch; Rabbiner Dr. Zickier, 6 bis 7 Uhr: Talmud; 7 bis 8 Uhr: Jad Chasaka. — Donnerstag, Rabbiner Dr. A". Kaminka, 6 bis 7 Uhr: Erstes Buch Samuel; 7 bis 8 Uhr: More Nebuchim. — Samstag, 4 bis 5 Uhr, Rabbiner Dr. A. Kaminka: Sprüche der Väter. Austritte aus dem Judentum Kleinmann Heinrich, geb. 19. Juni 1919 Wien, Czor» tkow. — Stern, Dr. Adriennc, Mittelschulprofessorin, geb. 8. Dezember 1904 Wien, ledig, Preßburg. — Bofinger Valerie, geb. 17. Juni 1897 Wien, verheiratet, II., Vorgartenstraße 132. — Weiß Margit, Privatbcamtin, geb. 5. April 1909 Wien, ledig, XVIII., Wurzingergassc 2. — Weiniger Bichard, Manager, geb. 6. August 1883 Wien, verw., VI., Kasernengasse 24. — Fried Rosalia, Privatbcamtin, geb. , 10. Oktober, 1909 Wien, ledig, V., Schönbrunnerstraße 111. — Krakauer Olga, Verkäuferin, geb. 12. März 1912 Mistelbach, ledig, IX., Glasergasse 24. — Weinberger Robert, Oberrealschülcr, geb. 13. März 1920 VÖslau, ledig, XXI., Schleifgasse 10. — Matousek geb. Stark Fanni, geb. 2. September 1893 Wien, verh., II., Schüttaustraße 1-39. — Pallasch gob. Grünhut Isabella, Sängerin, geb. 6. Mai 1890 Wien, gesch., I. Rotenturmstraße 31. — Oster Harry, Student, geb. 2. November 1916 Wien, ledig, II., Vorgartenstraße 142. — Klimont Frieda, Kontoristin, geb. 21. November 1905 Wien, ledig, I., Golsdorfgasse 2. — Drexler Emma, geb. 29. April 1902 Wien, Amsterdam. — Mössner Melanie* geb. 20. Oktober 1894 Wien, Villach. — Zweig Lilly, geb. 12. Juli 1913 Graz. HELIOS-KINO s. bis 11. Juni a*.b.,.,r...« Telephon R-41-3-50 STAFfi, VII Mariahi I f erstraße 120 Telephon B-S3-0-68 Wochentags: 5, 7, 9 Uhr Dick Powell SCHXFFER 4m VI, Mariahilferstraße 37 StUtytk UH6 dUlUukt . Telephon B-20-203 deginn: Vt6, VhB, ViIO Jan Kiepura VOTIVPARK IX, Währingerstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn: k, %6, VtO, WO Dick Powell 8otoBromoto Setter äüJiuQt uns, bie enormen Sßoncitc in Sommcrs&leibern, ä)ituM, Sommerftoffen, 23abeartifetn unb anbeten Sommertnaren um jeben anncfjmfitttcn Jßteis losjjus fcfjlagen! £ier nur einige Schlager aus unferem ^liefen* lager: 2ßa[cr}(eiben=35irnblfd)ürge S. —.98,. SUifdjetu Dtrnbl^lufen S 1.90, ßretonne^irnbl S 2.90,' (5c* mufterte ftretonnesScfjlafrö'cfe S 3.90, ©eMumte St.; Seiben*Kleiber mit SBefteneinfafc S 6.90, Salaburger IDirnM, aus Äaro^epfjir, mit 23atifr523lufe unb Scfjürae S 7.90. (Entaücfenbe ft.=S.^ongol=3mpriincs#leibcr, grofje 5Bfumeumu[ter, S 12.—, ^ttroetter=3JcäuteI aus gummiertem ßeinen über ßatf, paffepoiliert, S 12.—, Paletots, 2Bolt[toff ober 5?.=S.;9ftongoI S 14.—, $wen* ©traftenbaijtt: 0,V,C £cmben aus 9iefc£r)armeujc, in OTobcfarbcn S 4.90, Strjaftr>ott=33abeaii3Üge, mobeinc gaffon, für Samen. S 3.90, für Herren S 4.90, 5ffiafcf)fcibcn:Strümpfe, genest ober glatt, 2. 5Bar)t, 98 ©rofrijeu, „Scampoto"*Stranbs blufen S 1.50, 2eber-5Reiöoerfc()tu&^anbtafä)cn, gefüttert, 24, 27 unb 30 cm lang S 5.90. SBeifoictlos Billig »erlaufen tbir jefct 2Bafcr> unb Seibenftoffc. So 511m SBeifpiel tuitterfreie ftlbprilla unb (Hoquet'tc per 9Jletcr'S 1.50, 5Bemberg=2ßäfd)cfeibe, in fdjöneu ^aftellfarbeu 5U S 1.50, unb 9tcinfetben*3ntp*im<0, 93 cm breit, 511 S 1.75. — üftütjeit Sie biefc einmalige (Selcgenljeit 311 Söwm ißottcil aus, taufen Sie fcfjt Sommers toaren — bei II , Sa&orftrafee 48 Eigentümer, Verleger, Herausgeber und verantwortlicher. Redakteur: Oberbaurat Robert Stricker. — Dru<jfc; Drycljerei«.. und VerJags-A^G, igna? Steinmimn, b^lde wJca IX., ynjveraitatsstraße 6—8, ~