Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 567 (9.6.1936)
- Date
- 1936-06-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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i ME NUtE WELT Nr. 567 vom 9. Juni 1936 Jeden Sonntag billige Ferien-Sonderfahrten mic der €tem. Allg. Zeitung nach ........................................ PolenCzernowitz I 'S^nS^Sa^SSmi^^^tnt^'I m m -i^f2filduÄge? ***<hli«Blleh" ReUebüro I .»"ar 1«l*»rU<tct«, |, Rotontuftnttr. a«, R-24-2-86,87 Ä Verwaltung; die Verantwortung für die Kursordre treffe nicht Jerusalem, sondern Londo n." Mit diesem Artikel ist eines erreicht: Klarheit! Er stellt fest, daß die auf Grund des Palästina- Mandats von England eingesetzte Palästina-Regierung nicht daran denkt, sich an das Mandat su halten, d. h. die Förderung des jüdischen Nationalheims zu betreiben. Sie billigt den Arabern das Recht zu, gegen den Völkerbund und gegen die vorgesetzte Behörde, die englische Regierung, zu rebellieren. Sie billigt den Arabern das Recht zu, den Verkehr im Lande unmöglich zu machen, Steuer zu verweigern, von fremden Mächten Geld für Zwecke des Aufstandes %2u nehmen usw., und nennt das erlaubte „friedliche Arbeit". Sie verurteilt barbarische Mordtaten nicht als solche, sondern bedauert nur die „leichte Erregbarkeit" der Araber deshalb, weil sie geeignet ist, ihre gerechte Sache äußerlich su diskreditieren. Sie überwälzt die Schuld auf die Londoner Regierung, weil diese am Zionimsus, d. h. an der mit der Balfour-Deklaration und vom Völkerbund übernommenen Verpflichtung, das Jüdische Nationalheim zu fördern, festzuhalten bereit ist. Nun steht unzweideutig fest, daß die Juden von dieser Palästina-Regierung das Schlimmste zu erwarten haben, und es ist notwendig, die bisherige zionistische Politik dieser jetzt unbestreitbaren Sachlage anzupassen. Man hatte den Schwerpunkt der zionistischen Politik nach Jerusalem verlegt, London und die übrige Welt außer Acht gelassen und das ganze Bestreben dahin gerichtet, mit der Palästina-Regierung gut auszukomemn. Die Parole war: Mit der Palästina-Regierung um jeden Preis, auch wenn sie unrecht tut. In Konsequenz dessen hat man die Freundschaften in London und Genf vernachlässigt und sich im Werben um den Feind erschöpft, der unversöhnlich ist und nicht gewonnen werden kann, weil er grundsätzlich antizionistisch ist. # Unter der Wucht der Ereignisse in Palästina kommt diese Einsicht — leider sehr spät — allmählich doch zur Geltung. Der Präsident der Zionistischen Organisation, Professor W e i z m a n n, hat in Jerusalem starke Worte gegen den Oberkommissär Wauchope gefunden und ihm mandatswidriges Handeln rückhaltslos vorgeworfen. Aber in London hat er wenige Tage später vor der englischen Oeifentlichkeit eine Rede gehalten, die von dieser Linie wieder abweicht. Er sagte nämlich: „Es fällt schwer, leichtfertige Kritik an einer Regierung zu üben, an deren Spitze ein Mann steht, zu dem wir Vertrauen haben müssen. Wir glauben, daß .der Oberkommissar Wauchope in den letzten vier Jahren ehrlich an der Entwicklung des Jüdischen Nationalheims mitgeholfen hat und diese saure Arbeit wirklich ernst nimmt." Diese Worte, im Augenblick, da die Palästina- Regierung ihr Gesicht enthüllt hat, erwecken den Eindruck eines Rückfalles in die so gefährliche Politik des Beschönigens, des Vertuschens, des Nachgebens um jeden Preis. Es wäre zu wünschen, daß es mit dieser Entgleisung das Bewenden hat, denn nur eine gründliche Abkehr von den bisherigen politischen Methoden kann Erfolg bringen. . r. st. * Eine arabische Delegation gehl nach London Aus Jerusalem: Aus Jerusalem geht in inoffizieller Mission eine arabische Delegation nach London, um dort die Sache der palästinensischen Araber zu vertreten. In der Abordnung, die aus dem Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Hussein Khaldi, dem Bürgermeister von Nablus, Suleiman Bey Abdul Resak Teukan, und zwei christlichen Arabern besteht, sind alle gemäßigten arabischen Gruppen mit Ausnahme der von dem früheren Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, geführten Arabischen Verteidigungspartei vertreten. Die Reise der Abordnung, die mit Empfehlungsbriefen der- Palästina-Regierung ausgestattet ist, geschieht mit Zustimmung des Großmufti von Jerusalem. A«'C«*Sifzijng verschoben Aus Jerusalem wird unter dem 5. Juni gemeldet: Die Zionistische Exekutive hat dem in London wellenden Präsidenten Dr. Weissmann und dem Vorsitzenden der Exekutive, Ben Gurion, sowie dem A. C.-Präsldlum nahegelegt, die für den 23. Juni nach Jerusalem einberufene Tagung de» zionistischen Aktionskomitees auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Die Mitglieder des Atkionskomiteeg wurden nunmehr verständigt, daß die Tagung an einem späteren Zeitpunkt stattfinden wird. HerzhGrabgang Der diesjährige Herzl-Grabgang findet Sonntag, den 14. Juni 1936, statt. * Die Judenstaatler versammeln sich um 10 Uhr vormittags Ecke Hochschulstraße-P. et er- *ox".daxuS,tEaße1; '• , vfliitfvf! Streik und Terror dauern fort Die arabischen Terroristen setzen Ihre Gewaltakte Im ganzen Lande fort, Besonders dort, wo arabisch« Dörfer an jüdisch« Kolonien grenien, gibt es täglich BombenwUrfe, Beschädigung und Entwurzelung vott Bäumen, Brandstiftungen und Sprengungen. Zu Beginn der siebenten Woche der blutigen Unruhen ist die Zahl Äer jüdischen Todesopfer auf 29 gestiegen. Im Verlauf der Abwehr gegen arabische Terrorakte sind auch zahlreiche Araber getötet worden; so in Jaffa, wo Soldaten, die aus einem arabischen Haus beschossen worden waren, in dieses Haus feuerten; ferner in Tülle a r e m, wo die Einwohner den Truppen, welche die Ortschaft nach Waffen durchsuchten, Widerstand leisteten; schließlich auch beim Kibbuz Hamischmar bei H e r z l i a, wo Polizei bei Abwehr eines arabischen Angriffs einen Araber erschoß. Mehrere Araber versuchten einen Ucbcrfall auf eine Farm bei Rischon 1 e Zi on, worauf das Nachbardorf von britischer Polizei umstellt, auf Waffen durchsucht und zu einer Kollcktivstrafc von 500 Pfund verurteilt wurde. In der letzten Zeit häufen sich die Angriffe der arabischen Freischärler gegen britische Polizei- und Militärabteilungen, welche nunmehr energischer vorgenen. Gleichzeitig werden die Ucberfällc auf jüdische Autobusse, auf Eisenbahnzuge und Bombenanschläge auf Regie rungsgc bau de fortgesetzt. Hand in Hand mit diesen Terrorakten gehen die politischen Aktionen, die ihren Höhepunkt in der allgemeinen „Gehorsamsverweigerung" und Streiktendenz gefunden haben. Alle politischen Aufrufe sind von Ueberfällen auf Brücken, Zeltlager, Milit&rstationcn u. a. begleitet. ÄufruhnProklamafionen In Jaffa, Nablus und zahlreichen anderen arabischen Ortschaften wurde ein Aufruf zu bewaffneter Revolte verbreitet. In Jaffa wurden Proklamationen mit der Losung „Rühret die Trommeln des Aufruhrs!" angeschlagen. Iii dem Aufruf wird die Jugend zu den Waffen gerufen, um der Staatsgewalt aktiven Widerstand entgegenzusetzen. In Nablus wurden tausende Flugzettel verbreitet, in denen zur Erhebung beschlossen, in det Streik zu treten, wenn ihnen nicht vollständige Gleichsteilung mit der englischen Polizei zugebilligt wird. Nachdem das Ultimatum Uberreicht worden war, hielten die höheren englischen PoHteibeamten unter dem Vorsitz des Generalinspcktors Spicer ein® Sitzung ab, in der die Forderungen der arabischen Polizisten abgelehnt wurden. Eine judische Polizeihilfstruppe In T c 1 - A v i v werden ehemalige jüdische Polizisten zwecks eventueller Mobilisierung registriert. Es wird mitgeteilt, daß Vertreter der zentralen jüdischen Organisationen dem High Commissioner die Aufstellung einer eigenen jüdischen Polizeihilfstruppe vorgeschlagen haben und daß die Palästina-Regierung geneigt ist, auf diesen Vorschlag unter der Bedingung einzugehen, daß die Truppe nach drei Monaten wieder demobilisiert wird und die jüdischen, Organisationen einen Zuschuß von 6 Pfund monatlich, für jeden Angehörigen der Truppe aufbringen. (J. T. A.) Die Situation nodi Immer gespannt Aus Jerusalem wird unter dem 5. Juni gemeldet: Der Feüerüberfall auf zwei Juden in Rischon- Ic-Zion. der die scharfe Repressalie gegen das benachbarte arabische Dorf Beit Dejaan zur Folge hatte, spielte sich wie folgt ab: In eine jüdische Pflanzung von Rischon-le-Zion kamen zwei Araber und baten tun Wasser zum Trinken. Die beiden Juden David Vardi und Israel Arger reichten ihnen das Wasser. In diesem Augenblick feuerten die Araber auf die Juden, die beide schwerverletzt zusammenbrachen. Die Araber ergriffen die Flucht. Ihre Spur wurde nach Beit Dejaan verfolgt. Ein schwerer Feuerüberfall auf Juden ereignete sich in Haifa. In T i b e r i a s am Genezarcth-Sce wurden zwei Juden verwundet. Das Ergebnis der Unruhen der Nacht zum 4. und des Vormittags des 5. Juni ist: Durchschnittene Telephonleitungen an sechs Stellen Palästinas, weiter Bombenanschläge in Gaza und an den Postgebäuden in Haifa, kauft man iiir Jahrzehnfel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Große Auswahl! Teilzahlungen! Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenffelderstr. 12 aufgefordert wird. Die Stadtverwaltungen von Jaffa, Tulkarem und Gaza sowie von fünf anderen größeren arabischen Gemeinden sind am 2. Juni in den Streik getreten. Die Bürgermeister der arabischen Städte haben eine Abordnung zum High Commissioner entsandt, der die äußersten Anstrengungen machte, um den Streik im letzten Augenblick zu verhüten. In einer in Ramich abgehaltenen Beratung der arabischen Bürgermeister einigte man sich jedoch darauf, den Streikbeschluß aufrecht zu erhalten. Inzwischen haben zehn weitere arabische Bürgermeister, unter ihnen auch der Bürgermeister von Jerusalem, Dr. Khaldi, den Anschluß an den Gemeinde- Streik für den Fall angedroht, daß die- Palästinaregierung die Forderungen der Araber nicht binnen zehn Tagen erfüllen sollte. Die englischen Gegenmaßnahmen Aus gut unterrichteter Quelle verlautet, daß auf der unter dem Vorsitz des Flottenkommandanten Admiral Siv Dudley Pound abgehaltenen Militärkonferenz der Beschluß gefaßt wurde, das Standrecht zu proklamieren, falls die Araber nicht binnen ganz kurzer Zeit die verborgenen Waffen abliefern. Inzwischen wird die Waffensuche in allen arabischen Dörfern um Jerusalem, besonders In Lifta, eifrig fortgesetzt. Das Gleiche geschieht in den Städten. 200 Soldaten riegelten am Abend des l.Juni die Altstadt von Jerusalem ab, während die Polizei von Haus zu Haus die Suche nach Waffen vornahm. Mehrere Araber, die Widerstand leisteten, wurden verhaftet, elf Araber wurden verletzt. „Official Gazette , das Amtsblatt der Palästina- Regierung, enthält mehrere neue Verordnungen, die den Polizeibeamten das Recht geben, Lokale und Versammlungsräume zu schließen. Die Bezirkskommissäre können die Wiedereröffnung solcher Läden und Geschäftsräume erzwingen, die aus Ungehorsam gegen die Regierung geschlossen woi'den sind. Ferner wird bestirnt, daß jedermann auch ohne Tatverdacht ohneweirers festgenommen werden kann. Bezüglich Hausdurchsuchungen und Verhaftungen erhielt das Militär polizeiliche Befugnisse. Die Herstellung und die Einfuhr aller Explosivstoffe ist jetzt verboten worden. Energisches Vorgehen Die Regierung verfügte, daß die Inhaber offener Läden den Streik aufzugeben haben; Zuwiderhandelnden werden schwere Strafen angedroht. Die Offiziere der Armee, der Luftflotte und der Marine wurden durch Erlaß des High Commissioner mit voller Polizeigewalt ausgestattet. Die Altstadt von Jaffa, so meldet der „Times"-Korrespondent, bilde ein Problem, das blsher mit seiner Masse dicht bevölkerter Häuser und den engen, vom Hafen ansteigenden Gäßchen der Polizei getrotzt hat. Dort werden auch Bomben hergestellt, die gegen die PollzeipatrouUlen in den das Viertel umgebenden Hauptstraßen geworfen wurden. Die Polizei, die die beherrschenden Stellen besetzt hält, antwortete auf jeden Schuß und auf jede Bombe ifllt Masohijnengewehrfeuer oder Gewehrsalven, Dem Beispiel der jerusalemer Polizisten fol- ^^.p^ß^m^Ms>M»im^mv.o}^m va» tum^u a in Nablus und an vielen anderen Orten Schießereien* Die Straßen von Jerusalem sind täglich von Nägeln übersät, so daß die Polizei zuweilen sechsmal am Tage die Straßen säubern muß, um den Kraftwagenverkehr zu ermöglichen. Stundenlang war Palästina ohne Verbindung mit der Außenwelt, da nicht nur die T e 1 e p ho n-, sondern auch die Telegraphendrähte durchschnitten worden waren. Zahlreichen arabischen Dörfern wurden Kollektivstrafen zur Deckung der Kosten für die Wiederherstellung der zerstörten Telephonlinien auferlegt. Der Mörder des am 19. April in Tel-Aviv getöteten Elieser B i z u t z k i, ein Araber namens Achmed Issari, ist zu 15 Jahren Kerker verurteilt worden. Streife Haut ab Die arabischen Arbeiter der jüdischen Zigarettenfabrik „Maspero" in Jaffa haben den Streik aufgegeben und sind zur Arbeit zurückgekehi't. Am Donnerstag, den 4. Juni, haben die jüdischen Ladenbesitzer in den Vorstädten von Jaffa ihre Geschäfte zum erstenmal wieder geöffnet. Vom 17. Juni an wird die Regierung keinen Beitrag mehr zur Verpflegung der in Tel-Aviv lebenden 6500 jüdischen Flüchtlinge aus Jaffa gewähren. Diese werden ausschließlich auf Unterstützung von jüdischer Seite angewiesen sein. Vorläufig kein Standrechi In offiziellen Kreisen glaubt man, daß nach Veröffentlichung der neuen Verordnungen, durch die den Behörden Mittel in die Hand gegeben werden, den Streik zu brechen, die Verkündung des Standrechtes sich wird vermeiden lassen. Verb« d« Judensfaatfsziomsfen Oesterreichs Dienstag, den 9. Juni, y39 Uhr abends, II., Erlafstraße 5, Plenarversammlung der Judenstaatsjugend. Vortrag des soeben aus Palästina zurückgekehrten Theodor Grubner. Mittwoch, den 10. Juni, %9 Uhr abends, Sektion XIII.-XV., XIV., Schanzstraße 32, Vortrag Theodor G t u b n e r. Donnerstag, 11. Juni, 149 Uhr abends, Sektionsheim, X., Herndlgasse 23, Vortrag Theodor Grubner. Samstag, 13, Juni, %9 Uhr abends, Sektionsheim, XVIII., Semperstraße 19, Vortrag Theodor Grubner. Samstag, den 13. Juni, y}9 Uhr abends, Sektion VI./VIL, VII., Kaiserstraße 30 (Bialik-Heim), Vortrag Öberbaurat Ing. Robert S tricker, „Die jüdische Lage"* Voranzeige. Am 27. Juni, findet im Etablissement Konstahtlnhügel, u„ Prater Hauptallee, ein großes Sommerfest, veranstaltet von der Sektion Prater und der Judenstaatsjugend, statt. Reisebüro Irut teilt mit: Unsere beliebten Ferienreisen nach Polen und Czernowitz mit direkten Schnellzügen beginnen am 28. Juni und 5. Juli. Wirt bitten um frühe Anmeldung. Widerrufungen können bia kurz vor Reiseantritt erfolgen. Reisebüro Irut L, Karls* plÄte 1^ Ecke, Kärataeratraßc, XM&Wfi, ' f