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Die neue Welt · 1936-06-09 · Heft 567 (9.6.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 567 (9.6.1936)
Date
1936-06-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag, den §• iuni f #36 10«lahrgang Nr* $67 V. b* h. DIE NEUE 186 Titl. Universitätsbibliothek Zeitung vom Verleger versendet „JonwaJ ezpedle par t'editeu*" ■ V - ll Wien, REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig 8 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlieh Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bnmänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—; Balgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweiaer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. Mit B bezeichnet« Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: lX,(Jniversitäisstr.8,7 et. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freita* ORBIS POLEN Abfahrt: 14.Juni (vorm.) und 27. Juni (abends) Anmeldungen: Reisebüro „O R B I S" I. Kfirntnerstrane 41, R-SM-re Oesterreichisches Verkehrs-Bifro I. Friedrichstrane 7, B.S7.foo, i. Graben 20, C29.0-3S Weltnolifik der Woche Ueber eine Million Franzosen streiken. Frankreichs wirtschaftliches Leben ist aus dem Geleise geraten. Es sieht aus, als wäre dieses Land in großer Gefahr; als befände es sich in einem Zustand des Fiebers, das schwere Folgen nach sich zieht. Unmittelbar nach dem großen Wahlsieg der Volksfront, die den äußersten linken Flügel, die gemäßigte und die bürgerliche Linke umfaßt, erhebt sich das Proletariat und stellt Forderungen, deren Nichterfüllung zum Streik führt. ' Aus dieser Andeutung ersieht man bereits, daß es nicht um einen politischen Streik, um einen Angriff gegen die neugebildete Regierung an der Spitze geht. Die ifranzösischen Gewerkschaften sind politisch unabhängig und ihre diesmaligen Forderungen betreffen finanzielle und soziale Dinge. Die französische Republik ist nicht in• Gefahr-.-Iin-:Augenbück, wo dies der, Fall, wäre' würden alle Differenzen sogleich zurückgestellt werden. Man darf. nicht glauben» daß Frankreich zurzeit außenpolitisch geschwächt ist. Es ist blöß gehandicapt. Frankreich macht eine K.ri.se durch. Die Rechte (das sind die Reaktionären im allgemeinen, die Faschisten, die Royalisten, die antisemitische Action Franchise, die Feuerkreuzler de;s Oberst de la Roque und ein Teil der Großindustrie, Hochfinanz und der katholischen Kreise) versucht jetzt Oberwasser zu gewinnen, indem sie auf den gefährlichen Radikalismus der von Sowjetrußland benebelten sozialistischen Arbeitermassen hinweist. Nur die zeitliche Nähe der Regierungsneubildung und des Streiks läßt die Lage als katastrophal erscheinen. Während, diese Zeilen in Druck gehen, sind Verhandlungen zur Beilegung des Streiks im Gange. Nichts spricht dafür, daß die Bedingungen des Streikabbruchs unerfüllbar sind. Die neue Regierung kann durch eine loyale Beilegung . des Konflikts an Prestige nur gewinnen. * •-' , Am 7.• März marschierte deutsches Milit ä r in die entmilitarisierter Rheinzone ein. Seit dieser Tat, die von allen Politikern der Welt als eine Bedrohung, des Friedens bezeichnet worden Avar, sind drei v b 11 e M o n a t e vergangen. Anstatt zu handeln, entschloß man sich, zu verhandeln. Aber Hitler-Deutschland ließ es nicht bei diesem Vertragsbruch bewenden. Es legte Befestigungen an. Wieder verlegte man sich, aufs Verhandeln. England, bzw. seine Regierung mit Baldwin als Premier und Eden als Außenminister, legte sich eine Methode des Zögerns, Hinaussöhiebens und schließlich des Frage- und Antwortspiels zürecht. Die ganze Welt wußte und weiß, was Deutschland will. Mr. Eden ist ein Unikum. Er allein weiß es. nicht. Er' will es erst aus Deutschlands Antwort auf dem inzwischen berüchtigt gewordenen Fragebogen erfahren. Aber Deutschland antwortet nicht. Es. wendet Englands Methode an: Zeitgewinn. Gleichzeitig werden die Verhandlungen im Völkerbundrat ■ verschoben. Ende Juni endlich sollen in Genf die großen weltpolitischen Fragen erörtert werden. Die Lage ist undurchsichtig. Ist die gegenwärtige britische Regierung unfähig, den Stand der Dinge zu erkennen? Oder fühlt sie sich nicht gerüstet genug, um etwaigen Forderungen den entsprechenden Nachdruck zu verleihen? Oder hat ihr vielleicht gar die abessinische Frage den Appetit auf die wichtigen Entscheidungen in Mitteleuropa, im Fernen Osten und im Nahen Orient verlegt? » Englands Aktivität ist gegenwärtig nirgends sichtbar,' nirgends spürbar. Deutschland JMtß-t e't u n fee'.fc U m vi e. ri" ■ we, i 5t e r, J t a/l i e» Die Maske ist gefallen Die Palästina-Regierung stellt sich an die Seite der arabischen Terroristen und gegen die englische Regierung und gegen den Zionismus Seit vielen, vielen Monaten wird in Palästina von ausländischen Stellen her, insbesondere von Berlin, unter den Arabern der Aufstand gepredigt. Es bleibt aber nicht nur bei bösen Worten. Es werden Gewehre und Bomben an die Araber verteilt, welche nie und nimmer in der Lage wären, sich die Mordinstrumente selbst zu erzeugen oder zu beschaffen. Die Palästina- Regierung aber erklärt beharrlich, keine Spur einer Einwirkung des Auslandes entdeckt zu haben. In vielen Wochen sind an die streikenden und wegelagernden Araber große Summen von Taggeldern ausgezahlt worden, in Jaffa allein an einige tausend Aufständische. Alle Menschen im . Lande wissen, daß dieses Geld unmöglich von den palästinensischen Arabern stammen kann und von landfremder Seite kommen muß. Aber die Palästina-Regierung weiß von nichts und, was noch schlimmer ist, sie will von nichts wissen, und hat auch nicht einen Versuch unternommen, über die Herkunft der Gelder Klarheit zu schaffen. Seit Monaten werden fast täglich Juden ermordet, Brände gelegt, neue Pflanzungen verwüstet, es erfolgen Ueberfälle, die einen.großen Aufwand an Zeit und Menschen erfordern. Aber die Palastina-Regierung, der ein erklecklicher Polizeiappärat& zur .Verfügung steht, ergreif t fast keinen der Mörder und Brandleger und läßt die allgemein bekannten Rädelsführer frei im Lande umhergehen. Wie ist das zu erklären? Wenn bisher noch manche daran glaubten, daß man es hier wohl mit einer zwar zaghaften und nicht sehr fähigen Kolonial- Regierung zu tun habe, nicht aber mit einer vorsätzlich schlecht handelnden, so ist jetzt dieser fromme Glaube unhaltbar geworden. Schon die Demissionsdrohung des palästinensischen Polizeichefs Spycer, welcher der Regierung öffentlich erklärte, seinen Posten zu verlassen, wenn sie weiterhin ihn und seine Polizei verhindern würde, gegen die Aufständischen und Meuchelmörder energisch vorzugehen, mußte die Gutgläubigen nachdenklich stimmen. Nun aber ist etwas erfolgt, was keinen Zweifel mehr bestehen läßt. Die Palästina-Regierung hat ihre Maske fallen lassen und sich offen für die Sache der Aufständischen erklärt. In der offiziösen Zeitung der britischen Kolonialverwaltung „Great Britain ontheEast", welche der Palästina-Regierung als Sprachorgan dient, ist jetzt ein Artikel erschienen, welcher den palästinen- An Sonntagen .FRANC0P0L" „a<h POLEN Sonderfahrten mit nach und Czernowitz Polnisches Visum zu den Krakauer Festtagen (14. bis 22. Juni) gratis. £ mg* Wien - Krakau - Wien ...... <i<#ftiB „Francopol", III, Schwarzenbergplatz 7, Tel.U-16-4-90 „Cedok", I, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 CerngroB, VII, Mariahilferstraße 42, Tel. B-38-2-68 arbeitet an derx Festigung seines abessinischen Imperiums. Japan ist im Begriff, ganz Nordchina unter sein Joch zu zwingen. Englands derzeitige Starrheit ist gefährlicher für den Frieden in Europa und Asien, als die Extratouren einzelner diktatorischer Regierungen, Solange sich England nicht von seiner geradezu unerklärlichen Gelähmtheit erholt hat, wird die Krise da und dort weiterschwelen. Sogar im kleinen Palästina vermögen ein paar tausend arabische Terroristen der englischen Weltmacht Schwierigkeiten zu bereiten, so daß man wieder die Frage stellen muß: Will England nicht oder, kann England nicht? Diese Frage ist für kein, Volk so schwerwiegend wie für. das jüdische. Denn von seiner Beantwortung hängt der weitere Aufbau des Jüdischen Nationalheims ab,,also die Hoffnung von Millionen Menschen, . die emög^ ^finu^jg .einer ganzen Generation. o. r« sichen Arabern das Recht zum Aufstande zubüiigt, die englische Zentralregierung beschuldigt, gerechte Forderungen der Araber zu unterdrücken, und eine „grundsätzliche Aufrollung des gesamten Palästina-Problems" im Sinne der Liquidierung des zionistischen Aufbauwerkes als notwendig bezeichnet. In dem Artikel heißt es: „Die geplante Kgl. Kommission für Palästina wird nicht nur die Beschwerden von Arabern und Juden prüfen, sondern auch eine umfassende Untersuchung durchführen müssen, welche wesentlich über die vor kurzem im Unterhaus erwähnte Erforschung der arabischen und jüdischen Beschwerden hinausgeht. Mit anderen Worten: die eigentliche ^Grundlage des Problems muß sondiert werden." „Es wird in England noch nicht zur Genüge erkannt, daß die Feindseligkeit der Araber gegenüber dem zionistischen Experiment vor allem psychologisch bedingt ist, daß sie auf Furcht beruht. Diese Furcht ist aber nichtunvers t ä n d 1 i c h. Wird die Angelegenheit auf einen statistischen oder wirtschaftlichen Nenner gebracht, dann haben häufig die Zionisten die besseren Argumente. Das Palästina-Problem aber sei nicht ein Problem der Statistik; weit grundsätzlichere Dinge seien hier im Spiel. Ohne jeden Zweifel Werde die Kgl. Kommisson die Richtigkeit dieser Diagnose erkennen." „Aber selbst" aus wirtschaftlichen Gründen haben die Araber Anlaß zur Besorgnis. Im Monat April fand eine bezeichnende Senkung der öffentlichen Einkünfte statt, die nicht in Verbindung mit den Unruhen steht. In gewissem Sinn ist das ganze .Nationalheim* künstlich; niemand kann genau sagen, was an ihm dauern und was voraussichtlich im Laufe der Zeit zugrunde gehen wird. Unter einem finanziellen Gesichtspunkt wird die Tatsache der Aufmerksamkeit nicht entgehen, daß das palästinensische Schatzamt sorgsam an seinem Ueberschuß von etwa sieben Mi Mi o n e n Pfund festhält." „Es ist wohl richtig, daß von italienischer Seite monatelang in Palästina Propaganda getrieben und Geld verteilt wurde. Aber es wäre kindisch, anzunehmen, daß das Land ohne diese Intriguen keine Unzufriedenheit gezeigt hätte, nachdem es sich 1920, 1921, 1929 und 1933 gegen die zionistische Politik erhoben hat. Durch die italienische Propaganda ist das Feuer höchstens mehr angefacht worden." „Nie sind Engländer vor eine weniger beneidenswerte Aufgabe gestellt worden, als in der Verwaltung Palästinas. Daß Gesetz und Ordnung wiederhergestellt werden müssen, steht wohl fest; aber allenthalben wird anerkannt, daß die Araber berechtigt sind, die Kooperation in friedlicher Weise zu verweigern, um ihre Ziele zu erreichen. Die Waffe des Streiks ist den Zionisten selbst gut bekannt und wird von ihnen nicht selten benützt. Das Unheil kommt nur daher, daß gewisse Teile der palästinensischen Bevölkerung leicht erregbar sind. Sollten aber die krampfhaften arabischon Brutalitäten den Beobachter zu der Annahme verleiten, daß bei Festigkeit und Kontinuität in der Politik letzten Endes alles gut sein werde, würde er schwor irren, Auf der gegenwärtigen Linie gibt es überhaupt keine Lösung. Es könne nicht überraschen, daß ein Schiff, das keinem bestimmten Hafen zusteuert, von Felsen zu Felsen eines zerstörenden Kampfes anstößt. Aber man tadele nicht die Pa 1 ä s t i n a- Regelmäßiger Reisedienst nach Polen billig und bequem wie immer. Nächste Reise: 27. Juni W?.6 FERIEN-REISEN ab 5. Juli. Besondere Ifpaban Gelegenheit: am 14. Juni nach l%Tal%a*l tour-retour, mit Visum, S 52.— Auskünfte: Dr. S. TOCKER, Reisebüro „In die Welt" (W.M.Renner) IX, llechtenstelnatraße 2 Telephon A-14-S04

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