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Die neue Welt · 1936-06-05 · Heft 566 (5.6.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 566 (5.6.1936)
Date
1936-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 566 VOM 5. Jtföi 19$$ ©ßr NEtJE WEM? Seite 5 i irtiiMiWUl Ött iüdiscüe ^F^r, pPWWffW Von Ö«e«r //erliftflicr, T<?i-Avfv. Es wät in de% jüftruh nach dem Weltkriege, als eine jüdische Kapltatiaiingtuppe den Plan faßte, bei der Mündung d& Yarkonfai&e&. bei. Tel*Aviv im i das Mittelländische Meer einen Hafen zu. bauen. Det Plan wurde ausgearbeitet, die ttefechnungen fertiggesttltt, die PaläsHha~Verwaltung um die Koivseieionen d/ngegdngen — und. damit war das ganke Projekt endigt. Es wanderte ins Archiv. Ein neuer Hafen f Ztaiu noch einige hundert Meter vom Hafen im, «rÄ&Wcto««. Jaffa, entferntt Wozu? Die Regierung entschloß sich;' dm altSn Hofen etwa.s *»• Ordnung zu brisen UM. alle jüdischen Proteste au überhören. Es half nichts, daß die jüdißölte Kaufmannschaft durch Jahre hindurch auf die Unzulänglichkeit des Hafens in Jaffa hinwies, der durch tage -hindurch, dezn noch in, der Zeit der Örangenvetschiffiing unbenutzbar ist, auf die .' unangenehme Ausbootung von Passagieren und den. abstoßenden Eindruck von Jaffa auf die anketiinysnjen föurlsten die. Regierung blieb, fest und. gestattete nicht den Bau eines eigenen Hafens, für die Stadt Tei-Aviv. . Da körnen die Unruhen im April läS6 und der darauffolgende arabische Generalstreik. Es rächte sich, daß nur, Araber im Jaffaßr Hafen beschäftigt sind und der ganze- Htafen in rein arabischer Umgebung liegt.' Die ganee Arbeit lag siilt}- von einem Tag auf den anderen. Die bereits lagernden Waren konnten nicht weiterbefördert werden, die Messegüter blieben liegen, neue Waren konnten nicht ausgelöjden werden ja, die Versorgung des jüdischen Hinterlandes, der Stadt Tel-Aviv, mit den Erfordernissen des täglichen Lebens war plötzlich in Fragegestellt. ■ - Wohl dirigierte man die Schiff e ■ naeh Haifa um, wohl nahm man, den geänderten Umständen Rechnung tragend, dort hunderte jüdischer Arbeiter auf, doch damit wurde nicht viel erreicht. Die Unsicherheit des Transports auf den Straßen 'des Landes, die Unzulänglichkeit der Eisenbahn, zeigten, daß dieser Weg auf die Dauer nicht möglich ist.. .... V "a "WD für 3- bis 14jähr. FERIENHEIN SCHlOf£ GINlELBERG . NEÜSflFT BEI SCHEIBBS . M..Ö. Hsrrllehfrles« i; VorjUglich» Kost i -Arit Im Helm v- NßBijp>ref«e: Lsltu ng? Dipl.' 1 ABC BEI il llS BB Telephon ÄÄ4»£- Montotevllehrerin _ LWICE _ IC El II IV E IC II; örofte Schiff flmo 5 Es war daher leicht au verstehen, de,ß. zuerst, die. direkt ''interessierten Kreise, , spßi'er der ganze .. jüdische Jischiw. immer stärker den Hafen in Tel-Avh forderten. Es'dduernte immerhin noch einige Wochen, bl^ sich die englische ■ Verwaltung, die sehr schwerfällig sein kann,, entschloß, den Forderungen der Juden nachzukommen und ,,p rovisoris oh" die, Ausladung von Waren im ,jKafeh« Tel-Aviv zu gestatten"',. Provisorisch?!.;. Einnidl begonnen,— die Zukunft wird zeigen, was daraus wird. Man erinnert sich daran, daß einmal, einmal vor langen ZO Jahren, nur' wenige' Häuser inmitten einer Sandivilste' standen, daß eines Tages diese wenigen Häuser, der Mittelpunkt der'.jüdischen Flüchtlinge aus Jaffa ivurden und der Ausgangs^ punkt für die Stadt Tel-Aviv, die heute fast 160.000 Einwohner zählt Die, Hoff nungen der Gründer dieser Stadt erfüllten sich überreich, warum sollte ein zweitesmal, so ein Wunder, nicht möglich sein?;.,. ' * .. .,i Einige Meter Sandgebietes trennen das Ausstellungsgelände vom Meere. Auf diesen wenigen Quadratmetern begann plötzlich ein.sehr reges Leben, in drei Schichte)}, bei Tag und bei '''Nacht, waren jüdische Ar* beiter "b^ch&fUgt,' den Boden an planieren, die ersten Gebäude zu -errichten'. Zuerst; würden -zwei Fahnenmaste errichtet, einer trägt die Fahne' Großbritanniens, der zieeite die Fahne &er'Juden, auf weißem Felde zwei blaue Streifen, in der Mitte der blaue Magen-David. Dann kamen zwei Holzschuppen an die Reihe, ein primitiver Scheinwerfer wurde aufgestellt, ein sehr einfacher Kran und in der Mitte des Geländes stellte man einen JLAft" (eilte große Kiste, die man für Uebersee-Uebcr- .y Siedlungen verwendet). Dieser Lift ist der Mittelpunkt des ,J%afens". Er trägt eine Tafel, die in den drei Landessprachender Welt verkündet, daß sich liier die hohe Obrigkeit' füt den »Ha fon Tel'A vi v" niedergelassen hat; Außerdem brachte man einen großen Kahn, zimmerte ein Flöß, schaffte Taue und Stricke an — der „Hafen" war fertig! Ein armseliger Hafen, ein lächerliches Hafensurrogat+-:döch die größten Hoffnungen verbindet man mit ihm. Eins große Menschenmenge steht hinter den Gittern, Sie das „Hafengeidndo" vom übrigen Sand trennt utid verfolgt mit höchstem Interesse und Begeisterung jeden Handgriff der dort bescMftigten Arbeiter. Jeder aits der Menge hat etwas zu"erzählen und erregte Debatten erfüllen die Luft. Fachleute", die meinen, in den wenigen Minuten, die sie sich auf der Reibe nach Palä-/ sttiva in einem Hafen aufgehalten haben, diesen kennen" 0t4rnt m hüben, entwerfen Jplüne, die svtt nivt latten in: den Sand zeichnen. Achtungsvoll stehen die Nichtfachleüte hemm. Diese Pläne werden nun diskutiert. Kais und Molen werden geba.u% Hafenbatterien aufgestellt, Docks konstruiert, 'Straßen und Feldbahnen angelegt. Ein tanter streit entbrennt, Gründe und Gegengründe werden laut, so daß ein jüdischer Polizist, mit Stahlheim und Gewehr ausgerüstet, um den „Hafen" auch wirklich schützen zu können, erscheint, mn Frieden zu stiften. Er läßt sich erklären, worum der Streit geht. Die Menschen treten etwas zurück, um dem Polizisten die Sicht auf die ,J*tdne" zu ermöglichen. Doch das Probleni ist schwer. Der Polizist schiebt den Heim ins Genick, nimmt das Gewehr ab, stützt sich darauf und hört aufmerksam zu. Bin zweiter, dritter .und vierter erscheint, die Debatte überspringt den Drahlzaun, der Lärm wird immer größer. für Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Urchenfelderstfäße Telephon: A*21-5-31 Da erSclieint: ein jüdischer Offizier und die Politiisten beiUn sich, auf ihre Posten zurückzukehren. Aus der Ferne hört ma<n Jubel, der langsam näher kommt. Das Tor, das von der Ausstellung in den ,Jfafence führt, wird geöffnet, der dort stellende Posten präsentiert das Gewehr und B.iir g c r meist e\r Di.z eng of ff den man erst gestern schwer krank werden ließ, betritt das Hafengelände. Vor wenigen Minuten h4t er. das Sanatorium verlassen, um, wie er sagte, anwesend zu sein, wenn-sein Lieblingswunsch in Erfüllung geht. Sein Arzt und eine Menge von Persönlichkeiten begleiten ihn. Dizengoff geht das Gelände ab* hält dann vor den FestgästenMind Arbeitern eine/kleine Ansprache•'., und,- spricht die Bracha „SchehacMjanu". Wieder hört 'man lauten "Beifall,:der näherkommt, und strahlenden Gesichtes>* erscheint.-. der. jü'dische Zollbe am t c ... a u» J a ff a^. der wohlbekannte Ben- David, mit einem jüdischen Kollegen und begibt sich in sein '„Bureau", in die Kiste, um seine Arbeit' aufzunehmen. : - Draußen im Wasser^anke/t^.eU%feiner,,Dampfet, .der tagelang vorher in Haifa lag, ohne daß er ausgeladen laden zu werden- . ■■ Der ''■jugtetäofccivö ^.ihpfor'33^ 8. Tzetwjorti" hat 'tqöhl nie davon geträumt, Einmal berühmt zu werden. Nun ist er verknüpft''mit der noch jungen Geschichte des einzigen 'jüdischen Hafens' In der Weit. Er brachte Zement zum Bauen. 'Symbolischer Stoff.... 19. Mai 1936, halb 3 Uhr nachmittags. Unter ungeheurem Jtib'el aller Anwesenden wird der Kahn-ins Wasser geschoben '. 'Auf' ihm jüdische Arbeiter; halbnackt, Säcke vom Kopf -über den- Rücken hängend; die alle heute kostenlos ' arbeiten, . Mitglieder der: neuen Kooperative „Hafen Tel-Aviv". Am Kahn sind Taue befestigt, an denen der Kahn wieder durch Arbeiter zurückgezogen werden kann. Es ist schwer, den Kahn ins Wasser zu bringen. Es herrscht ein leichter' Wellengang, der die Arbeit erschwert. . Endlich, erreicht der Kahn den Dämpfer. Die Begeisterung hat auch die Dampferbesatzung ergriffen, welche den Kahn jubelnd begrüßt. Am Strand ist es ganz ruhig geworden, doch als der erste Zementsack geladen wird, bricht ein öhrenbetäuben- 'der Jubel los. Langsam wandert ein Sack nach dem andern vom Schiff auf den Kahn. Dann wird ein Zeichen gegeben und unter schwerer Mühe wird der Kahn bis iii die Nähe des Ufers gezögetu Eine Kette von Arbeitern wird gebildet und über diese gelangt der erste Sack auf ttockenes Land. Feierlich wird er empfangen. Er wird mit dem Namen der ihif. ihm beschäftigten Arbeiter vor' s$hcn und ins Museum der Stadt Tel-Aviv gebracht.1 UmdetlteuH SteMa- Adm filr Fortbildung und Erholung in Abbazia (Italien) Unter persönlicher Leitung dee; Rabbiners Alessandro Stern, nebst Mitwirkung geschulter Pädagogen. Unmittelbar am Meere gelegen, Herrlicher Ausblick aufs Meer und Oebtrge. Moderne, luftige Räume. Gewissenhafteste, individuelle Behandlung. Für Knaben und Mäuchen von 10 bis 1$ Jahren. Eigener Spiel- und Sportplatz. Eigenes Seebad. Aerztliche Aufsicht, monatstaxen von '150 bis 6C0 Lire. Auch Auslarid6zah>ungen möglich. Ganzjäntige Funktion. Religiöse Men- , ta'ität Telegramme: „Stelladrra* Abbaaia . , Ävnier, kleiner; jüdischer Käfeti! Keine Hilfsmittel, keine Geräte besitzt du! Keine Straße,-keine Bahn führt zu dir! Balken und Bretter hat man auf den Sand gelegt, um die Zufahrt für Lastwagen zu ermöglichen. Armer,, jüdischer Hafenarbeiter! Du hast es viel schwerer, als dein arabischer Kollege in Jaffa! Der muß' nicht im Wasser stehen, der hat anständige Boote, die von Motorbooten geschleppt werden und sinkt auch nicht bei jedem Schritt im Sande ein! Kleiner, jüdisolier Hafen! 500 Pfund gab die Jewteh Ägency filr dioh, -nichts wird < die englische Ver> •feft'.'''tr^^»i-i»ttÄtdu, .rasofeh- Stern'sche Lehru. Erziehungsanstalt i, W«rd«rlor9aat« 19 m. Volksschule ftlr Knabön und Mädchen. 8 Uhr Schulbeginn, öffenttichk-itsr6cht, Haupt«, und Fortbildungsschule, T.-geaheitfi, Internat, Fremdsprachen. Sport. Musik. wachsen, groß werden und alles das erfüllen, ums man von dir erwartet! Kleiner, jüdischer Hafen! Einen Tag bist du. «At und schon betrachtet man dich mißgünstig! Die Araber stehen auf den Dächern und Baikonen von Jaffa und sehen durch Fernrohre und Gläser herüber. Die atttbi» sehen Bootsleute haben Angst vor dir und ziehen mm Lokal des Streikkomitees. Das Komitee beschwichtigt, erklärt, daß es sich nur um ein Manöver der Jud,en handle, um den arabisclvzn. Streik zu brechen, behauptet, daß die Juden keine Fachleute wären und. die H&fen* arbeit zu schwer für sio wäre... Arme Narren.' Haben sie aus der Vergangenheit nichts gelernt? Haben sie nicht gesehen, wie aus Juden Muster-Farmer und. tüchtige Arbeiter in allen Fächern geworden sind? Es stimmt, daß sie heute noch ungeschickte Hafenarbeiter sUid-, doch Praxis und. vor allem der starke Wille und die Begeisterung wird sie lehren, auch diese Arbeit zu meistern. Der Hafen wird werden! Mögen die Widerstände in der Zukunft noch so groß sein -~ hat man doch nichts uns Juden leicht gemacht — wir werden den nun erwor* benen Platz am Meere behaupten. Wir träumen . nicht vom ,,Mare nostro", wir wollen nur den direkten weg. offen halten, der von den Millionen Juden der Galuth ins Land, der VätCr führt! Alle Bücher Mäßigste Preise — Größe Auswahl —. 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Zusammenhang mit der , im, Hitler-Reich erfolgten Verhaftung und Einkerkerung junger Sozialisten aus dem Leitmeritzer Gebiet wurden, von einer sattsam bekannten Flüsterpropaganda, die Leitr meritzer Juden im ail&emeinen und einzelne von innen.,, auch namentlich bezichtigt, diese jungen Leute —* die von. den Hitier^Gerichten selbst nur der illegalen Propaganda beschuldigt wurden — zur Ermordung des „Führers" gedungen zu haben. Dr. Margulies betonte in seiner Erklärung insbesondere, daß es nicht wahr sei, daß der reichsdeutsche'Rundfunk die Nachricht über die Leitmeritzer Verschwörung ausgegeben habe. Sie sei vielmehr' von gewissen. Leuten hierzulande ex*funden und planmäßig verbreitet worden. Margulies gab auch bekannt, daß er bereits Drohkarten erhalten habe, in denen ihm angedroht wird, er werde eines Morgens in Deutschland erwachen und ein kaltes Eisen zwischen den Rippen spüren. In der Erklärung heißt es u. a.: „Wir Juden haben weder Erzberger, noch Rathenau, oder Professor Lessing, noch andere Personen u m g e br a c h t. Wir haben auch nicht die Konzentrationslager, den verkürzten Strafvollzug und die .Erschießung auf der Flucht' erfunden." •." ' ' ' Die Erklärung wurde ohne Debatte zur Kenntnis genommen. ■ Unruhen in Polen Aus Warschau: In den letzten Tagen sind in verschiedenen Teilen Polens wiederum schwere atttijüdische Terrorakte vorgekommen. In dem Städtchen Alt-Milosua bei Warschau wurde in der Nacht gegen die Bäckerei des Juden Pruszniak eine Bombe geschleudert, die explodierte, die Bäckerei und den Brotladen zerstörte, und den in der Nachbarschaft wohnenden 42jährigen Mosche Chaim Blecher sowie seine Frau so schwer verletzte, daß beide ins Hospital gebracht werden mußten. In Ot woc k.bei Warschau wurde ein jüdisches Haus in Brand gesetzt, in dem der Rabbiner Jizchak Kalisz wohnt Im Letnberger Stadtpark wurden jüdische Spaziergänger von Mitgliedern des nationalradikalen Lagers überfallen und schwer mißhandelt. Die Gymnasiallehrerin Frl. Dr. Bahr, ferner Isidor Baron und Sigmund Rosenmarm wurden schwer verletzt ins Hospital gebracht. Auch am 5 Lemberger Polytechnikum kam es zu antiseniitisöhen -Uiiruhen,, einige Studenten wurden erheblich ytetat. " "'

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