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Die neue Welt · 1936-05-26 · Heft 564 (26.5.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 564 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 564 vdm 26. Mal 1936 DDE NEUE WELT Seite 3 Badgasteln Kurhotel Bristol Thermalbäder im Hause Fließendes Wasser Mäßige Preise Restaurant AUS PALÄSTINA Arbeitsrecht in Palästina Aus Jerusalem: Die Palästina-Regierung veröffentlicht jetzt den Entwurf einer neuen „Workmen's Cempeasätion Ordinance". Das Gesetz 'behandelt die Entschädigung von Arbeitern für im Betrieb erlittene Unfälle. Während die Angestellten von dem Unfallschutz bisher ausgenommen waren, ist der Krei9 der Entschädigungsberechtigten auch auf sie erweitert worden. Dem englischen Recht entsprechend wurde eine Bestimmung eingefügt, nach der eine Entschädigungspflicht im Falle des Todes oder der dauernden Invalidität auch bei Verschulden des Arbeitnehmers besteht. Weitere Vorschriften behandeln die Pflicht des Arbeitgebers zur Eingehung einer Versicherung zugunsten der Arbeitnehmer und die Entschädigung bei verschiedenen Krankheiten. Die Entschädigungssätze wurden ©benfals neu bestimmt. Bückgang der tschechoslowakischen Ausfuhr nach Palästina . Aus Prag: „Prager Presse" teilt mit: Im ersten Quartal 1936 betrug die tschechoslowakische Ausfuhr nach Palästina 13,02 Mill. (i. V. 15,46), war somit um 16 Prozent niedriger. Die Einfuhr aus Palästina belief sich auf 7,8 Mill. (3,51) Mill. tsch. K. Der Rückgang erklärt sich aus der Desorientierung der tschechoslowakischen Exporteure durch übertriebene Nachrichten seit dem Herbst des Vorjahres. Die verlorenen Positionen werden von der Auslandskonkurrenz eingenommen. Das tschechoslowakische Generalkonsulat in Jerusalem bezeichnet diesen Standpunkt als gefährlich und unbegründet. Auch die gegenwärtigen politischen Unruhen seien nüchtern zu beurteilen. Kenner der Situation erklären, daß die Spannungen zwischen Juden und Arabern den jwirtschaftlichen Aufstieg nicht gefährden werden. Kohlcrteiniuhr nach Palästina Aus Jerusalem: Die Einfuhr von Anthrazit, Briketts und sonstiger Kohle hat sich i. J. 1934 gegenüber 1933 um rund 10 Prozent vermindert. Sie stieg aber 1935 um 60 Prozent. 1933 betrug die Einfuhr 62.440 pal. Pfund, 1934 55.810 pal. Pfund und 1939 91.500 pal. Pfund. Kohle wird in' Palästina vorwiegend für gewerbliche Zwecke gebraucht. Zum Kochen und Heizen werden in erster Linie Petroleum und Oel verwendet, auch bei den neuen Zentralheizungsanlagen. Hauptabnehmer der Importkohle ist die palästinensische Eisenbahn neben der Industrie, die in erstaunlich hohem Maße Kohle statt Oel benützt. Hauptlieferant war Großbritannien, das fast die gesamte Anthrazitköhle und zwei Drittel der sonstigen Kohle liefert. Zweitgrößter Lieferant für Briketts war Deutschland. Schutz der amerikanischen Staatsangehörigen Aus Jerusalem (J. T. A.): Der amerikanische Generalkonsul in Jerusalem, Loland B. Morris, hat an das amerikanisch-jüdische Zentrum, dem 600 amerikanische Bürger angeschlossen sind, ein Schreiben gerichtet, in dem er empfiehlt, zunächst amerkanfache Plaggen vorzubereiten, die im Falle von Unruhen auf den Gebäuden des Zentrums auffällig gezeigt werden sollen. Sodann hätten sich bei einem allgemeinen Aufruhr sämtliche amerikanische Juden in dem Zentrum zu versammeln, bis Konsulatsbeamte eintreffen. Schließlich seien beim Konsulat alle Namen und die Paßnummern der in Jerusalem lebenden amerikanischen Juden einzutragen. Vorher hatte der Generalkonsul das Zentrum besucht, um den jüdischen Mitgliedern zu versichern, daß das Konsulat in dauei-hdem Kontakt mit den lokalen Behörden betreffend Leben und Eigentum der Amerikaner stehe. Die Bolle des Mutti Aus London: In der Unterhaussitzung am 20. Mai richtete der konservative Abgeordnete Morgan die Frage•an den Kolonialminister, ob ihm bekannt sei, daß der Mufti von Jerusalem, dessen Gehalt von dem palästinensischen Schatzamt bezahlt wird, ein Mitglied des arabischen Generalstreikkomitees ist und bei der Organisierung der Forsetzung und Ausbreitung des Streiks in den Häfen, bei den Bahnen und im Staatsdienst im allgemeinen aktiv tätig ist; was gedenke die Regierung in dieser Sache zu unternehmen? Eine zweite, vom Abg. Morgan angekündigte Anfrage bezieht sich auf die Gründe der Weigerung der Palästina-Regierung, den seit dem Beginn der Unruhen vor zwei Wochen gesperrten Hafen von Jaffa wieder zu öffnen oder dafür das Ausladen von Lastwagen und Schiffen in Tel-Aviy zu gestatten. Anski: DU MckkeUe esut» judenUun Im nachstehenden veröffentlichen wir einen (russisch geschriebenen) Brief von S. Anski, dem Autor des „Dybuk", datiert vom 18. Februar 1916. Anski hielt sich damals — während des Weltkrieges — in Südrußland auf und schrieb den Brief nach einem kurzen Aufenthalt in Odessa, das bekanntlich damals das jüdische Kulturzentrum war. Wir entnehmen dem an eine Dame gerichteten Brief die Stellen, welche sich auf das damalige jüdische Leben in Odessa beziehen, und gerade heute für uns von hohem Interesse sind. „ ... Und nichtsdestoweniger habe ich mich nirgends so wohl und froh gefühlt und nirgends ein so intensives und geistig angeregtes Leben geführt wie gerade in Odessa während dieser zwei Wochen. Dies war natürlich nicht durch Odessa bedingt, sondern durch den Kreis der Menschen, mit denen ich in dieser Zeit verkehrte. Es ist doch seltsam: das überhaupt ungebildete und in jüdischen Dingen dreifach unwissende Odessa ist schon seit einem halben Jahrhundert der Mittelpunkt des jüdischen geistigen Schaffens. Hier entstand und entwickelte sich der Zionismus. Hier lebten die ersten Pioniere der Aufklärung — Lilienblum, Pinsker, Margulis. Hier lebt seit bald fünfzig Jahren der Patriarch der neu-jüdischen Literatur S. Abramowicz (Mertdele Mocher Sforim). Ferner wohnen hier Ch. N. B i a 1 i k, Dr. Klausner, Ussischkin, der Dichter und Kritiker D. Frischman, Hochberg, Spektor, S. Frey, sowie J u s c hkewicz und Ossipowicz. Hier befindet sich die zur Zeit einzige hebräische Druckerei. Alle diese Schriftsteller, mit Ausnahme von Juschkewiez, leben abgesondert von der Stadt, gleichwie auf einer kleinen Insel. Auf dieser Insel verbrachte auch ich die beiden Wochen. Gleich am ersten Tage kam ich mit Bialik zusammen. Ich saß bei ihm von 2 Uhr nachmittags bis 2 Uhr nachts — und wir trennten uns nur ungern. Und am nächsten Tage wiederholte sich das gleiche mit Mendele Mocher Sforim und mit Frischman. Und so blieb es fast die ganze Zeit. Worüber sprachen wir denn? Das läßt sich schwer wiedergeben. Ueber unser altes Schrifttum, die in ihm aufgerollten Probleme und seinen künstlerischen Wert. Alles, selbstvreständlich, unter modernem j Gesichtswinkel. Und es wurde uns klar, daß auch vor 2000 und 1500 Jahren unsere Vorfahren von den gleichen Geistesproblemen bedrängt wurden, um die auch wir heute ringen. Nur behandelten sie diese Fragen kühner und fanden für sie eine tiefere und originellere Lösung. Sfern'sche Lehru. Erziehungsanstalt I, Werderlorgasse 12 Tel. u-28-1-97 Volksschule für Knaben und Mädchen. 9 Uhr Schulbeginn, öffentlichkeitsrecht, Haupt- und Fortbildungsschule, Tagesheim, Internat, Fremdsprachen, Sport, Musik. Während dieser Gespräche kam ich mir zuweilen wie ein Antiquar vor, der in alten Gegenständen wühlt. Da lag irgend eine alte Vase seit Jahrhunderten im Staub, unbrauchbar und veraltet. Und siehe da! Als man sie näher betrachtete, erkannte man, daß es ein Kunstwerk war. Sie war zwar mit unvollkommenen Werkzeugen ausgeführt, jedoch, wo Hammer und Meißel versagten, ergänzte es die Seele des Künstlers. Und man freut sich am Werk und spürt, wie nahe es unserem gegenwärtigen Empfinden steht, und ist sich seines Wertes für die kommenden Künstlergeschlechter bewußt. Gewöhnlich setzte sich unsere Gesellschaft folgendermaßen zusammen: Mendele und Bialik aus Odessa; Frischman aus Warschau; ein junger Mann, Rabinowicz, Buchhändler aus Minsk, der auf dem Gebiete unseres alten Schrifttums enzyklopädisches Wissen besitzt, und ich — aus Petersburg. Und jeder von uns brachte und teilte den andern mit, was er in seinem Ort erlebt, worüber er nachgedacht und was er erworben hatte. Dies erinnerte an einen orientalischen Basar, wo aus verschiedenen Gegenden gekommene Kaufleute untereinander Tauschhandel treiben. Ich weiß nicht, wie es den andern erging, ich aber hatte durch diesen Austausch viel erworben und schöpfte neue Kräfte nach den langen Jahren meines Aufenthalts inmitten des Petersburger Trubels, der einen alle tieferen Fragen vergessen ließ. Freilich waren für mich die. Schätze unseres alten Schrifttums nichts Neues. Jedoch nach diesen Gesprächen kam es mir erst recht zu Bewußtsein, wie reich wir doch sind. Und ich war geradezu überwältigt von einem tiefen Glücksgefühl, das mich für kurze Dauer alle Schrecken der Gegenwart vergessen ließ. Ich entsinne mich eines Ausdrucks in Ihrem letzten Briefe: Sie bezeichnen sich als „reuige J ü d i n". Das Wort Reue enthält den Begriff des Verzichts. Der Reuige fastet, entsagt verschiedenen Lebensfreuden. So jedenfalls verstehen die Reue diejenigen, die dem Judentum entfremdet waren und zu ihm zurückfanden. Sie empfinden es so, als ob sie um des nationalen Gedankens willen etwas Universelles aufgeben, um zum Kleinen und Dürftigen, aber immerhin Eigenen zurückzukehren. Darin liegt ein großer Irrtum, der dadurch entsteht, daß die außerhalb ihres Volkes Lebenden das Judentum nur von seiner Außenseite kennen, nur sein Elend, das Leiden und di« Armut sehen. Der blendenden Welt europäischer Kultur um des alten, mit Wunden bedeckten Bettlers wegen zu entsagen, nur weil er blutsverwandt ist, wäre natürlich heldisches Märtyrertum. Aber diese Zurückkehrenden begreifen nicht, daß ein Volk nicht durch bloßes Leiden leben kann, sondern lebt kraftderBegeisterung seiner Selbstbejahung, seines freudigen Schaffens, kraft des Stolzes ob seiner Kulturgüter und der Poesie seines Seins. Nur dadurch! Wenn dies nicht wäre, bestünde das jüdische Volk schon lange nicht mehr. Das Riesenmaß der Leiden, die das jüdische Volk erträgt, zeugt auch vom Ausmaß seines geistigen Besitzes, um desaentwillen es sie zu tragen gewillt ist. Die Rückkehr zum Judentum kann und muß infolgedessen nicht als opferwillige Heldentat und nicht als Verzicht gewertet werden» sondern als das Antreten einer reichen Erbschaft, durch die wir freudig und stolz zu leben vermögen.. SckewuoiU in Matfa Von Dr. Israel Zwi Kanner (Wien) Ein ungeschriebenes palästinensisches Gesetz Jiat die Feste des Jahres auf die drei großen Städte des Lande verteilt: Pessach wird hauptsächlich in Jerusalem gefeiert, das geräuschvolle Tel-Aviv ist der Mittelpunkt des Purim-Rummels, Haifa wurde das Fest der Erstlinge, „O hag Habikkuri m", zugeteilt, das um Schcwuoth herum für ein paar Tage einen wahren Taumel entfesselt. „Wenn du in das Land kommst, das der Herr, dein Gott, dir geben wird, so sollst du nehmen allerlei erste Früchte des Landes und du sollst sie in einen Korb legen und hingehen an den Ort, den der Herr, dein Gott, erwählen wird, und der Priester soll den Korb von deiner Hand nehmen und vor dem Altar des Herrn, deines Gottes, niedersetzen." (5. Buch Moses.) Wochen zuvor künden große Plakate das Fest an. Der Turm im Gärten Benjamin ist bis zur Spitze mit elektrischen Birnen geschmückt. Am Technikum sind Lichtreflektoren angebracht, in der Herzl-Straße große Torbögen aufgestellt. In Scharen kamen bisher auch Araber aus der Unterstadt hinauf. Die Scheinwerfer beleuchten das Technikum, das im Flutlicht wie eine Burg in der S$adt sichtbar ist. Weithin erhellen die beleuchteten Durchfahrtsbögen in der Herzl-Straße die Gegend. Die Läden in der Herzl-Straße sind mit Laüb und Früchten geschmückt. Auch hier spielen die Lichter. Die Hänser' fronten sind mit großen Teppiclien und Blumengirlanden behangen. Fahnen künden das Sinnbild des Festes. Eine riesige Illuminationskette zieht sich durch, die Hechalusstraße, in der sich das Amphitheater befindet. Das Amphitheater, eine regelrechte Freibühne nach klassischem Muster, wird immer mehr ausgestaltet. Am Abend sieht es reisvoll aus, wenn vorbeifahfende beleuchtete Schiffe scheinbar den Hintergmnd der Bühne bilden. Im Amphitheater haben etwa 4000 Menschen Platz. Es beginnt das zur Tradition werdende Scliauspiel. Was kann man von dem einzigartigen Bild sagen, das vor den Augen abrollt? Es ist der Zug der Wallfahrerin nacJisalomonischer. Zeit, der nach Zion zieht, um die Erstlingsfrüchte auf dem Altar Gottes darzubringen. Kamele — keine Attrappen! — mit Früchten ■ ziehen vorüber} Esel, Lämmer, Kälbchen, und dann die' Stämme selbst, angetan in ihro biblischen Gewänder. Sie reden: biblische Sprache, tyid die ganze Bibel wird lebendig. Man sieht den Hohepriester, der das Früchteopfer bringt, wie die Bibel es vorschreibt, man sieht die Massen, wie das Buch der Bücher uns sie schildert; man hört Lieder von biblischem Klang, man. sieht die Reigentänze, von denen die Bibel erzälilt. Den größten Eindruck aber macht das „Biblische Idyll", das Buch Ruth, das die Wallfahrer sich selbst agieren, als Spiel im Spiele. Der Eindruck ist unbeschreiblich. Das Volk Israel fühlt seine Geschichtet es versteht seine Tradition. über alle Häfen angenehme Ueb erfahrt, mäßige Fahrtspesen Nach Palästina Reisebüro „ CAPRl" I, Franz-Joseffs-Käl Nr. 7 Dieses Fest ist auch das Fest des Keren Kajemeth. Die Jugend zieht das ganze Jahr selbst Geflügel und Früchte groß. Am Fest des Opferkorbea bringt sie, von den drei Ebenen Emek Jesreel, Jjmflfc Chef er und Emek Schulen kommend, in buntem Festzug die Erstlinge der Felder und des Bauernhofes dem Keren Kajemeth zum Geschenk. Beim Umzug auf der Straße werden die Gaben dargebracht. Die Musik spielt, auf der ernchteten Bühne tanzen Modellen, während die Gaben dem Präsidenten des Jüdischen Nationalfonds, Menachem U ssischkin} für den „nationalen jüdischen Markt" übergeben werden, auf dem jeder davon erwerben kann, was er mag — für einen billigen Preis, um Bikkurim, die Erstlinge des Landes, zu genießen. Eine Taube hält er in der Hand. „In vielen Fqrben schimmert das jüdische Volk xoic diese Taube!" Und es fliegt die Taube hoch über die jubelnde Menge. Für den Juden 'lct* sich das alte Fest Schewuoth mit neuem Sinn gefüllt. Diese Art des Festfeiems ist den Orthodoxen nicht genehm. Dem viele. Gäste, üi$ der P r e m ic r e de« Cftaf

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