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Die neue Welt · 1936-05-26 · Heft 564 (26.5.1936) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 564 (26.5.1936)
Date
1936-05-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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ft Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 564 vom 26. Mai 1036 Jüdisches KixJer-Ferlenhelm Afajdf** in Spttal am Semmering (820 m) ff f f CT für 6- bis 16jährige Modernes, gepflegtes Heim (pädagogischer Leiter A. Taglicht), ständige ärztliche Aufsicht, Sport, Gymnastik, Schwimmen, eigene Bibliothek, Heimkino, vorzügliche rituelle Verpflegung, Mast- und Diätkuren. Fremdsprachige Konversationsgruppen. Anmeldung. Prospekte, Photos usw. im Wiener Sekretariate, IX, Schn-arzspanlerstraße IC, Telephon A-26-3-73 xrenu meht die Polizei, die sich von der Ueberraschung erholt hat, dies unmöglich machen würde. Dann folgt die Serie der Brandstiftungen in Stadt und Land; es brennen die von den Juden ge räumten Viertel an der Jaffa-Tel-Aviver Grenze, ts brennen in den jüdischen Kolonien Felder und Getreidehaufen, Frucht- und Waldbäume brennen und werden ausgerissen, Verkehrsmittel mit Steinen beworfen und beschossen, Straßen mit Nägeln bestreut, Telephondrähte zerschnitten, Böller zur Explosion gebracht. Gleichzeitig „streiken" die Araber, um das Wirtschaftsleben lahmzulegen und die Unruhen in Permanenz zu erhalten. Dazu Bildung eines Obersten Rates und lokaler Nationalräte, Hetzversammlungen, Demonstrationen und unmäßige Forderungen an die Regierung, von denen jede einzelne eine eklatante Mandatsverletzung bedeuten würde. In Jerusalem werden Juden, Bethaus- und Kinobesucher niedergeknallt, nachdem der High Commissioner die Sicherheit des Lebens und Eigentums feierlich proklamiert hat. Sir Artur Wauchope ist ein Mann, der sich nicht wohl fühlte, als es in seinem Hause ruhig blieb, indes es beim ägyptischen . und syrischen Nachbarn lichterloh brannte. Der Aspirationen weckte, die dem Araber im Grunde fremd waren und die er auch heute nicht vertritt, die ihn nur interessierten, weil der Jude sich auflehnte. Eine Schule des Parlamentarismus in einer Zeit, wo Hitlers Bild in den arabischen Zeitungen so oft wie in reichsdeutschen erscheint, war dem Araber nur insofern erwünscht, als die Juden sie fürchteten. Aber die Diskussion weckte den arabischen Appetit auf mehr, erinnerte die Araber daran, daß es nun Zeit wäre, mehr zu fördern, maßlos zu fordern und den letzten Kampf zu fechten. Wenn im Sinn des Mufti die Araber in zwölfter Stunde losgeschlagen haben, so muß gesagt werden, sie haben auch nicht zu früh begonnen, sondern in einem günstigen Augenblick. Nach der Prosperität, sicher. Und auch nach der Orangensaison, an der sie allzu sehr interessiert sind. In einer Zeit, wo das Judentum schwer bedrängt ist. Und im letzten Stadium des abessinischen Krieges, dessen Ausgang England vor einen Prestigeverlust und vor internationale Schwierigkeiten stellt. Während König Fuad, der Mittler zwischen England und den ägyptischen Extremisten, schon im Sterben lag. Nach den Erfolgen der arabischen Nationalisten in Syrien und Aegypten. Nach dem Bündnis zwischen Irak und Saudien. Und vor der Tel-Aviver Messe. iür Gelegenheitskäufe Wi en VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lerchenfelderstraße Telephon: A-21-5-31 Die Berichte der Regierung und der europäischen Presse sind darauf zugespitzt, daß in Palästina Rassenkämpfe ausgefochten werden, von Gegnern, die einnander mit gleichen Mitteln gegenüberstehen. England kann vielleicht die Rolle als Schlichterin und Zuschauerin recht 3ein. Buchstäblich hat die Polizei oft zugeschaut, ohne einzugreifen. Aber die Wahrheit ist, daß die arabischen Nationallsten sich gegen England und die abendländische Zivilisation empören. Die Frücht© haben sie genossen und die Schale glauben sie nun wegwerfen zu können. Genau wie in Syrien oder Aegypten. In Syrien, besonders im Libanon, ist der europäische Kultureinfluß ein Jahrhundert am Werke, in Aegypten herrschen die Europäer seit mindestens 50 Jahren. Der Kampf Europas um Palästina geht seit dem Mittelalter. Die Kreuzzüge sind der Ursprung der kolonialen Bestrebungen Europas.' Daß im 19. Jahrhundert keine der Großmächte die Hand auf Palästina legen konnte, war der Eifersucht aus religiösen Gründen zuzuschreiben. Außerdem wurden die größten Missions- und Kulturinstitute der Armut Palästinas halber in die Nachbarländer verlegt, wo die Gesundheit und Widerstandskraft der' Europäer nicht auf so harte Proben gestellt wurde. Nach dem Weltkrieg wurde schließlich die Zeit reif, dem jüdischen Volk, das bereit war und geeignet, Europa nach Palästina zu tragen, diese Aufgabe zuzuweisen. England wurde der Schutzherr dieses Planes, hauptsächlich deshalb, weil es seit dem Beginn des Kongreßzionismus die staatsbildenden Kräfte der zionistischen Bewegung geschätzt hatte. Die führenden arabischen Kreise wissen es bestimmt auch, daß Palästina nach dem Weltkriege nicht das einzige uneuropäische Land am Mittelmeer bleiben konnte. Die Resttürkei entzog sich dem unmittelbaren Ginfluß Europas nur durch den Sieg über Griechenland iind durch die Europäisierung aus Eigenem. Aber nun ifcU.ubea die. Araber. £aläatmas in. si$s& gcJUugifler^.J^age als ihre Stammesgenossen in den anderen Landern zu stehen, denn hier droht ihnen die Majörisierung durch ein eueropäisches Element, eine Gefahr, die für sie anderwärts nicht besteht. Deshalb der „letzte Kampf", deshalb der Kampf gegen die Einwanderung. Dabei hegen sie die Hoffnung auf ein geheimes und offenes Bündnis mit England, in der ersten Phase dieses Endkampfes, denn sie nehmen an, England wolle ebenfalls verhindern, daß die Juden in Palästina Mehrheit werden und zur Herrschaft gelangen. Daß englische Exponenten es dulden, wenn man ihnen eine hemmende Rolle, sogar mit blutigen Mitteln, zumuten kann, ist deren große Schuld und großer Fehler. Wir glauben fest daran, daß England ein friedliches, also jüdisches Palästina benötigt. An der englischen Verantwortung ändert sich nichts, wenn vielleicht kommunistische, hakenkreuzlerische und italienische Hetzer am Werke sind. Bisnun hat die englische Behörde als Kommunisten, ja als nationalsozialistische Emmissäre nur Juden verhaften lassen, sogar Sepharden in Bagdad als Sammler für den arabischen Streikfonds. Ein eigentümliches Zugreifen. Denn, wenn es hie und da politisch perverse Juden gibt: das Hakenkreuz und das Schwert Mohammeds haben viel zahlreichere und glänzendere Propagandisten. Was noch geschehen wird, läßt sich nicht voraussagen. . Die Araber führen alle Methoden von Huligana und Gangstern ins Treffen. Eine neue Taktik — eine europäische Errungenschaft anderer Art. Nicht mehr wird das Schwert Mohammeds frei vor dem Haufen getragen, in Nägel zersplittert liegt es auf der Straße, und aus sicherem Versteck trifft die Kugel. Zum 15. Mai hatten die Araber ein Ultimatum gestellt: Erfüllung der Forderungen oder bürgerlicher Ungehorsam, Nichtzahlung der Steuern. Der High-Commissioner hatte gebeten und gedroht, aber nicht gehandelt. Er lud den Obersten Rat der Araber wiederholt nach London ein, aber die arabischen Führer wollen nicht fahren, bevor ihnen nicht bestimmte Zusagen gemacht werden. Vor allem scheint ihnen die Gewalt mehr Erfolg zu versprechen. Wir erheben die Frage: Wie lange wird England drohen und betteln, schlichten und zuschauen? Will es Großkampftage? Will es den Rassenkampf? Will es die Stockung des wirtschaftlichen Lebens? Oder will es Ruhe und Entwicklung? Wir wollen den Rassen k ä m p f nicht. Wir hoffen auf Unterdrückung der Gewalt. Wir erwarten, daß man es uns ermöglichen wird, der Masse die Masse gegenüberzustellen, zahlenmäßig, jedoch ohne" B1 u £ v e f gi e ß e n. Wir sind auch bereit, in legalen Formationen die Last der bewaffneten Ruhe auf uns zu nehmen. Während der Kampf dauert und späterhin müssen wir in allen unseren Forderungen so einmütig bleiben, wie in der Ablehnung des Legislative Council. Es ist möglich, daß England den Arabern irgend welche Zugeständnisse machen will. Diese müßten allerdings ganz außerhalb der Linie der jetzigen arabischen Forderungen liegen, die von der Einstellung der Alijah und dem Verbote des Bodenkaufes bis zur Enteignung der nichtbearbeiteten jüdischen Ländereien nur unsere Vernichtung zum Ziele hat. Viel leichter wird es England fallen, zunächst unseren Willen zur Weiterarbeit zu stärken und unsere Wünsche zu befriedigen: den Zugang zum Meere über Tel-Aviv, den Bau von Straßen durch das jüdische Siedlungsgebiet, die Verlegung von Behörden nach Tel-Aviv und den Kolonien. Es gibt eine Erfahrung, daß man Großes fordern muß, wenn man Kleines erreichen will. Man muß aber auch Stein zu Stein, Erreichtes an Erreichtes fügen, wenn man vorwärtskommen will. Daß uns gerade heute diese Einzelheiten beschäftigen, ist eine Folge unerbittlicher Notwendigkeit. Das sind mehr denn je Lebensfragen für uns.- Diese Forderungen machen den Wettkampf der Nation aus, den sie führt, gleichgültig, ob der Gegner in der Arena mitläuft, ob er schläft oder ob er Böller wirft und demonstriert. Die Prognose vom Na,tionalitätenstreit ist bitter genug. Aber es ist der letzte Ausweg zwischen Rassenkampf und tödlichem Stillstand. Wir haben keinen anderen und wir haben nur ein Erez Israel. Darum werden wir weiterarbeiten für uns und unser Land bis zum endgültigen Erfolg. Die Revisionisten und der Kongreß Die Exekutive der Revisionisten hat beschlossen, am Weltkongreß nicht teilzunehmen, weil dieses Wahlsystem nicht demokratisch ist. Das Executive-Comitö des Jüdischen Weltkongresses in Paris erklärt hiezu: „Die Behauptung der Zionlsten-Revisionisten, daß der Jüdische Weltkongreß nicht auf Grund allgemeiner demokratischer Wahlen zustande kommt, ist unbegründet. In den Vereinigten Staaten Amerikas haben sich alle Parteien und Gruppen auf einen Wahlmodus geeinigt, der auf einem System indirekter Wahlen durch lokale Konferenzen beruht. In den ost- und mitteleuropäischen Ländern werden Wahlen stattfinden. Wenn in verschiedenen Ländern die Parteien darüber verhandeln, um sich auf eine gemeinsame Liste zu einigen, so kann der Ctyg&H&x W.ah^jtf m$it zweifelt werden. Bei den Wahlen zu allen Parlamenten haben die Parteien das Recht, sich auf eine Liste zu einigen, in welchen Fällen meist sogar ein einheitlicher Wahlakt überflüssig wird. In einigen Ländern, in denen demokratisch organisierte, offizielle Gesamtrepräsentanzen der Judenheiten der betreffenden Länder existieren, werden dieselben als vertretungsberechtigt anerkannt, wie dies die Genfer Konferenzen von jeher beschlossen haben." Die Union der Zionisten-Revisionisten hat natürlich das volle Recht, über die Beteiligung oder Nichtbeteiligung der Revisionisten am jüdischen Weltkongreß zu entscheiden. Zurückgewiesen werden muß jedoch der Versuch, den Beschluß der Nichtbeteiligung durch unrichtige Gründe zu motivieren und dadurch einen falschen Eindruck bezüglich des demokratischen Charakters des Jüdischen Weltkongresses zu erwecken." Französische Politiker begrüßen den Kongreß Aus Paris: Der Chef der Radikal-Sozialistischen Partei und ehemalige Ministerpräsident Edouard Dalad i e r und der ehemalige Minister Senator Justin Godart haben dem Komitee für den Jüdischen Weltkongreß die folgenden Deklarationen übermittelt: „Chambre des Deputes Paris, den 15. Februar 1936. Ich halte die Einberufung des Jüdischen Weltkongresses für ungemein wichtig in den jetzigen Umständen, in denen sich leider so häufig die Rückkehr ztl brutaler Gewalt und Ungerechtigkeit manifestiert. Als Franzose begrüße ich dieses Werk, das sich auf der großen Idee der Gleichberechtigung aller Menschen, die unsere Revolution proklamiert hat, gründet. Ed. Daladicr." „Senat Paris, den 2. Mal 1936.. Ich habe vom ersten Augenblick an die Idee eines Jüdischen Weltkongresses aufrichtig begrüßt. Einheit des Gedankens und der Führung ist für die Verteidigung und Verbreitung edler Ziele notwendig. Sie tragen ihre Kraft in sich, aber ohne einheitliche Zusammenfassung wird diese Kraft verzettelt und bleibt wirkungslos. Gez. Justin Godart, Senator, ehem. Minister und Präsident des Comite .France-Palestine'." Für Nahigm Sokolow Donnerstag, den 28. Mai 1936, Va9 Uhr abends, findet eine große Trauerkundgebung für Nahum Sokolow statt, die von den zionistischen Gruppen, der Histadruth Ivrith, dem Alte-Herfen-Ring der zionistischen Verbindungen, den Zionistisch-akademischen Verbindungen und Vereinen und der Judäa veranstaltet wird. Jeden Sonntag „Francopol" - Sonderfahrten nach Polen und Czernowitz. Nächste Abfahrt: 7. Juni. Rückfahrt 7. Juli. „Francopol" III., Schwarzenbergplatz, U-16-4-90; „Cedok", I., Kärntnerstraße 32, R-23-4-88; Gerngroß, VII., Mariahilferstraße 42, B-38-2-68. Toilletten in „Me/n Sohn —. der Minister" (Deutsches Volkstheater) Es ist wirklich. ein ganz besonderes Vergnügen — vor allem für jede Frau — wenn in einem so unterhaltsamen Stück auch schöne Toiletten zu sehen sind, wie die Modelle, die Johanna Terwin in „Mein Sohn — der Minister" trägt; die charakteristischen Neuheiten der kommenden Saison sind hier vorausgesehen. Das Haus Ida Reich & Bruder, VI, Mariahilferstraße 31, bekannt dafür, daß es Bühnenkünstlerinnen mit Geschmack und richtiger Einfühlung in das Mileu zu kleiden versteht, hat hier Meisterhaftes geleistet. Im ersten Akt erscheint Frau Terwin in einem Tailleur aus starkrelieflertem Seidencloque in Parmaveilchenlila. Entzückend dazu eine duftige zartrosa Bluse, mit Handschuhen und einer. Toque, die ein lila Schleier umweht. Besonders gekonnt ist das schlichte braune Wollcrepekleid, dessen smaragdgrüne breite Schärpe mit den Ohrgehängen der Künstlerin übereinstimmt. Das Beispiel einer mustergültigen Hochsommertoilettc, ist die Toilette aus weiß-schwarzem Circematerial, mit neuartigem unendlich weitem Rock. Neuester Modestil und aparteste Farbenzusammenstellung wird durch die Toilette Frau Molssis im letzten Akt veranschaulicht: Weißes mattes Seidengewebe zu zauberhafter Kasak, die mit reichen Glocken, drapierten Aermeln und strengen kleinen Kragen die Neuheiten der Mode von Morgen zeigt. Gut wirken dazu ein brauner Rock, lange braune Handschuhe und das braun« fitogtiUttUkfc -r/r. ( :; ««i: '. ▼,*»fl7TW7^W*w'" t *•

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