Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 564 (26.5.1936)
- Date
- 1936-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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tfr. 564 vom 26, Mai 1936 DIE NEUE WELT Seited 1 Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs _ halb 9 Uhr abends, im Heim, II, Erlafstraße 5 SOKOLOW'GEDENKFEIER Gedenkrede: Rabbiner Prof* Diu Armand Kaminka Kantorale Funktion: Kantor Josef Feuer Der letzte Kampf . . . ü Von Ebeneser (Haifa) Nach den Worten des Mufti im Streikkomitee schlagen die Araber ihre letzte Schlacht. Ein Wort, das von uns beachtet werden muß. Wie war es früher? Anfangs 1920. Die zionistische Welt hegt große Erwartungen. Man spricht von einer Aera gleich der unter Esra und Nehemia und von einem Aufbaufonds von 25 Mil- * lionen Pfund. Infolge der erzwungenen Abwanderung während des Krieges sind im Lande nur 50.000 Juden verblieben. Ganz langsam kehren die Vertriebenen aus Syrien, Aegypten, Oesterreich, Rußland, Amerika heim. Die jüdische Legion ist im Stadium der Demobilisierung. Die Neueinwanderung ist geringfügig. Als erstes Immigrantenschiff ist im Dezember 1919 die „Rußland" aus tlf RÜT"- Ferienreisen PolenJzßrnowitz nach Erste Reise am 5. Juli 1936 Aufenthaltsdauer: 4,8 u. 10 Wochen Anmeldungen: REISEBÜRO „IRUT" (Referent: Rosenkianz) I, Karlsplatz 1 Telephon U-U-5-'i9 Odessa gelandet. Die Dampfer des Lloyd Triestino verkehren äußerst unregelmäßig. Die Fahrt von Triest nach Jaffa dauert an drei Wochen unter den übelsten Bedingungen. Die wenigen Visen bewilligt das britische War Office. Denn das englische Militär hat in Palästina die Zivilverwaltung in Händen. Nicht unter dem Union Jack, sondern im Namen der alliierten Truppen. Die Frage des Mandats und des Mandatars ist noch keineswegs entschieden. Die Interessensphäre zwischen England und Frankreich läuft südlich einiger jüdischer Kolonien. Die Befehlshaber in England und Frankreich sind trotz der jüdischen Waffenhilfe dem Zionismus nicht gut gesinnt. Die Franzosen sollen bei' dem Angriff auf Tel-Chaj, Kfar-Gileadi und die Baracken von Chamara die Hand im Spiel gehabt haben. Die Verteidigung kostet Opfer. (Im weiteren Verlauf führt sie zum Anschluß dieses Gebietes an das englische Mandatsland.) Die jüdische Gemeinschaft sieht gefaßt weiteren Angriffen entgegen. Pessach kommt es zu Unruhen, dem ersten Pogrom in Jerusalem. Jabotinsky setzt aus eigenen Stücken die Legionäre ein. Er wandert dafür, nicht anders wie die .schwarzen" Urheber, ins Gefängnis. Admiral Bianchini, Mitglied der damaligen jüdischen Vertretung, des Waad Hazirim, fällt einem verschleierten Attentat zum Opfer. Die Diplomaten beeilen sich und sprechen in San Remö.das Mandat England zu. Im Juni schon weht die britische Flagge auf den alten Serails und den neuen Sitzen der Behörden. Herbert Samuel ist High Commissioner und „König der Juden". Die Generale aber bleiben Gouverneure, die Sergeanten werden Sekretäre. Im Juli tritt das Aktionskomitee zusammen und erklärt die Unmöglichkeit, große Summen aufzubringen. Projekte von Großimmigration und Plansiedlung finden Hein Gehör. Sogar einzelne „Punkte" müssen aufgelassen werden. 1. Mai 1921. Die Einwanderung, die dritte Alijah, hat sich einigermaßen verstärkt. Dampfer mit 500 Chaluzim und mehr sind keine Seltenheit. In der Landwirtschaft, im Haus- und Straßenbau, in sonstigen städtischen Berufen finden die Immigranten Beschäftigung. Leider wandern die demobilisierten Legionäre fast vollzählig ab, da der Jischuw und die Behörden für ihre Ansprüche kein Verständnis zeigen. Die zionistischen Beamten überlassen ihre Rechte und Pflichten dem Neueinwanderer gegenüber den aufstrebenden. Arbeiterorganisationen. Die alten Streitereien zwischen Poale Zion und Bund werden in Palästina fortgesetzt. Doch können die Nachkriegs-Aspekte nicht übersehen werden. Die Geister scheiden sich nun: hie Moskau, hie Zion, Die Unruhe im jüdischen Lager wird von den Arabern mißdeutet. Die Wühlarbeit . von Dunkelmännern verschiedenen Charakters zeitigt traurige Früchte. Diesmal sind vor allem das Beth-OIim und andere vorgeschobene Posten in Jaffa das Ziel der Angriffe. Tel-Aviv gilt schon damals als Bollwerk. Beklagenswerte Opfer werden auf dem Friedhof im Dünenmeer im ersten Brudergrab bestattet. — In Haifa machte ein einziger Schuß des Polizeikomm^ndanten Major S. der Zusammenrottung ein Ende. Im allgemeinen zeigt sich aber die Regierung den Freunden der Juden nicht dankbar, so dem Jaffaer Hafenkommandanten Major J. gegenüber, der dem Mordgesindel mit dem Revolver in der Hand in den Weg trat. 1926. Nach 1921 war der Anstoß zum Ausbau von Tel-Aviv gegeben. Besonders die bürgerliche vierte Alijah ist von der neuen Stadt begeistert und macht sich ihre Entwicklung zur Aufgabe. Kleinere und größere Industrie- NBtejp&hjßqn entstehen. Auch Jerusalem und Haifa werden nicht vernachlässigt. Die alten Kolonien halten recht und schlecht durch. Die jüngere Generation in diesen drängt zu Neugründungen von Siedlungen und neuen Pflanzungsarbeiten. Die ICA, in Palästina nur von Baron Edmond Rothschild erhalten, wird zur PICA (Palestine Jewish Colonisation Association). Still arbeitet sie in der alten Weise. Die romantische Wacht im Galil tritt zurück vor der Besiedlung des Emek Jesreel, die kleine Kommune vor dem großen Kibbuz und dem Moschaw Owdim. Der Neid der Araber wächst und verdichtet sich zum Raubmarsch auf Petach-Tikwah und andere Siedlungen. Wieder mußten der (Her nach Blut, fremdem Gut und fremden Frauen kostbare jüdische Leben geopfert werden. Im großen ganzen scheitert aber der Anschlag „wie durch ein Wunder". August 1929. Schneller Aufschwung und darauffolgende Krise haben einer langsamen Entwicklung Plata gemächt. Viel zu langsam. Die Juden sind eine unbedeutende Minderheit im Lande, von den Brüdern im Ausland wenig und fast nur philanthropisch gefördert. Die ruhigen Plumer-Jahre, in denen mit manchem Erbstück aus der Okkupation und der Zeit des ersten High-Commissioners aufgeräumt wurde, sind in gutem Gedenken. Doch nun residiert auf dem Skopus ein Mann, dem der Ruf vorausgeeilt ist, daß er schwarze Afrikaner mehr berücksichtige als weiße, sogar englische Kolonisten. Und auch er weilt auf Urlaub. Seine Untergebenen sind von eifervollen Missionen und der gesellschaftlichen Konzilianz der oberen arabischen Schicht beeinflußt. Auch der jüdischen Führerschaft ist das Land entblößt. Man ist zum Kongreß gefahren. Schwäche und Sommerschlaf begünstigen den Ausbruch gutgeschürter Leidenschaften. Mord und Brand im ganzen Land. Hiobsnachrichten gelangen in alle Welt. Am schrecklichsten leiden das ungeschützte S a f e d und Hebron. Das .neujüdische Werk zeigt sich dem Ansturm gewachsen. Die Hilfe der Mandatarmacht kommt spät, aber nachdrücklich. Immerhin sucht sie sich und die . Araber zu entschuldigen. Die Stimmen, die sich in England, Genf und anderwärts für den Aufbau Palästinas erheben, gewinnen jedoch an Gewicht und Durchschlagskraft im Verlaufe der Zeit. . Bis Herbst 1935. Es konnte eine neue Phase beginnen. Nicht im innerzionistischen Kampfe, wo die Stimmen der erfolgbewußten, in der allgemeinen Linie aber kleinlichen Arbeiterorganisation und der maximalistischen Opposition weiter wüst durcheinandergellen. Dagegen i m Leben Palästinas. Es waren die ersten Unruhen in Palästina gewesen, die wirklich ans Ohr der Welt und der breiten jüdischen Oeffentlichkeit gedrungen waren. Der Hilfsfonds war dem Unglück angemessen. Die Einwanderung steigt. Bodenkäufe, Siedlungs- und Industriegründungen nehmen einen bis dahin ungekannten Umfang an. Die älteren Unternehmungen, die manche Erschütterungen überstanden hatten, konsolidieren sich. Der Ertrag der Orangenpflanzungen hat sich verzehnfacht. Neue Chancen 3tehen vor der Türe. Die eindeutig gegen die Regierung gerichteten Unruhen im Oktober 1933 gehen fast ungemerkt vorüber, machen aber England den Alijahforderungen gegenüber willfähriger. Nicht einmal die grenzenlose Verschärfung des Bruderkampfes bietet den Angreifern eine wirksame Bresche. In unseren Tagen. Bis schließlich im Herbst 1935, in erster Reihe als Folge des abessinisch-italienischen Konflikts, die vielgerühmte Properität zum Stillstand W/£M//. f TABORSTRA5SE öa kommt. Nun ist zu erwarten, daß die arabische Gegnerschaft ihr Haupt erheben wird. Es beginnt mit der Unsicherheit an der Peripherie von Tel-Aviv und Jerusalem, mit der Unsicherheit der Landstraßen, mit häufigeren Uebergriffen vereinzelter Banditen und immer gefährlicheren und frecheren Aktionen von Banden, wie dies alles ja nie ganz aufgehört hat. Die Intervalle werden kleiner: Ein jüdischer Sergeant fällt, heimtückisch aus dem Hinterhalt erschossen, Die Polizei bebt awar ein Terroristennest aus, bleibt aber stoisch, als weite arabische Kreise den auf dem Platze gebliebenen Führer der Bande als nationalen Helden feiern, bleibt scheinbar ungerührt von den Angriffen auf das eigene Leben, auf die eigene Autorität. Ein Kolonist aus Nahalal wird in einem arabischen Autobus erschossen. Wenn auch Araber und Engländer mitbetroffen sind, die antijüdische Tendenz und die Terrorabsicht sind unverkennbar. Dann, am 15. April 1936, die Ermordung Chasans, eines 70jährigen Geflügelhändlers aus Saloniki, auf einer Geschäftsfahrt. Gleichzeitig wird der Chauffeur Dannenberg schwer verwundet und stirbt nach langem Todeskampf, indes schon die Toten vom 19. und 20. April der Erde übergeben sind. Es ist diesmal anders als die früheren Male. Nicht Beduinen, palästinensische Fellachen, städtische Arbeiter und Handwerker allein sind es, die zu Raub, m$m teg feto mm ES&tf*'.: %m 'j£)i3&Jii liOCh PALÄSTINA mit den vorzüglichen Schiffen ,E§peria'/ ,Marco Polo', ,Galüea,/ ,GerusaIemnie" /PaSesrina* 10 Abfahrten monatlich! Vollkommen regelmäßiger u» ungestörter Verkehr Auskünfte: Gennralagentur, Wien \, Kärntnerring 6, Telephon U-47-5-60, und alle Reisebüros Plünderung und Mord ausziehen, dabei unvorsichtig und sich selbst gefährdend. Es ist jetzt ein Element da, das ausgehungerten Heuschrecken gleich über das Land gefallen ist von jenseits der Grenzen, aus dem syrischen Hauran. Ein primitives Element, tief unter der Stufe des letzten palästinensischen Lastträgers, wurzelloser und unverantwortlicher als das einheimische arabische Proletariat, das an den Stadtgrenzen sich niedergelassen hat. Fanatisch, jeder Lüge und Hetze zugänglich, vom hiesigen Araber vielfach gehaßt, stets verachtet, von Bauherren und Pardeßbesitzern aber, der geringen Lohnansprüche halber, doch gerne gesehen und sogar bei Regierungs- •wo BAD VOSLAU PENSION ROSENBERGER (JETZT TAUBER), REITERSTRASSE 11 bietet zu PFINGSTEN und für Sommeraufenthalt erstklassige Küche u. reichliche Mahlzeiten Pensionspreise aufwärts von S 7.50 Auskunft: Birkenfeld, Wien II, Schiffamtsgasse 17. von 1 bis 3 Uhr Telephon A-49-7-Ü7, und E. Reischer, Telephon B-24-504 arbeiten beschäftigt, obwohl man ihm auf hundert Schritte die Herkunft und damit das illegale Hiersein ansieht. Schon am Vorabend des Pes.sach wird, in Haifa unter den Hauranern das Gerücht verbreitet, die Juden hätten drei der Ihren getötet, um das Blut zu ver* wenden. Zum erstenmal taucht im Lande die Ritual* mordlüge.auf. Die Hauraner ziehen-zur Polizei und werden auseinandergejagt. Aehnliche Verleumdungen werden in Jaffa verbreitet und führen zu den großen Unruhen, zu den Mordüberfällen auf einzelne wehrlose Passanten. Das Charakteristische ist nicht so die Primitivität der Hauraner wie die Rolle uniformierter Hetzer und Organisatoren. Jahre und besonders das vergangene Jahr, hat die Regierung zugesehen, wie unter dem Vorwand des Skautwesens (Pfadfinder) Kinder, Halbwüchsige und Männer bis zu 40 Jahren militärische Uebungen veranstalten. Jetzt stellt sich heraus, da,ß nur ein Teil dieser Verbände überhaupt der Baden-Powellschen Organisation angegliedert war; der andere Teil ist rein natioual, nicht einmal bei der Regierung angemeldet. Indes die Behörden die Grenzen gegen die „illegale" jüdische Ein« Wanderung bewachten, kamen unter den Augen der Polizei tausende ausländische Araber ins Land und organisierten frei und offen militärische Formationen aus dem berüchtigten „Schabab", der Straßen- und Dorf jugend< Am 19. April greift in Jaffa der Pöbel mit Steinen» Dolchen und Knüppeln an. Der 20. April bringt die Feuerwaffen der Araber zum Vorschein. An diesern Tag wttrdi auch die Gegenwehr der Juden zur. Auawirkung kommet