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Die neue Welt · 1936-05-22 · Heft 563 (22.5.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 563 (22.5.1936)
Date
1936-05-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 563 vom 22. Mai 1936 DIE NEUE WELT Seit« l Kommunisten schüren den Aufstand Vor den offenen Gräbern auf dem Friedhof sprach auerst der Chefredakteur der Arbeitertageszeitung „Davar", Berl Katznelson, im Namen der Histadrut Haowdim, Rabbi Meir Berlin sprach für den Misrachi, Rabbi Blau für die Agudas Jisroel, Dr. Fischöl W a s c h i t z im Namen der Revisionisten, schließlich der Oberrabbiner von Tel-Aviv, Rabbi Uziel. Fast alle Redner knüpften an den von Ben-Zwi gesprochenen Satz an: „Die Regierung ist verantwortlich für dieses Blut; wir müssen selbst für unsere Sicherheit Sorge tragen!" Dr. Waschitz steigerte noch dieses Gelöbnis durch die Erklärung: „Diese Opfer sind die letzten, die wir den Arabern und der Regiö' rung geben; wir werden nicht mehr zulassen, daß sie uns töten!" Die hebräische Presse gibt in scharfen Worten der Empörung und dem Zorn über die Verbrechen der arabischen Terroristen Ausdruck. Der arabische Terror, erklären die Blätter, stoße nicht auf den gebotenen Widerstand seitens der Behörden. Während die Polizei in der letzten Zeit fünf jüdische junge Leute unter der Beschuldigung unerlaubten Waffenbesitzes verhaftet habe, genießen die arabischen Terroristen volle Freiheit und dringen sogar in die rein jüdischen Viertel von Jerusalem ein. ktetkmfdefd Die jüdische Situation Obwohl die Führerstellung L6on Blums in der neuen Regierung im normalen Spiel des parlamentarischen Systems in Frankreich liegt, hat sein Hervortreten bei der Kabinettsbildung in den Kreisen der f ranzösi Sofien J uden einige Nervosität hervorgerufen. Man fürchtet, daß die Gegner Blums seine jüdische Abkunft als Argument im Kampf gegen seine Politik benützen werden und daß der Kampf gegen die Politik der Volksfront daher Bückwirkungen auf die jüdische Lage in Frankreich haben könnte. Diese Besorgnisse, für deren Berechtigung man in der Polemik der rechtsradikalen Presse in Frankreich bereits heute Anhaltspunkte finden kann, werfen ein Licht auf die Situation, in der die Juden leben. „Jüdische Rundschau" (Pariser Brief), Mai 1936. Hoffnung auf ein neues tiesdttlcdift Wir sind nach Palästina gekommen, erfüllt von der Landschaft fremder Länder, von fremden Ereignissen und Erlebnissen, die tief in uns Wurzel gefaßt haben. Es gibt nur ein wahres lind" beständiges Erlebnis auf Erden, das ist das erste Erebnis, die Tage unserer Kindheit, von ihm gehen die schöpferischen Kräfte aus, zu ihm .kehren, sie immer wieder zurück. Wir sind jetzt eine Generation von Zigeunern, wir haben diesen Zusammenhang verloren. Als ich ein Kind war, war ich eins mit jeder Pflanze und mit jedem Stein, ich kannte jede Distel, ihre Gestalt, ihre Farbe, ihre Eigenschaften, wenn ich auch ihren Namen nicht wußte. Vielleicht wird auch uns hier ein neues Geschlecht erstehen, das das Leben dieses Landes mit all seinem Zauber in sich aufsaugen wird, und dieses Geschlecht toird Schöpfer einer wirklichen palästinensischen Literatur werden. Ch. N. Bialik. Wert der Philosophie Gerade bei dem Gefühl der Dankbarkeit für diese unentbehrliche Leistung (Uebersetzung der jyhilosophisehen Klassiker ins Hebräische) kann der wesentlichste Wert all solcher Arbeit nur zum Ausdruck kommen, wenn die Philosophierenden in Erez Israel den Fragen wirklich ins Auge sehen, die das Leben in diesem Lande stellt. Wir sind weit davon entfernt, sozusagen eine „Lebensphilosophie" als das Erfordernis darzustellen. Der Rhythmus eines Koloniallandes ist ein gespannter, auf die Zukunft hinzielender. Der Mensch schafft sich Besinnung in der Philosophie. Die Philosophie hat ihre besondere Aufgabe gerade hier, und sie muß das erfüllen, was andere geistige Betätigungen nicht geben können. Dr. S. Ucko (Haifa). Gemeinde und Kehilla Der Jude in Deutschland ist gewohnt, zu einer Gemeinde zu gehören, in die er meist hineingeboren ist. Oft umfaßt eine Gemeinde die verschiedensten Richtungen. Das amerikanische Judentum kennt die Einheitsgemeinde nicht. Jede Synagoge bildet eine Gemeinde für sich mit eigenen Beamten, je nach der Größe auch oft mit einein ganzen Netz von Organisationen für die Mitglieder. Der Versuch einer Zusammenfassung zu einer „Kehilla" xonrde nur in New York einmal gemacht, hatte aber keinen Erfolg. . Dr. H. M. Sänger „Judenfragen in Amerika", 1936. In Litauen ♦ ♦ ♦ In Litauen genießen alle Bürger ohne Unterschied der Nationalität oder des Glaubens volle Rechtsgleichheit und die Regierung ist entschlossen, jeden Versuch, Rassenhaß unter der Bevölkerung zu verbreiten, mit äußerster Energie zu bekämpfen. So wurden vor kurzem judenfeindliche Unruhen in der Provinz von der Regierung energisch unterdrückt; die jüdisohe Bevölkerung hat ihre Anerkennung für das Vorgehen der Regierung zum Ausdruck gebracht. Diese Unruhen, die sich in letzter Zeit in Litauen ereigneten, waren die einzigen ihrer Art. Im übrigen ist die friedliche Zusammenarbeit von Litauern und Juden nicht gestört worden. Der litauische Innenminister, Mai 1936. Aus Jerusalem wird uns berichtet: Die Art, in welcher die aufständischen Araber jetzt arbeiten, beweist, daß fremde Mächte den Aufstand schüren und organisieren. Bei den festgenommenen Arabern findet man Waffen deutscher Provenienz. Offensichtlich sind da Sendlinge Hitler-Deutschlands am Werke. Aber sie sind nicht die einzigen. Hand in Hand mit ihnen arbeiten die Kommunisten, und zwar jüdische Kommunisten. Jüdische junge Männer und Frauen verbreiten unter der Bevölkerung Aufrufe, welche die arabischen Mordtaten, an wehrlosen Passanten meuchlings begangen, als nationales und proletarisches Befreiungswerk verherrlichen und die jüdische Jugend auffordern, mit den Meuchelmördern und Brandstiftern gemeinsame Sache zu machen. Nachstehend der Wortlaut eines dieser in arabischer, hebräischer und jiddischer Sprache verfaßten Aufrufs: Proletarier aller Länder vereinigt Euch! An die Arbeiter und an die Schuljugend! Genossen! Eine Welle von Aufständen ergießt sich über das Land. Sie sind ein Ring in der Kette der Aufstände in den arabischen Ländern, welche das imperialistische Joch abwerfen wollen. Heute erntet der Zionismus das, was er im Laufe vieler Jahre gesät hat, durch Angriffe auf die arabischen Massen, durch Beraubung arabischer Bauern, durch Ein Schelhammer-Los SMnt auch ln d« B-Zlehuni den Haupttreffer! Bei der am 20. Mai stattgefundenen B-Ziehung der I. Klasse der 35. Klassenlotterie entfiel wieder der Haupttreffer von S 30.000.- auf das vom Bankhaus Schelhammer&Schattera Wien I, Stephansplatz 11, abermals in 8 Anteilen verkaufte Los Nr. 6279.. Die Morde in Jerusalem Aus Jerusalem wird unter dem 18. d. gemeldet: Während am 16. Mai in dem fast rein jüdischen Stadtteil Sichron Mosche im Herzen der; Jerusalcmer Neustadt das Publikum das dortige Kinotheater verließ, drangen einige Araber in den Stadtteil ein und feuerten Schüsse in die Menge ab, worauf sie unerkannt die Flucht ergriffen. Die Wirkung war furchtbar: Fünf Personen blieben auf dem Pflaster liegen. Drei von ihnen, die aus Polen stammenden Juden Alexander Polonsky, Isaac Jalowsky und Zwi Schabcho wsky, waren sofort tot, während zwei, Dr. Plosser und Israel Askenazy,' schwere Schußverletzungen davontrugen. Der Menge bemächtigte sich eine ungeheure Panik, die sich zu tiefster Trauer steigerte und höchste Empörung gegen ein Regime, das trotz der ihm zur Verfügung stehenden ungeheuren Machtmittel sich als unfähig erweist, nach mehreren Wochen Unruhe endlich Ordnung zu schaffen, und das, statt die Verantwortlichen an den Unruhen und an den heimtückischen Morden zu fassen, mit diesen politisch verhandelt, auslöste. Die Bestattung der drei neuen Todesopfer fand gleich am Sonntag in der frühen Morgenstunde auf dem Jerusalemer jüdischen Friedhof statt. Die Regierung hat nach dieser neuen Mordsej-ie sofort verfügt, daß der Ausnahmezustand, der bisher Uber die Jerusalemer Altstadt und einige Teile der Neustadt verhängt war, auf das gesamte Jerusalemer Stadtgebiet ausgedehnt werde. Zwischen 8 Uhr abends und 6 Uhr morgens ist der Aufenthalt in den Straßen verboten. Unter der jüdischen Einwohnerschaft in Jerusalem hält die Erregung an. Die jüdischen Geschäfte sind zum Zeichen der Trauer und des Protestes geschlossen. Polizei und Soldaten patrouillieren in kurzen Abständen durch die Straßen und halten alle ihnen irgendwie verdächtig erscheinenden Personen an. Die Regierungskreise sehen die Lage als ernst an, dies auch im Hinblick auf die unter der jüdischen Bevölkerung herrschende Erregung. Man befürchtet, daß die bisher so besonnene und maßvolle Haltung der Judenschaft Aktionen der Selbstwehr weichen könnte. (J. T. A.) FERIENHEIM»r3. bi?iEi?. SCHLOSS GINSELBERG . NEUSTIFT BEI SCHEIBBS - N. O. Herrliche Ltge < Vorzügliche Kost Arzt im Heim MäBIge Preise Leitung: Dipl. I ABC BCIIIIfSED Telephon A-48-3-89 Montessorilehrerin LUKE KCIUIUCR II* Große Schiff gasse » Englands Stellung int Vorderen Orient Aus London wird unter dem 21. d. gemeldet: Im Unterhaus wurde heute an den Ministerpräsidenten die Frage gerichtet, ob die englische Regierung angesichts der Annexion Abessiniens durch Italien und der sich daraus ergebenden Bedrohung der Stellung Englands im Nahen Osten und in Afrika feststellen werde, daß sie keinen Angriff auf den Status quo in Aegypten und Palästina dulden und einen solchen Angriff als unfreundlichen Akt betrachten würde. Ministerpräsident Baldwin erinnerte bezüglich der Erpberung von Arbeit und Boden, durch jüdisches Arbeitsmonopol. Der Zionismus ist die Unterstützung des englischen Imperialismus und Helfer bei der Unterdrückung der arabischen Massen. Der Mord bei Tulkeram, für welchen die Täter allein verantwortlich sind, ist von der zionistischen Presse und von den zionistischen Politikern ausgenützt worden, als Ausgangspunkt mörderischer Angriffe auf die arabischen Bürger. Jetzt ist das Land in stürmischer Bewegung. Es streikt und demonstriert seine Bereitwilligkeit, sich zu befreien vom Imperialismus und ein Ende zu bereiten den blutigen zionistischen Angriffen. Der Zionismus ist verantwortlich für das vergossene Blut. Er hat im Verlauf von Jahren den nationalen und rassischen Haß angefacht. Er hat die Arbeit erobert, er hat geraubt und jetzt büßen unschuldige Menschen seine Untaten. Jetzt verlangen die zionistischen Führer von der Regierung die Unterdrückung des Aufstandes. Die zionistischen Jugendorganisationen treiben eine Mordhetze Im Namen des nationalen Ideals des Zionismus. Der jüdlnche Selbstschutz verursacht mörderische Provokationen. Jugend! Deine Pflicht ist nicht, Araber zu ermorden, nicht zu brennen und zu rauben, nicht die Regierung und die Polizei zu unterstützen. Der arabische Widerstand wird nicht weichen, wenn nicht die Herrschaft der imperialistischen Unterdrücker und ihrer zionistischen Helfer verschwinden wird. Genossen! Der Verband der palästinensischen kommunistischen Jugend, welcher die internationale Solidarität der arabischen und jüdischen Jugend anstrebt, fordert die arabische Jugend auf, den Kampf bis zum Ende, bis zur nationalen und gesellschaftlichen Befreiung zu führen. Zu gleicher Zeit wendet er sich an die j U d i s c h e Jugend, weiche an den mörderischen zionistischen Ueberfällen teilnimmt, mit der Aufforderung, sich vom Mord zurückzuziehen. Sie soll nicht das Militär und die Polizei unterstützen bei der Unterdrückung der arabischen Massen. Die jüdische Jugend muß die arabische Jugend in ihren Kampf für die Beseitigung der zionistischen Rassenhetze unterstützen, austreten aus dem Zionismus und dem Selbstschutz. Sie muß im zionistischen Lager eine Basis für die arabische Aufstandsbewegung und für die internationale Solidarität schaffen. Für die Forderungen der arabischen Jugend muß auch die jüdische kämpfen. Gegen die imperialistische Herrschaft und den zionistischen Angriff. Für die Ein stell ung der Einwanderung, für die Eroberung von Arbeit und Boden, für die internationale Solidarität in Palästina. Es lebe der Aufstand! Nieder mit Imperialismus, Zionismus und arabischem Feudalismus! Zum Kampf gegen Rassenhetze und Blord! Für die natio-, nale und gesellschaftliche Befreiung der arabischen Länder! Unterschrift: Lokalkomitee der kommunistischen Jugend in Palästina. Tel-Aviv. Stellung Aegyptens daran, daß England bereits im Jahre 1922 allen Mächten mitgeteilt habe, daß jede Einmischung in ägyptische Angelegenheiten einen feindlichen Akt darstellen würde. Dieser Erklärung, sagte der Ministerpräsident, habe er nichts hinzuzufügen. Was Palästina anlange, so habe die englische Regierung .die Verwaltung und den Schutz des Mandatsgebietes übernommen und gedenke, ihren Verpflichtungen streng nachzukommen. Englische frlifiiärdemonsSration Aus Jerusalem: Jerusalem bot am Sonntag, den 12., und am Montag, den 18., das Bild eines Militärlagers. Zur Demonstrier ung der 'Militär-' macht zogen größere Einheiten Infanterie in Begleitung von Panzerautomobilen und leichten Tanks durch die Stadt. Abends sind die Straßen in tiefe Dunkelheit gehüllt. Zivilpersonen sind nicht zu sehen, eine Ausnahme machen wenige Journalisten, denen Passierscheine ausgestellt wurden. Die Bevölkerung bleibt hinter verschlossenen Türen. Von Zeit zu Zeit hört man in verschiedenen Teilen der Stadt Schüsse, was jedesmal zu den verschiedensten Kombinationen Anlaß gibt. Der High Commissioncr hatte für Montag, den 18. Mai, nicht nur für Jerusalem, sondern auch für die kleineren Städte und Dörfer im ganzen Lande demonstrative Truppenaufmärsche angeordnet, um die arabi- ' sehen Terroristen einzuschüchtern. Ueberau ziehen Ab- In-u. ausländische Hausbesitzer verwalten ihre 1 WIENER HÄUSER =■• HHnimmggaannBaMnaHHBnB durch behördlich kon/. Realitärenkanzlei H Wien I, Franz Josefs *Kc)i 1, Tel. R-21-5j30 =§ Erstklassige R e f e r e n zen! HimHiiiiiniiiiiiitiiiEuuiJiiHiiiiunmiiMiijUJiiuiiitJJiEuiiJHiiHnHiiiiimHiiiiiiiiuiiiui

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