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Die neue Welt · 1936-05-15 · Heft 561 (15.5.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 561 (15.5.1936)
Date
1936-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 561 vom 15. Hai 1Ö36 DIE NfttB WELT S4ite!S RUNDSCHAU 17 jüdisch« Abgeordnefcc in England Aus London: Bei einer Nachwahl im Kreise Feckham erzielte der der Arbeiterpartei angehörende Kandidat. Lewis S i 1 k i n, der Jude ist, einen Sieg über den konservativen Gegenkandidaten. Bs gehören jetzt 1? Juden als Abgeordnete dem Unterbaus an. 13 jüdische Abgeordnete in Frankreich Aue Paria: Bei den Kamraerwahlen in Frankreich sind insgesamt 13 jüdische Abgeordnete gewählt worden. Unter ihnen befinden sich der Postminister im Kabinett Sarraut, Mandel, der Bürgermeister von Le Havre, Leon Meyer, sowie Löon Blum. Im Wahlkampf unterlegen ist der Kolonienminister Jacquea Stern. Professor Oualid Vizepräsident der Alliance Israelit« Paria meldet: Professor William Oualid, der hervorragende französische Jurist und Volkswirtschaftler, wurde zum Vizepräsidenten der Alliance Israelite Universell© gewählt. Ein Nachfolger für den vor einigen Monaten verstorbenen Präsidenten der Alliance, Prof. Dr. Arnold Netter, Jst bis jetzt nicht gewählt worden. Prof. öuaüd war während des Krieges Abteilungschef im Ministerium für nationale Verteidigung, nach dem Kriege vertrat er Frankreich im Internationalen Arbeitsamt des Völkerbundes. Ein Jude im ägyptischen Senat Ans Kairo: Die ägyptische Regierung ernannte den Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde von Kairo, Katani-Pascha, zum Mitglied des ägyptischen Senats. Ein interessantes Urteil Aus New Yörk (J. T. A-): Das amerikanische Oberste Gericht verurteilte die amerikanische Vertretung der Deutschen Reichsbahn zur Zahlung von SS.00O Dollar als Schadenersatz an den wegen seines Judentums entlassenen früheren Reichsbahnbeamten M. H o 1 z e r. Holzer wurde nach seiner Entlassung in einem Konzentrationslager interniert. Nach seiner Befreiung ging er nach Amerika und reichte hier die Sehadenersatziklage mit der-Begründung ein, daß die deutschen Arierbestimmungen den amerikanischen Rechtsgrundsätzen zuwiderlaufen. Der - Anwalt der Reichsbahnen wies darauf hin, daß die amerikanische Vertretung der Reichsbahn — die Deutsche Verkehrskredltbank Ä.-Gl, die Tränspox-tbank A:;-Gv und die Firma Schenker & Co. — als eine Einrichtung einer fremden Regierung auf Immunität Anspruch erhebe. Oberstrichter Philip J. McCook wies diese Argumentation zurück. Der Klage, auch auf Schadenersatz für die Inter-. nierung im Konzentrationslager, wurde stattgegeben. Jetzt' wird erwartet, daß zahlreiche andere.deutsche Flüchtlinge, die dm'ch Anwendung der deutschen Rassegesetze materiellen oder physischen Schaden erlitten, mit Erfolg vor Auslandsgerichten Klage gegen die Reichsstellen im Ausland erbeben. Aus der Tschechoslowakei Aus Prag: Die führende tschechische demokratische Zeitung „Lidove Noviny" richtet einen scharfen Angriff gegen die Prager Deutsche Universität. Sie schreibt: „Die Deutsche Universität in Prag wird immer mehr zu einem bedenklichen Seminar des Hakenkr eu ziert ums. Die Mehrzahl def Professoren unterrichtet die JUgend dort so, daß sie des Lobes und der Anerkennung des Dritten Reiches gewiß sein kann. Die Hochschulautonomie wird einfach mißbraucht, Als der Vorstand der deutschen Klinik für Hautkrankheiten, Prof. Kreibich, starb, waren an der Universität drei Dozenten dieses Faches. Sie wurden abgelehnt, weil zwei von ihnen Juden sind und der dritte eine jüdische Frau hat. Es wurden als Nachfolger Kreibicha drei Ausländer vorgeschlagen, zwei Reichsdeutsche und ein Oesterreicher. Es war eine offene Provokation, daß die Professoren den jüdischen Dozenten Hecht überhaupt nicht in Erwägung gezogen haben, * obwohl er ein Arzt von Weltruf ist. Hecht hat ohne Klinik und ohne Assistenten bis heute 159 wissenschaftliche Arbeiten und Monographien veröffentlicht. Sein Name ist in alleu modernen wissenschaftlichen Lehrbüchern Deutschlands, Frankreichs, Amerikas, Italiens usw. genannt. Als würdigsten Nachfolger Kreibichs hatten ihn empfohlen: der Universitätsprofessor in Paris Gougerot, Passini (Mailand) und Darier, der berühmteste Dermatologe der Welt. In Budapest wurde er zum Ehrendoktor der dortigen Universität promoviert. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß Dozent Hecht deshalb nicht vorgeschlagen wurde, weil er Jude und außerdem Gegner des Hakenkreuzes ist. Aus klaren politischen Gründen wurde ihm ein Assistent vorgeschlagen, der erst im Herbst 1934 habilitierte. Es ist Aufgabe der Regierung, die Hakenkreuzpropaganda, die ™ HOTEL SNETANA BAD LUHACOVICE, C S. R. Vom 19, bis 31. Mai Zimmer mit Pension Kö 31,* bei 30% Ermäßigung der Kurtaxe, 20«/o aller Kurprozsduron Voranmeldung erbeten Oegrüudtt 1872 von der Deutschen Universität aus verbreitet wird, einzustellen." Aus Rumänien Aus Bukarest: Der Präsident des Zentralstes und der Union der rumänischen Juden fUniunea Evfeilor Romani), Dr. Wilhelm Fildermann gab dem- Vertreter der J. T. A. folgende Erklärung ab: „Die Lage verschlechtert sich mit jedem Tag. Alle Erklärungen der Regierung scheinen keinen anderen Zweck zu haben, als die öffentliche Meinung einzuschläfern, bis es zu neuen Unruhen kommt, auf die abermals Erklärungen folgen, und dieses Spiel wiederholt sieh immer wieder. Tatsachen: Die jüdischen Studenten des ersten Jabiganges der Bukarester medizinischen Fakultät können die Vorlesungen nicht besuchen, weil die rassistischen Agitatoren es nicht zulassen. Das pVofessorenkolleglum tritt zusammen, berät und — die Lage bleibt unverändert. — An der landwirtschaftlichen Fakultät in C h i s i n a u (Kischineff) herrschen dieselben Verhältnisse. — In die Rechtsanwaltltsteu werden Juden nicht mehr eingetragen. Die Eintragung von Juden wird unter verschiedenen Vorwänden hinausgezogen. Bei einem von der Sozialversicherung veranstalteten Stellenwettbewerb für interne und extreme Krankenhausärzte wurden die jüdischen Kandidaten von ihren Kollegen gewaltsam entfernt; das Versprechen, den Wettbewerb für ungültig zu erklären, wurde nicht gehalten. — Der Beitrag des Staates für alle christlichen und nichtchristlichen Glaubensgemeinschaften würde Im Budget des Jahres 1936 um etwa 40 Millionen erhöht, während dio 7 Millionen, die in die Budgets der letzten Jahre für die Bedürfnisse unserer Glaubensgemeinschaft eingestellt waren, glatt gestrichen wurden; nachher machte man das Zugeständnis der Bewilligung von — einer Million! — Bei den Pfadfinderverbänden Werden die Juden aus bestimmten, ausschließlich Christen vorbehaltenen, Kompagnien entfernt. — In B a c a u werden täglich Juden mißhandelt, ohne daß die Polizei etwas dagegen unternimmt. — Bei der vormilitärischen Ausbildung in Ceru aut 1. (Czernowitz) werden die* jüdischen' Schüler beschimpft und mißhandelt. — Die deutsche Nazip r e s a e in Rumänien darf uns weiterhin in voller Freiheit angreifen, während man uns knebelt und uns sowohl die an die Regierung gerichteten Denkschriften, als auch die Berichterstätluh§über tatsäfchriche'Vorfälle, ja sogar auch die Wiedergabe von Texten aus antisemitischen Zeitungen zensuriert. Erst in der letzten Nummer des „Curlerul Israelit" sind ganze Absätze eines aus einer antisemitischen Zeitung wiedergegebenen Artikels von der Zensur verstümmelt worden.; Die Nazisten haben somit Voile-Freiheit, uns anzugreifen, wir aber haben nicht einmal das Recht, auf diese Angriffe hinzuweisen." oMMMiHapanaMHMH^iiMM^ AlSe Bücher —^— Mäßigste Preise — Große Auswahl — Kataloge kostenlos HERMANN TUCHNER, Wien II, Ecke Taborstraß« 52 Moderne Lelhbüche f" « i Gebühr 10 Gr. pro Tag, sonst nichts — Aalragen: Tel. R-41-4-20 Aus Memei Aus Kaunas: Der Stadtrat von Meme 1, der seit einiger Zeit von Nazi beherrscht wird, hat sämtliche städtischen Subventionen für jüdische religiöse und soziale Institutionen Memels aus dem Budget gestrichen. Der litauische Stadtrat Dr. Rutabkas tadelte in einer scharfen Rede dieses Unrecht und forderte Wiedereinsetzung der Subventionen. Sein Antrag wurde von der deutschen nationalsozialistischen Mehrheit abgelehnt. Aus Polen Im Städtchen Buska, Ostgalizäen, kam es, zu einem schweren antijüdischen Exzeß, als in eine religiöse Prozession ein Stein fiel und sich das Gerücht verbreitete, daß ein Jude den Stein. geschleudert hat. Viele Juden wurden niedergeschlagen, in jüdischen Häusern wurden die Fenster eingeschlagen. Schließlich stellte die Polizei fest, daß der Stein von einem Zigeuner geschleudert worden war. Im Städtchen Proposzna, Ostgaüzien, wurde der jüdische B'riedhof geschändet. Im Dorfe Rcmbiolic-Szlachecki, Kreis Czenstocbau, wurde die Wirtschaft des Juden Meir Binantäl niedergebrannt. Vernichtet wurden sein Wohnhaus, der Laden samt der gesamten Ware und seine Getreidespeicher. Während des Brandes wurden viele Gegenstände, die Binantäl zu retten suchte, von Bauern geraubt. Das Feuer entstand an mehreren Punkten zu gleicher Zeit. Zur Verhaftung von etwa 120 Nara-Terrorlsten in Warschau und Umgebung berichtet die Warschauer Presse, daß die Verhafteten antvjttdische Terrorakte in hodz, Kielce, Lemberg und in anderen Städten verübten und Terrorakte auch in Warschau vorbereiteten, wo las* Au» dem Vollen ithöpfen Sie jetzt, wenn Sie rasch zu* greifen. Herrliche, Oriflinat Schioggenwalder Service, z. B. 40teilige ob S 45.— kauft man ab heute bei Haas & Czjzek, Kärntner straße 5 in der Schwemme. Hausfrauen erzählen Wunderdinge von dbrt. Kommen Siel Eintritt freil MAIDM.Y.Ö.H. besondere die jüdischen Restaurants mit Dynamit in die Luft gesprengt werden sollten. Die ersten zwei Bomben sollten gegen das jüdische Lokal „Adria", eine dritte gegen das jüdische Restaurant „Quick" geschleudert werden. Die Bomben wurden beschlag« nahmt, die Hersteller sind ebenfalls in Gewahrsam. Es wurden auch andere Sprengmaterialien, sowie ätzend* Flüssigkeiten bei den Verhafteten gefunden. Der Magistrat des Kurortes Otwock bei Warschau affichierte eine Kundgebung, wonach nur „europäisch gekleidete" Personen den Kui*park betreten dürfen. Juden in traditioneller Kleidung werden nicht hineingelassen. Von dem Kreisgericht Radom ist iu der Be» rufungsinstanz der Führer der Pogromisten von Przytik, Korczak, freigesprochen worden. Korczak war in erster Instanz zu acht Monaten Arrest verurteilt worden. Das polnische Kultusministerium hat bestimmt, daß im September 1936 Neuwahlen von Vorständen in allen jüdischen Gemeinden Polens durchgeführt werden sollen. Die Demission des Präsidenten und des Vizepräsidenten der Warschauer Jüdischen Gemeinde, Mazur und Ler n er, wurde zur Kenntnis genommen. Gleichzeitig bestimmte das Kultusministerium, daß keine Stadt ohne Rabbiner bleiben dürfe und daß innerhalb 14 Tagen, nachdem ein Rabbineramt vakant wurde, eine Ausschreibung z-ur Besetzung des Amtes erfolgen müsse. '■-•••^ Die Auswirkungen des Schächtgesetzes Aus Warschau: Im polnischen Rabbinerverband wurde die Lage nach Einführung des Schächtgesetzes erörtert. Eine heftige Diskussion entspann sich um' die Frage, ob" zugelassen werden solle, daß die Hinter» viertel von' Schlachtvieh, welche bisher an nichtjüdische Fleischhauer verkauft wurden, „getriebert" und damit für den rituc 11 cn Genuß zugelassen werden sollen. Einige Rabbiner haben sich gegen das aa sich mögliche „Triebern" ausgesprochen, auf die Gefahr hin, daß damit ein Fleischgenuß von Vieh überhaupt aufhört und nur der Verbrauch vön Geflügel In Frage käme. Der größte Teil der Rabbiner hat sich jedoch auf den Standpunkt gestellt, daß Kurse zur Unterweisung im „Triebern" von Hintervierteln eingerichtet werden und daß insbesondere die S c h ä c h t e r, die durch das Schächtgesetz ihren Beruf verlieren, damit beschäftigt werden sollen. Schließlich ist noch die Frage erörtert worden, wie sich die Zukunft der Gemeinden gestalten soll, die bisher hauptsächlich ihre Einnahmen aus den Gebühren für die Schechita bezogen haben. Es ist der Vorschlag gemacht worden, an die' Regierung heranzutreten, sie möge die religiösen Einrichtungen der betroffenen Gemeinden subventionieren. Polnische Dcvisenspfcrre uud Palästina Aus Jerusalem: Die durch die Einführung der Devisenbewirtschaftung in Polen veranlaßten Abhebungen bei der polnisch-palästinensischen Bank, d«r Polska Kasa Opieki in Tel-Aviv und Haifa, sollen etwa eine halbe'Million Dollar betragen. Die Verluste, die durch den Kursrückgang des Zloty für die Juden in Palästina entstanden sind, werden von der palästinen» sischen Tagespresse auf 600.000 Dollar beziffert. (J. T. Ä.) jüdischen Inflationsopfern wird die Unterstützung entzogen Aus Berlin: In den letzten Wochen ist den jüdischen Kleinrentnern die staatliche Unterstützung entzogen worden. Auf Rekurs, wurde von den Behörden nach einigem Zögern geantwortet, daß die Betroffenen ja in der Zwischenzeit ihren Lebensunterhalt bestritten und damit bewiesen hätten, daß sie einer öffentlichen Unterstützung nicht bedürften. Fürs IQdlsch* Kind - das Jüdische Ferienheim J| #f-#J** in SPital am Semmeriny (820 m) f f IO für 4- bis 16 jährise Ideale Lage, modernes, gepflegtes Heim, ständig** ärzt. liehe Aufsicht, individuelle pädagogische Beeinflussung (pädagogischer Leiter A. Taglicht), Sport, Gymnastik. Schwimmen, eigene Bibliothek, Heimkino, vorzügliche rituelle Verpflegung, Mast- und Diätkuren. Eigene •Klelnliinderabteilung. Fremdsprachige Konveroationsgruppen. Anmeldung. Prospekt«, Photos uew. im Wi«»er Sekretariate, IX» Sebwariopanlerftr. 13, Tel. A<&3*79!!Ab4.Mai2E Tuchhausfabak^H

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