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Die neue Welt · 1936-05-12 · Heft 560 (12.5.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 560 (12.5.1936)
Date
1936-05-12
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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BW S«itt S o n d e r {a h r t mit der Csern. Allg, Zsttung Polen.« Czernowitz natfi r I AMahrt: 34. Mai. Rücktthrt: 8. hin) 1936 ■ Artnwldutiten « t c h 11 « g 11 < *»• Rtliebüro V>H a r 1 n b r ü < u e'M. Potenturmitr. as, R-24-2-«S/87 geht also hier konform mit unserer Darstellung des Pater-Bichmair-Vortrags („Die Neue Welt" vom 20. Mär2 1936), worin die Zurückdrängung des Judentums als eines durch seine Erbmasse zur Zersetzung neigenden Elements gefordert worden ist. Nicht minder bedeutungsvoll ist in der gleichen Nummer des „Christlichen Ständestaat" ein Aufsatz von Min. a. D. Dr. Paul Schiemann, betitelt „Minderheitenbevvegung und Juden frag e", worin dieser ausgezeichnete Kenner der Minderheitenfrage zu folgender Pointe bezüglich der Benützung der Minderheitenbewegung zur Ausschaltung der Juden gelangt: ..Auf antisemitischer Seife scheint man zu glauben, die Juden durch Qualifizierung als nationale Minderheit aus bestimmten Positionen des wirtschaftlichen Lebens verdrängen zu können. Es kann nicht eindringlich genug vor einem derartigen Mißbrauch der M i n d e r h e i t e n b e w eg u n g gewarnt werden, die sich niemals als Deckmantel der Entrechtung eines Volkstums ausnützen lassen wird. Jeder Versuch, jüdische Staatsbürger nach irgend einer Richtung anders zu behandeln als die übrigen Bürger, steht in schroffem Widerspruch zu den Minderheiten-Schutzverträgen. Der Versuch, eine minderheitenfeindliche Politik dadurch zu rechtfertigen, daß man den Minderheiten besondere Charakterfehler und staatsverneinende Eigenschaften vorwirft, ist allen Volksgruppen aus der Praxis bekannt. Selbst wenn gewisse Vorwürfe begründet sind, rechtfertigen sie nur eine rigorose allgemeine Gesetzgebung, aber keine Sondergesetze." Diese klare Feststellung entlarvt jene Antisemiten, die sich hinter das Problem des Minderheitenschutzes stellen, um ihre antijüdischen Tendenzen zu tarnen. Sie richtet sich aber auch gegen gewisse Kreise in der Judenheit selbst, die mit dem Wortspiel Minderheitsrecht _ minderes Recht operieren, indem schließlich erklärt wird: „Ob die Juden sich als nationale Minderheit deklarieren wollen oder nicht, ist ausschließlich ihre Sache. Sie werden eine Entscheidung treffen müssen. Sollten andere Minderheiten zu Rate gezogen werden, so dürften sie sich wohl durchwegs für eine positive Entscheidung , aussprechen. Nicht nur wegen der internationalen Sicherung staatsbürgerlicher Gleichberechtigung. Wenn die Juden, in Mitteleuropa bisher keine Gemeinschaft darstellten, so sind sie durch die Ereignisse der letzten Jahre im Gefühle der Abwehr von Haß und Verachtung eine Gemeinschaft geworden. Eine Gemeinschaft, die feindlicher Umwelt gegenüber durchaus positive Aufgaben erhält. Es sind Aufgaben, die, nach innen hin erzieherischer, nach außen hin kämpferischer Natur, von Einzelverbänden oder Parteien nie befriedigend gelöst werden können. Ihre Erfüllung liegt in der Hand einer alle Gegensätze umfassenden Volksgemeinschaf t." Das klingt nicht anders aJs die nationaljüdische These, als die von Theodor Herzl geprägte Formel von der jüdischen Volksgemeinschaft! Schließlich soll noch auf einen Aufsatz „Antisemitismus in Oesterreich" von Dr. Otto B r u n n e r hingewiesen werden; nicht etwa, weil er zahlreiche antisemitische Argumente entkräftet, sondern weü er auch den sublimen Formen des österreichischen Antisemitismus an den Leib geht, indem er beweist, daß „alle antisemitischen Konzepte und Programme, so akademisch sie bisweilen auch aufgeputzt sein mögen, von der einfachen Parole zehren: „Der Jud' ist schuld!" Die Ausführungen Dr. Brunners lassen erkennen, auf welchen Voraussetzungen der österreichische Antisemitismus beruht und woher die neue antisemitische Woge ihren Zufluß erhält. Was die Voraussetzungen anlangt, führt Dr. Brunner sie auf die starke ostjüdische Zuwanderung zurück, auf die nicht sehr glückliche Rolle, welche die jüdischen Politiker in der liberalen und sozialistischen Bewegung spielten, auf die verschiedenen Korruptions- und Bankrottaffären maßgebender jüdischer Wirtschaftsführer und schließlich auf die angebliche Vorrangstellung der Juden in Presse, Literatur, Kunst und Wissenschaft, wohlweislich auf die a n g e b 1 i c h e, und zieht die Bilanz: „Man nehme diese Tatsachen zusammen, sondere das aus, was Oesterreich jüdischen Geistesmännern, Entdeckern, Forschern, Gelehrten und Künstlern verdankt, mische es gut durcheinander, bis die Masse schaumig wird, gieße dann die pikante ideologische Soße aus der Giftküche der blau-blonden Herrenmenschen darüber und backe sie, bis sie gelblich-braun wird. Nach diesem Rezept entsteht der Vulgärantisemitismus, der je nach Geschmack mit Antimarxismus oder Antikapitalismus garniert werden kann." Drastischer können die Manipulationen der antisemitischen Giftküche nicht dargestellt werden. Nachdem Dr. Brunner den Antisemiten des Herrn Anton Orel (ein österreichischer Alfred Rosenberg!) und den Befürwortern der Beimischung antisemitischer Elemente zur vaterländischen Programmatik des neuen Oesterreich Männer zugesellt hat, die in der Katholischen Aktion Oesterreichs eine ansonsten sehr lobenswerte und ersprießliche Tätigkeit entfalten, wendet er sich gegen die philosophisch-theologisch ausgeformte DIB NETTE WELT. Spielart des Antisemitismus ä la Pater Bichelmair, indem er feststellt: „Wogegen im Namen des Christentums wie der natürlichen Gerechtigkeit Verwahrung eingelegt wer» den muß, ist die These von den „von Haus aus vorhandenen schlimmen Erbanlagen" des Judentums und die daran logisch anschließende Gleichsetzung des jüdischen Geistes mit destruktiver Geiatigkeit. Der Beweis für die Berechtigung einer solchen generellen Dikriminierung der Juden kann nicht erbracht werden", und auch mit jenen abrechnet, die durch eine — gesetzliche „Lösung" der Judenfrage die Entrechtung der Juden herbeiführen wollen. Schließlich wollen wir aus dem Heft 17 „Der christliche Ständestaat" noch zitieren: „Es gibt in Oesterreich eine Jüdenfrage — ein sehr komplexes soziologisches (keinesfalls rassisches und so, wie es populär gestellt wird, Auch durch- Nr. 5S0 vom 12. Mai im 1 aus nicht religiöses) Problem, das nicht in irgend eine* „Erbmasse" oder „Rasseiianiage" begründet liegt, son* dem in einer langen, historischen Entwicklung, in der die Schuld sehr gleichmäßig verteilt ist. Aufdiesem Gebiet aber ist jede Generalisierung Demagogie." Die Darlegungen der genannten Autoren könnten den Glauben erwecken, daß in einem Kulturstaat die geistigen Menschen und nicht Demagogen und Nutznießer angestifteter Verwirrungen führen, daß also der konzentrische Angriff des Vulgärantisemitismus keine Gefahr bedeute. Aber die antisemitische Be« wegung in Oesterreich bedient sich eben jetet auch solcher Kreise, deren Stellung und geistiges Niveau gegen das Sympathisieren mit den aggressiven Ruhestörern und Verleumdern sprechen sollte. Darum ent« steht die Frage: Wer wird in diesem Kampf stärker5 sein — die traditionsreiche österreichische Kultur oder die unösterreichische Verhetzung? o. r. Möbel kauft man für Jahrzehnfel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Edelmann Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel \ro\z hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Große Auswahl! Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenffelderstf. 12 Isaak und Ismael England hält an der Balfour »Deklaration fest Gegen arabische Mordbrenner und die hitlcrlstischen Juden« Verfolger Aus London: Die „Times" widmet den Ereignissen in Palästina einen längeren Leitartikel, in welchem mit Nachdruck auf die Erklärung im Parlament, daß die Regierung keiner Drohung weichen und die jüdische Einwanderung unt'er keinen Umständen 3toppen wird, hingewiesen und gesagt wird: „Die Araber erstreben eine Entscheidung der Regierung, die die weitere Einwanderung von Juden in das Land untersagt. Diese arabischen Manöver sind aber überflüssig, weil die Regierung eine solche Entscheidung nicht treffen kann. Faktisch erstreben die Araber die. A bschaffung der B alf ou r - D e kl arat ion, aber die Regierung hält nach wie vor an dem den Juden gegebenen Versprechen fest. " „ „Die jüdischen und die arabischen Führer aber gehen weiter in den Fußtapfen ihrer Stammväter Isaak und Ismael: Isaak ist ein arbeitsamer Landwirt, der die Furchen in einem Erdreich zieht, das andere als unfruchtbar verschmähen, wahrend Ismael ein steifnackiger und eigenwilliger B o genschütze ist." „Wenn die Palästina-Administration über einen Ueberschuß von mehr als sechs Millionen Pfund verfügt, so ist dies der jüdischen tüchtigen Arbeit und Sparsamkeit zu danken. Wir haben eine wirkliche Besorgnis gehegt und sie auch zum Ausdruck gebracht, als die Regierung vor einigen Wochen die Schaffung eines Legislative Council mit einer arabischen Mehrheit in Palästina erwog. Diese Besorgnis verzehnfachte sich in den jüdischen Befürchtungen, daß die Regierung unter dem Druck einer so beschaffenen Körperschaft die jüdische Einwanderung verbieten könnte." „Heute, da auf internationalem Boden gegebene Zusicherungen durch ein gewisses Land, welches die Juden zur Verzweiflung treibt, gebrochen worden sind, ist es wahrlich nicht die passende Zeit für die britische Regierung, auch nur dem geringsten Zweifel hinsichtlich ihrer Entschlossenheit, das den Juden i. J. 1917 gegebene Versprechen zu verwirklichen, Raum zu geben." Bezeichnend für die Stimmung in englischen Kreisen sind die Ausführungen, der „M o |$,|,n g p 0 s welche Jahre hindurch eine proarabische, antizionistische und bisweilen antisemitische Haltung einnahmen. Sie schreibt jetzt: „Man kann hier nicht von einem Zusammenstoß zwischen zwei Rassen sprechen, sondern von kaltblütigen Morden von Arabern an Juden. Der arabische Streik ist zum Mißerfolg verurteüt, die arabischen Führer kämpfen einer gegen den anderen. Die Forderung nach Verbot des Bodenverkaufs an Juden entbehrt des Ernstes; diejenigen, die am lautesten schreien, daß die Juden den. palästinensischen Boden wegkaufen, haben ihren eigenen Boden mit Riesenprofiten an die Juden verkauft. Palästina beruhigt §idi Der eisfe ruhige Tag Aus Jerusalem (8. Mai): Zum erstenmal seit 17 Tagen ist es am Mittwoch, den 6. Mai, in ganz Palästina .zu keinerlei Zwischenfällen gekommen; es wurde auch keine einzige Brandstiftung mehr gemeldet. Dagegen hat die bestehende politische Spannung dadurch eine Erhöhung erfahren, daß die Antwort der arabischen Führer auf die Mahnung des High Comraissioner, den Generalstreik abzubrechen und die Delegation nach London zu entsenden, durchaus negativ ausfiel. Die arabischen Führer gaben ihren Entschluß bekannt, den Generalstreik fortzusetzen und die Delegation nach London nicht eher zu entsenden, als bis die jüdische Einwanderung vollkommen gpstoppt worden ist. Ungeachtet der ernsten Mahnung des High Com*, missioner haben sie erklärt, öffentliche Versammlungen und Kundgebungen fortsetzen zu wollen. In der „P a 1 e s t i n e G a z c 11 e" ist eine Verordnung des High Commissioner erschienen, die die direkte oder indirekte Aufforderung zur Steuerverweigerung mit Strafen bis zu sechs Monaten Gefängnis oder 50 Pfund oder beiden Strafen zusammen ahndet. Auf Grund einer Verfügung dor Behörden sind die Waffen- und Munitionslager in den Kolonien Raanana und Kfar Saba entsiegelt und die Waffen unter den jüdischen Siedlern verteilt worden. (J. T. A.) Der Freitag in Jerusalem Jerusalem, 8. Mai. (Z. T. A.) Die traditionellen moslemitischen Gebete am Freitag, dem Feiertag der Moslems, sind vollkommen ruhig verlaufen; es fanden keinerlei Kundgebungen und Umzüge statt. Dagegen wurde in Jaffa ein jüdischer Autobus beschossen, auf das Gerücht hin, daß an der gleichen Stelle ein arabischer Autobus beschossen wurde. Es gab keine Verletzten. In Athlit wurde eine jüdische Fabrik in Brand gesteckt. Jüdische Demonstranten des 17« April verurteilt Aus Tcl-Aviv (7. Mai); Der Prozeß gegen die neun Demonstranten, die der Teilnahme an den Unruhen des 17. April in Tel-Aviv angeklagt sind, ist vor dem Tei-Avlver Stadtgericht beendet worden. Einer der Angeklagten namens Franko wurde zu einem Jahr G6fängnis verurteilt. Vier Angeklagte erhielten je fünf Monate Gefängnis, die übrigen zwischen einem und drei Monaten Gefängnis. Einer der Angeklagten, ein illegaler Einwanderer namens Itzchaki, wird nach Verbüßung einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten aus Palästina ausgewiesen werden. (J. T. A.) Arabischer Steuerstreile für den 15* Mm proklamiert Aus Jerusalem (8. Mai): Die Generalversammlung aller örtlichen Streikausschüsse der Araber in Palästina beschloß, am 15. Mai. 1936 in einen Steuerst r e i k einzutreten, wenn nicht bis zu diesem Zeitpunkt die Forderungen der, Araber, hauptsächlich auf Einstellung der jüdischen Einwanderung nach Palästina, erfüllt werden würden. Neuerdings wurden acht arabische Dörfer mit Kollektivstrafen belegt, weil angenommen wird, daß Bewohner derselben an Brandstiftungen, Waldfrevel und Bombardierung vorbeifahrender Autos teilgenommen; haben. (J. T. A.) . . 1 Für Khah'dis Rücktritt Aus Jerusalem (8. Mai): .Die jüdischen Mitglieder des Stadtrates von Jerusalem sandten nunmehr ein offizielles Schreiben an den Distriktskommissar von Jorusalem, J. E. F. Oampbell, in welchem sie darauf hinweisen, daß der Bürgermeister von Jerusalem, Doktor K h a 1 i d i, ■ durch »eine Zugehörigkeit zum arabischen Streikausschuß die gebotene. Neutralität verletzt. Die Regierung wird aufgefordert, Khalidi seines Amtes als Bürgermeister zu entsetzen, faüs er nicht aus dem Streikausschuß austreten wolle. (J. T. A.) Englische Regierung entsendet Militär* Verstärkungen Aus London (10. Mai): Aus Kairo trafen In London Mitteilungen ein, daß britische Truppen in unbekannter Zahl auf dem Luftwege nach Palästina befördert wurden, weil angeblich neue Ausschreitungen seitens der arabischen Nationalisten in Palästina befürchtet werden*

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