Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 560 (12.5.1936)
- Date
- 1936-05-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 10 Groschen Dienstag, den IX. Mai 1916 I« Uh?j«» <-,., MO v*Jhfc *^s6*wx» DIE NEUE WELT REVUE HERAUSGEBER; ROBERT STRICKER BEZüCSBEDINOUNGEN.' Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig 8 ta—U Polen monatlich Zloty-1.5., viertel jährig1 Zloty 4.60 J Tschcehoalowakel monatlich Kc 6.—. vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—: BumSnien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—. vierteljährig Mark 8»—; Bulgarien monatlich Lewa 30.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die Übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Franca 4.50. , Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion U.Verwaltung: IX, Universitäisstr.8,7eLA-20-2-78 ~ Erscheint Dienstag u.Freilag VERBAND DER JUDENSTAATS ZIONISTEN GROSSER VORTRAGSABEND Mittwoch, den 13. Mai 1936, um %9 Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental, II, Taborstraße Oberbaurat Robert Stricker Dr* Salomon Wolf DIE UNRUHEN IN PALÄSTINA — IHRE WIRTSCHAFTLICHEN UND POLITISCHEN AUSWIRKUNGEN — WAS NUN? Bwnidaw Uufreetnatt Der Plan den berühmten jüdischen Geigers Prof. Bronislav Huberman, in Palästina ein großes philharmonisches Orchester vitä ^.Heranziehung hervorragender. . deutscher Musiker '■■ |<Me Deutschland verlassen mußten) zu schaffen, hat in der ganzen Kulturwelt Interesse, ja Begeisterung hervorgerufen. Wie wir bereits melden konnten, wird. Artur'o Toscanini am £/{. Oktober das Festkonzert in "Td-Aviv dirigiercn) der Geiger Adolf B tisch als Solist mitwirken. Zu, dieser hochbedeutsamen, das jüdische Palästina ehrenden Angelegenheit teilte Huberman kürzlich noch folgendes mit: ' Das Programm, das Toscauini dirigieren wird, umfaßt folgende Werke: „Operon"-Ouvertüre, Zweite Symjmonie von Brahms, Schuberts Unvollendete} zwei Stücke aus Mendelssohns „Sommernachtstraum" und die Lconorcn-Ouverlüre. Dieses Programm dirigiert Toscanini in Palästina viermal, und zwar in Jerusalem, Haifa und Tel-Aviv, in letzterer Stadt außerdem noch ein Arbeiterkonzert, dessen Entrcepreisc nur ein Viertel der normalen Konzertprcis'c betragen. Es ist überhaupt ein Prinzip, daß sämtliche Programme für Arbeiter zu ermäßigten Preisen iöpderholt werden. Die Arbeiterschaft Palästinas hat die,. Gründung des Orchesters mit Begeisterung begrüßt und ebenso! wie andere Bcvökerungskreise ein eigenes Komitee zur Propagierung gegründet. Toscanini hat sich bereit erklärt^ mit dem Palästina-Symphonieorchester auch vier Konzerte in Aegypten, zu geben. In jeder der, drei Hauptstädte finden 10 Abonnementkonzerte statt, deren erstes eben das Toscanini-Konzert ist. Die Verträge für 70 Musiker des Orchesters werden eben gemacht. JiO von den JkTusifcent sind noch in Deutschland. Es haben sich durchxoegs, hochqualifizierte Beioerber gemeldet und Huberman bemerkt lächelnd) daß die Streicher zum größten Teil aus Konzertmeistern Gestehen werden.; 'Ata ständige Dirigenten des Orchesters sind engagiert: Stelft-berg, tier bereits am 1. September mit den proben beginnt, Dobroweii und Michael Taube. In Amerika bat die Orchestergründung in allen Kreisen ohne Unterschied der Religion großen Anklang gefunden. Eine 'de't ty-stetf Kunstfreuiidimieiij Mrs. Coolidge, wird, der, Eröffnung "beiwohnen. Das erste Konzert wird im 'gesendet werden. Geplant sind auch internationale, frheater« und Musikfestspiele. ' . * Bronlslaw! Huberman absolviert am Dienstag, den 12, Mal, efti Konzert im Großen Musikvereinssaal in "Wien* Sein Begleiter ist der bekannte jüdische Klaviervirtuose, Qimpel. *— In der nächsten Zeit wird Huberman ih Warschau einen Abend geben, dessen Reinertrag dem Fonds für das Palästina-Symphonieorchester gewidmet Ist, Jeden Sonntag „FRANC0P0L'Monderfahrten Mi* POLEN u. Czernowitx ' Pfingstreise: Abfahrt: 24. Mai, Rückfahrt: 9. Juni „Francopol", III, Schwarzenbergplatz, Tel. U-16-4-90 - ,;Cf dQk". I, Kärntaerstraße 32, Telephon R-23-4-88 « Cernsroß, VII, Mariahilferstraße 42, Tel. B-38-2-68 Antijüdischer Sturm -deutschchristliches Österreich In der letzten Zeit, obwohl politische Bewegungen größten Ausmaßes auch den kleinen Bundesstaat Oesterreich zu gesamtösterreichischen Entscheidungen drängten, konnte man bei unseinen konzentrischen Angriff auf das Judentum feststellen, der in die Parole „Lösung der Judenfrage" gekleidet war. Die sogenannten „nationalbetonten" oder „völkischen Kreise" gaben sich hiebei nicht einmal die Mühe, die Provenienz ihrer Methoden zu verschleiern. Was ihre Presse und ihre Versammlungsredner in die Gasse hineinriefen, unterschied sich in keiner Weise von, der hakenkreuzlerischen Weltanschauung im Dritten Reich, als dessen Krönungswerk wohl Julius Streichers „Stürmer" gelten kann. Das Jonglieren mit der rassischen Erbmasse stand hiebei naturgemäß im Vordergrund. AucW ein Flügel der ehemaligen kleinbürgermtt totü eine Won aetoinnen? 'S(§o«--inoi!8ett'^!Kcnsifl|yv)beit 12. b. SÖT., um Tjttlb 3 Uljv nadjmiffags, beginnt bic 3icJ)lin9 ber 35. \ö{tcrjeidjifdjen ftfajfenloiterie. (Es ift baljer Jjödjfte (Eile geboten, heim aflbefannteii $aupttre[ferBanf^au5 SAeQammer & Stfjatteta am Stcnhansplafc ober beffen giltalc, SBien, -XIII., ^abifgafjc 60a, nod) ein £os $u erwerben, um fid) banttt bie 3Jlilltonens(5eniin[td)ancc ber beginnenben Soiteric 5U ftdjern. liehen' Christlichsozialen Luegerscher Fraktur blies tüchtig ins Horn. Er personifiziert den Antisemitismus des kleinen Mannes, den Vulgär-Antisemitismus, der auf völkische, rassische, soziologische und religiöse Argumente verzichtet und sich damit begnügt, die niedrigen Instinkte des Menschen für seine Zwecke auszunützen. Dazu gesellten sich schließlich — und man kann wohl sagen: überraschenderweise — auch gewisse katholische Kreise, indem sie mit Hilfe nationaler Schlagworte ihren rein antisemitischen Absichten eine religiöse Rechtfertigung zu unterschieben versuchten. Enunziationen der angeführten „Richtungen" begegneten einander in dem Punkt, daß der Jude ein zersetzendes Element sei, welches den deutsch-christlichen Staat Oesterreich korrumpiere und darum ausgemerzt werden müsse. Es ging selbstverständlich nicht um die Ausmerzung des „jüdischen Geistes", sondern seiner Träger, und die jüngsten antijüdischen Attacken bewiesen nichts anderes, als die Absicht, die Juden aus dem Wirtschaftsleben auszuschalten, soweit dies ohne offensichtliche Verletzung der Gesetze angängig wäre. Insbesondere die Reden der Herren P. Bichlmair und Staatsrat Leopold Kunschak bewegten sich in der oben bezeichneten Linie. Und als die jüdische Presse auf diese Angriffe reagierte, indem sie die legitimen jüdischen Interessen in Schutz nahm, hieß es.plötzlich, daß man „den aggressiven Ton gewisser jüdischer Blätter zurückweisen und gegen die Entstellungen und Mißdeutungen der einzelnen Vorträge, protestieren müsse" — als ob gar irgend jemand und gar ein Jude den deutsch-christlichen Charakter Oesterreichs bestritten hätte, und als ob' die Juden für sich mehr Rechte beansprucht hätten, als ihnen zukommen. Hiebei wurde auch mit Verdächtigungen nicht gespart, wie sie sonst nur in der hitleristischen Presse zu finden sind, und die Polemik auf ein Niveau degradiert, das den Glauben an Oesterreichs Kulturgewissen untergraben müßte. Aber zurai Glück und] zur Ehre Oesterreicjis lassen ßicK hiersrulande1 auch; Töne vernehmen', &e 'den Kontrapunkt zu den geschilderten Mißtönen bilden, zum Glück und zur Ehre Oesterreichs... In der1 Wochenschrift „Der christliche Ständestaat" (Heft Nr. 17 vom 26. April 1936) findet sich eine Reihe von Aufsätzen aus der Feder hervorragender deutsch-christlicher Autoren, die ebenso gründlich wie sachlich und vornehm das Verhältnis jüdisch zu christlich im Rahmen des österreichischen Staates und im Bezirk des Menschlich-Psychologischen analysieren und zu Definitionen, bezw. zu Schlüssen gelangen, die sich ganz anders ansehen lassen als die vulgären Parolen jener Politiker, welche sich den „wahren Erfolg" nur von Aufpeitschung der Masse versprechen. Die genannte Wochenschrift, die von bedeutenden katholischen Persönlichkeiten gegleitet wird, macht> es sich in der „Judenfrage" nicht leicht. Sie verzichtet auf die platten Phrasen der Demagogie, sie zieht aber auch wesentlich andere Voraussetzungen heran als diejenigen Hüter deutschchristlichen Oesterreichtums, bei denen „nur " gedankenloser Leichtsinn oder böswillige Vernebelungsabsicht" (so heißt es im „Christlichen Ständestaat") die Triebfedern ihres Handelns sind. - In einem Artikel „Falsche Antithesen" weist Prof. Dr. Dietrich von Hildebrand-nach, "daß die Antithesen hie arisch-deutsch — hie jüdisch sich nicht decken, und kommt bei der Darstellung des erlebnismäßigen Unterschiedes von Juden und Nichtjuden in Oesterreich zu folgender Feststellung: „Man wirft den Juden in Oesterreich vor, daß sie „zersetzt" und „entwurzelt" sind, daß sie durch unlautere Geschäfte, durch charakterlose Anpassung an die jeweilige geistige Konjunktur, durch Unterstützung radikaler Strömungen, durch Entfaltung einer zersetzenden Kritik und einer glatten, volksfremden Asphaltliteratm' sich an dem wirtschaftlichen und kulturellen Leben Oesterreichs schwer versündigt hätten. Man empfindet sie als Schädlinge und als Fremdkörper. Man ist darum bemüht, den großen Einfluß,, den sie durch ihre Eigenschaften vielerorts gewonnen haben, möglichstzurückzudrängen. Wir wollen hier zunächst nicht "untersuchen, wieweit diese Vorwürfe gerechtfertigt sind. Daß viele solche Erscheinungen; bei den Juden vorkommen, soll nicht geleugnet werden: Aber erstens kommen sie nicht nur bei den - Juden vor, zweitens ist der Grund dafür, daß sie bei den Juden häufig sind, sicher auch in der Behandlun g zu suchen, die wir ihnen jahrhundertelang zuteil werden ließen, drittens liegt dem Großteil der Antisemiten im Grunde weniger an der Bekämpfung dieser wirklichen Fehler als an der Ausschaltung einer unbequemen und gefährlichen Konkurrenz." Dem Arierparagraphen und dem Rassenwahn, bezw. Blutmaterialismus, der in Oesterreich religiös drapiert wird, tritt Prof. v. Hildebrand folgendermaßen entgegen: „Unsere Einstellung Menschen gegenüber darf nur durch dessen Geistesart bestimmt worden, durch seiuo religiöse und moralische Beschaffenheit, durch seine individuelle Mentalität." Und indem er betont, daß jede rassisch oder auch nur völkisch orientierte Gesetzgebung für Oesterreich auf Grund unserer Tradition unmöglich ist, warnt er davor, „jeinem gemäßigten Rassenantisemitismus das Wort zu reden und damit den Boden für den Nationalsozialismus vorzubereiten". Dieser Gelehrte hat im Gegensatz zu den da und dort auftretenden Oesterreich-Aposteln erkannt, daß in einem Oesterreich katholischer Sendung nur Haltung und Bekenntnis und nicht Abstammung maßgebend sein können. Er bedauert die Entgleisung eines so verdienten Mannes wie Pater Bichlmair, der den eindeutigen katholischen Standpunkt dadurch verwischt habe, daß er versuchte, dem Nationalsozialismus durch Anwendung antisemitischer Schlagwörter den •Wind aus den Segeln zu nehmen. Prof,^HiJclebranjf