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Die neue Welt · 1936-05-05 · Heft 558 (5.5.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 558 (5.5.1936)
Date
1936-05-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seito 2 _ D|E NEtttB WELT Nr. 55$ vom 5. Mai 1935 Schaden, jedoch wurde eine jüdische Automobilwerkstätte vollkommen demoliert. Auf patrouillierende englische Polizei Wurde an der Grenze von Tel-Aviv und Jaffa, gegenüber dem Makkabi-Stadion, eine Bombe geworfen, die unter lautem Getöse explodierte, jedoch keinen Schaden anrichtete. Es werden noch einige kleinere Zwischenfälle gemeldet. Auf eine Orangenplantagc in der Umgebung von Tcl-Litwinsky, in der Nähe von PctachTikwa, würden von einer Gruppe Araber mehrere Schüsse abgegeben, die keinen Schaden anrichteten. In Gaza wurdo ein Transport Gemüse, der für eine jüdische Firma in Jaffa bestimmt war, von Arabern zerstört. In Migdal, in der Nähe von Tiberias, wurde ein Jude von Arabern niedergestochen. Mehrere englische Polizisten wurden verwundet, als sie dem bedrängten Juden zu Hilfe eilten. In Jerusalem wurde ein gewisser Schimon Bordonoff durch Messerstiche verletzt. Er mußte ins Hadassa-Krankenhaus eingeliefert werden, wo ihm die erste Hilfe zuteil wurde. Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Emelc«Kolonien fordern Schadenersatz Man schätzt den durch die Unruhen in der Kolonie Ejn-Charod und Umgebung entstandenen Schaden, insbesondere den durch Brandstiftungen, auf über 2000 Pfund. Die Kolonisten haben an die Regierung die Forderung nach Schadenersatz gerichtet. Die mit Polizeihunden aufgenommenen Spuren nach den Brandstiftern und Waldfrevlern von Tel-Joseph führten in das benachbarte Dorf Nuris. Slreikiage und Levan*e*!Vflesse In intensiver Weise wird der von den Arabern verkündete Generalstreik nur in Jaffa durchgeführt. Der Streik hat den Hafenarbeitern, wie die arabische Presse meldet, bereits einen Lohnausfall von über 2000 Pfund eingebracht. Im Hafen von Haifa wickelt sich der Verkehr in fast normaler Weise ab. Es hat den Anschein, als ob die Streikbewegung an Boden verliere. Auf dem Markt im jüdischen Viertel Jerusalems verkauften heute arabische Händler Lebensmittel an Juden. Die Araber haben in ihrem Nationalkoraitee beschlossen, an alle arabischen Herrscher heranzutreten, damit sie ihre Forderungen unterstützen. Das Nationalkomitee hat sich an den belgischen König gewandt und ihn aufgefordert, den Bürgermeister von Tel-Aviv, Meir Dizengoff, der zugleich belgischer Konsul ist, von seinem Amt abzuberufen. Auf der Eisenbahnstation in T e 1 - A v i v ist vorübergehend eine Zollstation eingerichtet worden. Sie soll von den jüdischen Firmen benützt werden, die nicht in der Lage sind, in Jaffa die erforderlichen Verzollungen vornehmen zu lassen. Jüdische Beamte der Aemtcr der Finanzabteiiung der Palästina-Regierung und Angestellte der Anglo-Falestine Bank sind nach Jaffa zurückgekehrt. Die Forderung nach einem Hafen in Tel Aviv Die Forderung jüdischer Wirtschaftskreise nach dem Bau eines Hafens in Tel-Aviv findet in der palästinensischen Oeffentlichkeit lebhaften Widerhall. Der ganze Jischuw steht einmütig hinter dieser Forderung, zu der die Regierung sich bisher noch nicht offiziell geäußert hat. Inzwischen gehen die Bemühungen weiter, den Verkehr aus dem Hafen von Jaffa über Haifa zu leiten. Joint gibt kein Geld für Palästina Aus New York: In einer von Felix War bürg, Paul Baerwald, Herbert Lehman und Jame3 Rosenberg unterzeichneten Erklärung des Joint Distribution Committee wird mitgeteilt, daß infolge der Lasten, die Joint hinsichtlich der Juden in Deutschland, Polen und anderen Ländern auf sich genommen hat, er in diesem Jahre keine Gelder für Palästina zur Verfügung stellen kann. Joint habe' bis jetzt 700.000 Dollar für Palästina gespendet. Nunmehr werden die Zionisten und die Zionistische Frauenorganisation H a d a s s a allein die Gelder für Palästina aufbringen müssen. Irrefuhrende Erklärung des britischen Koloniennunisters Protest des Waad Leumi Aus Jerusalem wird berichtet: Am 33. April gab Kolonienminister J. H. Thoma* im Unterhaus über die Unruhen in Palästina eine Erklärung ab, in der er ausführte, er wolle zum Ausdruck bringen, daß die Aufrechterhaltung von Gesetz und Ordnung ausschließlich eine Angelegenheit Sr. Majestät Regierung sei und daß alle Machtmittel gegen denjenigen eingesetzt werden würden, der das Gesetz verletze. Die Regierung werde sich von dieser PoUtik nicht durch Aufruhr oder irgendwelche Drohungen abbringen lassen. Im Verlaufe der Sitzung bemerkte Kolonienminister Thomas weiterhin, er sei daran interessiert, jedermann in Palästina zu sagen, daß die Regierung entschlossen sei, Gesetz und Ordnung aufrecht zu erhalten und daß sie dies auch tun werde. Diese Erklärung des Kolonienministers, die sowohl den arabischen Führern als auch Dr. Chaim Weizmann von High Commissloner Sir Arthur Wauchope schriftlich zur Kenntnis gebracht wurde, hatte sogleich, nachdem sie bekannt wurde, erhebliches Aufsehen und Bedenken im Jischuw erregt. Am Mittwoch Vormittag ist nunmehr eine Delegation des Waad Leumi, des Jüdischen Nationalrates, beim High Commissioner Sir Arthur Wauchope erschienen und überreichte ihm einen feierlichen Protest gegen die Erklärung des Kolonienministers. In der Protesterklärung wird zum Ausdruck gebracht, daß die Aeußerung des Kolonienministers geeignet sei, den falschen Eindruck zu erwecken, als sei sie auch gegen die Juden gerichtet. Die Abordnung verlangte vom Htgh Commissioner Sir Arthur Wauchope, daß er die Protesterklärung der , englischen Regierung nach London übermittle,, damit unverzüglich die Erklärung des Kolonienminlstera entsprechend berichtigt werden könne. RUNDSCHAU Genf und Palästina Die Ereignisse in Palästina werden in der Weltpresse je nach ihren politischen Einstellungen und ihren Landesinteressen beurteilt. Im allgemeinen wird festgestellt, daß die Exzesse nur durch die Duldunjj der arabischen Hetze seitens der Palästina-Verwaltung möglich wurden und daß von außenher eine mit Geld gefütterte Propaganda die Stimmung gegen die Juden ge* schaffen habe. In allen Betrachtungen kam die Ueberzeugung zum Ausdruck, daß es die Pflicht der Mandatarmacht sei, durch entsprechende Maßnahmen die Möglichkeit einer Wiederholung blutiger Unruhen auszuschließen. Sehr bemerkenswert ist die Beurteilung der palästinensischen Geschehnisse seitens dor Baseler „Nationalzeitung", die schreibt: „In den Kreisen der Völkerbunddiplomatie beobachtet man die Vorgänge in Palästina mit wachsender Unruhe. Man denkt dabei nicht nur an die unmittelbare Zuständigkeit des Völkerbundes, dessen Organe: Mandatskommission, Rat. und Versammlung mit den palästinensischen Wirren befaßt werden können. Man erörtert vielmehr auch die Bedeutung, die dem arabischjüdischen Konflikt im Hinblick auf die gegenwärtige gesamtpolitische Lage zukommt, wobei immer häufiger die Meinug zu hören ist, daß es sich nicht um eine lokale Bewegung handeln könne, sondern daß man es vermutlich mit einer größeren politischen Aktion zu tun hat, die in die Entwicklung gehört, die mit dem italienischen Krieg in Afrika begann und durch die Hitlersche Aktion vom 7. März fortgesetzt wurde. Unter diesem Gesichtspunkt würde es sich bei dem arabisch-jüdischen Konflikt, soviel unmittelbarer und lokaler Zündstoff auch tatsächlich vorhanden sei, in Wahrheit um einen arabisch-englischen Konflikt handeln, dessen Urheber vor allem der Mandatsmacht Britisches Reich neue Schwierigkeiten in einer ohnehin schwierigen Lage bereiten wollen. Diese Auffassung mag vielleicht auch die in Genf vielkommentierte Zurückhaltung der offiziellen Augenmerk auf die bedeutsamen polHUchaa Akten des 19. und 20. Jahr hundert«, die <tea staatlichen Behörden und ihren Archiven entzöge», bzw, vorenthalten worden sind. Wir fragen nach, wann da« Haus Rothschild in der Lage ist, seine Archiv* bestände, die seit über 150 Jafcren in festverachJosssneu Truhen schlummern, der Forschung zugänglich zu machen. Alle großen Staaten und Mächte Europas und der Welt haben nicht so Iwjge wie diese jüdische Fuianzmacht da« Geheimnis ihrer Archive gehütet, und den Völkern hat solche rechtzeitige Oeffnung der Archive immer noch zum Segen gereicht." Köstlich ist das Geständnis, daß es nicht Pflicht des Historikers ist, das Geschehene darzustellen, wie ea wirklich geschehen ist! Es ist ein Unikum: Offenherziges Bekenntnis zur historischen Unwahrheit. Gegen die Berliner Olympiade Aus Paris (J. T. A.): Das Komitee für Wahrung des olympischen Geistes, ' dessen Vorsitzender der frühere Minister Senator Justin G o d a v % ist, hat für den 6. und 7. Juni nach Paris eine internationale Konferenz zur Intensivierung der Bewegung gegen die Abhaltung der Olympiade 19 3 6 in Berlin einberufen. Auf der Konferenz werden sprechen; Aus Frankreich Senator Justin Godart, Campinchi, de Moro Giaiferi, Jean Painlevö, Armand Billard (französischer Champion 1931, 1933, 1934, 1935), Ch. Pizanti (französischer Champion 1932); aus der Tschechoslowakei Prof. Kamienicky, Prof. Obrowsky, Fanta, Hrsel; aus den Vereinigten Staten Dr. Smith Leiper, George Gordon Battie, Wiliam B. Chamberlain; aus den skandinavischen Ländern Prof. Segestedt, Georg Branting^ Rune Bjurström; aus England Sir Robert Mond, Sir Walter Citrlne, F. E. Warner. ka uff man für Jahrzehnfel Ihre Möbel müssen daher nicht nur schön und modern, sondern auch gut und dauerhaft sein. Viele, die mir vertraut haben, sind bestens zufrieden, da meine Möbel trotz hoher Qualität auch zeitgemäß billig sind. Große Auswahl! Teilzahlungen! Möbelhaus Edelmann, VIII, Lerchenfelderstr. 12 zionistischen, am Völker bundsjt^., tätigen Stellen erklären, die angesichts der tragischen Nachrichten aus Palästina weniger Wert darauf legten, ihr eigenes Informationsmaterial beizusteuern, als die Pressemeldungen dementierend abzuschwächen und sehr diplomatisch gehaltene allgemeine Thesen zu formulieren." Diese Darstellung besagt nicht weniger, als daß die zionistische Leitung gegenüber der schuldigen Palästina-Regierung sehr zurückhaltend ist und alles, was gegen diese spricht, im Schreibtisch beläßt, um die Situation der britischen Regierung gerade jetzt während der internationalen Spannungen nicht zu erschweren. Es ist also seitens der Zionistischen Exekutive kein Aufstellen von Forderungen im jetzigen Moment zu erwarten. Soll vielleicht wiederum die gefährliche Phrase „Die Lage ist befriedigend" zur Anwendung kommen? Sie wollen das ISofsduIds Archiv! Die Hitler-Regierung hat eine neue Forderung erhoben. Sie will die Rothschilds nötigen, ihr Familienarchiv herauszugeben. Mit der ihnen eigenen Unbekümmertheit um Rechte der Person und der Familie wollen die Hakenkreuzler, daß diese alte jüdische Familie bösartigen Antisemiten und wohl auch den Erfindern der „Weisen von Zion" ihre Briefe und Aufzeichnungen zum freundlichen Gebrauch überlasse. Man kann sich leicht vorstellen, welche Blutmärohen da mit einem „historischen" Hintergrund versehen werden würden. Den Schrei nach dem Rothschild-Archiv hat der Leiter der Forschungsabteüung „Judenfrage" des '„Reicheinstituts für Geschichte des neuen Deutschland", ein Herr Dr. Wilhelm Grau, durchs Berliner Radio ertönen lassen. Er sagte: „Der Mut zum Erkennen der Judenfrage in der Geschichte hat lange Zeit gefehlt. Und nicht nur der Mut, auch der Wille. Man wünschte voraussetzungslose Wissenschaft und machte die geschichtswidrige Voraussetzung, daß es kein jüdisches Problem gebe. Man beschwor das Rankesche Erkenntnisideal, alles Geschehene nur so darzustellen, wie es wirklich geschehen sei. Nichts kann die Welt diese universale Gültigkeit der deutschen Judengesetzgebung mehr einsehen lehren als das geschichtliche Sehen des jüdischen Problems. Wenn wir von der Wissenschaft her dieses politische Bekenntnis aussprechen, so deshalb, well das heutige politische Bekenntnis des deutschen Volkes durch die Geschichte selbst bestätigt und bezeugt ist. „Wir haben uns daher kein geringeres Ziel gesteckt, als in München die größte europäische Bibliothek zum Judenproblem zu begründen, und wir wünschen, dem deutschen Volk und der Welt recht bald mitteilen zu können, daß diese führende kontinentale Faehbibliothek errichtet ist. Neben dieser bibliothekarischen Arbelt, die der Wissenschaft und dem täglichen Leben in gleicher Weise von Nutzen sein wird, steht die notwendige Aufgabe, alles wichtige archivalische Material, sei es in Staats- oder Privatarohiven, zu registrieren, wenn nötig,, zu sammeln. Wir richten dabei unser besonderes Vom jüdischen Weltkongreß Die englischen NiöhtzionJsten lehnen ab Aus London (J.T.A.): Der Board of Dcputies (Verband der Judengemeinden Englands) befaßte sich in einer soeben abgehaltenen Sitzung mit der an ihn seitens der Exekutive für den Jüdischen Weltkongreß ergangenen Einladung, sich am Weltkongreß zu be-» teiligen, und beschloß mit 105 gegen 81 Stimmen, dieser Einladung nicht Folge zu leisten. Die Entschließung erfolgte nach langer Debatte, in deren Verlauf der Präsident des Board, Nevillo Laski, den Kongreßplan scharf kritisierte und sagte: Gibt es Lösungen, so bedarf es nicht eines Kongresses, um sie in die Wege zu leiten. Es existieren bereits Organisationen, die sich mit den Problemen befassen, die auf der Kongreß-Tagesordnung stehen. Oder wird gar der Kongreß den Anspruch erheben, die Kontrolle über die Gelder(!) der Jewish Colonization Association (J. C. A.)l und anderer Organisationen zu erlangen? Das zu glauben wäre Verblendung. Die gleichen Ansichten vertraten der Vizepräsident des Board Sir Robert Waley-Cohen, der Ehrenpräsident des Board Sir Osmond d'Avigdor Goldsmid, Percy Cohen, Lionel Cohen und Rabbi Daiches, die auch noch der Besorgnis Ausdruck gaben, der Weltkongreß könnte die antisemitischen Stimmungen verschärfen, jedenfalls werde er auf Hitler keinen Eindruck machen. Dagegen trat Rev. M. L. Perlzweig entschieden für Teilnahme am Kongreß ein und sagte, der Kongreß stelle keine eigene jüdische Ideologie auf, sondern werde praktische Wege zur Verbesserung der Lage der Judeiv beschreiten; der Kongreß werde von verschiedenen wichtigen offiziellen jüdischen Körperschaften in der ganzen Welt unterstützt. Das Hauptbüro der Zionistischen Organisation Englands erhielt von dem nach Südafrika abgereisten Leiter des politischen Departements der Jewish Agency, Prof. Selig Brodetzky, ein Radiötelegramm, in dem Brodetzky erklärt, er billige vollkommen die Idee dos jüdischen Weltkongresses und hoffe, daß die englische ' Judehheit aus vollem Herzen an der Arbeit für ,den Jüdischen Weltkongreß teilnehmen wird. . * Die Abstimmung im Böard ist wohl bedauerlich, aber nicht entscheidend. Der Board ist nicht demokratisch zusammengesetzt, sondern die Vertreter gewisser exklusiver Synagogenvereino sind in weit größerer Zahl im Board, als es dem von ihnen repräsentierten Bevölkerungstell entspricht. Die weitaus größere Zahl englischer Juden steht hinter den. 81, die zugestimmt haben. Diese haben auch beschlossen, sich an den Wahlen zum Kongreß zu beteiligen. Ueber die „Hohe Brücke" führt der Weg zum Glücke! Beachten Sie das Inserat auf Seite 3 des heutigen Blattes. „Glückstelle Stein", Wien, I., Wipplingerstraße 21, an der „Hohen Brücke". Filialen: VT., Mariahilf erstraße 105, II., Tabörstraße 20, X., Favoritonstraße 101,

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