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Die neue Welt · 1936-05-05 · Heft 558 (5.5.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 558 (5.5.1936)
Date
1936-05-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis tO droschen Dienstag/ den 5* Mai 1 #36* 10 lahrgang Nr« 558 V* fr« fr« Zeitung vom Verleger verwendet „Journal expfedife par redlteut" REVU HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlicft S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Iiumänlen monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Marls 3.—; Bulgarien monatlich Lewa SO.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 6.—, vierteljährig Lire 14.—; Schweis und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit £1 bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr. 8, Tel, A-20-2-78 — Erscheint Dienstag u. Freitag Weltpolitik der Woche Nun denn: Auf die Spannung der Beziehungen zwischen dem Dritten Reich einerseits und Oesterreich und der Tschechoslowakei andererseits reagierte Hitler in seiner l.-Mai-Rede, und durch die Weltpresse ging — allerdings mit einigen gewichtigen Ausnahmen — die befreiende Feststellung, daß Europa endlich vom beklemmenden Alpdrück eines untmittelbar bevorstehenden Krieges befreit sei; denn der deutsche Reichskanzler habe eine Erklärung abgegeben, die einen Verzicht auf einen Angriff gegen Mitteleuropa bedeute. Nach Berliner Meldungen sagte Hitler: „Man lügt schon wieder, Deutschland werde morgen oder übermorgen in Oesterreich einfallen oder in die Tschechoslowakei. Ich frage mich immer: Wer sind eigentlich diese Elemente, die keine Buhe haben wollen, die keinen Frieden haben wollen, die fortgesetzt hetzen/die Mißtrauen säen müssen, die keine Verständigung haben wollen? Es ist ein kleiner Interessenklüngel, ein internationaler, der davon lebt, daß er andere Völker durcheinanderhetzt." Diese Fassung be^ag^y nicht viel. Sie besagt nämlich nur, daß man "mgt, wenn man behauptet, Deutschland werde morgen oder übermorgen in Oesterreich oder in def Tschechoslowakei einfallen. Es kann ja über-übermorgen sein undr es muß nicht gerade ein aktiver Einfall sein. Man kann andere Methoden zur- Erreichung seiner Eroberungsziele anwenden, und daß andere Methoden (vorläufig wenigstens), angewendet werden, braucht den Millionen Menschen, welche die bis zu Attentatsverbrechen, gehende Naziagitation kennen, nicht erst vor Augen geführt zu werden.' Dieselben Millionen Menschen kennen auch den Wert der Versprechungen Hitlers. Würde nämlich Hitler den Verdacht, daß er Aspirationen auf Oesterreich und die Tschechoslowakei habe, tatsächlich entkräften wollen, so müßte er sich einer, präziseren Form befleißigen. Aber gerade der Präzision weichen sie alle: aus, die nach dem 30. Juni 1934/-am Leben geblieben sind. Wenn sich die Welt nach Hitlers Mai-Erklärung beruhigt und glaubt, daß man ■ über die Befürchtung von Komplikationen '*n Mitteleuropa zur Tagesordnung übergehen könne, so wird sie eine bittere Enttäuschung erleben. Die Anwendung der „nordischen List", von der Nibehmgensage "her wohlbekannt, gehört zu den moralischen Prinzipien des hakenkreuzlerischen Regimes, zum täglichen Brot der hitleristischen Politik. Der kleine Interessenklüngel, von dem Herr Hitler in seiner Mairede sprach, ist die Schar gesitteter Menschen mit kultureller Veranwortung, die die Welt vor einem Blutgemetzel bewahren wollen. Ihnen andichten, daß gerade sie davon leben, daß sie andere Völker durcheinanderhetzen, ist wohl ein Versuch, die Dinge auf den Kopf zu stellen. Nein, meine Herren vom Dritten Reich: Diese Täuschung wird nicht gelingen. Und auch nicht die ander e, nämlich: daß es — „die Juden" sind, welche das Verhetzungsgewerbe betreiben. Der ewige Hinweis auf die Juden, > gesteigert bis zur Lüge von der Wahrheit der „Protokolle der Weisen von Zion", hat seinen Glanz als unentbehrliches Hitler-Requisit behalten. Wie lange noch?; * Englands Fragebogen soll in den nächsten Stünden, an Hitler abgehen. Man berät nur noch in London, ob man die Fragen mehr allgemein oder mehr konkret stellen soll. Jedenfalls kann man sich darauf gefaßt machen, daß die Fragen Hitler die Möglichkeit geben werden, Ausflüchte zu gebrauchen. Die heutige englische Regierung will es so. Sie braucht Zeit. Zeit, um mit Italien abzurechnen. Ja, Italien! Der Frontbericht von Sonntag, den 2. Mai, meldet daß die italienischen Soldaten im Begriffe sind, in das brennende und von Plünderern heimgesuchte Addis Abeba einzuziehen. Weiters vermittelt das Radio, daß der Negus nach dem unglücklich verlaufenen Feldzug, von Herrn Eden und dem Völkerbund im Stich gelassen, ein englisches Schiff in Djibuti bestiegen habe, uni sich „vorläufig" in Aden, dem befestigten britipcWen jjafen &m Ausgang äes Roten Meeres, niedrer Das jüdische Palästina ruhig und zuversichtlich Die arabischen Attacken gegen die Juden und das zionistische Aufbauwerk in Palästina treten nur , mehf sporadisch auf. Die Festigkeit des jüdischen Elements und ihre Zuversicht, ihr Glaube an den Sieg ihrer Idee bringen es mit sich, daß die Dinge, mögen sie für den ersten Augenblick auch tragisch ■ sein, im Licht der Geschichte ihre schmerzvolle Seite verlieren. Der Gedanke, man könne ein Land nicht ohne Opfer aufbauen, hat allenthalben Wurzel gefaßt, und so kommt es, daß die ganze jüdische Gemeinschaft ohne Unterlaß weiterarbeitet und den letzten Schlag, die Unruhen und Todesopfer in Jaffa, als Episode ansieht. Die jüngsten Nachrichten sowohl von jüdischer Seite als auch vonseiten der Palästina-Regierung betreffen nur mehr das zeitweilige Aufflackern arabischer Terrorakte und die Versuche, die zum Scheitern verurteilten Streiks in Jaffa und Jerusalem am Leben zu erhalten. Das Regierungskommunique vom 29. April bezeichnet die Lage als „im allgemeinen" ruhig, doch wird über einzelne Zusammenstöße zwischen Polizei Patrouillen und Gruppen von Streikagitatoren berichtet. Weitere Meldungen besagen: In Nazareth kam es beim Versuch der Polizei, einen Demonstrationszug aufzulesen, zu einem Zusammenstoß, bei dem vier englische Polizisten und zwei Polizeioffiziere verletzt, wurden. Auf selten der Demonstranten gab es nur einen Verletzten. Die Demonstration zerstreute sich erst, als die Polizei einige Salven in die Luft abgab. Die arabischen Zeitungen berichten, daß aus verschiedenen Teilen des Landes arabische Delegationen in Jerusalem eingetroffen' sind,' um sich vom arabischen „Nationalen Komitee" Instruktionen für weiteres Verhalten zu holen. Inzwischen hat es den Anschein, als ob der Streik im Abflauen begriffen sei. Die christlichen Ladehinhabcr in Jerusalem gehen dazu über» ihre Läden wieder zu öffnen, auch haben viele Christ- CH ESTER. MOR.RI$ lv£ZESn& vhL 56a!aJS^^^^^^^^ tlgfeltf^Hcr liehe Arbeiter die Arbeit wieder aufgenommen. In Haifa wurden 19 Araber, die zur Erzwingung des Streiks Terrormethoden anwandten, vor den Schnellrichter gebracht und wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu erheblichen Strafen verurteilt. In Safed wurde bei einer Demonstration die* Situation so bedrohlich, daß die zur Wiederherstellung der Ruhe eingesetzte Militärabteilung sich genötigt sah, eine blinde Salve abzugeben. Das Militär konnte verhindern, daß die Araber in das jüdische Viertel eindrangen. Auf der Straße Haifa—Jerusalem wurde der Oberrichter MacDonald in seinem Wagen von einer arabischen Menge, die ihn für einen Juden hielt, angegriffen und nicht unerheblich verletzt. zulassen und darüber nachzudenken, was Genfer Sanktionen wert sind. Ob der Negus das Schicksal des ersten Napoleon oder des Habsburgerkaisers Karl oder etwa der spanischen und portugisischen Exmonarchen haben wird, ist zurzeit unbestimmt. Sicher ist bloß, daß auf Krieg Frieden folgt und daß der italienisch-abessinische Friede unter Englands Vorsitz abgehandelt werden wird. Bombengeschwader haben den Feldzug militärisch gewonnen. Politisch müssen andere Mittel angewendet werden. Italien steht am Ende des Vormarsches, aber am Anfang der Einbringung der Ernte. Das englische Kabinett ist nervös. Es läßt Hitler (vorläufig) gewähren, um zunächst mit Mussolini fertigzuwerden. In unserer Ausgabe vom 24. September 1935 schrieben wir: „Wenn Italien seine militärischen Operationen beendet hat, muß es sich mit dem Negus an den Verhandlungstisch setzen. An diesem Tisch wird ohne jeden Zweifel auch England — und zwar als Vorsitzender — sitzen." Nun snid wir so weit. Der Krieg zwischen Italien und Abessinien ist zu Ende. Das Ringen um die Beute beginnt* , ... o:, n Zur Verhinderung der Brandstiftungen im Emek und in anderen jüdischen Kolonien und Distrikten hat die Regierung einen besonderen Schutzdienst, auch durch berittene Wächter, eingerichtet. In immer verstärkterem Maße wird Militär zur Aufrechterhaltung der Ordnung herangezogen. So wurde nach der Gegend von Jenin, wo die Unsicherheit auf^den Straßen zugenommen hat, britisches Militär beordert. Jenin selbst ist von einer Militärabteilung, die Panzerwagen mit sich führt, besetzt. Der Kommandant, Major Bramley, forderte :die arabischen Führer vonsJenin auf, ihm zu helfen, die jüdischen AutobusverbihdUngen, im Bezirk wiederherzustellen, die arabischen Führer weigerten sich unter Ausflüchten, dieser Auforderung nachzukommen. Daraufhin , erklärte Major Bramley, daß er den jüdischen Autobusverkehr unter müitärische Bewachung nehme. ...... Die Juden fordern Sdsuti und Waffen Das Mitglied der Exekutive Mosche Sher tp k und der Rechtsberater der Jewish Agency, Bernard Joseph, besuchten den High Commissioner iWauchope und machten ihn auf die Umtriebe der arabischen Agitatoren und Streikkomitees aufmerksam. Sie forderten ganz' unzweideutige Sicherheitsvorkehrungen seitens der Regierung. Eine Abordnung des Stadtrates von TelrAviv sprach beim High Commissioner vor und unterbreitete ihm die Beschlüsse der Stadtverwaltung. > Sie forderte ausreichende Sicherheitsmaßnahmen für die Transporte aus dem Hafen von Jaffa nach dem AHS" Stellungsgelände von T e 1-A v i v anläßlich der am Donnerstag, den 30. April, zu eröffnenden Levante- Messe. In der Polizeistation von Nathania erschien eine Abordnung jüdischer Kolonisten, die im Auftrage der in dem Distrikt wohnenden etwa 10.000 Juden forderte,'' daß die Polizei die Juden bewaffne, damit sie sich selbst vor Angriffen schützen können. Weiter wurde verlangt, daß die Regierungsbehörden aus Tulkarem in einen zentral gelegenen Ort des jüdischen Kolonisationsdistrikts überführt werden, da die Juden, wenn sie vor den Behörden in Tulkarem zu erscheinen haben, Gefahren ausgesetzt sind. Aus Kfar Jona (im Emek Chef er) wird berichtet, daß die dort wohnenden Juden aus Furcht vor Unruhen sich nachts nicht zur Ruhe begeben. Ein. arabischer Mob aus den Nachbardörfern habe sich auf Grund des falschen Gerücjhts, daß die Juden von Kfar Jona einen Araber ermordet hätten, vor der Kolonie angesammelt und diese bedroht. „ Häuser für JaffavFIudhllmge Der Stadtrat von Tel-Aviv faßte den Beschluß, im Süden von Tel-Avlv für die in gemischten Jaffaer Straßen lebenden Juden, die am schwersten unter Unruhen zu leiden haben, 1000 Häuser zu bauen. An die Judeuheit wird um Aufbringung eines Baufonds von 20Q.000 Pfund zu diesem Zweck appelliert. Spannung in einigen Bezirken Die letzten nach Jerusalem gelangenden Nachrichten besagen, daß in einigen Bezirken des Landes die Lage wieder zunehmend gespannt sei. In Nazareth wurden alle arabischen Führer der Streikbewegung verhaftet. Man macht sie für die Vorfälle, bei denen vier englische Polizisten und ein Offizier schwer verletzt wurden, verantwortlich. In Jerusalem wurden drei Araber verhaftet, weil sie in jüdische Läden Stinkbomben geworfen Äatten. In Jaffa wurden von unbekannten Tätern.vi^c Bomben zoir,Explosion gebracht, Personen kamen nio^t zil

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