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Die neue Welt · 1936-05-05 · Heft 558 (5.5.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 558 (5.5.1936)
Date
1936-05-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 558 vom 5. Mal 1936 DIENEUE WELT Seit« 3 Aus aller Well Biro'Bi'dsdtan — kein zweites Palästina Aua Moskau (J. T. A.): Auf der Tagung der OZET (private Gesellschaft zur Förderung der jüdischen Kolonisation in der Sowjetunion) in Minsk teilte der Generalsekretär mit, daß das autonome jüdische Gebiet Biro-Bidschan „kein zweites Palästina" sei und daß es seine Aufgabe nicht ist, die jüdischen Massen im Ausland zu .retten". Die Hauptaufgabe besteht darin, in gewissen verlangten Fächern ausgebildete jüdische Arbeiter für den Aufbau in Biro-Bidschan zu werben. Biro-Bidschan, als ein wichtiger Teil des russischen Fernen Ostens — so erklärte er weiter —, habe eine große Bedeutung für den Schutz der Sowjetunion; man müsse darum bei der Auswahl der Einwanderer, besonders von solchen aus dem Auslände, vorsichtig sein. Man finde jetzt in Rußland schwerlich Menschen, die aus Not nach Biro-Bidschan gehen wollen; es handelt sich bei denjenigen, die dorthin gehen, um Idealisten, die unter Opfern das jüdische Land aufbauen wollen. In den letzten zwei Jahren hat sich die jüdische Bevölkerung von Biro-Bidschan von 8000 auf 16.500 erhöht. * Anm. der Red. Zufolge der aussichtslosen Lage der jungen Juden in vielen Ländern und der Behinderung der Auswanderung nach Palästina gewann der Gedanke, nach Biro-Bidschan, der von der Sowjetregierung gegründeten jüdischen Niederlassung an der sibirisch-mandschurischen Grenze; zu gehen, an Boden. Tatsächlich haben sich auch junge Juden in Polen, Litauen, Rumänien usw. darauf vorbereitet, nach Biro-Bidschan zu gehen. Auch für deutsche Juden wurde die Sache in Erwägung gezogen. Gewisse Aeußerungen russischer Vertreter erweckten auch den Anschein, als ob bei ihrer Regierung die Bereitschaft bestünde, ausländische Juden aufzunehmen. Die vorstehende Meldung wird daher viele Hoffnungen zunichte machen. Zur Devisensperre In Polen Aus Warschau: Ab 27. April ist in Polen die Devisenzwangswirtschaft eingeführt worden. Der Ankauf atftSfctfllscher Valuten, ihre, Ausfuhr und Ueberweisung ins Ausland sind nur mit Genehmigung einer Kommission der Bank Polski gestattet. Der Handel mit Gold, sowie die Ein- und Ausfuhr von Gold sind genehmigungspflichtig. Für ausländische Forderungen aus Warenverkäufen besteht Ablieferungspflicht. Es ■ ist noch nicht zu übersehen, in welcher Weise sich dies auf den Verkehr zwischen Polen und Palästina auswirken wird. Insbesondere weiß man nicht, wie die Kapitalistenauswanderung und die anderen Kapitalistentransaktionen mit Palästina in Zukunft vor sich gehen werden. Das Verbot der Ausfuhr von Devisen erschwert nicht zuletzt den Touristenverkehr, da nach den neuen Bestimmungen nur etwa Devisen in der Höhe von 19 engl. Pfund aus Polen herausgenommen werden ""dürfen-und jeder- Palästina- Tourist genötigt ist, 4 0 Pfund zu hinterlegen, bevor er sein Visum erhalten kann. Vertreter der Zionistischen Organisation und des Palästina-Amtes wurden bei den zuständigen Behörden vorstellig. Es wurde ihnen versichert, daß in der nächsten Woche besondere Vorschriften in dieser Angelegenheit erlassen würden. Die französischen KammerwahFen Aus Paris wird berichtet: Bei den Wahlen ins französische Parlament haben alle Parteien, die ausgesprochen antisemitisch agitierten, eine Niederlage erlitten. Kein einziger ihrer Kandidaten ist auch nur in die Stichwahl gekommen. Nur im Elsaß, zufolge des deutschen Einflusses, und in Nordafrika (Algier) war eine stärkere öffentliche antisemitische Propaganda zii verzeichnen. In A1 g i e r ist es auch zu blutigen Zwischenfällen gekommen und der antijudische Kandidat Cor ton,: Chefredakteur des Pariser „Libre Parole", hat mehr als 1700 Stimmen, aber kein Mandat erhalten. Von jüdischen Kandidaten sind im ersten Wahlgang Leon B1 u m, der Führer der Sozialdemokraten, und der rechte Führer und Postminister Georges Mandel gewählt worden. (fföföiäoi0{&3TE!t tür Gelegenheitskäufe Wien VIII, Stadtbahnviadukt 23 bei Lercherifeldersträße Telephon: A-21-5-31 Die österreichischen Zionisten zu den Vorgängen in Palästina Die zionistische Landesleitung Oetserreichs hatte in das Restaurant Kadermann im Prater eine Versammlung einberufen, in der über die Vorgänge in Palästina Bericht erstattet wurde. Es sprachen der Präsident des . zionistischen Landeskomitees Dr. Oskar Grünbaum, der Vizepräsident der Israelitischen Kultusgemeinde Oberbaurat Ingenieur Stricker, als Vertreter des Misrachi Rosenberg, als Vertreter der radikalen Zionisten Dr. Leopold Plaschkes und schließlich Dr. S o k a 1 als Vertreter der Arbeiterzionisten. Ein-' stimmig wurde unter lebhaftem Beifall folgende Resolution beschlossen: „Die hier versammelten Zionisten Oesterreichs veruoigen sich in Ehrfurcht vor den jüdischen Märtyrern, die in Palästina gefallen sind, und protestleren mit Schmerz und Empörung gegen die blutigen Angriffe auf die am friedlichen Aufbau arbeitende jüdische Bevölkerung. Die Versammelten grüßen die jüdischen Brüder und Schwestern Palästinas, die ungebeugt ihr Werk und die Erlösung des Landes und des Bodens forsetzen, und vereinigen sich mit dem ganzen jüdischen Volk in der Kundgebung des unerschütterlichen Willens, dem jüdischen Aufbauwerk Treue zu bewahren und es mit allen moralischen und materiellen Mitteln zu fördern. Einmütig wollen wir dem Ruf der zionistischen Exekutive folgen untt mit vervielfachter Energie für die nationalen Fonds werben." Palästina und Phönix-Affaire Welchen Schaden erleidet Palästina? Unser Pa 1 ästina-Korrespondent schreibt aus Tel-Aviv: Der Zusammenbruch des Phönix hat hierzulande großes Aufsehen erregt, da diese österreichische Versicherungsgesellschaft in starker Geschäftsverbindung mit Palästina stand. Man schätzt die in Palästina durch den Phönix versicherten Summen auf rund 900.000 Pfund (24 Millionen österr. Schilling). Aber dazu kommen Versicherungen in vorläufig noch unabsehbarer Höhe, welche im Ausland mit der Klausel; „Zahlbar In Palästina" abgeschlossen wurden. So gibt es eine ganz große Zahl deutscher Juden und Juden in anderen Ländern, welche dem f Phönix ihren Hausbesitz In Deutschland überlassen hatten, gegen die Verpflichtung, in Renten oder eine bestimmte Summe nach einer gewissen Zelt in Palästina zu zahlen. Daher Ist auch der Schaden noch unübersehbar. Die Sache wird dadurch noch kritischer, daß es in Palästina keine ständige Aufsicht der Regierung über die Gebarung von Versicherungsgesellschaften gibt, der Phönix daher nicht zur Erhaltung einer Reserve im Lande verhalten wurde. Vorläufig wurde das in Palästina greifbare Vermögen von Interessenten in Be- E»OTÄ^,n'' 1 (an Ii dar „«<*•" Bei meiner ist her &ommttUttttit 1934 fütote itt ber Sommerloiteru 1935 bieattiatoncttb,öutotireff et gewönnestrourbett. 3ie&üuft bei: SommetlotUvit 1936 Beginnt fdjott ttädtfett $ie»$taa, ben 12* ERai* »efteEctt @te nod) Ijeute Sf)« ßlaffenlofe per «farte. Äaffafdjattcr tonn 8 Uhr frift} bis 6 Ul)r a&enbS geöffnet. Telefon U*21*5*45 ©erte. mit» lauft ftlaffenldfe bei be« „©iütffteUe Stein", SBieit, I. mippüwtvftv. 21, an be* „Sofien fBtü&t", giUttlett: VI., ^Ättahtlfwftrafte 9fr. 105, II. , Safeoyftrafte 20 / X„ %aDov\tenftv<ifft 101 6iäeÄSS M««o«entraHerl schlag gelegt. Dieses beschränkt sich aber auf nur zwei Posten: 1. 700 Pfund in Bargeld und Wertpapieren; 2. eüie Hypothek von 17.000 Pfund auf das Haus der Jewish Agency. Dabei ist aber noch fraglich, ob nicht ausländische Interessenten, deren Folizzen in Palästina zahlbar sind, gegen diese Beschlagnahme Einspruch erheben werden. Jedenfalls ist der Schaden, der palästinensischen und in Palästina versicherten Juden erwächst, ein sehr, sehr großer. * Die Situation des palästinensischen Phönix Tel-Aviv. (Palnews.) Die Phönix-Gesellschaft ist als ausländisches Unternehmen in Palästina seit zehn Jahren tätig und nimmt im Versicherungsgewerbe des Landes — soweit es das Lebensversicherungsgeschäft betrifft — eine bedeutende Stellung ein. Die Zahl der Polizzeninhaber des Phönix in Palästina beträgt rund 3000. Ein großer Teil davon entfällt auf Volksversicherungen von durchschnittlich pal. Pf. 100. Die Gesamtsumme der Phönix-Versicherungspolizzen in Palästina macht pal. Pf. 840.000 aus, von denen pal. Pf. 140.000 auf die Volksversicherungen entfallen. Den Beträgen entsprechend, die der Phönix bis jetzt von Palästinensern als Prämien empfangen hat, müßte er über eine Prämienreserve von pal. Pf. 110.000 bis 125,000 verfügen. Hiervon sind etwa pal. Pf. 40.000 in Abzug zu bringen, die von der Gesellschaft den Polizzeninhabern als Darlehen gegeben wurden. Die Investitionen des Phönix in Palästina stellen sich auf pal. Pf. 23.000, so daß sich ein Prämienreservedefizit von pal. Pf. 50.000 bis 60.000 ergibt. Es ist jedoch zu befürchten, daß die tatsächliche Lage eine weit schwierigere ist. Der Phönix schloß in Deutschland Versicherungen ab, bei denen er von Auswanderern deren Häuser als E i n m a 1 - P r ä m i e n in Zahlung nahm und dagegen Rentenversicherungspolizzen ausstellte. Da diese Art von Veraicherungsgeschäften den gesetzlichen Bestimmungen des deutschen Versicherungswesens nicht entsprach, wurden die Häuser auf den Namen einer Tochtergesellschaft des Phönix in Holland eingetragen, die Versicherten erhielten keine Polizzen des deutschen Phönix, sondern der Niederlassungen in anderen Ländern, und zwar besonders solchen Ländern, in denen eine Beaufsichtigung des Versicherungswesens durch die Regierung nicht besteht. Derartige Poliazen mit der Unterschrift der palästinensischen Niederlassung neben derjenigen des Wiener Phönix wurden im Umfang von ungefähr pal. Pf. 50.000 kontrahiert. Tatsächlich wohnen zurzeit nur drei Personen, die derartige Versicherungen abgeschlossen haben, in Palästina. Die übrigen halten sich außerhalb des Landes auf. Es ist zu befürchten, daß die Inhaber dieser Polizzen gegen den palästinensischen Phönix oder dessen Nachfolger ihre Ansprüche geltend machen, besonders nachdem die österreichische Regierung diese Polizzen annulliert hat. Das Defizit des palästinensischen Phönix würde sich dadurch stark erhöhen. Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, daß die rechtliche Stellung des palästinensischen Phönix nicht geklärt ist. Offiziell ist der palästinensische Phönix ein« Niederlassung der österreichischen Gesellschaft. Tatsächlich jedoch hat die österreichische Gesellschaft diese Niederlassung separiert und ist bestrebt, sich ihrer Verantwortlichkeit für das Prämienreservedefizit und die .Zukunft der Versicherten zu entziehen. Angesichts dieser Situation kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, wie weit es möglich sein wird, die Aktiven des Phönix in Palästina (es handelt sich um die erwähnten Investitionen in Höhe von pal. Pf. 23.000) bei der Liquidation oder der Uebertragung der Phönix-Versicherungen auf eine neue Gesellschaft zu sichern. Die Regierung will nicht eingreifen Es ist die Forderung erhoben worden, daß die Regierung in die Angelegenheit eingreift und einen Weg zum Schutz der Interessen der palästinensischen Polizzeninhaber der Phönix findet. Es wurde auch die Meinung laut, daß die Palästina-Regierung gegen das nach dem Zusammenbruch des Phönix erlassene Gesetz der österreichischen Regierung, das den Phönix von der Verantwortung gegenüber den ausländischen Versicherten befreit, Protest einlegen solle. Wie wir von wohlinformierter Seite unterrichtet werden, ist nicht zu erwarten, daß die Palästina-Reigerung im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Phönix irgendwelche Sonder maßnahmen ergreift. Die Eröffnung der Levante* Mes§e in TelrAviv Aus Tel-Aviv (3. Mai): Die Eröffnung der Levantemesse in Tel-Aviv fand programmgemäß am Donnerstag, den 30. April, statt. Am Eingang in das Messegelände wehten die Fahnen der ausstellenden Nationen. Die Wege zum Messegelände waren von einer großen Menschenmenge umsäumt, die die Anfahrt der offiziellen Persönlichkeiten und der zahlreichen Messegäste verfolgte.. Die Anfahrtstraßen sowie das Messegelände selbst waren durch Polizei gesichert. Noch am Vormittag waren drei Wagen motorisierter Polizei von Jerusalem beordert worden, um den Sicherheitsdienst auf den zum Messer gelände führenden Wegen zu versehen. Viele Führer des Jischuw waren bei der Eröffnung zugegen. Der High Commissioner Sir Arthur Waucfaope und mehrere höhere Beamte der Administration waren ebenfalls anwesend. Der Bürgermeister von Tel-Aviv, Meir Dizengof f, sprach Worte der Begrüßung' an die versammelten Gäste. Er ging im weiteren Verlauf seiner Rede auf die Bedeutung der Messe für Tel-Aviv und für den Nahen Orient ein und wies in diesem Zusammenhang auf die Umstände hin, unter denen die Levantemesse im gegenwärtigen Augenblick eröffnet werde. Er gab seinem Bedauern über die Vorfälle in den letzten Wochen Ausdruck und bezeichnete die Messe als ein Syrabol nicht zu brechenden jüdischen Aufbauwillens. In diesem Zeichen erklärte er die III. Levante-Messe für eröffnet. Die Versammlung hörte sodann Begrüßungsworte des Kolonienministers J. H. Thomas, die durch Radio von London aus verbreitet wurden und die bei der Eröffnungsveranstaltung klar vernommen werden konnten. (J.T.A.) Verb« dL Judemtaaftszioiristen Oesterreichs Judenstaatsjugend. Dienstag, den 5- Mai, Uhr abends, im Zentralheim, I., Werdertorgasse 14, Mitgliedervollversammlung. Referent: Oberbaurat Ingenieur Fischer. Thema: Umschichtung der jüdischen. Jugend. Sektion XIV/XV, Schanzstraße 32. Dienstag, den 5. Mai, %9 Uhr abends, findet der Vortrag von Dr. S. Wolf statt. Thema: Die englische Weltpolitik. Sektion Prater, II., Erlafstraße 5. Dienstag, den 5. Mai, >£9 Uhr abends, wichtige Besprechung der „Deborah". — Donnerstag, den 7. Mai, ^9 Uhr abends, Ausschußsitzung. Sektion X, Herndlgasse 23. Samstag, den 9.Mai, M9 Uhr abends, feierliche Heimeröffnung. Festrede: Oberbaurat Ing. Robert Stricker. Bezirksgruppe Favoriten veranstaltet Montag, den 11. Mai, 9 Uhr abends, im Saal des Wiener Volksbildungsvereines (Tonkino Waldmüllerpark), X., Hasengasse 38, eine Sondervorstellung des Films „Die Rothschilds". Ferner „Der Zionistenkongreß in Luzern".!_ Das Restaurant 11Tb „HOTELSTEFANIE II, Taborstraße 12, wird heute, Dienstag, den 5. Mai. durch das bekannte Ehepaar Hugo und Julie H e r 1 i n g e r geb Zöllner) eröffnet Für erstklassige Speisen bei zeitgemäßen Preisen (reichhallige Menüs) garantieren die Namen HUOO UND 1UUI HERMNQBR (GEB. ZOllNIR)

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