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Die neue Welt · 1936-05-01 · Heft 557 (1.5.1936) · page 5

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 557 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. t)o7 vom 1. Mai 1936 DIE NEUE WELT AS, S./.f.XM .h*,«,,^.^ ^.fff Seite 5 det »4dm" - empAWökafak E*z*sse in Bratislava S<Mt einigen Tagen gibt es in der slowakischen fitadt Bratislava (Tschechoslowakei) Demonstrationen gegen die Aufführung des Filn;-; „Per Golem". Die Anführer und aggressiven Elemente dieser Demonstrationen setzen sich vornehmlich aus Studenten der Bratislavaer Universität zusammen. Ueber den Film selbst, den eine französische Gesellschaft in Prag unter dem berühmten Regisseur Duvivier gedreht hat, ist nichts weiter zu sagen. Die Golem-Legende gehört als beliebter Stoff der Weltliteratur an. Hier aber wurde plötzlidh, nachdem Romanschriftsteller (Meyrink), Dramatiker (Holitscher, Lelwlk) und zahllose Maler und Bildhauer und schließlich auch schon die Filmkamera („Der Golem" als stummer Film mit Paul Wegener) den mittelalterlichen Lehmmenschen künstlerisch geformt hatten, ein Sturm auf den armen Golem inszeniert, und zwar, wie es in den Berichten heißt, aus Empörung über seine Taten, die „das Empfinden der katholischen und nationalen Slowaken" verletzen. Wenn d«r Goiem das erführe, er würde sich zweifellos wieder aus dem Staube machen, in den ihn der Hohe Rabbi Low zurückversetzt hat. Auf den ersten Blick sieht die Sache so aus, als würde es sich um spontane Aktionen einer kleinen, verhetzten Studentengruppe handeln, die — fern von den Hörsälen' — sich ein Wenig nach beliebtem hakenkreuzlerischem Muster anderer Staaten ein wenig -betätigen will. Ein Bericht, den wir von einem Gewährsmann aus Bratislava erhalten, enthüllt die politischen Hintergründe dieser Golem-Affäre. In dem Bericht heißt es: Bei uns in der Tschechoslowakei gab es bis zur Stunde., mit Ausnahme der faschistischen Partei G a j d a s (gewesener General der russischen Legionen im Weltkrieg), welche: weder einen politischen noch aber gesellschaftlichen Einfluß besitzt, keine Partei, welche den Antisemitismus als offiziellen Punkt in ihr Programm aufgenommen hätte. Die Geschehnisse der letzten Woche aber-machen auf den nüchternen Beobachter den Ein- . druck, daß sich Anzeichen einer Acnderung bemerkbar machen. , .. \\\ der Slowakei gibt es eine-sogenannte „Volksp a r t e l", die vom Prälaten H1 i n k a gegründet und geführt wird. Sie stellte als Parole die vollkommene Auto-; nomie für die Slowakei, d. h. Unabhängigkeit von den .Prager Zentral-RcgieruJigsstellen, auf. Kürzlich wurden Verhandlungen geführt, um,diese Partei, welche In Opposition zur Regierung steht, in die Koalition einzubeziehen. Diese Verhandlungen scheiterten. Das in Bratislava erscheinende Zontralorgan dieser Partei .jSlo.vak" fühlt.-,-nun,, nach , achtzehnjährigem Kampf für die Autonomie, daß diese' Forderung an Popularität unter den Massen verliert, denn an der Spitze der Präger Zentralregierung steht der Slo- : wake Dr. Hodza und die Bevölkerung hat keinen . Grund, eine- Aendcrung. dieser Sachlage anzustreben. Um nun" die Parteimitglieder weiterhin halten zu können oder gar zu vermehren, müssen neue Programmpunktc gc- . funden werden. Warum sollte die slowakische Volkspartoi Hlinkas nicht nach dem er probten Mittel der Nachbarstaaten grellen? .Dem Antisemitismus verdankt so manche Partei ihren Aufstieg und so blickt auch die Partei' des Prälaten Hlinka mit Zuversicht der Zukunft entgegen. Die Vorarbeiten leistet das Parteiorgan „Slovak". In der Nummer 95 vom 24. April 1936 finden wir nicht weniger als fünf Artikel, deren Inhalt Anpöbelung des Juden- '•tums und Aufreizung der Bevölkerung bildet, wobei selbstverständlich — und dies wieder nach gutbekaunten „. Vorbildern — die Lüge ihr guter Kamerad ist. Nach approbierter ausländischer Methode sind es die Hochschule r, die mangels positiver Einstellung zu den Problemen des Lebens und der Politik sich auf die unproduktive Seite stellen undden »Kampf gegen das Judentum" als Ersatz für positive Leistungen betreiben. Der „Slovak" und die von Hlinka beeinflußte Studentenschaft empfindet es als eine Provokation, daß' im „GolenV'-Film die „Leiden und Unterdrückungen der Juden" zu Zeiten des Königs Rudolf II. geschildert werden. „Die katholiseho Slowakei hat genügend brennende Probleme und ist noch nicht von zersetzender Frel- . maurerei angesteckt. Die slowakische Bevölkerung hat . einen festen, von den Eltern ererbten Glauben und hat . über die sogenannte „Unterdrückung" des Judentums ihre gesunde, von niemandem beeinflußte Ansicht", so schreibt der „Slovak", und am Abend desselben Tages marschieren Hochschüler durch die Stadt, um gegen den Film zu demonstrieren. Der wahre Charakter dieser Demonstrationen wird aber offenkundig, wenn plötzlich der Ruf „Na fcldovnu" (Auf die Judengasse!) ertönt und wie eine Horde von Wilden die Studenten sich auf die zu dieser Zeit in stiller Ruhe befindliche Judengasse stürzen, um hier Zeugnis ihrer guten Erziehung abzulegen. Ein weiterer Bericht aus Bratislava besagt, daß der Film „Der Golem", in den Kinos „Tatra" und „Metropol" aufgeführt, vom Programm abgesetzt wurde, daß aber nichtsdestoweniger die Krawalle und Exzesse gegen die jüdische- Bevölkerung clor Stadt fortgesetzt wurden, ja, daß sjc sogar in der Sitzung des Gemeinderates am HOTEL SMFTÄNÄ BAD LÜHACOVICE, C. 1R. Vom lö. bis 31. Mai Zimmer mit Pension Kö 35.- bei 30% Ermäßigung 4er Kurtaxe, 20% aller Kurprozeduren Voranmeldung erbeten Gegründet 1372 27. April Widerhall fänden. Der jüdischnationale Gemeinderat Singer protestierte nämlich gegen die Demonstrationen, worauf unter ungeheurem Lärm die Sitzung unterbrochen werden mußte und nach Wiederaufnahme (Singer verlängte vom Bürgermeister Doktor Krno die nötige Sorge für Ruhe und Sicherheit) abermals unterbrochen wurde. Die Stadt hat sich nicht beruhigt. Denn am Abend des 27. April gab es Demonstrationen antifaschistischer Elemente gegen die slowakischnationale Studentenschaft als Urheberin der Exzesse. Wenn auch durch, behördliche Maßnahmen weitere Demonstrationen verhindert werden sollten, so ist damit der Herd der Exzesse nicht vernichtet. Der „Slovak", das Organ der Hetzer, hat sich scheinbar entschlossen, dem „Stürmer" des Herrn Julius Streicher aus Nürnberg Konkurrenz zu machen — eine sonderbare Methode in der freien Tschechoslowakischen Republik. Optiker rudolf haas & c. WIEN II, PRATERSTRASS& 32 SPEZIALIST. FÜR BRILLENOPTIK Zionjsfen beim Prä§fldenten Benesdi Aus Prag: Der Präsident der. Republik, Doktor : Edouard B cnc.se h, empfing diöser Tage eine Dele-; gation der Jüdischen P a* £ed in der Tschechöslöwai kel und des Z i o nis t i s c h e n Zentral.Verbandes.,; Die Delegation gratulierte dem Präsidenten zu seiner IWahl im Namen der bewußt nationalen Juden- : h e i t. und versicherte ihn,, daß seine Wahl.mit Freude ■ von allen Juden der ganzen Welt aufgenommen wurde. | Die Vertreter der Jüdischen Partei erblicken in der Wahl der Person Dr. Benesch' einen Sieg des Gedankens der Bad Oasurin Kurhotel Thermalbäder im Hause Fließendes Wasser Mäßige Preise nü2 Restaurant De. Ammd Hminka -?ö lohte att •w' ' •V* ^d^M^ /fit+b - K V , v^.kjr JaT* if' i ,, i, . Demokratie und sind stolzdarauf, daß die Jüdische Partei vom Begin ihrer politischen. Tätigkeit sich in die \ Reihejener, politischen,, .F;akt.or.e.n. stellte, die für die Demokratie; kämpf eh, »Der Präsident .dankte der, Dele-; gaÜdn für ^ic^ es sei ihm be-! kariht, daß' die j ü d i s c h e M1 n o r i t ä t in der Tschecho- :' Slowakei loyal an der Seite der. tschechoslowakischen Demokratie" steht; Durch diese Demokratie wird das Ver- ' hältnis von Mensch zu' Mensch geregelt und daraus■• entspringt auch das .• Verhältnis der , tschechoslowakischen Demokratie zu der jüdischen Minorität. :' Er fügte'hinzu: ,,Es ist Ihnen bekannt, wie/meine Politik gegenüber der j ü disc Iren Renaissanc e- Bewegung war, solange ich Minister für auswärtige! Angelegenheiten war; ich versichere Ihnen, daß ich auch weiterhin diese Politik ■" konsequent in, meinem neuen i Amte verfolgen werde..Die Schaffung eines Jüdischen N a t-ionäl'he imes in Palästina wird sich auf die Stellung der Juden in der ganzen Welt günstig auswirken und die'Härten, unter denen die/Juden in manchen Ländern leiden; beseitigen oder wenigstens mildern." Hallo - Hallo! Nicht vergessen, im das Nachtmahl zu essen. Vis-a-vis dem Schweden-Kino HH ■ l\a § Reichhaltige Auswahl in Mittag* und Abend-Menüs u. kalte | ■•§§ Speisen bis"1 Uhr naeht* — Bier und Wein vom Faß — p 's Inhaber RudolF Stepan,1I, Taborslraße 4. > ' I IlHIIIIIIIIIIIIllllllllllllllllllllll^ Die Delegation unterbreitete dem Präsidenten ein Memorandum, in dem;' sie um. Unterstützung ihrer Bemühungen um die Verstaut I i c h u n g und den( Ausbau des Hebräischen Schul-werkes in Karpathorußland, um Aiusbau der Sozialfürsorge für die jüdische Jugend, um dlo v D o m b k r at'Vs.j erung , dev Wahlstatuten der Kultusgemeinden und ihrer höheren Organi-; sationseinheiten, besonders im Osten der Republik, um •'eine wohlwollendere Prozedur bei der Lösung der Staats-, ange/hörigkeitsfrage und um Beseitigung von Uebergriffen bei Ausweisungen ersucht. In, einem besonderen Teil des Memorandums bitten die Vertreter der Jüdischen Partei den Präsidenten der Republik, daß er im. Rahmen der durch,die Verfassung ihm verliehenen Rechte seinen Einfluß dahin, ausübe, daß diejenigen Bestimmungen der Wahlordnung in die Nationalversammlung eine Aendcrung erfahren, die ' es der jüdischen Minorität in der Tschechoslowakei unmöglich mächen, eine selbständige parlamentarische Vertretung zu erreichen'.; Der Präsident sagte seine Hilfe im Rahmen seiner verfassungsrechtlichen Macht zu. Der heute siebzigjährige Rabbiner Dr. ArmaAd Kaminka hat einen an. Forschungsergebnissen reichen Weg zurückgelegt. Sein Name in der wissenscliaftlichen Welt ist unbestritten, seine Leistungen sind überall anerkannt. Nach Absolvierung der Studien an der Pariser 8or« bonne und Ecole des Sciences Politiqucs (Paris) und an der Berliner Hochschule für die Wissenschaft des Judentums, ivo er. das Rabbinerdiplom erwarb', wirkte Doktor Kaminka zuerst als Rabbiner in Deutschland, später in verschiedenen Städten der Habsburger-Monarchie, bis er, 1900, nacli Wien kam, um (neben den Funktionen eines Seelsorgers) als 'Religionsprofessor an Mittelschulen, als-Lektor des Beth Hamidrasch, als Dozent der 1 Israelitischen Religionslehrer-Bildungsanstalt zu wirken* Weltruf erlangte das von ihm gegründete Maimo" n i d e s -1 n s t i t u t für religiös-wissenschaftliche Studien. Seit 1901 ist Dr. Kaminka als Generalsekretär der. Alliance Israelite in- Wien tätig, in welcher Eigenschaft er zahllose, die Judenheit betreffende Aktionen musterhaft durchführte. Im Jahre 1912 unternahm er seine erste Reise nach Palästina. Im Vorjahr' hielt er in Cordova seine große Huldigungsrede für Moses Maimonides, im gleichen Jahre vertrat Cr die Alliance an der Luzemcr Tagung der Jcwish Agency und wurde als Ersatzmitglied in den Council gewählt. Dr. Kaminka hat. eine Reihe bedeutender werke geschrieben. Im „Le Prophete Isaie{( hat er zum ersten Male die Hypotheseüber den nachcxilischcn UrspruCh des zweiten Teiles des Buches, bzw. hinsichtlich eines Dentero-Jcsaja widerlegt. Sein hebräischer Kommentar zum Hohen Lied, seine Aufsätze über die Psalmen,' seine Studien zur griechischen Bibelübersetzung der Septuaginta werfen ein neues Licht auf die einzelnen. Bücher der Bibel und ihr Verhältnis zueinander. Nicht minder bedeutend sind seine Beiträge zur Erklärung der Esra-Apokalypsc und zur Rekonstruktion des hebräischen Urtextes. Hier war ein Forscher tätig, den Forschertalent, umfangreiches Wissen und bewundernswerte Intuition zu überraschenden Resultaten führten. (Der iciederhergestellte hebräische Urtext des Buches, für den sich Ch. N. Bialik s. A. außerordentlich interessierte, wird demnächst im Verlag „Dwif, Tel-Aviv, unter dem Titel „Chasanoth Assir Schealtiel" erscheinen.) Ueberaus fruchtbar ist, Dr. Kaminka als Essayist. Seine Essays, zirka 300 .an der Zahl, sind in englischen, französischen, italienischen und holländischen Blättern erschienen. Die Präzision des Gedanklichen und Sprachlichen macht ihren eigenartigen Reiz aus. Auch der schöngeistige Bezirk ist in Doktor Kuininkas reichem Werke vertreten. Seine . hebräischen Gedichte, etwa aus der Sammlung „Rase Oläm", historische Romanzen, philosophische Dichtungen nicht weniger wie die Uebcrtragung. von Ovids „Nlobe" oder des „Chantedai)'" ins Hebräische bezeugen sein außerordentliches ästhetisches Talent, sein Verständnis für Rhythmus und sein bcioundernswertes Einfühlungsvermögen. Mit großer Spannung sieht man der Veröffentlichung seines historischen Dramas „K ö n ig A c h a b" entgegen, das Jüdisch® Heirai Junger Kaufmann, 30 Jahre, von Polen stammend, Schweizer Bürger, in der Schweiz ansässig, Geschäftsleilhaber, wünscht Heirat mit sehr junger, schöner, großer, schlanker Tochter aus guter Familie. Da nur wenige Wochen als Tourist In Palästina anwesend, wären sofortige Angaben mit Geburtsdatum und neuestem Photo, welches retourniert wird, erbeten Diskretion zugesichert. Zuschriften unter Chiffre „5788" an die Annoncen-Expedition Gershon Ben, The Rudolf Mosse Agency, Tel-Aviv, POB. 1094, Palästina

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