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Die neue Welt · 1936-05-01 · Heft 557 (1.5.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 557 (1.5.1936)
Date
1936-05-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 557 vom 1. Mai 1936 DIE NEUE WELT Seite 3 Die Liste der Toten und Verwundeten Von jüdischer Seite in Tel-Aviv wurde die folgende Liste der bisher amtlich festgestellten 22 jüdischen Toten lind der noch in Spitalsbehandlung befindlichen Verwundeten aufgestellt: Tot: Mordechai Friedmann (20 Jahre), David Schambudall, Chaim Kornfeld (29 Jahre), Jizchak Fränkel, Jisrael Pezegoda (25 Jahre), Elieser Bischitzki (40 Jahre), Schambarlet (28 Jahre), Josef Liebermann, Daniel Cohen, Jakob Prusdak, Jizchak Rabinowitsch, Schimkowicz, Jisrael Friedmann, Jehuda Simantow (60 Jahre), Selig Lewinsohn, Schlomo M e r i s a n d, Schlomo Kramer, Schlomo Garbi, Chaim Chatzkiwitz, Jtfahum Hadad, Chaim Kischler. (Die bei Tulkarem getöteten zwei Juden Israel Chazan und Zwi Tannenberg sind hier nicht eingerechnet.) Verwundet: Herzl Sehe cht (20 Jahre), Scho- Bchanna Mordchowicz (23 Jahre), Siegmund Becker (36 Jahre), Elieser Lipp söhn (26 Jahre), Blachmann (25 Jahre), Schalom Bad ad, Arje Meirowitz, Elieser Leib, Dr. David Weinberg, Lilli Rothenberg, Ascher Towlm, Rüben Liebermann, Jisrael Schnitzer, Rechtsanwalt Jizchak Eisen, Arje M a 111 i s, Jakow Reich, Joseph Rose nberg, Schlomo Cohn, Minna Walddorf, Abraham und Meir Selikowicz, Mordechai Freimann, Elisabeth Weigel, Arje Segall und Schlomo Radkober. H/adeKfUefd Gründe der Unsicherheit Es ist traurig, festzustellen, in wie weitem Maße das Vertrauen der breiten Masseti gerade zu England im Osten Europas im Schwinden begriffen ist, und noch weit trauriger, so meint manf daß Frankreich, das auch im Osten Europas als Führer der Friedensfront der Völker angesehen wird, zunächst abwartet. Denn auch ohne Engtand ist Frankreich nach Meinung des Ostens so stark, daß jeder Ruhestörer in Europa zur Raison gebracht werden könnte. Hinter Frankreich stehen diejenigen Völker in Europa, die absolut den Frieden und die nun endlich einmal von der gewaltigen Unsicherheit befreit sein wollen, die vom Dritten Reich ganz Europa über zieht. George Wallis (Kowno) 1936. M-, ' Gefahr der Ueberaumpelung Die Vereinigung der in Oesterreich und in der Tschechoslowakei lebenden Deutschen* ist Hitlers nächstes direktes Zieh Und daraus ergibt sich die gebieterische Notwendigkeit* welche Maßnahmen zu ergreifen sind, um diese Gefahr zu verhüten, denn dieses Mal darf man sich nicht wieder überrumpeln lassen. „Journal" (Paris) 1936. Feuerkreuz gegen Hakenkreuz Wir haben die Tapferkeit unserer jüdischen Kameraden feststellen können, die für u7is genau dasselbe waren, wie alle änderen Kamraden. Wenn eine antisemitische Bewegung entfesselt werden würde, so wären unsere jüdischen Kameraden deren ungerechte liinfel der Stahl« lo der Schweden-Stahl, Gipfel der Klingen; die schwedische Opfer. Es wäre brudermörderisch, und ich würde mich einer derartigen Bewegung entgegenwerfen, um ihr den Weg zu verlegen. So weit auch die Dreyfus-Affäre schon Zurückliegt, so gibt es doch immer noch Leute, deren Tätigkeit ganz danach aussieht, als wollten sie mit aller Gewalt eine neue antisemitische Bewegung heraufbeschwören. Oberst de la Rocque, Führer der Croix-de-Feu- Bewegung (Paris) 1936. Das Zunglein an der Waage In der gegenwärtigen Lage Europas wird sich kein Volk in einen Krieg einlassen, wenn es vorher wüßte, daß England auf der gegnerischen Seite stehen wird. Die wahre Gefahr liegt darin, daß ein Land glauben kann, es könne ein anderes angreifen, in der Annahme, England werde neutral bleiben, und daß wir dann in den Konflikt verwickelt werden. England ist in Europa das Zünglein an der Waage und wenn England eindeutig und klar und nachdrücklich erklärt, daß es seine sich aus dem Völkerbundpakt ergebenden Pflichten zur Verhütung eines irgendwo in Europa entstehenden Krieges gewissenhaft und bis zum letzten erfüllen werde, dann gibt es keinen Krieg. „New Chronicle" (London) 1936. Palästinensischer Heroismus Zu den Pionieren kann sich als passendes Element nur gesellen, wer sich darüber klar ist, daß noch auf viele Jahrzehnte hinaus in Palästina nur der allein existieren kann, der bereit ist, gefährlich zu leben. Denn dieses Land muß täglich und stündlich erobert und verteidigt werden. Womöglich, wie die jetzigen Vorgänge «eigen, mit Waffen. „Pariser. ..Ta^blatt'*! 36. April 1936» &Jiol wwJdr iKttHteuoenil Wer ODOL-Mun'dpflege betreib*, schützt seine Gesundheit. ODOL wirkt vorbeugend gegen Infektionen, also bei Schnupfen, Halsschmerzen, Grippe und ähnlichen Gefahren. ODOL ist das ideale Mundpflegemiffel; deshalb beherzigen Sie den Spruch: HALTE MIT ODOL GESUND — ZÄHNE, MANDELN, HALS UND MUND! sxDa JNDWASSER . ZAHNPASTA * 3_ . ■ , 4 L83J . v-' dp* Kennzeichen für ein weifer vervollkommnetes ODOL, dessen antiseptische Wirkung in hervorragendem Maße gesteigert worden ist. Bakteriologische und klinische Versuche haben die überlegene bakterizide Wirkung wissenschaftlich erwiesen. Erzeugt noch den von der W. V. d. Zahnärzte WleiM approbierten Rezepten' und unter ständiger Kontrolle der zahnärztlichen und pharmakognostlschen Institute der Universität In Wien. Wa§ in Palästina vorgeht Sonderbericht der „Neuen Welt" In Fortsetzung de3 von uns gebrachten Situationsberichtes dtto. 19. d. M. folgt nunmehr ein weiterer uns zugekommener Bericht des Weltbüros der Judenstaatspartei in Tel- Aviv vom 23. d. M. In unserer Korrespondenz, die wir Ihnen am 15. d., also fünf Tage vor Ausbruch der Unruhen in Palästina) gesandt haben,, wiesen wir darauf hin, daß im arabischen Lager Vorbereitungen für ernste Ueberfälle, auf die jüdische Bevölkerung Palästinas im Gange sind. Wir schrieben, daß blutige Ereignisse unmittelbar bevorstehen. Mach Atötnsia MnAuiem Ab 9. Mai jeden Samstag, 7 Uhr früh Fahrpreis tour-retour S 70«— / Vorteilhafte Arrangements für eine oder mehrere Wochen nBEDI ANn" Automobil- Reiseu. Beiriebsges. m. b. H. hUDEKLHIIU I., Burgring 1 Tel. A-35-5-45, A-33-0-33 Die Terrorakte erfolgten und ihr. Ziel wurde erreicht: Das ganze Land ist in den Zustand einer ungeheuren Erregung versetzt. Allen beteiligten Paktoren, außer der Regierung, war es ganz klar, wohin diese Terrorwelle führen wird. Es genügte der Mord an zwei Arabern, welcher nach Aussage eines derselben, der noch einen Tag lebte, von Arabern aus geschäftlichen Konkurrenzgründen verübt wurde, um die arabischen Gemüter in Siedezustand zu versetzen und sie zu überzeugen, daß es sich hierbei um einen jüdischen Ueberfall handelt. Es hieß, daß außer diesen zwei Arabern. noch andere drei Araber in Tel- Aviv von Juden ermordet worden seien, was vollkommen aus der Luft gegriffen war. Die Regierung traf keine Anstalten, um dieser wilden Hetze ein Ende zu setzen und die falschen Gerüchte zu dementieren. Statt dessen verfügte sie die Entsendung von verstärkten Polizeipatrouillen nach Tel- A v i v, offenkundig, um die Araber vor etwaigen jüdischen Ueberfällen zu schützen! Und so ging es am Sonntag, den 19. d., früh los. Die Araber verstanden die Haltung der Regierung und handelten dementsprechend. Daß die Ueberfälle unvermeidlich .geworden waren, war übrigens nicht nur den Juden, sondern auch manchen Engländern klar. Der Chef des Jaffaer Hafens, ein hoher englischer Beamter, sagte den Juden, die sich an ihn Sonntag mittag um Schutz wandten, er begreife nicht, wieso die Juden noch am Sonntag in den Hafen gekommen sind, da er selbst schon gestern wußte, daßheuteantijüdische Ueberfälle stattfinden würden. Und wirklich kann schon jetzt mit ruhigem Gewissen behauptet werden, daß die Ueberfälle nur dank der Passivität der Regierungsorgane technisch und militärisch in ausgezeichneter Weise vorbereitet werden konnten. Schon Sonntag früh war in Tel-Aviv kein einziger Araber zu sehen, obwohl sie sonst immer schon um fünf Uhr morgens ihr Gemüse zum Verkauf bringen. Sie waren bereits in die Reihen der arabischen Pogromarmee eingegliedert. Es gibt Zeugen dafür, daß schon tagszuvor einige arabische Gemüseverkäufer sich jüdischen Käufern gegenüber in dem Sinne geäußert hätten, sie müßten so rasch als möglich ihre Ware loswerden, da sie morgen nlchj^nach Tel-ÄYiy kommen kennen. Einige verkauften ihre Ware um ungewöhnlich billige Preise mit der Bemerkung, sie würden ohnehin demnächst in den Besitz jüdischen Geldes kommen. Auf dem ganzen Wege von Tel-Aviv bis Mikweh- Israel, der von Arabern besetzt war, war ein einzig e r Polizist zu sehen, was in einem schroffen Gegensatz zu den Tel-Aviver Verhältnissen stand, wo tagszuvor; etwa hundert friedlich marschierende unbewaffnete jüdische Jugendliche von drei Lastwagen mit bewaffneten Polizisten begleitet wurden. Diese eigentümliche und vielsagende Stellung der Polizei wird durch keine stilistischen Künste der Regierungsorgane hinwegkommentiert werden können. Der seitens der Regierung veröffentlichte Aufruf ist in außerordentlich milden Tönen gehalten, spricht von der „Unparteilichkeit der Polizei" und deren Entschluß, sich „für keine der streitenden Parteien im einzelnen einzusetzen". Noch milder sprach der Oberkommissär mit der arabischen Delegation, die er empfangen hat. Die Delegation, unter der sich zweifelsohne Leute befunden haben, die an den Ereignissen in direkter oder indirekter Weise beteiligt waren, bekam vom Oberkommissär zu hören, daß solche Ereignisse eigentlich unerwünscht seien, und daß die Regierung nicht den Wunsch habe, sich strengerer Mittel zur Unterdrückung der Unruhen zu bedienen, weil sie damit rechne, die Delegationsmitglieder werden von selbst ihre Glaubensgenossen zur Ruhe ermahnen. Es ist nur verständlich, daß nach solchen Worten die Mitglieder der Delegation mit Forderungen herausrückten, statt ihre Aussagen als Beschuldigte machen zu müssen* Der Chef des Süddistrikts erklärte einer arabischen Delegation gegenüber, er habe zwar in seinem Besitze Be* weise, daß die Araber die Angreifenden waren, fügte aber1 bald hinzu, er möchte klarstellen, daß er persönlich daran noch nicht glaube. Diese Stellung der Regierung kann wohl als bis ans Tragische grenzender „Liberalismus" bezeichnet werden, der auf Rechnung jüdischen Blutes und jüdischer Hoffnung getrieben wird. Die Ereignisse zeigen mit grausamer Deutlichkeit* daß die Araber Palästinas glänzend bewaffnet sind. Hunderte von ihnen gehen mit Schußwaffen < einher, obwohl das Tragen von Waffen in Palästina strengstens untersagt ist. Es zeigt sich nochmals, daß die Araber von Zeit zu Zeit eine Protestbewegung gegen die vermeintliche Bewaffnung von Juden entfachen, um in dee Stille ihre eigenen Waffenlager zu füllen. Die transjordanische Grenze, vielleicht auch manche anderen Grenzen, stehen ihnen zu diesem Zwecke offen. Schon jetzt ist es klar, daß die Araber ihre In-u. ausländische Hausbesitzer verwalten ihre WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei Dr. MA1R PA IS Wien I, Franz-Josefs-Kai 1, Tel. R21-5-30 wmmmmmMmm**ummmmmmmmmmmmmn*mmm \ Erstklassige Referenzen!

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