Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 555 (24.4.1936)
- Date
- 1936-04-24
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE NEUE Amt Nr. 555' vom 24. April 1936 im jfiäktks ieUstikk: ,j)k tystiwb Aufyefiiltct m „JüdUthen HuttuetheaUc" 0$ Die jüdische Einzeltragödie in Deutschland unter dem Hakenkreuz, gleichzeitig Kollektiverlebnis von 600.000 Juden, die an die Macht sittlicher Grundsätze im Leben der Gesellschaft und der Völker glaubten, kann wohl Anlaß auch d r a m atisc h e n Geschehens werden. Im Theaterjargon, im Bereich des Literatentums sagt man: Der Stoff schreit ■•lach der Bühne oder ..es liegt in der Luft". Aber solch eine heikle, die Tiefen der menschlichen Seele berührende Erscheinung in eine Form pressen, die der Größe des Gegenstandes gerecht wird, ohne sich in Hysterie und Ohnmacht und schließlich aktuelle Niederungen zu verlieren — dazu gehört ein fester, auch dichterisch fester Charakter. Das Wiener ,J üdische Kulturthe at e r", auf der Wacht seines eigenen Werdens, tat gut daran, e i n Schicksal aus 600.000, also „Die Grenze", in seinen Spielplan aufzunehmen, als Zeitstück und als Theaterstück. Hier schneiden sieh die Sphären. „Die Grenze" — Jas ist geographisc h das Gebiet, wo zwei Territorien unhomogener Substanz zusammenstoßen und sich voneinander trennen; intellektuell das Ufer, an dem zwei Weltanschauungen nicht ineinanderfließen können-, metaphysisch eine T r aumlinie, sonst nichts. Der Titel trägt auch ein Stück Symbolkraft in sich, die jeder der Gestalten Halt gebietet. * Wer die Geschehnisse in Deutschland aus der Tagespresse kennt, weiß, um was es geht (so nebenbei geht): Ausschaltung . der Juden und der Judenstämmlinge aus dem deutschen Volksbereich durch Augenblick sie sich aufrichtet. Unter solchem Aspekt gewinnt das Stück auch — trotz gedanklichen Sprüngen und Rissen — philosophischen Werl. * Der Erfolg war groß über alle Maßen. Der erste uneingeschränkte Erfolg des Jüdischen Kulturtheaters. Das Ensemble brachte Ensemble-Kunst; gedämpftes Sailenspiel; stilstark: in der Regie voll Verständnis für Unaussprechliches; Niveau. Walter Steiner, dem Regisseur, gebührt volles Lob für das Geschaffene. Die Darstellung: der alte Lepi Leist (Rudolf Müller) bei aller Einfachheil packend; Marcel Lerner aufwühlend; das Ehepaar Dr. Leist (Rudolf Weiß und Alice Koch, die bewährten Stützen), reif bis in die subtilsten Pausen hinein; Silvia Grohs als halbarisches Mädchen wie der FrüJding duftend, voll natürlichen Talents; Fritz Links in der Rolle des arischen Dr. Strobl eine feine Mischung von Ironie, Ernst und „Ueber-den- Dingen-Stehen", echt ohne Inanspruchnahme der Routine; Ruth W alt er, eine symbolische Ballin- Witwe, in einer Episode auffallend. Also ein Erfolg. Banal gesagt: ein Schlager. Kultivierter (wie es einem Kullurtheater ziemt) gesagt: der .Zeit ihre Reverenz. Jetzt oder nie! Die Juden sollen kommen. So rasch und so viel'wie möglich. Bagatellisieren — das wäre eine Schande, o. r. * Als Autoren zeichnen Motten Cederlund und- Niels Dahlberg. Die Uebersetzung besorgte Albert G a n z e r t, das Bühnenbild Oskar Fischer. Tl lf*MI-IAI IQ TADAkf bringt wieder das NEUESTE l UvnnMUO I ^nBA\r\ VV'tTa «T!T» administrative und durch privat-barbarische Maßnahmen, schließlich also um Diffamierung alles dessen, -was vom Juden, vom „N ichtarier", kommt. Im besonderen: Tierarzt Dr. Leist, mit der Arier in Christa .verheiratet, verliert als Jude seinen Posten, Sein Junge Jochen, der Judenstämmling, wird in der Schule geächtet, hinausgeworfen aus dem Kreis .^seiner Kollegen. Dein jüdischen . Großvater, .mit dem Vornamen Levi behaftet, anerkannt als Förderer des Städtchens, wo er seinen groß gewordenen Betrieb teilet, haftet man den Verdacht, Diebstahl begangen zu. haben, an,,um ihn durch Diffamierung zum Aufgeben seiner Position zu zwingen. In diesen Familienraum fügt sich harmonisch der Schriftsteller Dr. Strobl, Arier von Geblüt, Freund der jüdischen Familie. Um ihrem Kind eine Zukunftsmöglichkeit zu sichern, wünscht Frau Christa, daß Dr. Strobl, ihr platonischer Freund, die Vaterschaft Jochens auf sich nehme. Dr. Leist, der jüdische Gatte, in den Plan eingeweiht, steht solch unmenschlichem Muß fassungslos gegenüber. Seine Verzweiflung ist der Beginn der inneren Tragödie, die mit dem Zusammenbruch Christas, der Verhaftung des Dr. Strobl durch die Gestapo und des außer Rand und Band geratenen Jochen endet, während sich der Alte, Großvater Leist, der weise Räsonneur des Stückes, 'eine Art Nathan der Weise, in seinen geliebten Heimatsort begibt, um dort zu sterben. Geächtet, besudelt, entwurzelt, haben die Menschen der „Grenze" keinen Haß gegen das „neue" Deutschland. Sie, denen das Deutschland von gestern Heimat war, sie, die sich für emig von „treudeutscher" Schicksalsgemeinschaft umschlossen gefühlt haben, wollen das Letzte, Allerletzte, den grausigen Schiffbruch nicht wahrhaben. Die Grenze ihres Glaubens verschiebt sich. Die Grenze ist hart, unbarmherzig. Die Grenze? Es gibt keine. Der Schmerz um die begrabenen Gefühle, um die Liebe und den Stolz ist grenzenlos wie die Schmach, die den Enttäuschten zuteil geworden ist. Eine Frage schließlich an das All: Wielange noch? Es ist die alle jüdische Frage, die das Schicksal auch die deutschen Juden zu stellen gezwungen hat. * Die dänischen Autoren dieses Zeitstückes haben behutsam, fast mit übertriebener Zurückhaltung, die Mosaikstückchen des „Unfaßbaren im Hakenkreuz- Deutschland" zusammengetragen; mit einer Objektivität, die ihnen der Respekt vor dem Judenschick' sal aufgezwungen hat; mit einer pastellzarten Schummrigkeit, die das aktuelle Geschehen zu überzeitlichem Begreifen steigert. Es ist schwer, sich sagen zu müssen: Alles ist aus, zu Endel Gehen wir ins Leere... Der eine, der Junge (er sagt es selbst), findet die Wege verstellt; der zweite, der Vater, hat sich durch die Taufe und Mischehe den Eintritt in die nicht jüdische, deutsche, arische Gemeinschaft erschleichen wollen; der dritte, der Großvater mit dem Vornamen Ijsoh kehrt zujp, Stau^^urilc}:^,, Für alle §ibi e$ eino^Tßtizer Mam-fi^^müi^Tiicht^in roelchem Das Vermögen polnischer Juden in Deutschland Aus Warschau (J. T. A.): In den letzten Tagen verhandeln Vertreter der polnischen und der deutschen Regierung über die Bedingungen,;. unter denen die deutsche Regierung ihre Million enschu 1 d...für den Transport deutscher. Waren auf polnischen Zügen über polnisches;. Territorium an Poäeji zu begleichen hätte. 2x2 »8 zwar nicht nach-Adam Riese, aber nach Möbel-Winter, VIII, Stadtbahnviadukt 23«. bei LerchenfelderstraQe-QQrtel.denn jeder Schilling hat bei uns den doppelten Wert. Die polnische Regierung hat bei diesen* Verhandlungen der deutschen Regierung auch einen Plan unterbreitet,-der den Transfer von Kapital aus Deutschland nach Polen, welches in Deutschland iwoihhbaften Juden polnischer Staatsangehörigkeit gehört, vorsieht. Der Plan sieht vor) daß die in Deutschland lebenden polnischen Juden, die ihren Besitz zu liquidieren gezwungen sind, die erzielten Barbeträge bei der Reichs- Bruder Goldbirs GANZ ERSTKLASSIGE HERRENSCHNEIDER Wien I, Welhburgg. 9 Tel. R-29-4-16 (Mezzanin) bank auf das Konto der polnischen Regierung einzahlen, wofür sie von der Reichsbank Quittungen erhalten, die dann bei der polnischen Regierung in polnischer Währung oder Staatsobligationen ausgezahlt werden. Auf Grund dieses Arrangements würde eine große Zahl polnischer Juden im Reich dn der Lage sein, in Deutschland eingefrorenes Kapital mit wenig Verlust und ohne die Schwierigkeiten, die Deutschlands Währungsexportbestimmungen mit sich bringen, freizubekommen. re^kf a ffnlhmavii «ckr koiinoassi -I die IiuineiBayr mechtenstbinstrasse) ■ | EINKELLNER-SYSTEM__BILLIGE PREISE | Eröffnung des I« fudenstaaClerischen §tadf.Kibbuz Donnerstag, den 16. April» fand die Eröffnung des 1. Stadt-Kibbuz des Hechaluz Haleumi statt, an der gegen 150 geladene Gäste teilnahmen. Der Stadt-Kibbuz befindet eich Wien, IL, Rotensterngasse 12. In großen, lichten,' sehr zweckmäßig adoptierten Räumen führen die jungen Menschen eine eigene Wirtschaft. Der Obmann des Hechaluz Haleumi, Theodor Grubner, begrüßte u. a. den Präsidenten des Verbandes der Judenstaatszionisten, Herrn Oberbaurat Stricker, Herrn Rabbiner Dr. Kaminka, in Vertretung der Fürsorgezentrale der Israel. Kultusgemeinde, Herrn Dr. Nahum Blauer, Herrn Kultusvorsteher Ing. Buchbinder und Herrn Dr. Grün. „Für den Anfang wurden 20 junge Burachen und Mädchen im Kibbuz untergebracht, die produktiven Beruf szweigen zugeführt werde/i. In der nächsten Zeit sollen eigene Fachkurse, u. a. ein Kurs für Schlosser (Männer) und ein Kurs für Näherinnen (Mädchen) eingerichtet werden. Einen besonderen Raum rWird die zionistische Erziehung einnehmen. Es werden Kurse für zionistische Geschichte und Hebräischkurse abgehalten werden. Abweichend von schlechten Beispielen, welche von anderen Organisationen .gegeben wurden, soll, hier eine beruflich und geistige Umschichtung der jüdischen Jugend erfolgen. Dieser Stadt-Kibbuz soll auch in religiöser Hinsicht-beispielgebend sein. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Oesterreich: Katharina die Letzte — Singende Jugend. Palästina: Land der Verheißung — Luzerncr Kongreß. Frankreich: Die klugen Frauen — Blutsbrüder. 1918 — Schwarze Augen — Die Liebesgasse von Marokko — Ksur. — Prinzessin Tam-Tam. England: Gespenst auf Reisen. Italien: Lorenzino di Medici.. Amerika: Dr. Sokrates — Charlie Chans Geheimnis — Stürme der Jugend — Casino de Paris — Der schwarze EngGl Captain Blood — Wiischeikopf — Die neue Zeit — Anna Karenina — E3 geschah in einer Nacht — David Copperfield — Zeig' kein Erbarmen — Spezialagent — Oberarzt Dr. Monet — Schwarze Fahnen über China' — Schuld und Sühne — Desire — Wir sind vom schottischen Infanterieregiment — Ekrasibkolorine — Broadway; Melodie 1936 — Top Hat — Die Milchstraße — Verbrecherhände — Liftboy Nr. 14 — Die Welt in 100 Jahren. Filme unter Arierparagraph Der König lächelt, Paris lacht — Die letzte Gala- Vorstellung im Zirkus Barszony — Im Trommelfeuer der Westfront. Die selige Exzellenz — Ich hab' mein Herz In Budapest verloren — Krach im Hinterhaus — Fährmann Maria — Madame will nicht heiraten — Der ahnungslose Engel — Die weiße Frau des Maharadscha — Heißes Blut — Stützen der Gesellschaft — Michael Strogoff, der Kurler des Zaren — Die Leuchter des Kaisers — Der zuletzt küßt — Rendezvous in Wien — Donogoo Tonka -- Der Favorit der Kaiserin — Mädchenjahre einer Königin — Liebe fängt beim Walzer an — Rendezvous in Wien — Kirschen in Nachbars Garten — Ich sehne mich nach dir — ... und es flüstert die Liebe. Von neuen Filmen „Top Hat" im Apollo. Der R. K. O.-Radio-Film „Top Hat'« mit Ginger Rogers, Fred Astaire und Eduard Everett Horton, Musik von Irving Berlin, ist nach seiner erfolgreichen Uraufführung täglich im Apollo zu sehen. Der Film wird in seiner engl Hachen Originalfassung mit deutschen Fußtexten gezeigt. Heute: Harold-Lloyd-Fremiere im Schweden-Kino. Im, Schweden-Kino startet heute ein Programm, das ganz auf Heiterkeit gestellt ist. Zur Aufführung gelangt das Paramount-Lustsplel „Die Milchstraß e", dessen Hauptrolle von dem amerika^ nischen Komiker Harold Lloyd, der ja schon in der Stummfilm* zeit einer der populärsten Komiker der Welt war, gespielt wird- Adolphe Menjou und Helen Mack sind neben Harold Lloyd in den Hauptrollen beschäftigt. „Wenn ich Rothschild wär"' — Harry Baurs erstes .Lust* spiel. Harry Baur, der unvergeßliche Darsteller des David Golder und anderer tragischer Gestalten, versucht sich in dem Fllma „Wenn ich Rothschild wär'" 2um erstenmal in einem Lust« s p i e 1 und beweist auch hier seine vollkommene Meisterschaft, wie es. nicht anders zu erwarten war. Ein armer Schlucker, der Rohtschild heißt, möchte-gar zu gern der Mann sein, der Uber Geld, Börse und Wirtschaft gebietet, wenn auch nur für ganz kurze Zeit. Durch einen blinden Zufall wird er für den wirklichen Rothschild gehalten und nun geschieht all das. was geschehen würde, wenn unsereiner für einen Tag Rothschild. wär' . . Dieses Harry-Baur-Lifstspiel gelangt bereits am 1. Mai in ,den Wiener Kinos zur Erstaufführung. ii \:<* „Park-Hotel." Die schönste Amerikanerin wird gesucht, wird endlich gefunden und — existiert gar nicht, Reporter und Photographen unternehmen halsbrecherische Abenteuer, um endlich der Frau habhaft zu werden, von der ein ganzer Kontinent schwärmt, und die Schönheit, nur eine Trick-Photographie. bleibt unauffindbar, bis endlich als ihre Verkörperung ein Hotel-Stubenmädchen auftaucht. In diesem Lustspie! spielt Marion Da vi es die Hauptrolle, Dick Powell, Pat O'Brien. Mary Astor und Frank M c H u g h sind Ihre Partner. Der Film wird heut© durch die Warner Bros, im Burg-Kino zur Aufführung gebracht. Freitag: „Broadway Melodie 193«." Freitag findet im Onem-, Stafa- und Votivpark-Kino die Uraufführung des Metro- Films „Broadway Melodie 1 9 3 fi" statt, in dem bekanntlich Eleanor P o w e 11 die Hauptrolle spielt. Regie: Roy del Ruth, gegen arabische TJeberfälle in Palästina am Dienstag, den 28. d. M„ halb 9 Uhr abends, im Hotel Continental, II., Taborstraße 8. Es sprechen: Dr. Wolf gang v. Weisl; Dr. E. Schächter, der am Versammlungstage aus Palästina zurückkehrt; Dr. Lachmann; Dr. Willy Perl. Wegen religiöser Zeremonien Beginn pünktlich halb 9 Uhr. Arabische Union AUs Jerusalem: Nach langen Verhandlungen wurde jetzt ein Freundachaftsabkommen zwischen Irak und König I b n Saud geschlossen. Nach diesem Abkommen werden die Zollgrenzen sowie die Paßbeschränkurfgen im Verkehr zwischen den beiden Ländern beseitigt. Die beiden Staaten verpflichten sich ferner zu gegenseitiger Hilfe im Falle eines Angriffs auf eines der beiden Länder. Das Abkommen sieht ferner eine Vereinheitlichung des Schuiprogramms vor, . ... Es wurde nach einer langen Zeit von Feindschaft zwischen den beiden arabischen Staaten geschlossen und konnte nur durch die Vermittlung Englands Zustandekommen, das mitgeholfen hat, die Streitpunkte zwischen den beiden Regierungen zu beseitigen. Wie noch gemeldet wird, hat sich auch der König von Jemen, der vor kurzem von Ibn Saud besiegt wurde, diesem Abkommen angeschlossen. (Palcor.) Aus der Hasmonäerzejt Aus Jerusalem (Palcor): In der Gegend von Jericho stießen arabische Arbeiter bei der Anlage eines neuen Orangengartens• auf ein altes Mosaik, das eine alt hebräische Inschrift und eine Zeichnung aufweist, die eine siebenarmige Menorah, eine Dattelpalme und einen Schofar darstellt. Das Mosaik : stammt aus der Hasmonäerzeit. Von der palästinensischen Industrie > Aus Jerusalem (J. T. A.): Im Jahre IboJ wurden für Industriezwecke Maschinen im Werte von "Uber 487.000 Pfund importiert. Im Jahre 1934 stieg der W: t der importierten Maschinen um mehr als 100 Prozent auf ,967.000 Pfund. Eine kleine Steigerung hat die Einfuhr im Jahre 1935 auf rund 992,000 Pfund erfahren,