Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 555 (24.4.1936)
- Date
- 1936-04-24
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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?Fr. 353 vom 24. April 1936 DIE WELT Seite T Tunktier tiultäewkw Notim von einer Reite Riga, di& HauplsUdt Uttlands, hat sich letztens zum ö'iteo verändert: Es ist dort grau, öde ~- ol» Vw* gnügen. Noch vor kurzer Zeit, vor dem faschistischen Putsch vom 10. Mai 1934, gings dort lustig zu. Man war fast bei einer national-personelle» Autonomie der Minderheiten angelangt. fDorl heißen sie ^Mijutim). Mijutim* Theater, Mijutim-Schulen wurden von der Regierung subventioniert. Schauspieler kamen, Schriftsteller bereuten das kand, ep gab Gastspiele, kursum. ein Kunst- und Kulturtreiben. Jetat ist all das abgewischt, weggeschwemmt, wie nach einer Sintflut. Jetst ist ep dort- »tili, ruhig, wt* au/ einem Friedhof — köstlich. Drei Sprachen herrschten dort offiziell; Lettisch, Deutsch, Huwiwh. Jetzt wurden awei Sprachen kassiert: Deutsch und Russisch. Nur Lettisch ist geblieben, und *». geht die Mar, daß dort die einzige herrschende Sprach« ist.: die stummo Sprache. Wenn du einen kattläuder auf der Straße nicht auf keltisch fragst, bekommst du keine Antwort. Pje einzige Sprache, durch die du dich verstandigen kannst, ist die Ptumme Sprache. Von allen .jüdischen Autonomien, Bewegungen und Verbänden ist bloß eine mit dem Leben davongekommen — die Aguda. Ob sie lebt, die liebe Aguda, ob sio vegetiert, das weiß ich. nicht, Aber wenn man le.bt oder vegetiert, muß man doch ein Organ haben. Und ps vegetiert auch wirklich bei der Aguda eine Zeitimg mit dem Namen „Hajnt". Da ich nun ein Journalist bin und es einen Journalisten zu einer Redaktion sieht, wie die Katzo *ur Milch, ging ich hin und mau nalim mich dort auf wie einen Menschen von der gleichen Branche: „Leitung»* zunft". Ich wußte anfänglich nicht, ob ich den Hut abnehmen soll oder nicht, zumal sich da Menschen mit und ohrje. Kopfbedeckung herumtrieben. Parum nahm ich eine Abstimmung unter denen „mit" und „ohne" vor, und da dift. 2ahl der Hutlosen überwog, wagte ich es und nahm den Hut ab. D«r Chefredakteur, ein Aguda* Abgeordneter namens Wittenberg, war nicht anwesend, weshalb mich der faktische Redakteur, ein junger Man» in einer Sohildkappc, mit dem Gesicht, eines mch«u „Pp.hwjegersobns auf Kost", "ein gewesener./»vMajui aus dem Publikum", heute selbst Redakteur, aufnahm- HJr setzte sich in Positur um mich zu Interviewen, .. Was können Sie uns -fUr unser Blatt erzählen,, dfl- Sie doch, wi,o, wir wissen,' " verschiedene' Staaten und" käjider besucht, haben?" „Soll ich Ihnen etwa, voa der bitteren Lage unserer Brüder in Deutschland erzählen? Ich bin dort gewesen, habe . die Verfolgungen, , die. Erniedrigungen, den Antiaemitipmufi, d^n. Faschismus gesehen." """ •' '„Fäs'chismua'?'"Oött soll'hüten .'"Wirkönnen darüber nicht.» veröffentlichen, da saust der Verdacht entstünde, daß wir?u verstehen geben, auch hier, bei oms ... Kr* mhlen «Sic uns lieber heitere Sachen. Von der jüdischen l/age io anderen Ländern." ' . „Gut. So will ich Urnen von Dänemark erzählen, Dänemark bat. eine sozialistische Regierung." .- „Was? Sozialismus? Nein, wen geht es an, daß e» in Dänemark eine sozialistische "Regierung gibt?" ••■/„•So werde ich Ihnen also erzählen, wie dort dis Arbeiter leben, die Profespionisten." . „Arbeiter,- Nicht-Arbeiter, nur von den jüdischen ProfessioniKten, mit Respekt su sagen ., „Pic Sozialversicherung in Dänemark ateht auf sehr hoher Stufe ..." „Schon wieder Soziallsmus ... fassen Sie das. Nichts für uns. Sie kennen wahrscheinlich unsere ideologische Kinsteilung nicht." „So werde ich Ihnen halt von Finnland erzählen." „Was hört man von Finnland?" „In Finnland machen sich letztens leider antisemitische Strömungen bemerkbar. Der Antisemitismus ..." S I, VVollzello 17 Telephon R-24- 3«'HS Vorstellungen: Vj8, 'AlÖ $Wä'ff¥r VI, Marlahilferstra&e 37 Telephon B-20.203 rieglnn: V<,tt, Vit, Vh9, %1Q stIfaV vii Mariahilf erstraOe 120 Telephon B,33rQ«68 Wochentags: S, 7, » Uli) VQXiV PARK IX, Währlnger§traße 12 Telephon A-18-3^6 Beginn: k, %6, VW,. MndttfflM mit RICARDO CORTCZ und VIRCIINIA BRM« Die Welt än 100 Jahren R! ÄiD^ \ÄFÄi^f .üiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniitii1 MELODIE 1936 «iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ „Nicht w brauchen- Wir dürfen ntahts von Antisemitismus, von Strömungen .bringen, man könnte uns verdächtigen, daß wir irgendwie anspielen ...". „Dann erzähle ich ihnen von den Juden in Schweden. Schon ein wenig heiterer -i. " „Wegen der Juden in Schweden? Bitte." „Schweden ist das demö-kratisebest* j/wd der Welt. Schweden ist . . ." „Bitte, lassen Sie die .Demokratie'. Ich bitte Sie, nur keine .Demokratie', Bn^hiefi Sie mir lieber von den jüdtsenen Oemeinschaften in' den Landern, die sie t*-- pucht haben ..." „Also von den Juden in Estland.' In Estland geht m den Juden nicht schlecht.1 Die estländische Regierung begegnet den Juden mk. größere Tolerans, die Juden haben dort volles Recht auf Arbeit, ßrot und Kultur." „Das taugt überhaupt,nicht für uns. Ks Ist bes&ar für uns. Toleranz, Recht,, Arbeit, Kultur u. dgl. nicht üu erwähnen. Es wäre nicht taktisch klug. J5» geht uns sehr gut, nebbich . . . Wir haben da gottseidank alles; Parnoase und; Menucbe, Erwerb und Ruhe-.,« aach entschuldigen Sie, der Seiifz.er.. ist mir nur so ausgerutscht ... denn bei uns gibt-p - ja nichts zum Seufzen .. uns Juden geht es da sehr , gut .... Wer uns beneiden will ... Ja, bei anedren.ist's, noch rgäer. ..." „Worüber wollen Sie noch etwas wissen? Ueber die Länder, die ich bereiste? -Ueberihre ökonomisch« Lage?" „Bitte, ohne Oekonomik- Sie sind imstande, uns gar von politischer Oekonomik zu erzählen. Gott bewahre .wenn die Juden: in diesen ■tänderb eine Existenz haben, desto besser. Aber bei'uns Hegt die Sache so: Gibt es irgendwo für. die .Juden E?j^tenj5moghchkeiten, können wir au,s.v.bestimmten Gründen darübern^cht •schreiben; geht es *ber dort schlecht, köuncn wir ebenfalls aus "im stimmten Gründen darüber nicht schreiben. Das ist unser Standpunkt.. „Nim, so werde ich' Ihnen von Dingen der Kultur erzählen." „Nur ohne Kultur, bitte.' „Vielleicht über unsere jüdische Sprache? Jüdische Bibliotheken? Jüdische Bücher?" ..Uninteressant. Was ist das für uns? Schund. Hat nichts mit unserer Bildung, mit unserer Weltanschauung" 7,u tun." „Vielleicht über Hebräisch?" „Hebräisch? Vielleicht gar über .Tarbuth'? Verzeihung." „Vielleicht Uber Schulen?" „Schulen? Was für Schulen?" „Schulen, wo man lernt." „Vielleicht auch über Zionismus? Entschuldige» Sie ... Ich frage Sie, wozu brauchen wir all diese. Pfng* vi wissen? ... Erzähle» Sie uns Heber von der jüdischen Lage. Sie sagen .Schulen', Meinetwegen. Erzählen Sie uns auch, wieviel Schulen und BeWi-Midraschim es in den skandinavischen Ländern gibt, wieviel Bethäuser •. •" „Entschuldigen Sie, dns'Velß ich nicht." „Sie wissen nicht? Schade? Wir hätten dem' einen großen Platz in der Zeitung eingeräumt. Morgen ist gerade Freitag, und Freitag bringen wir keine Theater- und Kino-Anzeigen. Aber bitte nicht zu viel zu erzählen, da wir noch Platz; für die Gebetzeiten und Lichterzünden brauchen. Dann haben wir morgen noch die Biographie eines Chasen zu bringen, der bei uns in der „Kalten Schul' vorbetet ... und ein KoJ^Kojre, der die Juden ins Bad ruft ... Nun genug. Schönen Dank für das interessante Interview . . . Gute Nacht!" Die Monistische Exekutive fordert U-000 Zertifikat* Aus Jerusalem;. Die Exekutive hat, wie hier verlautet, an die Regierung das Ersuchen gestellt, ihr 1 1.0 0 0 Einwanderer-. Zertifikate, für die Schedule des Halbjahres April-S«ptember 1936 zu bewilligen/... , w Scf)iffmanit.»s$5ms^; „©tQ&ei* Umfafe ffeiner 9to$ei fcejrmbei'8 guten unb preiswerten (Stnfauf verbürgt Wollstoffe; Reüivvöll'Tweeä iür Kleider, bunt geuoppt od. karitrt Rtinwöl *Me!äe für Kleid«r qn4;Pai.«iol8, 10Q br. . < Hahneritrict: 's 2'50 s3-50 'der'aktwVu^iletoisjqft, WO br. . . < S FiSChgrät: m &w aktuelUn Oam«ti' niamei, 140 frreit . . . ........S 5 .90 Seidenstoffe; Cripe>»Mongpl (K.»Selde), gute Klei- 4 $0 deiware, n6ue Farben . ........S | K.fS"cidcn^Charmcuse ^.75 ölreifmuster, klein« Fehler, 135 bfelt. § Crepe^Marocäin^liripriitie .K-S.). sonönc Muster, Od cm breit. . S K^Seiden^Epingle^imprime schwere Klaia^rware, 90 cm......S 4 .50 Alleinverkauf für Wien Mode1 Voile. entzück. 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