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Die neue Welt · 1936-04-21 · Heft 554 (21.4.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 554 (21.4.1936)
Date
1936-04-21
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite» WÄ JWütJ WÄLT Nf. 584 vom 2t April iöSfl VERBAND DER IUDENSTAATSZIONISTEN Sektion XIII -XV» SChanistraße Nr. 32 Dienstag, den 21. April, halb 9 Uhr abends VORTRAGSABEND ößettoüeot Hoßed Si w ITWVfPfFVW I V ¥ V w^W W^l hhwtrtfittütr w fWVf^ ^^wW*^ ^^^^^^▼^^^•r^F THEMA < AKTUELLE 1UPMSCHE FRAGEN Anreiz für den Eintritt in die Polizei bilden, besteht bei der Palästina-Verwaltung die Tendenz, die Juden aus dem Polizeiberuf (wie auch aus den änderen Verwaltungsstellen) auszuschließen. Der Mangel an jüdischen Polizisten macht sich überaus fühlbar. In Haifa kommt auf je 400 Einwohner 1 Polizist, in Tel-Aviv auf je 1200 Einwohner 1 Polizist In Tel-Aviv sind von insgesamt 120 Polizisten 70 Juden und 50 Engländer — ein krasses Mißverhältnis in der hundertprozentig jüdischen Stadt. Aber wir müssen unser Hauptaugenmerk auf die Tatsache lenken, daß die Palästina-Verwaltung in *Jer letzten Zeit den Wünschen der arabischen Hetznationalisten mit übertriebenem Wohlwollen entgegengenommen. Nicht nur in dem großen Problem des Gesetzgebenden Rates, der die Axaberfreundlichkeit der Palästina-Regierung krönen soll, sondern auch in den täglichen Notwendigkeiten werden die arabischen Elemente verwöhnt. So setzten diese beispielsweise durch, daß im palästinensischen Rundfunkprogramm das Wort „Erez Israel" nicht auftauchen und mit dem Monogramm „E. I." ersetzt werden müsse. So verbot vor einigen Tagen die Palästina-Regierung die Aufführung eines Stückes „Erez Hakodesch" durch das Nationalstudio in Tel-Aviv mit der Motivierung, daß der Name „Erez Hakodesch" (Das heilige Land) sowie die Verwendung des Namens „National" die Empfindungen eines Teiles der palästinensischen Bevölkerung verletzen könnte. Man staunt wahrlich über die Sensibilität der englischen Bürokratie gegenüber den arabischen Elementen! All die angeführten Fälle und insbesondere die geschüderten Zusammenstöße in Tel-Aviv sind ernste Symptome dafür, daß die Beamtenschaft der Palästina-Regierung kein Verständnis für das jüdische Werk und keinen Respekt vor den Verpflichtungen hat, die der Mandatarmacht auferlegt worden. Da solch eine Haltung die Araber in ihren antizionistischen Handlungen nur bestärkt, müssen die Zionisten an die englische Oeffentlichkeit mit ihren Rechtsforderungen herantreten und nötigenfalls die Freunde, die sie in der englischen politischen Welt besitzen, mobüisieren. Die Sicherheit der jüdischen Aufbauarbeit muß gewährleistet sein. Dem Zustand, daß das Leben der Pioniere durch arabische Terrorbanden gefährdet wird, muß ein Ende gemacht werden. Die Demonstrationen in Tel-Aviv waren nichts anderes als ein Ruf an England! RUNDSCHAU Arabische Ueberfälle Aus Jerusalem: Zwischen Anabta und Nur-el- Shams in der Nähe von Tulkarem wurden zehn Ausflugsautomobüen von arabischen Banditen angehalten. Zwei Juden aus Tel-Aviv, Joshua Naphta und Zvi Tanenberg, wurden verwundet; ein Moslem wurde getötet. Aus Damaskus: Am 15. April wurden in Damaskus fünf Juden auf der Straße von mit Dolchen bewaffneten Arabern angegriffen. Einer der Ueberfallenen wurde schwer verletzt und mußte ins Hospital überführt werden. »Ei LiwanoBeiiiht dementiert Aus Jerusalem (J. T. A.): Die Jüdische Telegraphen-Agentur wird von der Jewlsh Agency for Palcstbie offiziell informiert, daß der in dem Organ des Mufti von Jerusalem „El Llwa" am Montag erschienene Bericht, wonach Dr. Chaim Weizraann, der Präsident der Jewish Agency und der Zionistischen Weltorganisation, an High Commissioner Sir Arthur Wauchope einen Brief gerichtet habe, in dem er die Annahme dos Planes zur Errichtung eines Legislative Council in Palästina durch die Juden unter gewissen Bedingungen zusagt, jeder Grundlage entbehre. Wie die Jewish Agency der Jüdischen Telegraphen- Agentur weiter mitteilt«!, hat zwischen Dr. Weizman und dem High Commissioner über das Thema eines Legislative Council <!ini; Diskussion nicht stattgefunden. 10*000 Dunam für arabische Kolonisation Aus Je rasa lern (J. T. A.): Die Palästina- Regierung stellte 10.000 Dunam Boden in der Nähe von Jericho für arabische Kolonisation zur Verfügung. E» handelt sich um Staatsländereicn. Während die Araber bisnun viele hunderttausend Dunam von der Regierung zugewiesen erhielten, haben die Juden, deren Kolonisation zu fördern Pflicht der Regierung ist, bisher nichts erhalten. Eine ironische Antwort Als kürzlich der deutsche Re.ichsjUfltizmLnMer Dr. Hans Frank im Faschistischen Kulturinstitut (Rom) über „Gesetzgebung und Rechtsprechung des Nationalsozialismus" sprach, wurde er von der italienischen Presse mit einer Loyalität aufgenommen, die sich gegenüber einem Gast ziemt. Sogar der dilettantische Humbug, den er über das „Römische Recht41 von sich gab — er machte, um das heutige Italien nicht vor den Köpf zu stoßen, einen Unterschied zwischen dem „klassischen" und „scholastischen" römischen Recht (eine Unterscheidung, die dem Hakenkreuzler Frank vorbehalten blieb) —, wurde von den Italienern nicht zurückgewiesen. Nur der „Osservatore Romano", das Organ des Vatikans, lehnte diese aus List und Tücke zusammengesetzte Rechtsdeutung ab. Nichtsdestoweniger gab es bei dieser ernsten „wissenschaftlichen" Exkursion eines hitlerdeutschen Ministers eine Pikanterie. Ein Professor Morselli hielt eine Ansprache an den Gast, in der zuerst vom „nuovo Reich creato dal Führer" (vom neuen, vom Führer geschaffenen Reich) sprach, sich aber nicht enthalten konnte, gewisse Geister Deutschlands als Schöpfer des deutschen Ruhmes anzuführen, darunter Heinrich Heine und Professor Paul E h r 1 i c h, Männer also, die in Hitler-Deutschland zu nennen schon eine Gefahr bedeutet. Ob Herr Dr. Frank diese Ironie verstand, wissen wir nicht. Gewiß ist aber, daß das faschistische Italien im geistigen Bereich auch für Deutschland keinen Unterschied zwischen Ariern und Nichtariern macht. „Wir müssen mit Dankbarkeit dieser mächtigen deutschen Geister gedenken!" sagte Professor Morselli am Schluß seiner Ansprache. Ein wenig peinlich für den Vertreter des Dritten Reiches. Aber diese Herren haben bekanntlich eine dicke Haut. Der feine Spott in der Rede des Professors Morselli ist an dem Bärenhäuter Frank, der bekanntlich den Münchner Rechtsanwalt Dr. Richard Strauß im Konzentrationslager ermorden ließ, spurlos vorübergegangen. Man muß härter zustoßen, wenn man diese Herren treffen will. 2_gmx_ zwar nicht nach Adam Riese, aber nach *M mm SL Möbel-Winter, VIIi, Stad bahnvladukt 23, J& m £1 bei Le/chenfeldersiraOe-OOrtel, denn Jeder *wm Schilling hat bei uns den doppelten Wert. Christenverfolgung im Nahen Orient Wahrend ein großer,,Ueji dar. katholischen Presse der jüdischen Kolonisation in Palästina mißwollend gegenübersteht und in einer Front mit den Arabern gegen den Zionismus kämpft, spielen sich im Nahen Orient, also an der Schwelle Europas, Vorgänge ab, die diese Poütik in eigentümlichem Licht erscheinen lassen. Die Araber streben nicht mehr und weniger als die Ausrottung der Christen im allgemeinen und der Katholiken im besonderen an. Zur gleichen Zeit, da katholische Zeitungen und Politiker zugunsten der Araber gegen das „Vordringen" der Juden, die doch als zivilisierender Faktor gewiß zur Befriedung des Gebietes beigetragen haben, Stellung nehmen, schlachten Araber Christen ab. Eine Pariser katholische Korrespondenz veröffentlicht jetzt folgenden Greuelbericht aus dem arabischen Königreich Irak, dem östlichen Nachbarn Palästinas: „Aus Beirut kommen erschütternde Berichte über eine neue Christenverfolgung im Irak. Die Zeitung „L'Orient" veröffentlicht Dokumente und Zeugenaussagen über ein entsetzliches Blutbad im D j e b e 1 S i n d j a r, jenem unwegsamen Bergland im Norden des Mossülgebietes, in dessen unmittelbarer Nachbarschaft vor zwei Jahren die christlichen Assyrer niedergemetzelt wurden. Heute güt die Verfolgung den Jesiden, einem teils in Georgien, teils im Irak wohnenden uralten christlichen Volk semitischen Ursprungs. Die Jesiden, über die bisher wenig bekanntgeworden ist, scheinen diese Gegenden bereits seit den Zeiten der alten Assyrer und Babylonier zu bewohnen. Ihre Legenden und Traditionen behaupten, daß sie Nachkommen versprengter Angehöriger der zwölf Stämme Israels seien, die aus der babylonischen Gefangenschaft flüchteten. Zahlreiche Eigenheiten ihrer Gebräuche und religiösen Riten scheinen diese Annahme zu bestätigen, und auch der tatarische Forscher Essad Bei aus Baku erzählt in seinem interessanten Work „Zwölf Geheimnisse im Kaukasus", daß die kaukasischen Jesiden von den umwohnenden iberisch-grusinischen und tatarischen Völkerschaften als „wilde Jude n" bezeichnet würden. Während des Weltkrieges spielten die Jesiden eine ähnliche Rolle wie die christlichen Assyrer, Ncstorianer und Armenier, mit denen sie — die bereits seit Jahrhunderten den römisch-katholischen Glauben angenommen, jedoch gewisse altjüdischc Riten beibehalten haben — stets in freundnachbarlichea Beziehungen lebten. Zahlreiche Söhne ihres Volkes kämpften auf selten der Alliierten. Ihre Unabhängigkeitshoffnungen wurden jedoch grausam enttäuscht; der Süden ihres Landes wurde dem neugebildeten Araberreich Irak zugeschlagen, der Norden hingegen fiel, nach kurzer Freiheit innerhalb der Republik Georgien, 1921 in die Hände der Sowjets. Nachdem sich die Aufregung der christlichen Nationen über die Ausrottung und Vertreibung der christlichen Assyrer (die übrigen« imäie* noch vergeblich auf Zypern die Entscheidung des Völker« bundes Über ihr endgültiges Schicksal erwarten) einigermaßen gelegt hatte, glaubten fanatische Araber den Augenblick für die „Lösung der Juden frage" gekommen. In der Zeit vom November 1935 bis Jänner 1938 überfielen arabische Banden die Siedlungsgebiete der Jesiden und plünderten und verbrannten alle Häuser. Die Männer wurden abgeschlachtet, die Frauen und Kinder zusammen mit dem Vieh weggetrieben und auf den Sklavenmarkt in Bagdad und B a s r a gebracht. Mehrere jesidische Intellektuelle, die in Mossul wohnten, wurden unter der Anklage einer Ver» schwörung gegen die Irak-Regierung ins Gefängnis gesetzt und schließlich ohne jedes gerichtliche Verfahren hingerichtet. Darin bestand das Eingreifen der Regierung!" Die Korrespondenz fügt hinzu: Das alles spielte sich in einem uhter englischem Protektorat stehenden Staate vor den Augen des englischen Präsidenten ab. * Vom jüdischen Standpunkt aus erübrigt sich jeda weitere Bemerkung. Man muß nur fragen, wie es den Christen in Palästina ergehen könnte, wenn die jüdische Kolonisation das Land nicht zivüisieren und den Grad der Sicherheit ständig erhöhen würde. Die Hose In seinem Osterartikel, erschienen im „L'Oeuvre", schreibt der Lyoner Bürgermeister Edouard Herrlot: „Das diesjährige Osterfest gleicht eher dem ernsten jüdischen Gedenktag der gefährlichen Wüstenwandorung. Noch immer gibt es — welch eine Schande für die Menschheit! — noch immer gibt es Unglückliche, die* verjagt aus ihrem Lande durch das wieder lebendig gewordene Rassenvorurteil, in der Welt umherirren, auf der Suche nach einem Vaterland, wie einstmals, als man sie zwang, auf ihren Kleidern den gelben Fleck zu tragen. Und wir alle irren in der Wüste umher, auf der Suche nach dem versprochenen Lande, auf der Suche nach Frieden . . .', Am gleichen Tage liest man in einem deutschem Blatt in der „Fränkischen Tageszeitung", daß ein jueü* scher Viehhändler aus Hüttenbach zu sechs Wochen Ge* fängnis verurteilt worden sei. Warum? Weü er eine braune Hose getragen hatte. Ein Jude darf also in Deutschland heute nicht mehr braune/Hosen tragen. Ich gebe zu, daß ich beim Lesen dieses Gerichts* Urteils erschrak und mir bestürzt überlegte, daß auch ich — würde ich in Deutschland leben — mich jetzt sicher* lieh im Gefängnis befände. Vielleicht für zwölf Wochen —i denn ich besitze zwei braune Hosen. Die Mörder Röhms und Schleichers, die zugleich die Mörder so vieler jüdischer Gefangener in den Konzentrationslagern sind, haben durch ein Amtsgericht der Welt erklärt: Wehe dem Juden, der sich in einer braunen Hose blicken läßt! Den Nürnberger Gesetzen kann ein' neuer Paragraph angehängt werden: „Juden ist das Tragen von Kleidungsstücken^ die aus braunen Stoffen hergestellt sind, bei Gefängnisstrafe verboten. Im Wiederholungsfalle verfallen sie eventuell der Todesstrafe." Carl Sternheim, ein bedeutender deutscher Dra« matiker, der bissige Stücke gegen das hohle Bürgerleben schrieb, zeichnete mit vielbelachten karikaturistischen Szenen deutsche Spießbürger in seiner oft gespielten Komödie „Die Hose". Es handelte sich damals vor vielen Jahren nicht um eine braune, aber auch schon um eine deutsche Hose. Und war es bei der Sternheimsohen „Hose" zum Lachen, so ist es jetzt bei der „braunen" zum Weinen. Das Stück, das von Hitler verfaßt wurde, ist eine Tragödie, und zu viel echtes Blut und vorzweifelte Tränen begleiten die verbrecherischen Handlungen auf dieser Riesen bühne, auf der sich heute das Trauerspiel „Das Dritte Reich" abspielt. Zwei Osterstimmen, die uns angehen: „Welch eine Schande für die Menschheit!" so kommentiert der Franzose Herriot den Antisemitismus Hitlers. „Juden ist das Tragen von braunen Hosen verboten!" schallt es aus Deutschland heraus! H.W.K. (Lyon). Hakenkreuz-Propaganda in Belgien Aus Antwerpen: Die Pressekampagne, die gegen die Juden in Belgien in der letzten Zelt in schärferer Weise b«triebcu wird, hat zu bisher in Autworpea uu gewohnten an tisemi tische« Vorfällen geführt. So tauchen in den letzton Tagen Banden von 30 bis 40 Jugendlich e n, mit G U m ra I k n ü 11 o 1 bewaffnet, in verschiedene!! Straßen von Antworpou auf, beschimpfen und seh läge u jüdische Passanten und verschwinden, sobald die Polizei erscheint. In der Nähe des Zeutralbahnhofes ^vurde vor einigen Tagen eine Anzahl Juden auf diese W«ise belästigt. Einer der jugendlichen Angreifer war sogar mit einem großen Messer bewaffnet, das ihm zum Glück entwunden werden konnte, ehe er damit Unhell anrichtete. Die Judenhetzo wird von der flämischen Separatistenpartei Dinaso und der sogenannten „Legion" betrieben. Es ist allgemein bekannt, daß all diese B ewegungen von Deutschland au s f i n an zl «rtf werden«

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