Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 554 (21.4.1936)
- Date
- 1936-04-21
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis 10 Groschen Dstnsfags den £1« April l#36 10 Jahrgang Nr« SS4 V. b* b* Zeitung vom Verleger versendet „Jotira&l expM16 par l'Mlteur" REVU HERAUSGEBER: TROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNÖEN: Oesterreich monatlich S 1.40. vierteljährig S 4.—, ganzjährig $ 16.—; Polen monatlich Zloty 1.60, vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jtigoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Bumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 80.—, vierteljährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5.—. vierteljährig Lire 14.—; Sehwels und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60, vierteljährig Schweizer Francs 4.60. Mit EJ bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh. Redaktion U.Verwaltung: IX, Universitätsstr.8, Tel. A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u.Freitag JUMDt.Ammd Hamuka liest MiHwoch, den 22. April, halb 9 Uhr abends, Im Helm der Judensfaafszlonlsfeh, I, Werderforgasse 14, aus dem Manuskript seines historischen Dramas „Köllig Afchflb" Berlin und Moskau schüren in Palästina Die Meldungen über die jüngsten Vorfälle in Palästina zwingen wiederum zu zwei Feststellungen. Die eine besagt, daß Hitler-Deutschlands Propaganda unter den Arabern Fuß gefaßt hat und sich vornehmlich in Ueberfallen auf Juden überall im Lande auswirkt. Bekanntlich hat gleich nach Installierung des nationalsozialistischen Regimes in Deutschland der Reichsinnenminister Doktor Frick die Partei des Größmufti von Jerusalem mit Geldmitteln unterstützt und die Hetzagitation ermöglicht, der bereits zahlreiche jüdische Bürger Palästinas zum Opfer gefallen sind. Hitlers „Mein Kampf" wird trotz des Protestes der Juden (hauptsächlich in <'arabischer Sprache) unter den mohammedanischen- Massen verbreitet, hakenkreuzlerische Flugzettel dringen bis in d&VZelte der Beduinen', und jetzt soll sogar ein Naziorgan in Jerusalem erscheinen. .Die'zweite Feststellung - betriff t Söwjetr u ß l a nd, das seine umstürzlerischen Pläne im Vorderen Orientr noch immer nicht aufgegeben hat. Die kleine Gruppe palästinensischer kommuriisten versteht ■ es, Sich >den Anschein stärkster Aktivität und mächtigen Einflusses zu geben. Nach einer Londoner Meldung hat . die englische Polizei kürzlich in Palästina eine umfangreiche kommunistische Organisation entdeckt, der a u s s c h 1 i e ß 1 i c h A i a b e r angehören. Diese stehen. in engem Kontakt mit der Komintern (Kommunistische Internationale), welche die palästinensische Expositur mit großen Geldmitteln finanziert. Fünf geheime Zeitschriften in arabischer Sprache wurden herausgegeben. c Die Palästina-Regierung hat in ihrer antizionistischen Einstellung bisher weder nach der einen noch nach der anderen Seite genug Energie bewiesen. Die Situation bedarf raschest der Klärung, sonst werden der Mandatsmacht die schlimmen Dinge über den Kopf wachsen- Es gibt nur eine Möglichkeit, den Hetzern den Boden zu entziehen: Das ist Verständnis für die jüdische Aufbauarbeit und jüdischenglische. Zusammenarbeit in der Abwehr schädlicher Agitationen. Der Versuch, die Juden als Natives zu behandeln, muß sich früher oder später an der Palästina-Bürokratie rächen. Nach der Trauerfeier 1 Aus Tel-Aviv erfahren wir über die Demonstration der Teilnehmer am Begräbnis des Salonikier Einwanderers Israel <Chasan noch folgende Details: Auf dem jüdischen Friedhof fand anschließend an das Begräbniszeremoniell eine Trauerfeier statt. Bs bildete: sich eine große Ansammlung von Juden, welche zur großen Synagoge strömten. Der Zug. verwandelte sich in eine riesige Demonstration. Bei der Synagoge hielt, ein"' jugendlicher Freund des ermordeten Chasan eine Ansprache an die versammelte Menge und' forderte sie auf, nach Jaffa' zu ziehen. Von der Synagoge bewegte sich der Zug in der Richtung zum Rathaus. Vom Balkon des Rathauses forderten der Vizeburgermeister Ing. Rokeach und' ein Mitglied des Stadtpräsidiums die Menge auf, auseinanderzugehen und Ruhe und Ordnung zu wahren. Die beiden, Mitglieder der Stadtverwaltung versprachen der M$nge, bei der Regierung wegen der Banditenüberfälle vorstellig zu werden und den nötigen Schutz für jüdisches Leben und Eigentum zu fordern. ' „Nichts wird uns", erklärte Rokeach, „daran hindern, das jüdische Nationalheim in Erez Israel aufzubauen." Hievauf richtete die Polizei die Aufforderung an die Menge, sich zu zerstreuen. Gewaltige Unruhe entstand. Es fielen Steine. Die Polizei schoß und verletzte eine große Anzahl von Juden. Nach diesem Vorfall wurde eüje , größer© Abteilung n i c h t j ü d i s c h e r Polizei Schwere Zusammenstoße in Jaffa und Tel*Aviv Aus Jerusalem nleldei; Tel.Comp, unter dem 20. April: Gestern, Sonntag, den 19. April, haben neue Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden zu einer förmlichen Schlacht zwischen Jaffa und T e 1 - A v i v und zum Eingreifen englischer Truppen geführt. Zugleich mit dem Einmarsch einer schottischen Kompagnie in Jaffa wurde in dieser Stadt sowie in Tel-Aviv der Belagerungszustand ausgerufen. Sämtliche Läden in Tel-Aviv sind geschlossen. Bei den Zusammenstößen wurden neun Juden und drei Araber getötet. Außerdem erlitten 40 Juden und 15 Araber schwere Verletzungen. Die Polizei griff zuerst mit dem Gummiknüppel ein und machte dann von der Schußwaffe Gebrauch. Die drei getöteten Araber wurden von englischen Polizisten erschossen. Unter den jüdischen Verletzten befinden sich mehrere Frauen. Ein Ruf an England Palästina hat nach kurzer Zeit die wirtschaftliche Stagnation, die fälschlich Krise genannt. wurde, überwunden. Man ist wieder zuversichtlich geworden, man arbeitet in. normalem Tempo, das Vertrauen zur wirtschaftlichen Entwicklung' ist unerschüttert. Es geht vorwärts. /. .Gleichzeitig aber ' werden Anzeichen bemerkbar, die nichts Gutes aJmen-jassen:; Symptome innerer Spannungen,, aggre.ssXve'7 Tendenzen auf arabischer Seite, .Man, weiß heute bereits, daß die palästmensische .Beamtenschaft den jüdischen. Bestrebungen nicht, i^r^tig. .gesinnt, igt!.jq^dösax. daß; sie ..arAbiafchen Umtoben und; in den Kreisen der arabischen Chauvinisten (unter Führung des berüchtigten Großmufti von Jerusalem) die Hoffnung, groß werden ließ, sich ungestraft Böses erlauben zu dürfen. In; bezug also auf die Sicherheit im Lande, hat man . keinen Grund zu Optimismus. Soeben wird aus Jerusalem gemeldet: „Bei Zusammenstößen zwischen englischen Polizisten und jüdischen Demonstranten in Tel-Aviv wurden zahlreiche Demonstranten verwundet. Die Zusammenstöße ereigneten sich im Anschluß andie Beerdigung eines aus Griechenland stammenden jüdischen Einwanderers, der vor einigen Tagen von Arabern bei Nablus überfallen und ermordet worden war. Nach Ansicht der jüdischen Bevölkerung hatte die Polizei bei den Recherchen der Mordtat nicht genügend Energie und Umsicht an den Tag gelegt, so daß die arabischen Mörder nicht eruiert werden konnten. Während des Begräbnisses wurden Flugblätter Verteilt, in denen die Polizei wegen ihrer lässigen Haltung angegriffen und der Rücktritt des. Oberkommissärs Wauchope gefordert wurde. Es kam auch zu Zusammenstößen mit Arabern. Die Polizei, die zuerst mit Gummiknütteln gegen die Zusammenrottungen vorging, griff angesichts der Ueberroacht der Demonstranten . zur, ■Waffe." ' /.>';,/; -; . ■ Diese Meldung ist nur verständlich, wenn man die Methoden'der Palästina-Verwaltung kennt. Während der langen Reihe arabischer Mordtaten gegen Juden, dife schon -^hl«iche3pfe£-kostete.n,■--gelang' es .der Polizei nur* Sehr selten, der Täter; habhaft zu werden. Die Untersuchungen wurden äußerst mangelhaft geführt, zudem mit .einer gewissen Nachlässigkeit gegenüber den Arabern, die einen feinen Instinkt für die Mentalität der englischen Bürokratie in Palästina besitzen. Man erinnere;sich\. an die Ermordung Dr. Chaim Arlosoroffs,. beziehungsweise an die Stawsky-Affäre, wo die Polizei;— nur um endlich, mit einem kriminalistischen .Erfolg aufwarten zu können — aufs Geratewohl (und'mit-wohlwollender Zustimmung: der Histadruth-Leute) zwei patriotische" Zionisten aufgriff und ihnen d£n Prozeß machte, um diese allerdings nach ', einer schmählichen Blamage wieder freilassen zu müssen. Die Zalü der arabischen Morde an Juden vergrößert sich. Und immer wieder heißt es in den polizeilichen Meldungen: „Unbekannte Täter . . ." Es ist aber auch notwendig, einen Blick auf die palästinensische Polizei zu werfen. Nach den ' neuesten Statistiken befinden sich, wie die J. T. A. meldet, in der aus 3Ö00 Mann bestehenden palästinensischen .Polizei 400 Juden, weiters 800 Engländer und — 1$Q0 Araber! Jetzt wird man manches verstehen. Abgesehen davon, daß die niedrigen Gagen, keinen Zur Levante-Messe noch Palästina Nie wiederkehrende Gelegenheit, billig zu fahren! Besondere Ermäßigungen und Begünsti?ungen, auch bei der Visaerlatißung. Näheres bei Dr. S. Tocker, IX, Hechtenstelnstr. 2, Tel. A-14-504, Reisebüro „In die Welt1' (W.M.Renner). alarmiert, welche in voller Bewaffnung und mit Stahlhelmen ausgerüstet, sich in die Häuser stürzte und von dort Juden unter der Beschuldigung herausschleppte, daß sie sich an der Demonstration beteiligt hätten. Die angeblichen jüdischen Demonstranten wurden1 brutal mit Gummiknütteln geschlagen und schwer verletzt. , . Ein junger Mann, der eine blau-weiße, mit schwarzem Trauerflor umhüllte Fahne trug, wurde so lange geschlagen, bis er das Bewußtsein verlor. ' An verschiedenen Stellen der Stadt kam es* zu Schlägereien. Die Aufregung der Bevölkerung stieg, ais bekannt wurde, daß im Spital ein zweites Opfer des vorwöchtgeh arabischen Banditenüberfalles bei Tulkarem gestorben sei, und zwar ein gewisser Zwi Tannenb e r g aus Tel-Aviv.; E}ne große Zahl von Personen wurde verhaftet, darunter; mehrere Schwerverwundete. Die Polizei in Tel-Aviv steht in Alarmzustand. Der Allenbyplätz ist für den Verfcehr gesperrt. Da und dort sammeln sich noch kleine Gruppen, vor denen Reden gehalten werden unter der Losung: „Wenn uns die Polizei nicht schützen kann, so werden wir uns selbst verteidigen." ' Verwundete und Verbaltete Aus Tel-Aviv wird weiters gemeldet: Nach den stürmischen Ereignissen vom 16. April haben sich bei beginnendem Sabbat in ganz Tel-Aviv die Gemüter beruhigt. Das Spital „Ha das sah" und die „Magen- David-Hilfsstation" haben 14 Verwundete, darunter vier Schwerverwundete, registriert. Zehn Personen wurden im Zusammenhang mit. den Demonstrationen verhaftet. Ernster Charakter der Unruhein Gleichzeitig mit diesen Vorfällen werden Unruhen aus Haifa gemeldet, die nur in losem Zusammenhang mit den Tel-Aviver Zusammenstößen stehen und über deren Ursachen und Umfang man sich noch keine Vorstellung machen kann. Die im allgemeinen gut informierte Pariser Agence Havas meldet aus Kairo: Nach den aus Palästina eingegangenen Nachrichten hatten die Zusammenstöße zwischen Arabern und Juden einen sehr ernsten Charakter. Die Hauptzusammenstöße ereigneten sich in Haifa, wo vier Juden und zwei Araber getötet wurden. Der gesamte Handol liegt still. Die Bewegung droht auf Tel-Aviv überzugreifen. Die Behörden von Palästina haben den Alarmzustand verhängt.