Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 553 (17.4.1936)
- Date
- 1936-04-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 553 vom £fe April 1936 DIE NEUE WELT Seite 3 Jerusalem." Die Worte wurden arabisch und hebräisch wiederholt. Sodann hielt Mr. Hudson eine kurze englische Einleitungsansprache, die ins Arabische und Hebräische übersetzt wurde. Nach der Eröffnungsfeier begann die Sendung des musikalischen Programms. 20 Minuten wurde arabische Musik gesendet, sodann begann die hebräische Sendung. Der berühmte Sänger Vittorio Weinberg sang zwei Psalmen, komponiert von Miliner bezw. Bloch. Danach kam der Höhepunkt des Eröffnungsprogramms, die Deklamation Chana Rovinas von der „Habima", die „Megillat Haesch" von Bialik und ein Kapitel des Hohen Liedes vorlas. Die Vorlesung Rovinas machte einen außerordentlich tiefen Eindruck auf die ganze jüdische Bevölkerung Palästinas, von Dan bis Beer- Seba, die in hoher Spannung an den Radioapparaten saß und der ersten Sendung der Jerusalemer Station lauschte. Im Rahmen des hebräischen Programms sang ferner die bekannte jemenitische Sängerin BrachaZefira einige jemenitische Lieder. Ferner hielten die Mitglieder der Kommission für die Festsetzung des Programms, Mr. Bowman, Vorsitzender des Komitees (englisch), Emin-Bey-Abdul-Chadi (arabisch) und Dr. Abraham Katzenelson, Mitglied des Präsidiums des Waad Leumi (hebräisch), Ansprachen. In Jerusalem, Tel-Aviv und Haifa versammelten sich Menschenmengen bei den Radiogeschäften und in Kaffeehäusern und hörten in feierlicher Stimmung das erste Programm an. Die Sendungen des Jerusalemer Senders beginnen täglich um 5.30 Uhr nachmittags und enden um 10.30 Uhr abends palästinensischer Zeit. Die Wellenlänge des palästinensischen Senders ist 449,1, ihre Stärke 20 Kilowatt. Einer der Säle der Station ist für die Uebermittlung von Nachrichten des Luft- und Seedienstes bestimmt. Dieser Dienst wird in drei Monaten eröffnet . ,yda( (yddtuft OJüJcSfi* XMHScWt XA*tuie> und dringf mif seiner keimtötenden und antiseptischen Kraft in die verborgensten Falten der Mundhöhle. ODOL erhält daher Zähne und Mund gesund und ist der beste Schutz gegen Infektionen aller Art, verhindert Gärung s- und Fäulnisvorgänge im Munde und beseitigt unangenehmen Mundgeruch. ODOL erfrischt und belebt. MUNDWASSER ZAHNPASTA V**y;.t Hn< ifonnroifhsn für ein weiter vervollkommnetes ODOL, dessen antiseptische Wirkung in hervorragendem Maße gesteigert worde^ ist! BakSSilchS mtZSVfiZSM»» die überlegene bakterizide Wirkung wissenschaftlich erw.esen. Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärete Wiens approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zohnärzN llchen und pharmakognosH«hen Institut© der Universität in Wien. Auf Hitlers Spuren In Oesterreich hat jetzt eine förmliche Flut von Vorträgen bekannter Politiker und Kundgebungen diverser Zeitungen eingesetzt, welche die Jude nfrage zum Gegenstand haben und durchwegs gegen die Juden gerichtet sind. Zwei Umstände sind besonders bemerkenswert. Die Gleichzeitigkeit, mit welcher der Angriff von den verschiedensten Seiten her erfolgt. Und dann die gewiß auffallende Erscheinung, daß sich' an diesen feindlichen Kundgebungen'Persönlichkeiten beteiligen, die 'noch vor nicht allzu langer Zeit in der Judenfrage eine wohlwollende Objektivität an den Tag legten. Wie beispielsweise Pater Bichlmair, Staatsrat Kunschak und andere. .• Die „Neue Welt" hat bei Besprechung dieser Kundgebungen der Meinung Ausdruck gegeben, daß es sich hier offenbar um einen Versuch handelt, mit dem Hitlerschen Antisemitismus in Konkurrenz zu treten. Sie ist deshalb von betroffener Seite heftig attackiert worden. Aber Heftigkeit hat keine Beweiskraft. Die Behauptung, daß man es mit einer Nachahmung nationalsozialistischer Methoden in der Judenfrage zu tun hat, ist nicht leichtsinnig, sondern nach gewissenhafter Prüfung aufgestellt worden. Die Uebereinstimrnung mit den Methoden, wie sie im Dritten Reich in der Polemik gegen Juden angewendet werden (falsche Ziffern, Konstruktion von jüdischen „Verschwörungen", Blasphemien religiöser Art usw.), ist offensichtlich. Nachstehend einige Fälle. Gefälschte ÜS'Hein Ein beliebtes Mittel der Hakenkreuzler ist es, die Zahl der Juden in den Ländern und die ihre Berufsschichtung betreffenden Ziffern zu f ä 1 s c h e n. Jetzt liegt ein österreichisches Muster dieser Methode Vor. Soeben ist im Verlage des „Oesterreichischen Verbandes für Volksdeutsche Auslandsarbeit", welcher vom Bundesrat Tzöbl geleitet wird und die Fürstbischöfe Waitz, Hefter, Pawlikowsky und Minister und Staatsräte als Mitarbeiter anführt, eine Schrift „Oesterreich und das Minderheitsrecht" erschienen, in welcher die Judenfrage besonders behandelt wird. Vorangesetzt wird die' Feststellung, daß es in Oesterreich 35 0.0 00 Juden (5,3 Prozent der Gesamtbevölkerung) gibt. Seitens der österreichischen Regierung wurden Vor kurzem die Ergebnisse der letzten Volkszählung veröffentlicht. Resultat: 191.481 jüdische Seelen (2,8 Prozent der Gesamtbevölkerung). Um die „jüdische Gefahr" in Oesterreich besonders anschaulich zu machen, wird in den aus dem Pritten Reich stammenden Flugschriften von 60 0.0 00 österreichischen Juden gesprochen. Was die falschen Ziffern betrifft, hat man also in Oesterreich das Dritte Reich noch nicht eingeholt, aber man bemüht sich, ihm nahezukommen. Wir on>Dfehl«n nur! Die öuten billigen: III!11 nH#* #i E A flutü"u- Motorradschulen nlMI I1rill]rff »8.Neudeggergasse 18 llbvUlillMall Tel. 8-46-5-72 ynd inieisdorf, N.-ö. Eine /, Verschwörung" indischer Aerzte Die Hakenkreuzler arbeiten mit „jüdischen Verschwörungen" ä la „Weisen von Zion", mit jüdischen „Geheimbünden", welche die Zerstörung der arischen Gesellschaft systematisch betreiben. Der „Oesterreichische Gewerbebund" (Ortsgruppe 15) hat eine der „Neuen Welt" gewidmete Sondernummer (April 1936) herausgegeben, weil die Zeitung gegen die Behauptung protestiert hat, daß es einen. „Boykott der Juden gegen die Christen" gibt. In dieser Sondernummer heißt es: „Wenn nämlich der Herr 53ci (SrftöltuügsUranfcfyetteH, rSjeiimas tijdjert urtb gtdjtifdljen SBeidjumbert Bringt logat rafdje unb bouernbc £jtffe. Äcin anbexes ähnliches Präparat, mag ihm auefpnod) \o nie! nadjgetühmt toerben, äefitjt üßer 6000 ja)rift!tdje Sletstegutatfitert. (Sin Serfudj üBer^eugi! 3n ollen Slpothefen. S 2.40. Vizebürgermeister erklärt, er habe Beweise in Händen, daß j ü d ischeK r e i s e einen Boykott gegen arische Geschäftsleute durchführen, so ist das gewiß kein wirt sc haftliches Blutmär ch e n, als welches es die bloßgestellten Herrschaften gerne hinstellen möchten. Es gibt einen Ring jüdischer Aerzte, welche sich ehrenwörtlich gelobt haben, ihre, natürlich auch alle arischen Patienten, nur jüdischen Fachärzten zuzuweisen .." Unbedenklich und ohne den Schatten eines Beweises werden die jüdischen Aerzte Oesterreichs einer „Verschwörung" beschuldigt und zum Gegenstand einer gefährlichen Verhetzung gemacht. Hier kann nicht mehr von einer Annäherung an das reichsdeutsche Muster gesprochen werden. Hier ist das Hakenkreuzmuster erreicht. * ESIasphemne Die Hitler-Leute bedienen sich zur Aufpeitschung der antisemitischen Instinkte auch der ärgsten Religionslästerungen. Sie beziehen unbedenklich Gott und alle anderen heiligen Begriffe in ihre Propaganda ein. In der Aprilnummer der „Mitteilungen des Freiheitsbundes Wien" (sie trägt den Vermerk: Auflage 100.000) werden, fast die ganze Nummer füllend, judengegnerische Stellen aus Reden des Bundesobmannes Staatsrat Kunschak, Pater Bichlmairs, ' Vizebürgermeisters Kresse usw. wiedergegeben. Als Abschluß steht in Fettdruck: „Allen Juden und Judenfreunden aber sei gesagt: Was unseren Antisemitismus betrifft, so nehmen wir als Vorbild den Herrgott selber, der gewiß am besten die Juden kennt. Er hat dieses, einst sein .ausenvähltes* Volk ebenfalls verworfen! Somit sind wir mit unserem Antisemitismusin bester Gesellschaft." Eine Herabsetzung des Gottesbegriffes, die doppelt kraß wirkt, wenn sie in dem offiziellen Blatt einer auf religiöser, katholischer Grundlage stehenden Organisation zu finden ist. Zu Ehren der Wahrheit sei gesagt, daß derartige Auslassungen in katholischen Zeitungen bisher nie zu lesen waren. Hier ist wohl die methodische Annäherung an das Dritte Reich unverkennbar. Die Herren, welche diese Art des Kampfes ^egen Juden pflegen, haben keinen Grund zu entrüsteten Protesten, wenn man behauptet, daß sie auf den Spuren des Hitlerismus wandeln. I/Vasimsfuefd Neudeufsche Auffassung von Ehre Niemand bedroht die Unabhängigkeit des deutsehen Volkes. Niemand verweigert ihm die Rechtsgleichheit. Niemand denkt daran, seine Ehre anzugreifen: falls es nicht etwa einen Angriff auf die Ehre eines Volkes bedeutet, wenn man es an die Achtung vor den Verträgen als eine der Grundregeln der internationalen Beziehungen erinnert. Franz. Regierungskommunique', April 1986. England bei jedem Finish Eine Zeit wird kommen, und die ist nicht weit, wö> Italien, von Siegen gesättigt) bemerken wird, daß es eine kostspielige Eroberung gemacht, hat, schwierigau halten und noch schwieriger auszuwerten — ohne ein politisches, wirtschaftliches und finanzielles Bündnis mit England, das nicht weniger an der Auswertung. Abessiniens interessiert ist. .Excelsior" (Paris),, 1986. .. Arietparagraph und Wotanskult Rassenantisemitismus, Ablehnung des Alten Testaments und Abfall vom Christentum, ja AntiChristentum gehören zusammen. Darüber läßt der Kirchenstreit im heutigen Deutschland keinen Zweifel. Mit dem Arierparagraphen beginnt man und beim Wotanskult hört man auf. Dr. E. Reisner („Der christliche Ständestaat"), Wien t9S6. die den wildesten Bart in einem Schwung umlegt, ist Der Nohelantisemitismus Wir brauchen einen vernünftigen, lautlosen und daher staatspolitisch geleiteten Antisemitismus der die Grundlagen der Rechts- und Wirtschaftsordnung nicht zerstört. „Vorarlberger Volksblatt" (Oesterreich), 1986. Eine klare Definition Wenn eine Gruppe von Juden sich als Minderheitsnation fühlt und erklärt, wie das nach dem Umsturz geschah, dann soll sie auch ein Minderheitsrecht erhalten. Man darf aber nicht übersehen, daß ein solche$ nach der Idee des Minderheitenschutzes niemals ein minderes Recht sein kann. Seine Aufgabe ist es, eine Minderheit in ihrem Bestand zu sichern, damit sie ihr Wesen und ihre kulturellen Werte bewahren könne, „Die Erfüllung" (Wien), April 1986. In-u« ausländische Hausbesitzer verwalten ihre WT durch behördlich konz. Realitätenkanzlei. | Dr* MAIR PA IS H| Wien I, Franz-Josefs Kai 1, Tel. R.8L5-30 H§ Erstklassige Referenzen! \