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Die neue Welt · 1936-04-17 · Heft 553 (17.4.1936) · page 2

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 553 (17.4.1936)
Date
1936-04-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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»ette * DIE NEUE WELT , ,M..l nun. ., f. ■ ,■ „i Nr. 553 vom 17. AprU 1936 George O'Brien ig EMin (Stollen 3 — versehtittet) Ab haut« RCrem-KIno B itn Fox-ritm .......... —1 Weltpolitik der Woche Die letzten Wochen waren geeignet, fruchtbare Erfahrungen heimzutragen. Das moralische Weltbild hat sich geändert. Dort, wo die Methode der Gewalt und der Heuchelei geübt wurde, dorthin neigte sich — scheinbar — auch das Recht. Die Technik des „Fait accompli" konnte risikolos geübt werden. Hemmungen, vom Respekt vor Recht und Vertrag hervorgebracht, wurden mit Gleichgültigkeit quittiert.. Es sieht aus, als stünden wir vor einer neuen Völkerrechtsmoral. . . . Aber bis dahin (es dauert nur sehr kurze Zeit) gelte das Dogma:. Der Ausgleich der Gegensätze zwischen England und den anderen kommt schließlich auf dem Rücken der anderen zustande. Vor kurzem war es so. Wie lange noch? Diese Frage drängt sich jedem auf, der mit ungetrübtem Auge und nüchternen Sinnen den Zustand betrachtet, in dem sich Europa zurzeit befindet. Der an den Dingen interessierten Öffentlichkeit genügen Betrachtungen nicht. Sie wünscht Prognosen, Prophezeiungen. Diesen muß man ausweichen. Man kann bloß betrachten, skizzieren, andeuten, wünschen. Mehr nicht. Reserve tut not. Man darf sich nicht hinreißen lassen, man darf nicht die Geduld verlieren.. # Englands Politik in den letzten Wochen war wenig voraussehend. Mit der Unwiderstehlichkeit gegebener Tatsachen sind im itaüenisch-abessinischen Feldzug die Ereignisse über das Zögern Englands, hinweg--' geschritten. Englands Wunsch, Mussolini möge den Krieg beenden, hat sich nicht erfüllt. Im Gegenteil: die Italiener marschieren weiter und stehen bereits am Tana-See, also an einer Stelle, an der England sehr empfindlich ist. Nie hätte — in vergangenen Jahren — Italien ohne englische Rückversicherung einen Krieg rjsiciert. .Daß. dies jetzt geschah, bezeugt, die völlige Veränderung in der substantiellen und moralischen Mächtverhältnissen. Einen weiteren Beweis' für diese Veränderung bietet die Tatsache, daß sogar die engÜscherseits angedeutete Verschärfung" der Sanktionen Mussolini nicht zur Nachgiebigkeit bereitgefünden hat. oder gar zu einer Minderung seiner, abessinischen-Aspirationen. .... .. . Während. Eden, Englands rühriger . Außenminister, auf rasche Genfer Entschlüsse im Abesainienkonflikt drängt, wartet er gemächlich auf Entscheidungen im Rheinlandkonflikt. Das sind unvereinbare Temperamentsstufen. Das sind aber auch unvereinbare Vorstellungen von internationalen Verträgen. Es hat den Anschein, daß England kein Verständnis mehr für Vertragstreue hat. Güt den britischen Staatsmännern das Kapitel des deutschen Vertragsbruches am Rhein für abgeschlossen? Geben sie sich, mit weiteren Erklärungen Hitler-Deutschlands zufrieden, während sie von Italien' Taten verlangen? Eine wirkliche Friedenssicherung in Europa wird durch solche Differenzierung unmöglich gemächt. Frankreich sieht in all diesen Dingen klarer. Es verlangt natürlicherweise Entschlüsse und nicht immer wieder „eine Basis für Verhandlungen". Frankreich wird ungeduldig. „Es gibt Augenblicke",- schreibt der berühmte Publizist Vladimir d'Ormesson im „Figaro" „wo man verstehen muß, radikale Entscheidungen zu treffen, und dieser Augenblick ist gekommen. Verlassen wir den Völkerbund! Lassen wir diese Prozeduren, diese Haarspaltereien zu Dreizehn und zu Achtzehn, diese Widersprüche, diese Heucheleien, diese Gefahren. Der Völkerbund ist ein Labyrinth geworden." Diese Erkenntnis, diese bittere Feststellung ist unter dem Eindruck zustande gekommen, daß die englischen Politiker entweder die unausgeglichene Stimmung in der Weltpolitik für ihre Pläne brauchen oder daß sie der Situation nicht gewachsen sind. Wehe, wenn das im Weltkrieg von den Deutschen gebrauchte Wunschwort „Gott strafe England" nun von den Franzosen übernommen würde! * „Frankreich .behält sich Handlungsfreiheit im Fall der Anlage von Befestigungen im: Rheinland vor." So lauten die Ueberschriften in der französischen Presse als Reflex einer Geheimnote der französischen ' Regierung an England. So weit ist es also durch die Verschleppungstaktik der Engländer gekommen, die immer noch — verhandeln wollen. Die Weltpresse bringt am Mittwoch, den 15. April, ein Fragenmenü, das Herr Eden der deutschen Reichsregierung rekte Hitler servieren will. Das Menü setzt sich u. a. aus folgenden Gängen zusammen: 1. Welche Absichten hat Deutschland gegenüber Memel, Danzig und Oesterreich Z 2. Werden die Von frrrdachland 'der Tschechoslowakei, Litauen und Österreich angebotenen Nicht »angriffspakte auch die Klausel über die gegenseitige Hilfeleistung enthalten, wief dies in den Völkerbund Satzungen vorgesehen ist? 3. Ist Deutschland bereit» im Rheinland keine Befestigungen zu errichten? Es soll also wiederum das öde Frage- und Ant Wortspiel beginnen, das schon genug Uebles ange richtet hat, vor allem Zeitgewinn für das aggressive Dritte Reich. Dort allerdings, wo man bereits a\is dem deutschen Vorgehen, d. i. aus den deutschen Vertragsbrüchen, gelernt hat, ist die Lust, sie nachzuahmen, größer als der Hang zur Vertragstreue, stärker als alle bisherigen: sittlichen Hemmungen. Die Türkei schreitet zur Befestigung der Dardanellen, wo mit der Eingang vom Mittelmeer zum Schwarzen Meer und zum Marmarameer unter die direkte militärische Kontrolle der Türkei fällt, das Prinzip also der Fra heit der Meere einen argen Stoß erhält. Ohne Zweifel wird die Türkei ihren Willen' durchsetzen. Ein An suchen beim Völkerbund, bzw.. beim Foreign Office in London, hätte die Türken ^keinen Schritt weiterge PTIKER RUDOLF HAAS & Co. WIEN II9 PR ATE »STRASSE 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK bracht;. Sie werden jetzt nach Gutdünken verfahren — die Folge von Englands schwankender Haltung in der Frage;' Kann oder will England nicht die Unyerletzlichkeit internationaler Verträge aufrechthalten? - * Wir Zionisten können viel Nützliches aus-; der, Haltung der englischen Regierung gegenüber den aktuellen weltpolitichen Auseinandersetzungen lernen. Dieselbe-Regierung, die Herrn Ribbentrop als Sendling des Vertragsbrüchigen, eroberungsiüsternen, hemmungslos aggressiven Deutschland mit Wohlwollen, ja mit ritterlichen Gesten empfängt, lädt arabische Führer' zu sich, von denen-es weiß, daß sie das voni Völkerbund installierte Mandat über Palästina torpedieren-, daß sie die 'Balfour-Deklaration sabotieren, daßsie die jüdische Aufbauarbeit stören wollen. Das Spiel mit dehr Gesetzgebenden Rat gehört in dieselbe;Kätegorie wie das Spiel' $}dens in Genf. Lassen wir uns -nicht täuschen.- "Bas-Wohlwollen der englischen :Regiöruh'g;:ist nichi dtt^ch stetearNachgeben zu .er-: reichen. Lernen wir. ,aus 4en Ereignissen der letzten Wochen.: Nur wenn wir stark und unnachgiebig bleiben, können wir etwas erreichen. In Palästina und in London. , o. r. Wendung in der Frage des gesetzgebenden Rates? Sensationelle Meldung eines arabischen Blattes Aus Jerusalem berichtet die „JTA.": Das Organ des Jerusalemer Großmufti, „AI Liwa", veröffentlicht in sensationeller Aufmachung einen Brief, den der Präsident der Zionistischen Organisation, Dr. Chalm Weizmann, an den Oberkommissär Sir Arthur Wauchope geschrieben haben soll und in welchem Doktor Weizmann laut dem Text der Veröffentlichung im „AI .Liwa" die Zustimmung der Jewish Agency zürn Projekt des Gesetzgebenden Rates in Palästina erteilt habe, und zwar unter folgenden Bedingungen: 1. Vor der Wahl in den Gesetzgebenden Rat sollen .alle, illegalen jüdischen Einwanderer in Palästina legalisiert werden, 2. Im Verlauf der nächsten fünf Jahre soll die Zahl der jüdischen Einwanderer nicht weniger als 50.000 jährlich betragen. 3. Die Kontrolle über die Einwanderung von K ap i t a 1 i s t e n soll der Jewish Agency übertragen werden. 4. Den jüdischen Einwanderern soll erlaubt werden, sich auch in Trans Jordanien anzusiedeln., 5. a) Das Wahlrecht zum Gesetzgebenden Rat sollen bloß solche Bürger haben, .welche lesen und schreiben können; b) die Zahl der ernannten Mitglieder soll verkleinert, hingegen die Zahl der Vertreter der palästinensischen Wirtschaft vergrößert werden; c) die Gesamtzahl der Mitglieder des. Rates soll auf 24 (der alte Regierungsvorschlag sieht 28 vor) reduziert werden, darunter 11 Juden. 6. Auf die Wahllisten sollen einzelne Persönlichkeiten gestellt werden. 7. Die Erfüllung der Forderung bezüglich eines entsprechenden Anteiles der Juden an den öffentlichen Arbeiten soll in Uebereinstimmung mit dem Mac- Donald-Brief vom 13. Februar erfolgen. 8. Der Gesetzgebende Rat soll kein Recht haben, religiöse und rassische Fragen zu behandeln. * * Hlezu meldet die JTA. aus London: Auf eine Anfrage unseres Vertreters an die ExekutivmitgUeder in 1 Alle Einher Mäßigste Preise — Große. Auswahl — Kataloge kostenlos HERMANN TUCHNER, WUrt II, Eckt Taborstraß« 5« Med e~f~"n~e L » I h b tt C h <T f V 1 Qebühr.10 Gr. pro Tag, aottot nichts — Anfragen: Tel. R*4l4-iW Lähden bezüglich des im „AI Liwa** veröffentlichten Briefes Dr. Weizmanns an den Oberkommissär ist keinerlei Antwort gekommen. Die Londoner Exekutive hat /die Mitteilung des arabischen Blattes weder bestätigt noch bestritten. Ritualmord'Leqende in Haifa — Nazi* Propaganda Aus Haifa («f. T. A.): Am ersten PcssachtagÄ wurde unter den Arabern in Haifa das Gerücht verbreitet; daß die Juden' für das Fossach-Rilual vier Hau faner geschlachtet haben und daß die Polizei die Leichen verborgen Mit. Der aufgehetzte Mob begab sich in die jüdischen Stadtteile. Mehrere Juden wurden attakkiert und verprügelt, dann wurde die Polizeistatlon, in der angeblich die Leichen verborgen sein sollten, angegriffen. Der Polizei gelang es nur mit: Mühe, die Monge von der Grundlosigkeit der Gerüchte zu überzeugen und die Ordnung wieder herzustellen. Polizisten mit Stahlhelmen patrouillierten nachts durch die Stadt. Wie die hebräische Zeitung „Doar Hajo.ra" ausführt, ist für den betrüblichen Vorfall eine gewisse Nazipropaganda verantwortlich zu machen. Haücenkreuz'er über Palästina Tel-Aviv (Painews): Die „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht einen Bericht Ihres, I.-K.* Korrespondenten, Jerusalem, vom März über die Wirt« schaftslage in Palästina, der an Absurdität nicht überboten werden kann. Dieser Bericht teilt über den Orangenmarkt u. a» mit,' daß viele Besitzer - vaa. gels befriedigender Aufträge die Frucht ungepflückt am Ast verderben ließen und daß aus diesem Grunde viele Pflanzer vor dem Zusammenbruch stehen. " Angesichts - der ausgesprochenen Verknappung des. Fruchtahgebotes, die seit Mitte Jänner zu weit über dem Vor jähr liegtenidea Preisen geführt hat, da die starke Nachfrage des Marktes nicht gedeckt werden kann, braucht auf die Absurdität einer derartigen Berichterstattung , kaum besonders hingewiesen zu werden. Die Sachkenhtnii des Berichterstatters druckt "sich darin aus, daß er di«L, geringere Ernte auf „heftig e. W i n t e r stü r m e« ' zurückführt. . ' ...'/. ' ,- ■■ ■ :';' t Weiter teilt die „Frankfurter Zeitung'* mifr dk'ß' di«v' diesjährigen Purim-Festlichkeit.'eh in Tel-Avlv' „mit Rücksicht auf die Spannung zwischen Juden und Arabern ausgesetzt wurden", und daß" auch; „die Levante-Messe aus ähnlichen Gründen ausfallen dürfte"., (Die großen Purlm-Feiern wurden heuer mit ausdrücke iichem Hinweise auf die b e s t i a 1 i s c h e V e r f o 1« gung der deutschen Juden abgesagt.) Nach weiteren - sinnlosen und -entstellenden Aus- , führungen über die Lage des Baumarktes, de«' Industrie- und Arbeitsmarktes kommt das Blatt zu, der absurden Behauptung, daß die arabischen L öh n a „bis zu 90 Prozent unter den Ansprüchen der jüdisch e n A r b e it e r" liegen. Es verlohnt kaum, auf weitere Einzelheiten dieses Artikels einzugehen, der ein Gemisch von Unkenntnis, der Verhältnisse, bewußten Entstellungen und .< Sinnlosigkeiten darstellt. Es ist nur bedauerlich, daß ein. .früher international so angesehenes Handelsblatt wie die „Frankfurter Zeitung" durch ihren Jerusalemer; Korrespondenten zu derartig böswilligen Irreführungen der Oeffentlichkeit mißbraucht wird. Zur Levante-Messe 40% Reduktion auf den rumänischen Schiffen ab Constanza — Reisebüro Sciicdlwy Wiener ReisekBub „Austro.Lloyd" . I, Weihburgpas8Q Nr. 27 Telephon R-28-P-60 Eröffnung dies paläftinenlifdicin Rundfunks Aus Jerusalem wird uns berichtet: Mit großer Spannung sah die ganze palästinensische Bevölkerung der feierlichen Eröffnung der ersten palästinensischen Radiostation entgegen. In Jerusalem hatten sich zahlreiche Gäste aus dem ganzen Lande eingefunden. Am 31. März fand die Feier der Eröffnung in Barn all a (bei Jerusalem) unter, freiem Himmel statt. Unter den geladenen Gästen befanden steh Vertreter der verschiedenen Religionsgemeinschaften, die Bürgermeister, der größeren Städte, die Konsuln der auswärtigen Staaten und viele Pressevertreter. Punkt 4.15 Uhr nachmittags erschien der High Coramissioner in Begleitung des palästinensischen Generalpostmeisters Mr. Hudson. Das Orchester spielte die englische Nationalhymne, und im.gleichen Augenblick wurde die britische Fahne auf der Sendestation aufgezogen. Unmittelbar darauf schaltete der High Commis« sioner den elektrischen Strom ein.und setzte so die Radio«. funktetatlon in Funktion, tDer Goneralpostmeister, Mister Hudson, meldete auf englisch: „Hallo,, hallo, hier spricht'

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