Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 552 (10.4.1936)
- Date
- 1936-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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1 Nr. 552 vöm lO. April 1936 ÖDE NÄttfc WßLT Seite S Kaum waren die Kriegswirren beendet, regte sich wieder die Agitation gegen das Schächten von allen Seiten; vor allem wieder in Deutschland, wo man die Juden allmählich, aber mit mathematischer Sicherheit, immer mehr in das Zentrum des allgemeinen Angriffes jSu rücken verstand. Jetzt setzte aber auch eine andersartige Verteidigung des Schächtergesetzes ein. Es wurden physiologische Experimente angestellt, welche die einzelnen Organe und Organfunktionen des Tieres vor, während und nach dem Schächten beobachteten, registrierten und verglichen; die Methoden der Untersuchung waren die gleichen, mit denen die grundlegenden Erkenntnisse der Naturwissenschaften gewonnen waren und immer wieder aufs neue geprüft wurden: die Genauigkeit und Zuverlässigkeit der Arbeiten wird durch ihre Veröffentlichung in den offiziellen wissenschaftlichen Zeitschriften und durch ihre durchwegs zustimmende Kritik in den Referatenteilen der medizinischen Sammelwerke bezeugt. Die wissenschaftliche Durcharbeitung des Schechita-. Problems ergab im wesentlichen folgende Punkte: 1. Das Bewußtsein des Tieres ist abhängig von dem Zustande seines Gehirns. 2. Eine Störung der ..Blutversorgung des Gehirns bringt seine sofortige Funktions Unfähigkeit, also Bewußtlosigkeit, mit sich. . . 3. Die durch den Schächtschnitt erfolgende Durchtrennung der beiden mächtigen Halsschlagadern (Karotiden) unterbricht mit einem Schlage den Blutkreislauf und damit die Tätigkeit des Gehirns. 4; Durch den Schächtschnitt entstehen mechanische Veränderungen im Gehirn, welche einer Gehirnerschütterung schweren Grades gleichkommen. Diese auf einwandfreie Weise gewonnenen Versuchsresultate zeigen aufs deutlichste die Unhaltbarkeit der Argumente von Tierquälerei, welche von den Schächtgegnern immer aufs neue und immer in anderer Form vorgebrächt werden. Annulliertes Schächtverbot in Frankreich Aua P a r i s: Der französische Staatsrat hat ein vom sozialistischen Bürgermeister der Industriestadt V alencierines, Departement du Nord, noch im November 1930 erlassenes Verbot, nach jüdischem Ritus zu schachten, annulliert. Der Staatsrat (Conseil d'Etat) erfüllt in Frankreich die Funktionen des administrativen Obersten Gerichtes. Zum Weltkongreß jüdfedier Aerzte Die soeben erschienenen „Mitteilungen der Vereinigung jüdischer Aerzte in Wien" sind als Festschrift dem vom 21. bis 24. April 1. J. in Tel-Aviv stattfindenden Weltkongreß gpwidmet. Sie enthalten , Beiträge von Prof. Dr. Braun, Prof. Dr. Elias, Prof. Dr. Gottlieb, Prof. Dr. .Knöpf e im ach er, Chefarzt Doktor Majer, Tel.-AViv, Vizepräsident Dr. Plaschkes und Generalsekretär Dr. Wulman, ,Wa.r s ch au, in denen Begrüßungen^ Stellungnahmen zu den Kongreß-' Problemen und Anträge zum1 Aufdruck kommen. Aus diesen. Artikeln und. aus dem abgedruckten Programm geht hervor, welch . großes Interesse den Beratungen dieser Reche nnt a s c Hin e n 8ebraucnt> mit Ziiftlli\ Fritz lg ei, Iii, Radstzt&ysfraße 7 . . . ■ ' ' ' 'i'e.lenhdn: U-l{)-'4-9.r> ersten al 1 g e m e i n - j üd i s c h e n Tagung in Palästina entgegengebracht wird. Ohne in die innerpolitischen'Verhältnisse der einzelnen Länder einzugreifen, soll über die'Lage der jüdischen Aerzteschaft einzelner Länder berichtet und über das medizinische Stu-, dium sowie über die Fortbildungs'mögHchkeiten in diesen Ländern Teferert werden. In diesem Zusammenhang wird die Frage der Errichtung einer medizinischen Fakultät an der.Hebräischen Universität in Jerusalem zur Sprache kommen und dazu liegen konkrete Anträge aus Wien vor. Auch die Hygiene und der Gesundheitsschutz Palästinas und dichtbesiedelter jüdischer Wohngebiete bilden gleich der „Rassenfrage" Gegenstände der Besprechungen. Aus dem sonstigen Programm ist zu ersehen, daß den Teilnehmern Gelegenheit geboten sein wird, alle nationalen und medizinischen Institutionen, sowie das Land selbst unter bewährter fachmännischer Leitung kennenzulernen. Die Festschrift, welche u. a. auch Nachrufe auf Prof. P i n e 1 e s und den als Opfer seines Berufes gestorbenen Röntgenologen Doz. P o r d e s enthält, wird jedem Teilnehmer des Kongresses überreicht werden. Aus Paris: In Zusammenhang mit dem Weltkongreß jüdischer Aerzte, der am 21. April in Tel-Aviv eröffnet wird, hat der Verband O. S. E. in Paris ein •Bankett jüdischer Aerzte arrangiert, das im Hotel Scribe unter dem Vorsitz des früheren Ministers für Volksgesundheit, Justin Godart, stattfand. Der bekannte Orthopäde Dr. Weil-Hälle führte in seiner Ansprache aus: Die Verfolgungen, denen die jüdischen Aerzte in gewissen Ländern ausgesetzt sind, fordern eine Reaktion seitens der jüdischen Aerzteschaft der ganzen Welt. Die jüdischen Aerzte Frankreichs, des Landes religiöser und rassischer Toleranz, haben die moralische Pflicht, aktiv an dem Weltkongreß teilzunehmen. Eine der Aufgaben des Kongresses in Tel-Aviv wird es sein, diß Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf die Ungerechtigkeiten zu lenken, unter denen die jüdischen Aerzte zu leiden haben. The The ASHRAI BANK COOP.SQC. LTD. P. O. B. 199, Telephone 1963/1964. Cable f Al fliriu address; „ASHREIBANK" TELAV1V ICI"HVlV Ausführung sämtlicher Bankgeschäfte / Spezialabteilung für palästinensische und ausländ. Wertpapiere/Erteilung von Informationen fürNeuelnwanderrr PALESTIHE ASHRAI BANKLTD. Hadar Hacarmal, P.O. B. 950, Telephone 344 UmICn Cable address: „ASHRA1BANK" HAIFA IKWU Korrespondenten' für Oesterreich: Oesteirelchische Creditanstatt, Wien Das älteste Kaffeehaus im 9, Bezirk ist das Cafe" Ruthmayr, IX.,'' Kolingasse 14. Billige Preise, Einkellner« System, K . 1tKs$east>kdftUette ^b+sckuMfy hat die keimtötende Wirkung des ODOL einwandfrei bestätigt. ODOL ist daher als antiseptisch und bakterizid anerkannt. Wer ODOL' zur täglichen Mundpflege verwendet, schützt seine Gesundheit; darum gilt für alle der Spruch: Halte mit Odol gesund — Zähne,Mandeln,Hals und Mund! S^Ü) ist das Kennzeichen für ein weiter vervollkommnetes ODOL, dessen antisepfische Wirkung fn hervorragendem MaDe gesteigert worden ist. Bakteriologische und klinische Versuche haben die überlegene bakterizide Wirkung wissenschaftlich erwiesen. Erzeugt nach den von der W. V. d. Zahnärzte Wien« approbierten Rezepten und unter ständiger Kontrolle der zahnärztlichen und pharmakoanostischon Institute der Universität in Wien. ßeogradfc Sportler gegen Berliner Olympiade Am 5. April erschien in der bedeutendsten Zeitung Jugoslawiens, der Beograder „Politika'?, ein Aufsatz,) der sich mit der Teilnahme der jugoslawischen Sportler an der Berliner Olympiade beschäftigte. Die Zeitung führte zunächst aus, daß die Aktion zum Boykott der Olympiade in Berlin von der großen englischen Zeitung „Manchester Guardian" ausgegangen sei und von den hervorragendsten Engländern und Amerikanern unterstutzt werde. Eine ähnliche Boykottbewegung hat auch in der jugoslawischen "Vereinigung der Arbeitersportvereine platzgegriffen, und soeben haben über 100 der angesehensten Sportler eine Boykottresolution gefaßt, in der es unter anderem heißt: „Das internationale Olympia-Komitee hat im Jahre 1932 beschlossen, daß die kommende Olympiade m Deutschland abgehalten werde. Aber nach dem Regimewech3el im Reich haben einzelne Komiteemitglieder vorlangt, daß man diesen Beschluß abändere und die Olympiade in einem anderen Lande abhalte, da das neue Regime in Deutschland auch den Sport zu Propagandazwecken benütze. Das Ziel der wahrhaften Sportolympiade ist das Wetteifern, ein Beitrag zur Entwicklung der Völker im Geist des Friedens und die Schaffung freundschaftlicher Beziehungen. zwischen den Völkern. Die Organisatoren der Olympiade haben ihr Wort gegeben, daß zur Olympiade Arier und N ich tarier als vollkommen gleichberechtigte Olympiakämpfer be- Ein Schelhammerlos gewinnt eine Million Schilling! Die laufende Klassenlotterie wurde kürzlich mit dem Millionen-Haupttreffer, der auf das vom Bankhaus Schelhammer & Schaftera \ ■ ■ Wien, I., Stepha-nsplatz Nr. 11 in 8 Anteilen verkaufte Los Nr. 15981 entfiel, beendet. Das sprichwörtlich bekannte Haupttreffer-Glück des Bankhauses Schelhammer & Schattera erlebt eine ausdrucksvolle Bestätigung. Soweit bis jetzt festgestellt werden konnte, sind fünf der glücklichen Gewinner in Wien und drei in den Bundesländern wohnhaft, die zu beglückwünschen sind,, weil sie voraussichtlich nunmehr von jeder materiellen Sorge befreit sind. trachtet werden, aber sie haben leider ihr Wort mit Füßen getreten. Bruno Malis, der Berliner Sportreferent, hat unlängst folgendes ausgesprochen: ,Die Pazifisten, Internationalisten, Paneuropäer und Juden haben keinen Platz im Deutschen Reich. Sie sind ekelhafter als Cholera, Pest und Syphilis, gefährlicher als entflammte asiatische Horden und giftiger als Giftgas.4 * . Der Weltöffentlichkeit ist klar, daß die Olympiade in Gefahr ist, ihre traditionelle Bedeutung zu verlieren. Viele Sportorganisationen der ganzen Welt werden ihre Delegationen nicht nach Berlin entsenden. , Der ehemalige Präsident der Athleten-Vereinigung der Vereinigten Staaten Amerikas, Mr. J. Makson, hat an die amerikanischen Sportler folgende Aufforderung gerichtet; .„Nehmet nicht an der-Olympiado teil, denn durch eure TQÜnahmft werdet ihr nicht nur die Ehre des amerikanischen Sportes, sondern auch die Ehre und den Stolz des amerikanischen Volkes töten." Sportler Jugoslawiens.' Wir sind uns der Bedeutung und Aufgabe der in Deutschland organisierten Olympiado bewußt. Wir sind uns über die kommerziell-kriegerische Bedeutung des Sportes, der an der Olympiade in Berlin vertreten sein wird, klar. Deshalb fordern wir alle Sportler. Jugoslawiens auf, denen .nicht nur um einen' Sport», erfolg, sondern auch um die Ideale des Sportes, zu tun ist, ihre Teilnahme an der Olympiade in Berlin: gemeinsam mit ihren Sportorganisationen und Klubs abzulehnen. Im Namen der Freiheit des Sportes, der heiligen Ideale der Humanität, des Friedens und der Brüderlichkeit unter den Völkern darf keiner unserer Sportsleute, kein wirklicher Sohn unseres Volkes an der Olympiade in Berlin teilnehmen." Die jugoslawische Oeffentlichkeit nimmt an der Boykottdiskussion lebhaften Anteil. Dr. D. M. Eder gestorben Aus London: Der frühere langjährige Präsident, zuletzt Ehrenvizepräsident der English Zionist Federation, Dr. David Montagu Eder,' ist in London im Alter von 71 Jahren gestorben. Dr. Eder war eine führende Persönlichkeit des eng-» lischen und des Welt-Zionismus. 1908 begleitete er die1 von der J.T. O. (Jüdisch-Territoriale Organisation) nach Cyrenaika entsandte Kommission, 1918!ging er mit der zionistischen Kommission als Vertreter der J. T. 0< nach Palästina. 1921 war er Mitglied der Palästina« Exekutive der Zionistischen Organisation. Nach seiner Rückkehr nach London übernahm er 1923 den Vorsitz dea Londoner Komitees der Hebräischen Universität in Jerun salem, deren Kuratorium er bis zu seinem. Tode angehört hat. In den Jahren 1926 bis 1928 war Dr. Eder Mitglied der Exekutive der Zionistischen Weltorganisation in London. "■■ 1 1 1 ■■^^»■■w» In« u« ausländische Hausbesitzer verwalten ihre I WIENER HÄUSER durch behördlich konz. Realitätenkanzlei | Dr. MAIR PAIS H Wien 1/ Frani- Josefs -Kai 1, Tel. 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