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Die neue Welt · 1936-04-03 · Heft 551 (3.4.1936) · page 4

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 551 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 DIE NEUE WELT Nr. 551 vom 3. April 1936 REICHENB ERGER _ t .. ä lichkeit, ein wenig gemildert wird. Und wieder wird der Augenblick kommen, wo Chaplin, der jüdische Schlehmil, der vom Schicksal zu extravagantem Tun und Leiden Auserwählte, mit den Dingen hart im Raum zusammenstößt und ein paar Beulen abbekommt. Aber Texoje oder Menachem Mendel oder irgendeiner aus der Scholem- Alechem-Reihe verzagt nicht. Ihr Wesen ist unzerstörbar, denn sie Sind... Juden. Charlie Chaplin ist nur als Jude denkbar. Nur als Jjidc. Aus seinem JUde-sein isz das Geheimnis der Weltxoirkung zu erklären. M * Diese Feststellung umreißt bloß den psyözoologischen Saclwerhalt. Daß Chaplin feinstes Formgefühl, intensivste* Sinn für die künstlerischen Möglichkeiten des Films besitzt und dort beginnt, wo die akkre* ditierten „Filmfirmen" aufhören, braucht anläßlich seines letzten Filmwerkes }>Die neue Zeit" nicht erst wieder bewiesen zu werden. Chaplin singt darin ein — „Couplet". Eine Parodie auf den Jazz-Song. Ists nicht gar e:n „Chossidel" aus einer jüdischen Schmiere* Bei GoU, diese Impression läßt einen nicht los. Cliaplin kommt nämlich — er pflegt es je nach Laune zu bestreiten — aus dem jüdischen Elendsviertel Whitechapel. * Sein letzter Film ,.J>ie neue Zeit" ist, man erschrecke nicht, in gewissem Sinn eine — Gefahr. Denn wer kann noch nach diesem Wunderwerk ohne Mißbehagen einen der vielen Modefilme sehen, in denen sogar die Weltstars wie Puppen daherstolzieren? Oskar Roscnfeld. IVatkebstUefei Eres lisrael Das Land, wohin du kommst, es in Besitz zu nehmen, ist nicht wie das Land Mitraim, aus welchem ihr gezogen seid, wo du deinen Samen aussätest und mit deinem Fuß tränktest wie einen Krautgarten. Sondern das Land, xcohin ihr ziehet, es in Besitz zu nehmen, ist ein Land mit Bergen und Tälern, durch den Regen vom Himmel trinkt es Wasser. 5. B. Mos., Gap. Ii. — 10. 11. PaSästfnamandat und Parlament Deutlich ist, daß in Palästina keine nationale Einheit besteht, .wie es im Irak und Aegypten, der. Fall ist. Wenn man auf diese Länder zeigt, um zu beweisen, daß auch für orientalische Völker eine Volksvertretung gut ist, so geht man an der Hauptsache vorbei. Andererseits haben die Zustände im Libanon, aber auch die Erfahrungen in anderen Teilen des Britischen Reichs, vor allem in Indien, deutlich gezeigt, wie groß die Gefahren sind, wenn die Bevölkerung nach Rasse und Religion verschieden ist. Hat man solche Erfahrungen schon in solchen Ländern machen können, in denen die Folge nur difi war, daß die Gegensätze der zahlenmäßig stabilen Gruppen nicht abgeschwächt wurden, so muß ein Parlamentarismus dieser Art in Palästina dazu führen, daß die Juden verfassungsmäßig als Minderheit behandelt werden, also gerade das, was durch das Mandat verhindert werden sollte. Es besteht kein Zweifel, daß gerade die Erreichung des Ziels, das allein eine günstige Entwicklung Palästinas gewährleisten kann — das Erreichen einer höheren Stufe in wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Hinsicht und die dadurch zu erreichende bessere Verständigung zwischen Juden und Arabern — durch die Einführung dieses Legislative Council erschwert wird. Dr. Rudolf Levy (Haag). Zerronnene Illusionen Wie der Katastrophe der letzten Jahrzehnte in Spanien, wie dem äußeren Druck den- Inquisition, des Maranentums und der Vertreibung durch Ferdinand von Aragonien und Isabella von Kastilien die innere Katastrophe vorangegangen war, so wurde durch den gesamtstaatliclien Umsturz im Jahre 19SS sichtbar unerkennbar nur besiegelt, was sich unsichtbar, oder doch nw wenigen erkennbar, jahrzehntelang angebahnt hatte: der neue Rückschlag, der neue Zusammenbruch jenes alten und immer wiederholten Strebens, die Begrenzungen una Satzungen der jüdischen Welt zu erweitern. Ja, wieder stehen vAr vor den Trümmern der großen Illusion. Wieder einmal ist, was wir an Sehnsüchten una Träumen in unseren Herzen erbaut hatten, zusammengebrochen; wieder einmal weist uns das Schicksal zurück in die Enge des jüdischen Lebens und der jüdischen Gemeinschaft. Jsr. Familienblatt" (Berlin), 1956. Bödce und Gärtner In Warschau, wurden zwei Studenten wegen Tierquälerei zu je sieben Tagen Gefängnis verurteilt. Die beiden Studenten hatten sich einen Spaß daraus gemacht, einen Hund mit Terpentin zu übergießen, so daß das Tier vor Schmerzen heulend durch die Straßen lief und in schwerverletztem Zustand dem Tierschutzverein übergeben werden mußte. Die beiden Studenten haben sich an der Propaganda für den polnischen Schächtverb'otsantrag der Frau Prystor intensiv betätigt. Meldung^ der J. T. i.. ms. Warschau. Zur polnischen Sdiädttfrage Um eine Schlachtmethode ausfindig zu machen, die gleichzeitig hwnanitären Vorschriften sowie der jüdischen Religionsvorschrift Genüge leisten soll, ist kürzlich auf dem Stockholmer Schlachthof auf Initiative, des hiesigen Oberrabbiners, Prof, Ehrenpreis, ein Versuch mit elektrischer Betäubung der Tiere gemacht worden, welche unter dem Beistand der Professoren an der Veterinärhochschule.. Sahlstedt und Hülphers, sowie dem Direktor des Schlachthauses ausgeführt wurd#. Nach dem bisherigen Verlauf zu urteilen, scheint die Möglichkeit zu bestehen, die technischen Schwierigkeiten zu überwinden, um eine zufriedenstellende Betäubung herbeizufiihren1 ohne dem Tiere solchen Schaden zuzufügen, daß es nach jüdisch-rituellen Vorschriften für die Schlachtung unverwendbar gemacht würde. Man kann deshalb der begründeten Hoffnung Ausdruck geben, daß es in Kürzt? möglich sein wird, beim Schlachten Betäubungszwang anzuwenden, ohne dadurch die'religiösen Gefühle der jüdischen örthodoxeji Gläubensbekenner zu verletzen. Der schwedische Justizminister, 1936. PTIKER RUDOLF HAAS & Co. WIEN 11, PRATEASSE 32 SPEZIALIST FÜR BRILLENOPTIK Richard BeersHofmänn und Palästina Dr. Richard Beer-Hofmann, der Dichter von „Jaakobs Traum", „Der junge David", „Der Graf von Charolais" und anderer bedeutender Werke, schiffte sich am 27. März in Triest an Bord der „Tel-Aviv" nach Palästina ein. Vor Antritt seiner Palästina-Reise sprach der Dichter mit dem Wiener J. T. A.-Vertreter über seine Beziehungen zum Lande der Bibel. „Ich bin seit dreißig Jahren im Heiligen Lande zu Hause. Man kann ja unmöglich über biblische Stoffe schreiben ohne seelische Verbundenheit mit Palästina. Ich habe in der Landschaft Palästinas gelebt, und dieses Leben in der Landschaft Palästinas war für mich immer eine Realität; allerdings eine Realität, die über der Wirklichkeit steht. Wie ich als Wiener Schriftssteiler zu den biblischen Stoffen gekommen bin? Der Dichter kommt nicht zu den Stoffen, die Stoffe kommen zu ihm. Mir erschiene es aber auch als unnatürlich, wenn ich als Mensch, der im Geistigen lebt, nicht von der Bibel innerlich erfaßt würde, von der Liebeslyrik des „Hohen Liedes", von den Psalmen, dem Buche „Hiob", dem ja bekanntlich Goethes „Prolog im Himmel" zum ersten Teil des „Faust" nachgedichtet ist. Ob ich Sehnsucht ## Mäßigste Preise — Große Auswahl — Kataloge kostenlos HERMANN TUCHNER, Wien II, Ecke Taborstraße 52 Moderne Le I h b Ii < h e r" e I Gebühr 10 Gr. pro Tag, sonst nichts — Anfragen: Tel. R-41-4-20 wmmummmmmmammammBMm nach dem Lande meiner künstlerischen Träume und der Heimat meiner Helden habe? Ja, ein bißchen Sehnsucht habe ich doch; noch mehr aber: eine Vorfreude. Denn das Heilige Land zu sehen — ich möchte sagen, das heilige Land als irdisches Land zu sehen — kann nur eine Erfüllung sein." •■ ■ Ueber die Beziehungen Beer-Hofmanna zum Zionismus geben folgende Zitate Aufschluß: 1. In der Herzl-Biographie von Alex Bein heißt es an der Stelle, die von der Zeit nach dem Erscheinen des „Judenstaates" handelt! „Und während der Spott In den Kreisen der Journalisten weiterging, drückten ihm einzelne ergriffen die Hand.; Der kritischste Kritiker Max Nord.au war hingerissen von der Broschüre, nannte sie eine Großtat, eine Offenbarung. Der Dichter Beer-Hofmann schrieb ihm schon Mitte Februar: Mehr noch als alles in Ihrem Buche, war mir das sympathisch, was dahinter stand. Endlich ein Mensch, der sein Judentum nicht wie eine Last oder ein Unglück resigniert trägt, sondern stolz ist, mit der legitime Erbe uralter Kultur zu sein." In Herzls Tagebuch ist zu lesen: „Dr. Beer-Hofmann. hat folgende Idae für .erste Einrichtung': eine große medizinische Fakultät, zu der ganz Asien strömen fötä". Jlädiä* U. fofitHHiatitlMlttfilin 9 WrWw* f wWwWWWWWr WWW VVWrrPffVWmmmiPIIV EXCELSIOR Wien 1, Franz'Josefs'Kai 15 Spezialgesohaft m. jüdischen und hebräischen Schallplatte» Alle bch'ager aus dem Tonfilm .Land der Verheißung", wie das «Emek^u.,, Fel-Avlv-Lied*,alle Hörraa etc.,in großer Auswahllagernd. Neuhebräisch schnell gelernt; Sprachunterricht auf Schallplatte»!, auch englisch, französisch, italienisch u. spanisch (auch leihweise). wird, und wo zugleich die Sanierung des Orients vorbereitet wird. Dann hat er einen monumentalen Brunnenentwurf: Moses, wie er Wasser aus dem Belsen schlägt." Weizmann über Palästina Auf einer Massenversammlung in London, East End, sprach der Präsident der Zionistischen Organisation Dr. Chaim Weizmann über die Lage der Juden in der Welt und die Möglichkelten Palästinas. Er wandte sich gegen die Gerüchte, daß das Aufbauwerk Palästinas in Gefahr sei. Er warnte dann jene, die glauben, bei ihrer Ankunft in Palästina alles nur auf sie wartend zu finden. Es gab in Palästina eine Pro« sperity; aber sie war nur eine Pause zwischen zwei Krisen. Diejenigen, die meinen, in Palästina ein leichtes Leben führen zu können, sollten besser fortbleiben. Viele Jahre hindurch waren Staatsmänner und Sachverständige der Ansicht, daß in Palästina Raum auch nicht für einen einzigen Juden sei. In den letzten vier Jahren sind durchschnittlich 50.000 Juden pro Jahr eingewandert. Sie haben ein Kapital von 29 Millionen Pfund ins Land gebracht. Heute sind ungefähr 400.000 Juden in Palästina — 30 Prozent der Bevölkerung. In Palästina haben die Juden den höchsten Anteil Für Pessach TOZERETH HAAREZ Palästfna-Mazzoth, Karmel-Weine und Cognak, Jaffa-Orangen und Grape- Fruit, Shemen-Oliven und Salatöl sowie Schmld-Mazzoth, inländische Weine, Sliwowitz und sämtliche Spezereiwaren not?v iwa liefert zu sehr billigen Preisen SAMUEL H ALPERN Wien II, Förstergasse 6 an der Gesamtbevölkerung im Vergleich zu Juden änderet! Länder. Und das ist nicht nur ein zahlenmäßiger Prozent* satz, sondern der höchste Anteil a'uf jedein; Lebensgebiete ist dabei, einschließlich der Landwirtschaft. Das ist in den letzten fünfzehn Jahren durch unsere eigenen Anstrengungen erreicht worden. Und wenn wir diese Anstrengungen fortsetzen, so ist kein Grund vorhanden, weshalb die jüdische Gemeinschaft in Palästina nicht in der Zukunft in gleicher Weise wachsen sollte. Wir haben Mühen und Sorgen gehabt;; das ist unser historisches Los. Wenn wir eine Mi 1h lion Juden in Palästina haben, dann werden viele unserer gegenwärtigen Schwierigkeiten verschwin* den. Das Werk in Erez Israel ist auf gutem Grund gebaut worden. Heute gibt es in Palästina Juden aus allen Ländern. Die Mischung War gut und wird ein gutes Material für die Errichtung eines festen Gebäudes abgeben. Die Historiker kolonialer Bewegungen mögen eine Bewegung aufzeigen, die sich mit dem vergleichen kann, was in Palästina mit so geringer staatlicher Unterstützung erreicht worden sei. Jüdische Kulturstelle I.. Franz-Josefs-Kal 3, R-28-2-36 Sonntag, 5. April, 19 Uhr, singt Korizertsängerin Helene. Abend, begleitet von Rudolf Beck, jiddische und hebräisch* Lieder. Führung: Sonntag. 5. April: , .Atelierbesuch Oskar Laake," (Im Zyklus „Moderne Malerei".) Leitung: Dr. Lona, L ö b I, Treffpunkt: Stadtbahnstation Hietzing, 11 Uhr vorm. Jüdssdies Kulturthealer I., Franz-Josefs-Kal 3. Telephon R-28-2-36. Samstag, 4. April, 19 Uhr 15 Min., Fröhlicher Abend, an dem Curt B r y seine Chansons und Songs zu mVortarg bringt. Karten in der Jüdischen Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kat 3, R-28-2-36. Mittwoch, 8. April, 19 Uhr 30 Min., liest Rudolf Weiß „Klassische und moderne Dichtungen". Karten In der Jüdischen Kulturstelle. Täglich 21 Uhr „Die goldene Kette" von J. L. Perez. An den beiden Sederabenden (Montag und Dienstag) bleibt das Theater geschlossen. Donnerstag, 9. April, 19 Uhr 15 Min.. Autorenabend Frank Silk. Aus Werken des Dichters lesen: Helmut Gans und Otto Kerry. Die einleitenden Worte spricht Fred Hernfeld. Die Juden Wiens und der Provinz sind zur Ueberzeugung gelangt, daß die Sensation des PESSACH FESTES NAZZOTH 4ie weltb erüh mten der PESTER israelitischen KULTUSGEMEINDE sind Unerreicht an Qualität und Geschmack I Nach einem Versuch kauft jeder die gute Pester QuaHtätsmazzoth, dünne und (runde) dicke, sowie Mazze-Grieß, Farvel und Mazze Mehl In allen einschlägigen Geschäften erhältlich ALLE INVERTRETUNQFÜR ÖSTERREICH IGNAZ FROST« lebensmittelhandlung, II, Haidgasse 9, Tel. A-49-3»84

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