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Die neue Welt · 1936-04-03 · Heft 551 (3.4.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 551 (3.4.1936)
Date
1936-04-03
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 551 vom & April 1936 Der fall .Phön^'' und die Zlom'§fen Die Ueberschrift dieses Artikels, welche eine Bonderbare Verquickung zwischen einer in eine Krise geratenen Versicherungsgesellschaft und einer jüdischen Volksbewegung darstellt, ist nicht willkürlich gewählt, Sondern durch einen Zwischenfall diktiert. Im Wiener Radio hat ein sehr hoher politischer Funktionär, der Generalsekretär der Vaterländischen Front, Herr Oberst Adam, Über die ins Defizit geratene f?Phönix"-Versicherung gesprochen, um die in begründete Unruhe geratene Oeffentlichkeit über den wahren Stand der Angelegenheit zu informieren. Er hat vor allem zwei Momente hervorgehoben, welche es dahin brachten, daß der für die Auszahlung der versicherten Beträge bestimmte Reservefonds fast zur Gänze verschwunden ist. Die eine und ausschlaggebende Ursache, so sagte Herr Oberst Adam, liegt darin, daß die Leiter der Gesellschaft sich in gewagte Transaktionen einließen und, um den Umfang der Geschäfte ins Riesenhafte auszudehnen, mit dem Gelde der Versicherten Spekulationen betrieben haben, statt es . sicher anzulegen. Hiezu gesellte, sich ein zweiter Umstand, der not» wendigerweise aus dem ersten hervorging: Aufwand ganz enormer Beträge zum Zwecke der Verschleierung der dem 'Versicherungsgesetz widersprechenden, jahrelang betriebenen Geschäftsführung. Alle Parteien und Organisationen, die einen politischen Einfluß auf das Getriebe im Staate und auf die große Oeffentlichkeit ausübten, wurden unter den verschiedensten Titeln mit laufenden und außerordentlichen Geldzuwendungen überreich bedacht. Nicht wenige Funktionäre dieser Körperschaften konnten sich ein p'rasserische3 Leben oder die Anhäufung von Reichtümern leisten, auf Kosten der vom geraden Wege abgewichenen „Phönix", richtiger gesagt, auf Kosten der von kleinen und größeren Sparern in die „Phönix" eingebrachten Beträge. In einem Teil seiner Radiorede wies Herr Oberst Adam...darauf hin, wie groß der Kreis der beeinflußten und gekauften Funktionäre war. Er sagte: „Und nun einige Worte über jene, die genommen ijaben. Auch hier finden wir-Abstufungen aller Art, die verschieden zu qualifizieren sind. Es sei nur erwähnt, daß die politischen Interessen des verstorbenen. Leiters der Anstalt sehr bunt und fast unbegrenzt waren. - Sein Geld, richtiger gesagt, das Geld, mit dem er wirtschaftete, wurde von Zionismen und Sozi a 1domokrs.ten, aber auch . von Nationalen und Nationalsozialisten genommen, natürlich auch vöft Leuten, die' weder mit den ein en, noch mit den anderen je zu tun hatten. Entscheidend für die Beurteilung der Geldnehmer ißt nun die Frage, für welche Zwecke und in welcher Absicht sie es genommen haben. Wo es nachweisbar, ich betone, nachweisbar für wohltätige oder sonstige gemeinnützige Zw eck e oder für legale Vereine genommen und auch-tatsächlich verwendet wurde, ist eine. Schuldfrage kaum gegeben. - In die. Kategorie der schmutzigen Gesch.on kann ahme werden besonders alle jene Fälle einzurechnen seini wo Personen, die über feste, manchmal rechthohe Einkommen verlügten, noch besondere Zuwendungen bekamen, sich etwa aujc Kosten der Firma elno prächtige Wohnung einrichten ließen und dergleichen mehr. Wp Zugriffe .im Namen der Gerechtigkeit und der Anständigkeit notwendig sind, wird zugegriffen werden. p3r Staat hat keine Ursache und auch nicht den Wunsch, irgend etwas zu vertuschen, aber es liegt auch keine Veranlassung vor, tendenziösen Gerüchten und Uebertreibungen Glauben zu schenken." Wohl die größte Ueberraschungj die dieser Teil der Rede bot, war die Erwähnung von Zionisten in der Reihe der Nehmer von B e s t e c h u n g s- und Schmiergeldern, noch dazu an erster Stelle. Wie ist es dazu gekommen? Herr Oberst Adam hat versprochen, daß für restlose Aufklärung gesorgt werden wird. Das ist gut. Soweit es aber an den im Zuge der Rede genannten zi o n i o t i a c h e n Organisationen liegt, soll schon jetzt die nötige Aufklärung geschaffen werden. Eine rein sachliche Feststellung: Die Zionistische Organisation "und ihre; Funktionäre haben nie mit irgendvjtfchen Manipulationen des „Phönix" etwas zu tun gehabt, sie haben nie Schmier- oder Bestechungsgelder gesehen, schon deshalb nicht, weil.sie zu bestechen blanker Unoinn gewesen, wäre! Man. besticht, um .der Aufsicht durch die Behörden und der Kontrolle der die Oeffentlichkeit beherrschenden Parteien und Organisationen auszuweichen. Wozu sollte man denn die Zionisten bestechen? Im Parlament säßen sie nicht, auf maß-« gebenden Posten sitzen sie nicht. Wo gibt es eine Position, von der aus Zionisten irgendeiner zur Aufsicht über die Versicherungsgesellschaften berufenen' Stelle Weisungen erteilen oder sie auch nur "beeinflussen könnten? Es wäre wohl lächerlich gewesen, sich ausgerechnet hinter den „Einfluß" der Zionisten zu verschanzen, der nicht da ist. Im Fall „Phönix" gibt es aber keine lächerlichen, sondern nur traurige Episoden. Keine zionistische Gruppe hat unsaubere Gelder bezogen. Kein zionistischer Führer hat sich auf Kosten des „Ph,önix" Paläste eingerichtet oeler Ist vierspännig oder hundertpfqrdig ejnhergefahren. Wo sind die zionistischen Führer und Funktionäre, die „Zionisten", die sich „Schmie-, ren" oder „bestechen" ließen? Wir kennen sie nicht! Man' «joU sie nennen, man soll sie ergreifen, inan soll sie be- Oberst A|p ge^^ea Zk^ist§a K15 Kunerol ist vollständig reines Fett aus Kokosnüssen, es ist nahrhaft, leicht verdaulich, unbegrenzt haltbar und kann von jedem Streng» gläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleischspeisen für den Festtagstisch verwendet werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg hergestellt wird.;>■*■;•&, is mm?.mm iimmm^m km$m^ ■ '-. ■■■ .ff-A r - , .. ffltfr DäslO'OXreineKokosnußfett m warten begierig auf die von ihm angekündigte restlose, schonungslose Aufklärung. * . Es gibt eine Verbindung zwischen „Phönix" und den Zionisten. Das ist der Provisionsvertrag, welchen der „Phönix" vor mehr als zehn Jahren mit dem Jüdischen Nationalfonds (Fonds zum Erwerb von Siedlungsboden für das jüdische Volk in Palästina) abgeschlossen hatte. Ein Vertrag der Art, v/ie ihn der „Phönix" und fast alle anderen Gesellschaften mit minderten Organisationen abgeschlossen haben. Er besteht einfach darin, daß der „Phönix" für alle Versicherungen, die der Jüdische Nationalfonds durch seine über'- die ganze Welt verbreiteten Organe dem „Phönix" zuführt, die übliche Provision bezahlt. Eine glatte Sache und eine für den „Phönix" so gute Sache, daß die anderen Gesellschaften bemüht waren, den „Phönix" aus dem^Geschäft* "mitdem Natiorialfonds zu verdrängen, um: selbst hineinzukommen. Der Jüdische Nationalfonds hat diese österreichische Versicherungsgesellschaft in Ländern populär gemacht, in welche sie nie gedrungen wäre. Er hat ihr Kunden zugeführt, die sie nie erreicht hätte. .'• Und noch eines: Ja, der „Phönix"'•'hat Geld ia Palästina angelegt. Aber welches Geld und wie? Dep „Phönix" hat einen Teil der in Palästina einkassierten Prämien dort in Hypotheken auf Häuser und Grundstücke angelegt. Auf Häuser und Grundstücke, die seither ungeheuer im Preise gestiegen sind. Auf dem sichersten Kapitalmarkt der We 11,'denn das ist heute Palästina. Nicht einen Groschen hat der <,Phönix" dort verloren und nicht einen Groschen kann er dort verlieren, wohin die größten englischen und amerikanischen Financiers hindrängen, wo erst vor wenigen Wochen die englischen Großbanken eine Hypothekenbank eingerichtet haben, um englisches Geld sicher zu placieren; Das ist das Geschäft des „Phönix" mit den' Zionisten. Hätte er' nur solche „zionistische" Geschäfte gemacht, dann gäbe es keinen Fall „Phönix". Das Geheimnis des Erfolges von Charlie Chaplin — das seltene Geheimnis haben viele zu erforschen versucht. Originale gibt es in der Filmkumt genugi wenn auch der Regisseur, vom Financier und vom Markt aohängig, eine „Ware für alle" zu liefern hat und auch liefert) abgesehen etwa von ein paar Einzelgängern ä Xa Eisenstein, die man an den Fingern einer Hand abzählen kann, Melonenhut, Bambusstöckchen, auswärts gerichtete Schuhstumpen mögen attraktive Requisiten sein, aber das Geheimnis der Weitwirkung liegt nicht in ihnen beschlossen. Man muß schon andere Regionen, Regionen metaphysischer Art aufsuchen, um einer Erklärung nahezukommen. i * 'w Man lasse. irgendeitlen eindrucksfähigen Menschen, •fc»«:.*.,;i'iSV,.'. .. )}*'y.\\-i: *»* W '-!»>• =- " /Die neue JLeit" im Apollo ■ . " \ -. für den sich mit dem Namen Chaplin keinerlei Vorstellung verbindet, Charlie Chaplin ah Figur gemeinsam mit ähnlichen Schicksalsträgern sehen, etwa mit . gleichem L*- bensrythmus (wie eine Girlschar), und er.ioird zweifellos an fast unscheinbaren Zügen diesen einen, eben Charlie Chaplin, herausfinden, herausschälen..." Ein Hochziehen der Augenbrauen, ein charmantes Bewegen eines Fingera, ein sekundenlanges . feuchtes Lächeln, ein Krümmen den Rückens unter einer, moralisclven Last;:, ja, das ist ert Chaplin, wie er aus dem jüdisdien Whifechapsi komm?» ein Sohn eines alten, immer noch ruhelosen Volkes, ein Märtyrer, dem: alle Glückseligkeiten der Welt nichts b»- deuten, solange seine gerechtigkeitsdurstige Seele keine Befriedigung gefunden hat. Stellt man ihn1 aber in eint* Reihe jüdischer Figuren, in die lange Reihe — sagen wir — Scholem Alechemscher Typen, dann hebt'sich seine Sonderstellung alsogleich auf. .Charlie Chaplin - ist dann das Unikum (auch im Äußerlichen) nicht mehrt Er wlra, Kamerad dieser Scholem-Alechem-Typen, ein Mensen, ihrer Art, ein Schlehmil unter den Schnorrern/ Lehrern, Händlern, Uhrmachern, Belfern, Schmierentoiritödianten, ein Hopsasa, ein Hotzmach aus dem Schauspielerroman ,Jrrende Sterne", .vielleicht ein Tewje, bestimmt aber ein Menachem Mendel...; Denn Chaplin hat wie diese gegen Ungemach zu kämpfen, gegen die „neue Zeit", das ist gegen das Ssisalter der Maschine, die der Seele schadet und sie unterkriegen will; sie treibt ihr Spiel mit ihm, sie narrt ihn und er:..? Er seinerseits gibt sich nicht geschlagen.- -t-tr unterliegt nicht der Tücke des Objekts. Die „neue Zeit" will seine Seele pogromieren, die Welt sieht nicht unier dem verschlissenen Jakett ein reines^ wenn auch törichtes Herz, aber schließlich kommt er mit einem blauen Aug* davon, er, der S chl ehmil, schlägt der neuen una neuesten und aberneuesteh. Zeit ein Schnippchen, Denn der Whitechapeler Jude bleibt optimistisch, stärkt sich mit Lebensfreüde. für seinen langen Weg. Es erscheint die Landstraße, die. staubige, von einer schmächtigen Allee umrandete Bahn 'des Lebens für den Wanderer; diesmal begleitet ihn ß}%.'. weiblicher Trär.iy (Paillette Goddard, ein reizendes, tapferes Ding), so dc.O ('.'.v Schwermut des Happy End, des'Happy End in der Unendlich*

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