Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 550 (31.3.1936)
- Date
- 1936-03-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 ME WELT Kf. 1150 vom 31. ttä» ldS6 0 s t e r - S o n d e r t a h r t mit aer Cs«rn. Allg. 2«ltung % ~Polen «- Czernowitz I Abfahrt: 31. Marz und 5. April. RücufÄhrt:J9 Aprli und ■ 4. Mal. Anmeldungen und Aimüpfte auttcMUlilch Reisebüro ■ «MarUnb r a t k e". i. Botawturrtutr. ae. »^ die sozial sehr gemischte Bevölkerung Palästinas. Eine Politik, die den Großgrundbesitzer, den reichen Kaufmann und den Intelligenzler des Landes schützt, schützt diese nicht gegen die Juden, die ihnen nichts zuleide tun, sondern gegen ihre eigenen sozial Schwächeren und ärmeren arabischen Mitbürger, die eine soziale Besserung erstreben. Jetzt soll ein Legislative Council entstehen, dem z. B. Verordnungen über Einschränkung der Praxis iür einwandernde Aerzte, über Einschränkung der Einwanderung und des Bödenverkaufes zur Entscheidung übergeben werden sollen. Es ist nicht zweifelhaft, wie dieser Council entscheiden wird; er würde eben ein arabischer Council sein. Die Juden sind entschlossen, an ihm nicht teilzunehmen. Sie würden in ihm eine machtlose Minderheit darstellen. Dem Kolonialminister Thomas, der. nach Wedgwood sprach, erwiderte Winston Churchill (Konservativer), der den Plan als voreilig und leichtsinnig bezeichnete und dann sagte: „Eben lese ich in den .Times' über die bedauerlichen Verhältnisse, die sich in C e y l on. infolge solcher übereilter Experimente entwickelt haben. Das drängt mich zu dem Schluß, daß eine Einlosimg des Council- Versprechens im gegenwärtigen Zeitpunkt als sehr unklug, auch im Interesse der Araber, bezeichnet werden müsse. Noch weniger liege eine solche Einlösung im Interesse des ganzen Palästina. Mich beeindruckt die Einmütigkeit der Opposition gegen den Council. Zugegeben, der High Commissioner ist ein Mann von größten Fähigkeiten, aber doch dürfen solche Dinge nicht nach der Meinung eines Menschen entschieden werden. Man sagt uns, die Balfour-Deklaration sei sicher, ich aber hege große Zweifel. Es wird andauernd zu Kollisionen zwischen den Prinzipien der Deklaration und den Wünschen der arabischen Mehrheit kommen, und wir werden kaum dazu fähig sein, diese Gegensätze auszugleichen. Wir machen gegenwärtig in Palästina sehr gute Arbeit," Als ich vor einem Jahr das Land. durchreiste, war ich tief beeindruckt von der Ordnung und der Glätte, mit denen die Dinge abgewickelt werden. Ich kann nur raten: Beeilt euch nicht, das bestehende System umzustürzen. Es arbeitet vorzüglich, und wir können es uns leisten, zu warten. Ich zweifle nicht daran, daß, wenn unser Vertreter in Genf die Lage so darlegen würde, wie sie hier im Unterhaus von jeder Bank aus dargelegt wurde, er herzliche Zustimmung finden würde." „Die deutschen Juden sind furchtbaren, grausamen, dabei wissenschaftlich ausgeklügelten Verfolgungen ausgesetzt. E r b a r m u n g s 1 o s und kalt sind die Jaden jeder Art menschlicher Bosheit und niedriger Tyrannei ausgeliefert. Das Ist wahrlich ein kalter Pogrom. Gewiß wird es dieses Haus nicht zulassen, daß nun die einzige Tür, die einzige Hoffnung der Juden — Palästina —, ihnen verschlossen wird. Ich hoffe,, daß Herr Thomas diese Angelegenheit sorgfältigst erwägen wird." Diese Worte Churchills weckten im-ganzen Hause stürmischen Beifall. Sir Avdiibald Sonclafa Der Führer der Liberalen Partei, Sinclair, erklärte, die „landlosen Araber" seien eine Erfindung der .politischen' Diskussion. In den letzten Jahren sei die arabische Einwanderung aus den Nachbarländern, angezogen durch die steigenden Löhne und den höheren Lebensstandard von 15.000 auf 25.000 gestiegen. Wohl sei England den' Arabern für das, was sie im Kriege geleistet haben, verpflichtet; England sei aber nicht undankbar gewesen. Es habe drei arabische Königreiche geschaf* f e n und seine Schuld damit reichlich zurückgezahlt. Man müßte einsehen, daß die Juden in Palästina nicht nur für die Judenheit, sondern auch für die Araber ein großes Werk leisten. Jetzt aber schlägt die Regierung eine Maßnahme vor, die eine Einschräkung der jüdischen Arbeit zur Folge haben muß. Ich hätte es lieber gesehen, fuhr Sir Archibald fort, daß 'lie Rcvrierung vorgeschlagen hätte, positive konstruktive Maßnahmen zu treffen, durch die den Juden und Arabern Hilfe geleistet würde. Man müßte dazu kein englisches Kapital zur Verfügug stellen. Die \ Palä^tina-Rc^'erung verfüge über einen Verwaltungsüberj schuß von über sechs Millionen Pfund, ein Betrag, der den Einkünften von zwei Jahren gleichkommt. Kolon a^m nsster a. D» Amery Der konservative Führer L. S. Amery erklärte es für einen Mißgriff altmodischer Art, die Beamtenstimmen zum Zünglein an der Waagd zu machen. Wo eine der bloßen Existenz der Minderheit feindliche Mehrheit bestehe, die entschlossen ist, bei jeder Gelegenheit dieser Feindseligkeit Ausdruck zu geben, würden, die Beamtenmitglieder zur" herrschenden Macht auf "die Dauer in eine unmögliche L a, g e .gebracht. Amery wies darauf hin, daß man die ungeheure Bedeutung Palästinas als Luftverkehrszentrum für das gesamte Reichssystem nicht nur in bezug auf den Schutz de« Suezkanals und des östlichen Mittelmeers, sondern auch auf die Verbindung mit Indien und dem Osten nicht Vergessen dürfe. Palästina sei auch der einzige Ausgangspunkt im Mittelmeer für Brdölversorgung unter englischer Kontrolle. Die Bedeutung Haifas als Erdöl- und Flottenbasis könne nicht übersehen werden. Ein glückliches und durch Bande der Dankbarkelt mit England verknüpftes Palästina sei ein der Erwägung wertes Ziel. Zum Schluß betonte Amery, daß jede Erwägung, die in der Vergangenheit die Mandatspolitik rechtfertige, ihre Durchführung aus vollem Herzen auch in diesem Augenblick rechtfertige. E>ie „Times" Das maßgebendste englische Blatt: „Den Arabern würde durch den Council jederzeit Gelegenheit geboten, die Regierung zu quälen und der Entwicklung der jüdischen Kolonisation entgegenzuarbeiten. Sie werden das Recht haben, das Budget und alle Gesetzentwürfe zu erörtern. Natürlich sind die Juden Uber diese Aussicht beunruhigt und sie widersetzen sich dem Experiment ebenso, wie es die Araber 1922 getan haben. Es ist wahr: Die Juden sind in Palästina eine Minderheit. Aber sie haben das Versprechen der Balfour-Deklaration und die Verpflichtung des Mandats. Aber auch als reine Minderheit haben sie Anspruch darauf, daß ihre Interessen sorgfältig gewahrt werden. Der Beitrag der jüdischen Kolonisten zum Fortschritt des Landes kann von niemand bestritten werden; Araber und Christen haben von der Jüdischen Kolonisation ebenso profitiert wie die Juden selbst; die Prosperität ist das Ergebnis jüdischen Unternehmungsgeistes. Die Juden fürchten nun — und sie haben reichlichen Grund für ihre Furcht — daß diejenigen, die ihre Anwesenheit im Lande nicht wollen, den geplanten Council als Mittel benützen werden, um ihre Position unmöglich zu machen. Die gestrige Aussprache Im Unterhaus zeigte ebenso wie die vorangegangene Debatte im Oberhaus, wie weitgehend ihre Befürchtungen hier in England geteilt werden. Eines der zur Verteidigung des Council-Planes benützten Argumente Treffpunkt rri Seder tm 4. und 7. April, untw UttM| iaft ttkanrtw ÖtorMntart ftem Im iw Restaurant ,,»,ta WSPBITZEB ■ dir Hl I mmmwm II, Mammcr Purg»tall-<3asa« 7 (1 Minute vom 0 f t n i b d) 2»r Vtftftttlfihung gelangen •rttklattia« Oster-SpMlatltlten. Aultettank ton orlBlnil falSstina-Welnen tu zaftgamtflan Prell«. Tftehbettelluntftfi erbeten unter: A-43-5-42 3* Landeskonferenz der ludemtaatsziomsten Am 28. und 39. März wurde in Wien die 8. Landeskonferenz des Verbandes der Judenstaat szionlsten Oesterreichs abgehalten. Der Eröffnungsabend fand unter dem Vorsitze des Präsidenten des Verbandes Oberbaurat Robert Stricker im überfüllten Festsaale des Hotel Continental Statt und gestaltete sich zu einer der imposantesten Zionistischen Kundgebungen, d.'e Wien In den letzten Jahren zu sehen bekam. Außer 150 Delegierten aus Wien und der ganzen österreichischen Provinz hatten sich viele Hunderte Gäste eingefunden. Die Wiener Judengemeinde war durch ihren Präsidenten Staatsrat Dr. Friedmann vertreten. Auch Billige IRUT*Reisen nach POLENu.CZERNOWITZ Uber KRAKAU LEMBERG mit KoUektivpaß am 5. April Rückfahrt 21. April 1936 SEIS6BURO „IRUT", KARISPIATZ 1 Ref Rosenkrauz — Telepnon U-44-5-7Ö die Vaterländische Front hatte zwei ihrer Amtswalter delegiert. Vertreter waren ferner „Mlsrachi" durch Kulttisrat Dr. Rosenberg, das Palästina-Amt durch Doktor Rothenberg, der K. H. durch Professor A. Freud. Referate erstattete Theodor Grubner über die judenstaatlerischo Weltorganisation, Fritz Richter über Jugendorganisation, Rabb. Dr. Z. Kanner über die Weltanschauung des Juden- TUCHHAUS TABAKS»« bringt wieder das NEUESTE " i ( « h c n Htrran- und Damanstoffen SALZGRIES 5 war, daß Araber und Jnden zu einem besseren gegenseitigen Einvernehmen kommen ' und schon jetzt an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes zusammen arbeiten. Das ist ein ermutigendes Symptom, aber kaum ein Uberzeugender Grund für den Versuch, eine p o 1 i t ische Kooperation erzwingen zu wollen, zu der keine der beiden Parteien bereit ist. Warum diese Hast 7 Warum so wenig Bedächtigkeit? Warum gibt man dem Prozeß der Verständigung nicht genug Zeit zum Reifen, dies unter dem Schutze einer unparteiischen Autorität, der vertraut werden kann, daß sie sioh gegenüber Juden und Arabern gleich gerecht verhält?" am 6. u. 7. April lb3h Leitung: Oberkantor Deutsch im Restaurants. Spritzer (Low), nur]], Gr. Pfarrg. 23 Tiscbbestellg. unt. Tel. A-40-900 eibeien. Normale Preise Aber die PalästinaaRegierung. kümmert sich nach* um Englands Meinung Öbzwar eich alle Parteien und die öffentliche Meinung, gegen die Errichtung < des Parlaments mit arabischer Majorität ausgesprochen haben, arbeitet der Hochkommissar Sir Artur Wauchope unbekümmert darum weiter. Wie sehr er entschlossen ist, den Widerstand der Juden zu ignorieren und den arabischen Wünschen entgegenzukommen, beweist der jetzt von der Regierung an die arabischen Parteien gelichtete Antwortbrief. Vom Mandat, vom Jüdischen Nationalheim, von der Balfour- Deklaration ist wieder keine Rede. Dafür ein Entgegenkommen bezüglich aller arabischen Wünsche. Die Araber haben dagegen protestiert, daß Juden: zu Vertretern kaufmännischer Interessen im Counoil er* nannt werden. Im Brief der Regierung heißt es: „Ich habe diesbezüglich zu erklären, daß es nioht die Absicht Seiner Exzellenz ist, Personen zu .Vertretern der Kaufmannschaft zu ernennen, deren Ernennung oder Gegenwart im Council das nationale Stimmenverhältnis stören würde." Das heißt, die Araber brauchen nicht zu fürchten, daß Juden ernannt werden. Die Araber sind gegen das Vetorecht des Hochkommissärs. Im Briefe heißt es: „Ich habe zu erklären, daß diese Befugnisse nicht häuf ig werden ausgeübt werden." Die Araber wollen im Council Uber die j ü d i s c h e Bin'wahdorung und den Kauf von Boden durch Juden entscheiden. Daß sie über Bodengesetze werden ontschöfflin können, wurde ihnen bereits zugesagt. Ueber die Einwanderung heißt es im Briefe: „Bezüglich der Frage der jüdischen EinwA»-> d e rün g habe ich zu sagen, daß der Council die :v o U e Möglichkeit haben wird, über jüdische Bin-, wanderüng zu debattleren unter Voraussetzung der in der Erklärung de» High Commisaioner und in meinemBriefe an Dschemai Effendi Hussein!. vom 29. Jähner dargelegten Qualifikationen und im Bewußt^, sein, daß die Festsetzung der Arbeitere in wanderungsquote wie bisher dem High Commissioner über» lMsen'sein wild."' staatlers und Robert Stricker, der über die politische Lage in der Oaluth und in. Palästina sprach. Bis Mitter« nacht verharrte die Menge der Erschienenen in gespannter Aufmerksamkeit. Sonntag fand die Landeskonferenz ihre Fortsetzung im Herzl-Saale des Judenstaatshehnes vor den . Delegierten, unter denen sich eine sehr große Zahl Jugendlicher befand. Die Tagung daüerte von 10 Uhr vormittags bis hi dio späten Abendstunden. Aus den hier erstatteten rein sachlichen Referaten war zu ersehen, welchen gewaltigen Aufschwung die Herzl-Bewegung in Oesterreich genommen hat. Die JndenstaatS-Organisation ist bereits heute, nach kurzein Bestände, zu einem der wichtigsten Fairtoren des zionistischen und allgemeinjüdischen Lebens geworden. Die Beratungen waren vom Willen zum höchsten jüdischen Ideal beseelt und verliefen in leidenschaftlicher Begeisterung und voller Einigkeit. Wir werden über den Verlauf dieser Konferenz, die einen Markstein im zionistischen Leben setzte, über ihre Beschlüsse, Resolutionen und die vorgenommenen Wahlen näheren Bericht erstatten. Verb* <J* Judensfaatfszfoiifaten. Oesterreichs Judenstaatsjugend. Dienstag, den 31. d., halb 0 Uhr abends Plenarversammluttg. Redner: David Nebenzahl, Thema: 40 Jahre politischer Zionismus. Erscheinen Pflicht. — Sektion X., Herndlgasse 23. Feierliche Heimeröffnung am Samstag, den 4. April, um halb 9 Uhr abends. Programm wird in nächster Nummer bekanntgegeben. — Sektion Prater, II., Erlafstraße 5, Donnerstag, den 2. April halb 9 Uhr abends, Vortrag. — Freitag, 3. April, halb 9 Uhr abends, Oneg Schabbath. Gesang; Kantor J. Feuer. * Der Verband der .Tudenstaatszionisten Oesterreichs gratuliert herzlichst seinem Vizepräsidenten Herrn Doktor Salomon Wolf und seiner Gattin Sara zur Geburt eines Töchterchens. Die Judenstaatsjugehd gratuliert ihrem Mitglied Ch. Dora Bergstein zur Vermählung mit Herrn Leo Tabak. •«ALPHA" ADLERGASSE 8 Nach jahrelanger Vorarbeit ist nun endlich das „Radio Jerusalem" in Tätigkeit gesetzt worden. Montag, den 80. März, eröffnete der Oberkommissär Sir Arthur Wauchope die Station, Ansprachen hielten Doktor Katzenelsohn (hebräisch) und ein Araber. Der Dichter Salman Schneur sprach über Btalik, Chana Rowlna von der Hablma brachte hebräische Rezitationen, Vlttorlo W o 1 u b e r g und Beracha Z e t i v a sangen hebräische Lieder. Die Station liegt bei Ramallah, 17 Kilometer von Jerusalem entfernt. Das Mikrophon wird von Jerusalem aus verwendet. Radio Jerusalem sendet mit 20 Kilowatt auf Welle 440,1 Meter. Die Sendungen erfolgen tägliob (5 Stunden) in hebräischer, englischer und arabischer Sprache. ' •' Die beliebten Melö -Parodisten wieder In Wie« 8 Adresse: II, CentrateHotel, Taborstraße % ä {