Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 550 (31.3.1936)
- Date
- 1936-03-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis 10 Groschen i Dienstag/ den 31* M&f* 1436 Nt. 550 V« b« b# «">m Vertage? versendet VMXbau» REVUE HERAUSGEBER: R0BERT«STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich S 1.40, vierteljährig S 4.—, ganzjährig S 16.—; Polen monatlich Zloty 1.50. vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; Rumänien monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig Mark 3.—: Bulgarien monatlich Lewa 30.—, viertel jährig Lewa 80.—; Italien monatlich Lire 5*-, vierteljährigLire 14,—; Schweiz und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.50. viertel jährig. Schw^ec Franca 4.50, Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlieh, Redaktion u.Verwaltung: IX, Universitäfsstr. 8, Tel, A-20-2'78 — Erscheint Dienstag u. Freit aq .,u»t,,^.~u ■ Ii i n chacije chaiD DIE NEUE ZEIT ' APOLLO Weltpolitik der Woche Man muß das abgegriffene Wort „Krise" gebrauchen ... „Das Verblüffendste' an dieser ganzen Krise ist die Tatsache, daß sie mit Trommeln und Pfeifen von einem Staat inspiriert und geschürt wird^ dessen. Haltung .mindestens zu 50 Prozent auf Bluff beruht — ich erkenne an, daß es ein meisterhafter' Blüff ist —, auf einem Bluff, dessen Gelingen eine direkte Funktion der Stupidität der aridem ist: Wollen wir uns wirklich von dieser Inszenierung unterkriegen lasseh? Wollen wir v/irklich Europa an den Reklamegiftgasen des Dr. Goebbels ersticken lassen?" Wladimir d'Ormesöon,'der bedeutende-französische Publizist, stößt im „Figaro" diese Warnung "aus!■'.■.Und.'* das. Müssqlini- Qrgan „Popolo d'Italia" schreibt:.' „Statt gesenkten7 Hauptes zurückkehren zu müssen, um sich seine Verurteilung anzuhören, kehrt Herr Ribbentrop mit, Gegenvorschlägen nach London zurück. Er ist entschlossen, keine Bedingungen anzunehmen, sondern' den anderen seine Bedingungen aufzuzwingen. Das . .ist. das unglaubliche Paradöxale. an der augen- Hlickliöhen Lage. Man darf, sich daher , nicht wundern, wenn* Frankreich sich unter diesen Umständen weigert, eine Rolle in dieserunwürdigen Komödie zu spielen." , ' §o war die Lage vor den deutschen „Reichstagswahlen-', die im allgemeinen als, Wahlkomödie bezeichnet: werden,, besser aber die Bezeichnung „Wahl-- erpressung"' verdienen. Der Mißmut dieser Presse richtete' sich. gegen England, das — obzwar das deutsehe Verschulden anerkennend — praktische Maß-, nähmen gegen. Hitler-Deutschland zu ergreifen sich' weigerte und den Weg der Verhandlungen als einen". Vernünftigen Ausweg ansah. Indessen verstärkt, wie alle Welt und also auch die Regierung Baldwih-Eden weiß, das Reich die Garnisonen in der Rheinzone, legt sogar Befestigungen an, bedroht die Nachbarn, während die Herren Hitler, Göring und die Sterne dritten Grades halb Friedenstöne halb Kriegsdrohungen aussprechen. Dfe Krise h(at sich, wenn man von Englands insularem Optimismus absieht, in der letzten Woche Verstärkt. Dem deutschen Hakenkreuz ist es gelungen, auch in England zahllose Hirne zu vernebeln, indem es sich als das verfolgte, bedrohte Unschuldskind hinstellt, das seine Ruhe haben will und darum zwischen sich und :dem westlichen Nächbarn einen Stacheldrahtzaun aufstellt.- Die Konsequenz dieser Haltung liegt darin, daß die Londoner City dem Dritten Reich nicht nur Warenkredite wie bisher, sondern sogar Staatskredite: (gegen große, außerhalb des Reiches liegende Sjiezialslcherheiten) einzuräumen bereit ist. So weit ist esr ajsqv durch Edens Verschleppungstaktik ge-. kommen. Die Franzosen sehen klarer. Der Druck, der seitens einer zu:-höchstem Drill und Drang geeigneten 67-Mülionen-Masse auf ihnen lastet, die unmittel-, b a r e r e '. Nachbarschaft, der Sinn für aktuelle Realität• hat ihnen längst, schon die Augen geöffnet. Niemand : hat deutlicher erkannt, daß der.Locarrio- Pakt-Bruch nur ein Glied in der Kette systematisch vorbereiteter Gewaltakte ist und daß es neben dem von den Hitleristischen geforderten deutschen Lebensraum auch einen französischen und europäischen gibt, der respektiert werden muß. Während Eden die Phrasen Hitlers mit gleichen Redewendungen beantwortet, hat der französische Außenminister Fl and in in einer Rede präzise Fragen ' HP 4gn „Führer" gestellt. DJese präzisen Fragen feie«. Englische Volktsfimmung gegen Paläitinaparlamenf Wedgwood und Churchill über das Palästina-Parlament Die Sitzung, des englischen Parlaments am 24. März war zur Gänze der Debatte über die vom Hochkommissär Wauchope und vom Kolonialminister Thomas geplante Errichtung eines Legislative Council (Parlament) in Palästina gewidmet. Alle Redner der drei großen Parteien machten dem Minister den Vorwurf, daß der Plan eines Parlaments mit arabischer Majorität den Bruch des Mandats und des den Juden mit der B.alfour-Deklaration gegebenen Versprechens bedeute. Zwei Reden seien hervorgehoben: Jeden Sonntag „Francopol"-Sonderfahrten nach P0l@H und ClOTOWÜZ Rückfahrten: 15., Ül. April, 5.', 19. Mai 1936 Spezielle Ermäßigung: 14 Tage - Rundreisekarten in ganz Holen nur S 50.— ' „FRANCOPOL", Wien III, Schwärzenbergplatz 7, Telephon U-16-4-90 „CEOOK". Wi*n, l. Bezirk, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 „GERNGROSS", Wien VII, Mariahilferstraße 42, Telephon B-3Ü-'J-68 Colonel Josiah ^SBdgwood (Arbeiterpartei) führte u. a. aus: ''*'; „Die heutige Menschheit steht zwei Krisen gegenüber: der von den Diktatoren heraufbeschworenen Gefahr und dem wirklich furchtbaren Schicksal der Juden. Eine *• •■<'<l*4«t.t i.,..,.! »Üßii . ■ . ■ . . g.ah.z e R a s s e , w i r d g eic h t e t., Werden ihre Menschen aus dem einen Lande vertrieben, verweigern ihnen die anderen Länder ein Obdach. Man meidet sie wie einst die L epra - K ranken. Man weicht ihnen in - den Straßen des heutigen Europa aus, als fürchte man, durch sie befleckt zu werden. Man drängt sie nicht nur aus ihren wirtschaftlichen Positionen heraus und raubt ihnen den Bissen Brot vom Munde, sondern man macht sie heimatlos, indem man sie aus Gebieten vertreibt, wo ihre Vorfahren . viele, viele Jahrhunderte gelebt haben. Dadurch ist ein Problem geschaffen, an dessen Lösung wir herangehen müssen, nicht .nur um> der Juden, sondern auch um unserer Selbstachtung als M*e n- NACH POLEN ZU OSTERN und sonatigen Terminen — billig und bequem© In Vorbereitung: Um S 50.-Zweiweehen- Fahrten In ganz Polen. Auskünfte: Dr. S. TOCKIR, Wien IX, ilechtenstelnstr. 2, Tel.,A-14-504,(„in,die Weif;) - jüdischen Kapitals, aber nur ein Zehntel des Bodens ist in judischen Händen. Bei entsprechender Verwertung des Kapitals könnte das Land seine Bevölkerung verdoppeln. Aber der unvergleichliche Erfolg der jüdischen Aufbauarbeit, dieses ganze großartige Palästina-Experiment, würde gefährdet werden, wenn wir die öffentliche Kontrolle den Arabern, die die Juden im Lande nicht haben wollen, in die Hand geben würden. Wir dürfen nicht, um uns selbst von der Verantwortung zu entlasten, diese einem Bevölkerungsteil übergeben, denn dies würde die letzte Hoffnung des jüdischen Volkes für immer zerstören, und das wäre eine schimpfliche Po Ii t i k. Was immer geschieht, wir dürfen uns .nicht von Palästina zurückziehen.. Die Resultate der letzten 16'Jahre englischer Administration in . Palästina waren nicht gleichmäßig, aber im großen ganzen gute. Würde die Kolonisieru^^Palästinas'".durch Juden Ausb eutung und Vernichtung der eingeborenen Bevölkerung mit sich gebracht haben — solche Ergebnisse hatten die Kolonisation der Spanier. in - Mexiko und in Peru, die'der Engländer in Nordamerika und die der Belgier in Kongo — die Arbeiterpartei.würde sich als erste gegen diese Kolonisation wenden. Allein die letzten 16. Jahre haben,. erwiesen, daß die . britische Herrschaft in Palästina gemeinsamuTOit d<m.vjüdischen Aufbauwerk die Ret- tung der arabischen Fellachen bedeutete.. Um nurein Beispiel herauszugreifen: der Lohn für ungelernte arabische Arbeiter in Haifa und Jaffa ist in dieser Periode um 10 0 Pro.zent.gestiegen. Man .muß".nämlich zwischen zwei Klassen Arabern unterscheiden: reiche und arme. Die Effendis herrschen bis zum heutigen Tag über s c. h e n und als Christen willen. Die kulturell so hochstehenden 500.000 deutschen Juden, einst reich und hochgeachtet, sind heute zermalmt. Das gleiche Schicksal droht den fünf Millionen Juden in Polen, Oesterreich, Rumänien, den baltischen Staaten und Griechenland; denn überall greift die von den Nazi. entfesselte Haßpropaganda um sich. Die Lage der Juden in Polen z. B. ist weit schlimmer als die der Juden in Deutschland; denn sie sind ärmer als diese, werden wie diese aus dem Wirtschaftsleben hinausgedrängt, so daß ihnen. nichts übrigbleibt, als auszuwandern. Aber wohin?, Palästina ist heute die einzige Hoffnung des jüdischen Volkes, es hat einen enormen Zustrom in Hinfahrt vom 1. April bis 23. Mai 1936, Rückfahrt bis 24, Juni 1936 mit 50%. Ermäßigung auf Hin* und Rück* fahrten. : . . . . von S 250.- aufwärts mit 20% Ermäßigung auf einfacher Hinfahrt von S 200.- aufwärts GEnerDln§Entur,WlEnl,Rirntnerr!ng6 Auskünfte Telephon U 47-5-60, und alle Reisebureaux ziehen sich nicht allein auf Frankreich, sondern'. — ünä". v o r n e h m 1 i ch — auf jene Gebiete, vcm (Jenen die Leiter der deutschen Politik als von den blutenden Wunden Deutschlands faseln. „Hat der Führer etwa die Absicht", fragte Flandin, „das Danziger Statut wieder in Frage zu-stellen? Nimmt er endgültig das Memel-Statut an, wenn er Litauen einen Nichtangriffspakt vorschlägt? Will Deutschland, daß man ihm alle Kolonien wiedergibt, die es vor dem Krieg besessen hat, oder, nur einige davon und welche?" Zu diesen Fragen gesellt sich aber noch;eine Feststellung Flandins, die der Lage besser gerecht wird als der bis zum Ueberdruß wiederholte, englische Wunsch, daß der Friede unbedingt gewahrt werden möge. „Es ist erstaunlich", so stellte Flandin nämlich fest, „daß in dem Augenblick, wo Hitler seinen Friedensruf an die Welt richtet, die nationalsozialistische Propaganda in Oesterreich, Deutsch-Schleswig? Holstein, PoJnis^h-Oberschlesien, im deutschen Muv derheitsgebiet der Tschechoslowakei und sogar in der deutschen Schweiz ihre Aktivität verstärkt. Hitler soll sagen, ob er die Absicht verfolgt, diese Gebiete Deutschland einzuverleiben." Flandins Fragen bleiben so lange bloße rhetorische Fragen, bis sich England entschließt/ den schrecklichen Dingen, die sich auf dem Kontinent vorbereiten, in die Augen zu sehen. Bisher haben wir die Erfahrung gemächt, daß England stets erst in 1 e t zter Stunde eingreift. Seine Haltung in der deutschfranzösischen Spannung erscheint dem gesunden Menschenverstand unverständlich. Die Welt wünscht ein rascheres Tempo. Vielleicht hat England Zeit. Die kontinentalen Staaten haben sie nicht. Sie empfinden es als Schmach, daß gegen die Erpressung durch Hitler-Deutschland kein Akt der Abwehr unternommen wird. Leider rufen die Entscheidungen langsamer, als es die Leidenschaft der nach Wiederherstellung des Rechts _ lechzenden Menschen verlangt, " . 'tv > - ' _ '■'■ , ■■■ ■ ö« .jr« -