Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 549 (27.3.1936)
- Date
- 1936-03-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nim Ii DIE NEUE WELT Iii illi» Ii Ii 11 I ii III <n——fr— Nr* 549 vom 27. Mär* 1936 SONOERZUGE zu OStGf 11 nach POlfill u. Ciernowiti Abfahrt 31. Mär« und 3. April „ORBIS", I„ Kärntne>stfäÖe 41, lelebhört Oesterr.* Vetkehfsbüro, t, FriedriehstfÄBe 7, Telephon B-21-506, lind Oesterr.. Verkehrsbüro, t., Graben 20, Telephdn Nr. U*29-Ö*95 Neue FahrprelsbegÜJtstigungeiil durch ihre Duldung oder geheime Unterstützung sie groß werden ließen. Eine zweite unerläßüohe moralische Forderung des Monotheismus ist W ö h 1 w o 11 e n für alle Menschen und Völker, für die gesamte Kreatur, wie es der Psalnlist lehft: „Die Gnade des Ewigen erfüllt die ganze Erde", und, wie es unsere Weisen sagen: „Wer Wohlwollen bekundet für seine Mitmenschen, bekennt sich dadurch zur gesamten Lehre Gottes; wer Gnade Und Güte nicht kennt, der leugnet Gott und seine Lehre/' Wie konnte auch ein Mensch, der eine Ahnung vom-.Ernst des Öäaeins hat, der empfindet, wie wir in jeder Sekunde von Gottes Gnade in unserem Leben abhängig sind, anders als brüderlich und liebevoll allen Wesen, insbesondere seinen Mitmenschen gegenüber sich verhalten? Wir erinnern uns an so manche Schiffskatästrophen, wo in letzter Stunde, da alle dem Tode gegenüberstanden, Menschen verschiedener Länder und Sprächen, Menschen verschiedener Stände und Erkenntnisse1, Gläü* bige und Ungläubige, auf einmal von einer Ahnung des Ewigen in gleicher Weise erfaßt wurden. Ein Gebet vereinigte sie, ehe sie versänket. „Die Welt ist eine stürmische See", sagt, ein hebräischer Dichter, und wir befinden uns, auch in ruhigen Zeiten, wie auf einem sinkenden Schiffe. Und wenn wir nicht alle auf einmal von den Wellen vefSchlürigeh" werden, so doch ganz sicher nacheinander, die einen morgen, die änderen übermorgen, oder nach kurzer Zeit. Decken Sie Ihren Bedarf an Pessach-Wefn zu den billigsten Preisen Weinkellerei Samuel Markus Silber II, Rotenst er ngeisse 22, Telephon R-47-2-26 Unter Aufsicht des .Qemeiridefäbblriers Mäyersohn Wie körine« wir unsere Verbindung mit Gott anders verstehen. * als ein uneingeschränktes Wohlwollen für alle Menschen, die gleich uns die Leiden dieser Welt zu ertragen haben? Und wie können wir die Grausamkeit urtd Selbstsucht einzelner Menschengruppeh anders auffassen, alä ein den Bestand der Welt gefährdendes Heidentum? Da höre ich, daß In dön. letzten Tagen in England Bittgottesdienste veranstaltet wurden, daß der Allmächtige uns den Frieden bewahren möge. Man scheint nun doch zu fühlen, daß eine grauenvolle Nöt uns allesamt bedrohe. Es drängt sich hier mir die Erinnerung aii die Geschichte der Brüder Josefs auf, die, als sie nach Aegypten gekommen waren, um Getreide zu kaufen, sich auf. einmal von einem schweren Unheil bedroht sahen. Niedergeschlagen und schuldbewußt blickten sie einander an, bis der älteste unter ihnen, Rüben, es aussprach: »Ja, dies ist die Strafe dafür, daß wir hartherzig dabeistanden, als unser wehrloser und unglücklicher Bruder uns seine Hände in Todesangst entgegenstreckte und uns um» Rettung bat. Deshalb ist jetzt dieses Unglück über uns gekommen." Vielleicht wird nun auch unter den Staaten und Nationen der Welt ein Rüben sich finden, der sich zum Bekenntnis durchringt: „Eine schwere Schuld lastet auf unserem Gewissen; denn vor einigen Jahren noch( als nur allein das Judenvolk, das wehrloseste, es war* das uns seine Hand um Hilfe entgegenstreckte, daß wir es vor den Verfolgungen und der Schmach, denen es ausgesetzt ist, retten, da rührten wir uns nicht. Da meinten wir, wenn nur unsere politischen Interessen gewahrt sind, gehen uns diese U n m enschlichkeiten nichts, an* Nun ist die Macht des Bösen so angewachsen, daß sie zu einer Geißel für uns geworden ist;" (Der Auszug aus der zweiten Rede folgt in der Nummer vom 3. April TPessach-Ausgabe].) Verband d. Judenstaatszionfeten ]|| REICHENB ERGER Sektldfi l>fäter< lt., Erlaufstraße 5, Freitag, den 27. d., hin Uhr abends. Oneg Schabbath. Gesang: Segai-Rösenbäch. Sonntag, den 29. d„ um 8 Uhr abends, Heimabend: K. Schönberg, M. Wachsmann (Violine), Lilly Halpern (Klavier). Judenstaatsjugend. Die Vollversammlung wurde auf Dienstag, den 31. d., vorverlegt. Im Zentralheim, I.. Werdertorgasse 14, spricht David Nebenaahl Uber ,.4 0 Jahre politischer Zionismus". Beginn Uhr abends. O PTIKER RUDOIF HAAS & Co. WIEN II, PRATEßSTRASSE 32 SPEZIALIST FÜR BRlLLENOP.TlK Ein neues JudensteatstHeim Das Resultat emsiger, aufopfernder Arbeit der Judenstaatszionisten in der Sektion Prater — das neue Heim in der Erlafstraßet Lohn für Zähigkeit, Energie und Glauben an Herzls Ideal! Diese Tat verdient daher mit besonderer Betohung hervorgehoben zu werden. Samstag, den 21. März, fand die Einweihung des Helmes in 'der Erlafstraße 5 statt. Die Einweihungsfeier trug deh Ernst der Stunde. Nachdem der1 verdienstvolle Obmann, Herr Julius Katz, die Festgäste und die Vertreter der einzelnen zionistischen Gruppen und Institutionen begrüßt hatte, ergriff Oberrabbiner Dr. Feuchtwang das Wort. Seine Ausführungen gipfelten in * dem Wunsch, die jüdische Jugend möge in dem neuen Heim eine Stätte der geistigen Vorbereitung zum Judenstaat finden. Öberbaurat Robert Stricker hob die hervorragenden Leistungen der Sektion Prater für den Judenstäatagedahken und die Treue der Judenstaatsjugend zu ihrer Aufgabe hervor, nachdem Oberkantor Josef Feuer 6in§n Päälfn von Jöäef M i 11 e t mit prachtvollem Ausdruck gesungen hatte. Frau Katz, Vizepräsidentin der Deborah, hielt eine packende hebräische Ansprache, Theödoi4 G r u b n e r dankte im Namen der Leitung der JÜdenstäatspartei all denen, welche durch ihre Arbeit die S<JKäffUfc£ des' heuen Heimes ermöglichten. Den künstlerischen Teil, den Dr. Oskar Rosenfeld mit einer Conference einleitete, bestritten, von S. Wölf söhn begleitet, der Bariton Duno Tendier und der Geiger Kurt Fuchsgelb, anerkannte Künstler in ihrem Fach. Den Abschluß der stimmungsvollen Feier bildete (nach Vortrag jiddischer Volkslieder durch Josef Feuer) die >(Hatikwah". Das neue Heim repräsentiert sich als eine für Studium, Vorträge und Versammlungen geeignete Stätte, in der die Jugend sich zu zionistischer Arbeit zusammenfinden wird. Die bisherige Tätigkeit der Sektion Prater unter Leitung von Julius Katz verspricht weitere Erfolge. Grammophonhaus »EXCELSIOR« Wien l, Frans-Josefs-Kal 13 Jüdische KUnstler auf Schallplaften Das Emeklied aus dem Tonfilm „Land der Verheißung" und viele palästinensische Horras, hebräische und jüdische Lieder. Erstklassige musikalische Aufnahmen. Aus dem neuen l'rograram: 1134 Shuw Adonai (Psalm 126) Peter Upcher (Baß) a) Awinu Malkeinu — b) Hava Nagilah. 1135 a) Hajeta Ts' eera — b) Unser Ribbinu — c) Der Rebbe hat geheißen — d) Hienah Mah Tov — e) Bolter. 1136 Selectlon of Palestina Folk-Song 11. Teil, gesungen M. Roth, Tenor, mit Orchester. 1137 Hatlkwa, Großes Lukraphonorchester mit Mähnerchor, Techeimknah, unter Leitung von Werner Se£lig-B$ß. 1138 a) Noyer Chasen — b) Am Maschiach — c), Ballagule — d) A din Toyro mit Got, ges.'von Alexander, Tenor rii. Orgel, lerner neue Aufnahmen vön Oberltantören Kupfer, Plnkas und Schwaramer usw. Früh jährst Gesellschaftsreise nadi Palästina Abreise: Freitag, 17. April. Rückkunft: Ii. Mai. Die Reise geht über: Wien—Rom-—Neapel—- Hälfä—Jerusalem—Tel-Aviv (Levante - Messe)—Kairo -^-Alexandrien—Athen—Trieste—Wien. Erstklassige Führung. .— Alle Reisebequemlichkeiten. Die Reise erfolgt auf einem Luxusdampfer de* Lloyd Trlestano. Auskünfte: Sekretariat des Verbandes der Judenstaatsziohisten, I, Werdertorgasso 14, täglich zwischen 19 und 21 Uhr. Ring der Alt-Herren-Verbände der zionistischen Verbindungen. Am Montag, den. 30. März, 8 Uhr abends spricht im Festsaale unseres'Klubheims Herr Redakteur Bruno Heilig* über das Thema „England macht die Weltpolitik". Die Ringbrüder werden gebeten, mit ihren Damen und Gästen pünktlich zu erscheinen. NAZZOTH Die Juden Wiens und der Provinz sind zur Ueberzeugung gelangt daß die Sensation des PESSACHFESTES die weltberühmten der PESTER israelitischen KULTUSGEMEINDE sind Unerreicht an Qualität und Geschmack I Nooh einem Versuch kauft jeder die gute Pester Qualltätsmazzoth, dünne und (runde) dicke, sowie Mazze-Grieß, Farvel und Mazze-Mehl in allen einschlägigen Geschäften erhältlich ALL ElNVEftTRETUNG FÜR ÖSTER REICH IGNAZ FROST, Lebensmmelhandlung, llv Haidgasse 9, Tel. A~49-3-84 Ijeietketi&eisel |1 Wimi Hltfttt« aast statt«! Die Naiven Aus London kommt eine Nachricht, die wie ein Märchen klingt, ein echtes Kindermärchen. Bedeutende englische Männer' (eitt Sozialist vom Schlag MacDonalds, ein Historiker und ein Naturforscher) veröffentlichen, einen Appell an Hitler, er möge seine Judenverfolgungs« politik aufgeben, um das Vertrauen der Weit zu Deutschlands Friedensaufrichtigkeit zu ge* winneni Eines der größten Hindernisse für ein gutes Bin« vernehmen zwischen England und Deutschland sei dt* grausame Behandlung der Juden und die Einmischung in die religiöse Freiheit. Dieser Appell, so gutgemeint er auch sein mag, verliert seine innere Berechtigung gerade durch die Unterschrift eines MacDonald-Anhängers. Waren es doch eben MacDonald und seine Gesinnungsgenossen, welche Hitler stützten Und zu den Gewalttätigkeiten des Hitler- Regimes Ja und Amen — bis zum Flottenpakt sagten. Es wäre viel nützlicher, wenn die genannten Herren die Öffentliche Meinung Englands Über die wahren . Absichten des Dritten Reichs aufklären wollten, als vom Wolf zu verlangen, er mögen die Schaf© nicht zerreißen. Gerade in den letzten Wochen hätten die Appellanten Gelegenheit gehabt (nämlich während der Londoner Konferenz nach dem Bruch des Locarnopaktes durch Deutschland), etwas für ihr humanitätsvolles Herz zu tun. Sie' haben es Unterlassen... Vorbei. 1 Aber sie sollenwissen, daß man mit einem Appell an das Gewissen . der heutigen Machthaber Deutschlands nicht das Geringste ausrichtet, daß man sich höchstens der Verspottung durch eben diese Machthaber aussetzt... GRABSTEINE in würdiger Form aus den Werkstätten WULKAN & NEUBRUNN III, RennWeg 110 St. Marx Seit 1S93 Erpressung in £ew Falmbvandhe Die deutsche 1 Reichsf ilmprüf stelle ist im allgemeinen sehr streng. Sie wahrt Goebbels* Vorschriften, bis zum äußersten und drückt nur dann ein Auge zu, wenn es zum Nutzen der K,a a s 6 geschieht. In der vorigen Woche verbot sie den in Prag gedrehten. Film „Hoheit tanzt Walzer", den eine Münchner Vertriebsgesellschaft für Deutschland, übernommen hatte. Es wurde nämlich, bei der deutschen Fassung dieses Films der Arierparagraph außer acht gelassen. Dai^aufhin trat die Filmberatungskommission in Prag zusammen, um diesen Fall zu besprechen und eventuelle Repressalien zu be-i schließen. Es soll . darauf hingewiesen werden, daß ■ es sich bei diesem Film um ein „Spitzenwerk der heimischen Produktion" handle, das vier Millionen tsch. Krönen gekostet habe, und daß Deutschland in anderen Parallelfällen, z. B. bei Harry Baur (Paris), Franziska Gaal (Budapest), Joseph Schildkraut (New York), von der strengen Beobachtung des Arierparagraphen bei ausländischen Filmen habe abgehen müssen. Was hier geschehen wird, wissen wir nicht. Denn uns ist Uber die Standfestigkeit de? Prager Filmleute niohts bekannt. Aber schön der Versuch, sich der hitleristischen Erpressung entgegenzustellen, verdient — in Oesterreich— vermerkt zu werden. Nichtjuden gegen den Antisemitismus Aus Warschau: Der polnische Arbeiterführet Niedzialkowski brandmarkte in einem Artikel im „Robotnik" die antisemitische Hetze in Polen. Er schildert die Verfolgungen der Judfen an den Universitäten, die Ueberfälle auf Juden in den Eisenbahnzügen und Straßenbahnen und fragt, wie Polen unter solchen Umständen von einem jüdischen jungen Manne fordern könne, mit dem .Gewehr, in der Hand, die Grenzen der Polnischen Republik zu verteidigen. Zum Schluß versichert Niedzialkowski, daß er vollblütiger Arier sei. Der Warschauer; Universitätsprofessor Czarn 0 w a k i hat in der Jüdischen Schriftstellervereinigung einen Vortrag gehalten, in dem er in schärfster Weise gegen die judenfeindliche. Propaganda in Polen Stellung nahm. Tn seiner Jugend, erklärte Professor Czaraowski, habe er eine Blüte des Judenhasses erlebt, aber damals glaubte man, daß ein Pogrom, wie der in K i s c h i« new, nur in einem barbarischen Lande, wie es das damalige Rußland war, möglich sei. Jetzt zeige es sich, daß es zu ähnlichen Ereignissen auch in Ländern kommen kann, die Anspruch auf ein höheres kulturelles Niveau erheben. Als Pole müsse er sich dessen schämen, was in Przytik vorgekommen, ist. Aber Frzytik sei bloß eine, gesteigerte Auedrucksform eines Zustande?, der auch -andere Landes teile ergriffen hat. Bedauerlicherweise wurden zu diesem Kampf auch Bauern und Arbeiter mißbraucht.-