Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 549 (27.3.1936)
- Date
- 1936-03-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 549 vom 27. März BBS NEUE WELT Juden I Das jüdische Volk wird überall verfolgt. Es gibt kaum ein Land, wo wir ruhig leben können, au&genommen Erez Israel. Aber auch dort will Engtand sein uns gegebenes Wort brechen. Ein unerhörtes Attentat auf das jüdiöchnationale Aufbauwerk ist geptantt Die Einführung eines Legislativen Rates, eines Parlamentes mit nicht jüdischer Majorität Iii Erez Israel. Seit Jahr und Tag haben wir Judenstaatszionisten auf die Gefahren der Politik der heutigen Mehrheit hingewiesen. Verlacht und verhöhnt wurden unsere Warnungen. Man hat uns die Organisationsarbeit in der jüdischen Gasse erschwert. Aber wir haben die der Verantwortung bewußten Zionisten um uns gesammelt, um die Judenstaatsfront gegen innen und außen zu stärken. Heute, da wir in dieser Stadt Wien eine ansehnliche Gruppe darstellen, gehen wir mit neuer Kraft, die wir aus dem Glauben an die unvergänglichen Ideale Theodor Herzis schöpfen, zu unserer dritten Landeskonferenz, die eine Epoche In der Entwicklung des Judenstaatszionismus in Oesterreich darstellen soll. Wir fordern alle Juden auf, unsere Reihen zu stärken und mit uns den Kampf für d©n Judenstaat in Erez Israel zu führen. Juden! Hinein in den Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs! Für den Verband der Judenstaatszlonisten Oesterreichs: Oberbäurat Robert Stricker, Dr. S. Wolf, Fritz Richter, Theodor Grubner. * Die feierliche, frei zugänglicihe Eröffnung der dritten Landeskonferenz der Judenstaatszionisten Oesterreichs findet Samstag, den 28. März, um halb 9 Uhr abends im Festsaal des Hotel Continental, II.,. Taborstraße, statt. . Sonntag, den 29. Marz, wird die Landeskonferenz um;10 Uhr vormittags im Zentralheim, I., Werdertorgasse 14, fortgesetzt. Wttkeksfüefd Klare Definition Der Ausdruck Rational honte" der Deklaration wird mit „Nationales Heim" übersetzt. Ein nationales Beim ist ein juristisch belangloser Begriff. Im Englischen bedeutet aber 33nation" nicht nw Nation, sondern auch Staatsnation, ja, gelegentlich, und zwar in den wichtigsten Fällen, ,ßtäat" schlechthin: So heißt die Staatsschuld im Englischen „natio nal debt". Max Seidmann in ,,Der Ruf". Der Segen der Privatinitiative - Der jüdisoJie Bauer in Amerika, hat alle Arten der LändiöirtscJiaft mit Krf o-Vg^ betrieben*. ' Kartoffeln,) Tabak, Buben, Weizen, Bienenzucht — alles hat er er-* zeugt. Obgleich es mehrere jüdische Bauern im Mittleren Westen gibt, die ■ große Besitzungen haben, ist der- Durc hs chnit t des jüdischen Landbesitzes klein und' gerade großgenug für den eigenen Lebensunterhalt. Die meisten jüdischen Bauerngüter Hegen nahe beieinander. Ursprünglich, waren die meisten der jüdischen Ansiedlungsprojekte als kooperative Unternehmungen gedächt, mehr oder weniger in derselben Art wie die Kvmzoth in Palästina. In der Hauptsache jedoch sind alle diese Kolonien zerfallen. Die Siedlungen, die sich gehalten haben und erfolgreich waren, sind diejenigen, in denen Privatinitiative steckt. Tagesprobleme in ü. S. A. („Jüdische Rundschau".) Jüdische Produktivität Im Unterhaus teilte der Vertreter der britischen Regierung auf eine Anfrage mit, daß deutschjü d is che Emigrant en in En gl and 2 0 0 Unternehmung e n gegründet haben, die T ausenden von Briten Arbeit verschafften. Londoner Meldung, 1936. Von staatsbürgerlicher Gleichberechtigung Staatsbürgerliche Rechte stehen in einem gesetzlich klar vorgeschriebenen Verhältnis zu staatsbürgerlichen Pflichten. Die Gewährung dieser Rechte ist also kein Gnadenakt und kein Geschenk, sie ist erkauft und ordnungsmäßig bezahlt„.. Unser nationales Bekenntnis sollte daher unsere staatsbürgerliche Stellung ebensowenig beeinträchtigen wie unser religiöses Bekenntnis. Selbst nationale Minderrechte sind keine Vorrechte, die durch Abstriche an staatsbürgerlicher Gleichberechtigung behandelt werden müssen. Die Daseinsbedingungen der ■Volksminderheit sind auch im Rahmen nationaler Rechte unzulänglich und leidensvoll genug, als daß sie von der glücklichen Mehrheitsnation mit staatsbürgerlichen Rechtsbeschränkungen noch belastet werden dürfen. Jakob Klatzkip, „Bekenntnis eines Zionisten zur Judenfrage" (Vortrag). Volk/ Land; Staat Wenn es möglich ist, einen Satz zu, prägen, der in markanter Weise alle Erscheinungen und Offenbarungen der jüdischen Geschichte ausschöpft, dann können wir sagen: Die positive Herrschaft des Thoragesetzes Uber das praktische Leben bildet den Schwerpunkt der ganzeifi jüdischen Geschichte im Altertum und in gewissem Sinne auch den Schwerpunkt der jüdischen Qeschiohte m jeder Zeit, Die Thora gebar das Volk Israel, inaugurierte das Land Israel und schuf, den Staat Israeli Rabbi Dr. Robert Serebrenik, „Der jüdische Weg",;936\ leichtverdaulich Kunerol [ist .vollständig k reines iFett öuslKokosnüssen, jvesjjs^i^hrnaft# leicht^rdaulich/^ , b'arWd ■ kann von federn? Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch- und Fleisch* speisen)?ür denlFesttagstischVerwendet werden. Das Verschlußsiegel der,Packung gibt Ihnen_;die Gewißheit, daß Kunerol unter Aufsicht Sr. Ehrwürden des|Herrn Bezirks rabbiners^S., Ehrenfeld zu Mattersburg hergesteilt wird. \m Lk_ Ml Das100%reine Kokosnußfett K151 Nur echt in Originalpackung! Im Kampf gegen das Judentum Von Rabbiner Dr. Armand Kaminka. In seinen letzten zwei Vorträgen im Maimonides-Institut befaßte sich Rabbiner Dr. Armand Kaminka mit der zugestandenermaßen auf Grund heidnischer Anschauungen das Judentum und zugleich das Alte Testament bekämpf enden Rassentheorie einerseits, andererseits mit der heftigen religiösen Propaganda in den jüngst bekanntgewordenen Reden hervorragen-- der katholischer Führer, die durch Konzessionen an den volkstümlichen Judenhaß die Kluft ^wischen der religiösen Welt- *: *yy$" •> .•• - ., anschauung und der. instinktmäßigen Rassengehässigkeit überbrücken zu können glauben. Wir veröffentlichen einen Auszug zunächst aus der ersten Rede. ' ' I. : ' Wenn die Propheten Israels mit Abscheu vom Heidentum sprechen und den Glauben an den einzigen Gott als die höchste sittliche Forderung hinstellen, so muß man sich vor Augen halten, daß im Heidentum nicht die abstrakte philosophische Vorstellung, nicht das Metaphysische allein das Entscheidende ist, das überhaupt nur von großen Denkern erfaßt werden kann. Das Heilige und für das sittliche Leben der Menschen Bedeutsame des Monotheismus liegt in den in ihm verankerten moralischen Forderung. e n, ebenso wie das Verwerfliche und Unwürdige des Heidentums nicht so sehr in der intellektuellen Verirrung liegt, für die man die große Masse doch nicht verantwortlich' machen kann, als in der Zerstörung der sittlichen Grundlagen eines gedeihlichen und gottgefälligen Lebenswandels. Die Weisen haben das im Talmud in einer sehr feinsinnigen Bemerkung zum Ausdruck gebracht: Wenn der Prophet Jeremia im Namen Gottes klagt, „Mich haben sie verlassen und meine Lehre haben sie nicht gehalten" (nach einer stilistischen Regel tritt in der pathetischen Rede eine Steigerung vom Schwächeren zum Stärkeren hervor), so wolle er damit sagen, Gott hätte ihnen verziehen, wenn sie i hn z war verließen, seine Lehre aber hielten; das heißt mit anderen Worten: Wichtiger als der formale Monotheismus ist das in ihm enthaltene Moralgesetz. Welche sind nun diese unerläßlichen, ewig gül-. tigen moralischen Forderungen im Monotheismus, deren Fehlen im Heidentum dieses zu einer Gefahr für die Gesittung der Menschen und für den Frieden der Völker macht? Kennzeichnend für den Monotheismus ist Wahrhaftigkeit und Treue, wie andererseits die Lüge und die Unwährhaftigkeit naturnotwendig heidnisch sind. Unseren kleinen Kindern bringen wir, wenn sie zu sprechen anfangen, als erstes das kurze Morgengebet bei „Thora tehe emunathi" (die Lehre Gottes sei meine Treue), entsprechend dem Worte des Propheten: „Der Gerechte lebt in seiner Treue" (Habakuk, 2, 4). Unsere Weisen sagen, wie das hebräische Wort ,emeth' aus drei Konsonanten besteht: Alef Anfang, Mem Mitte und Tav Schluß des Alphabeths, so sei Gott Anfang, Mitte und'Schluß aller Dinge, oder, wir könnten auch sagen, das Rückgrat . unseres Seins und Denkens, Der Gedanke ist übrigens nicht nur von den Cfelehrteh des Talmuds, sondern bereits einige Jahrhunderte früher von Plato in seinem Buch über die Gesetze als alter Spruch erwähnt. Um es klar zu machen, wie sehr es auf die Wahrhaftigkeit in der Religion ankommt, möchte ich. eine etwas krasse Gegenüberstellung wagen: Der römische Philosoph Seneca schrieb aus seiner Verbannung auf der Insel Korsika einen Trostbrief an, seine Mutter Helvia,r.in welchem er,:die einfachen Sitten und . Tugenden der römischen Bürger in früheren Zeiten preist. Er sagt da-u. a.: „Unsere Vorfahren waren nicht reich. Sie. hatten keine Schätze von Gold und Silber. Ihre Hausgötter waren aus Lehm gebildet, aber wenn sie bei diesen einen Eid ablegten, war er ihnen heilig und sie scheuten die Unwahrheit." Das gibt uns einen Einblick in die Seele eines Heiden, der zwar in seiner beschränkten Vorstellung vom Kosmos das,Lehmgebilde als göttliches Wesen verehrt, wobei er aber .die richtige religiöse Ahnung hat, daß es eine Gottheit gibt von unendlicher Heiligkeit, an welche die Menschenwürde gebunden ist, so daß er wahrhaftig sein muß und keine Lüge sprechen darf. Nehmen wir nun den sehr traurigen umgekehrten Fall, daß ein Monotheist, ein Jude, Katholik oder Protestant, wie es leider doch schon manchmal vorgekommen ist, unter Anrufung Gottes einen Meineid leistet; das heißt also, daß er Gott, zu dem er sich dem Namen nach bekennt, verleugnet und seinen Namen entweiht. Wenn wir nun aufrichtig sind und uns fragen, wer von diesen beiden der" wahre Gottesbekenner und wer der Götzendiener ist, so können wir nicht umhin, in diesem Falle den zwar intellektuell verirrten, aber sittlich hochstehenden Heiden für Gott näherstehend anzusehen als den formalen Bekenner, der auf dem Böden der bibüschen Religion zu stehen vorgibt, aber für die menschliche Gemeinschaft durch seine Lügenhaftigkeit und seine Freveltaten eine -Gefahr wird. Wo die Lüge zynisch und hemmungslos in der Welt hervortritt, untergräbt sie den Glauben an Gott und vernichtet das gegenseitige Vertrauen im Leben der Menschen und Völker; sie verhöhnt den Menschengeist und unterdrückt das in hervorragendem Maße Göttliche in uns, den Sinn für das Wahre. Alle diejenigen, :die aus O p p o r tun itä tj um irgendwelche Vorteile zu erlangen oder um vorübergehende Gefahren von sich abzuwenden, auf derartige Unwahrhaftigkeiteri eingehen, sie nicht mit Entrüstung zurückweisen, sondern durch Zugeständnisse und Ermutigungen immer mächtiger werden lassen, müssen es sich gefallen lassen, daß sie als Förderer des Heidentums bezeichnet werden. Sie werden früher oder später dessen unheilvolle Folgen auch an sich selbst verspüren. Denn bestehen für die Dauer kann die Lüge nicht. Nur die Wahrheit besteht für immer. Wir erinnern uns an die berühmte Statue, die der König von Babylon in seinem Traum sah : ein gewaltiges, Bild, das Haupt von Gold, die Anne von Silber, der Leib .von Erz, aber die Füße von Ton —■ es konnte nicht auf die.Dauer bestehen. So.sind, wir auch sicher, daß die Unwährhaftigkeit! in der Welt nicht nur-für sich zusammenbrechen, sondern jta ihrej| Einsturz auch, diejenigen mit sich reißen wird, m