Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 548 (24.3.1936)
- Date
- 1936-03-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 548 vom 24. Um 1936 DIE NEUE WELT Seite 3 mmmmmm r Verband der Judenstaatszlonisten Oesterr. «•«««« Mittwoch, dan 15. ds., 169 Uhr abdt. Im Zentralhelm, I, Wcrdcrtorgcisia 14 J. SEGALL-BOSENBACH: tfinlelt. Worte ttber SnhoicWtwtjsr des VoIfcsHedes Verb« d« Judenstaatszionis Jen Oe§ terfekhs Verband der Judenstaatszlonisten Oesterreichs, Sektion 14/15, XV., Schanzstraße 32, Dienstag, den 24. d., um halb 9 Uhr abends: David Nebenzahl: „40 Jahre politischer Zionismus." * Zentral heim, I., Werdertorgasse 14, Mittwoch, den 25. d., um halb 9 Uhr abends: Radio- und Konzertsänger S6gall*Roaenbiach: Jüdischer und hebräischer Liederabend. * : Sektion Leopoldstadt, II., Taborstraße 21a, Donnerstag,,den 26. d., um halb 9 Uhr abends; A. Schwertfinger: „Minoritätenproblcm." * Am 28. und 29. d. M. findet die Landeskonferenz statt. Eröffnung Samstag, den 28. d., um halb 9 Uhr abends im Festsaalc des Hotel Continental. Sonntag, den 29. d., um 10 Uhr vormittags, I., Werdertorgasse 14. * Die Judenstaatsjugend und der Verband der Judenstaatszionisten gratulieren ihren Mitgliedern Hella Fuchs und Salomon Friedmann zur Vermählung. * Sektion Prater, II., Erlafstraße 5. Freitag, den 27. d., halb 9 Uhr abends, Oneg Schabbath für Mitglieder und eingeführte Gäste. Die drille Landeskonferenz des Verbandes der Judenstaatsnonisten Oesterreichs Wie wir bereits berichtet haben, eröffnet der Verband der Judenstaatszionisten Oesterreichs Samstag, den 28. d., um halb 9 Uhr abends im Festsaäle des Hotel Contiental seine dritte Landeskonferenz. An diesem Abend werden folgende Referate abgehalten: 1. Eröffnung durch den Präsidenten Oberbaurat Ing. Robert Stricker. 2. Theodor Grubner: „Die Entwicklung des Verbandes der Judenstaatszlonisten." 3. Fritz Richter: „Die Jugendbewegung des Verbandes der Judenstaatszlonisten." 4. Rabb. Dr. I. Zwi Kanner: „Judenstaatszionismus und Religion." ö. Dr. Salomon Wolf: „Die politische Lage des Zionismus und die Politik des Verbandes der Judenstaatszlonisten." 6. Oberbaurat Robert Stricker: „Zionistische und jüdische Politik — Rückblick und Ausblick." Der.. Eröffnungsabend ist allgemein zugänglich. . , *. t - ■ Sonntag, den 29. d., um 10 Uhr vormittags, wird die Landeskonferenz fortgesetzt. Am Sonntag haben nur Machzith-Schekel-Zahler Zutritt. Diese Sitzung findet im Zentralheim, Wien, I., Werdertorgasse 14, Statt. Um allen Gesinnungsgenossen ein Stimmrecht bei der Landeskonferenz zu ermöglichen, hat sich die -Ver-' bandsleitung entschlossen, als letzten Abrechnungetermin Mittwoch, den 25. d., festzusetzen. Wir machen nochmals alle Gesinnungsgenossen aufmerksam, daß nur jene Gesinnungsgenossen bei der Landeskonferenz Stimmrecht haben, die im Besitze eines Machzith Haschekel sind.. Frühjahrs« Gesellschaft «reise nach Palästina Die Reise geht über: Wien—Rom—Neapel—Athen •—Haifa—Jerusalem—Tel- Aviv (Levante-Messe) —Kairo —Alexandrien—Trieste—Wien. Erstklassige Führung. — Alle Reisebequemlichkeiten. Auskünfte: Sekretariat, des Verbandes der Judenstaatszlonisten I., Werdertorgasse 14, täglich zwischen 19 und 21 Uhr. Der nimänischc Innenminister gegen Rassenhaßpropaganda Aus Bukarest (J. T. A.): Während der Aussprache in der rumänischen Deputiertenkammer über die Verlängerung des Belagerungszustandes gab Innenminister Ion Inculet die Erklärung ab, daß die Regierung keineswegs, wie dies von der national-zaränistischen Opposition behauptet wird, mit den rumänischen Rechtsparteien sympathisiere. In Rumänien, sagte der Minister, darf, es keinen Rassenhaß geben. Die rumänische Regierung versuche, die, Probleme dadurch zu lösen, daß dem rumänischen Volk höhere sittliche und geistige Ideale eingepflanzt werden. Die Rassenhaßpropaganda, die zu.einer Reihe von Exzessen geführt habe, bedeute eine schwere Schädigungdes rumänischen Volkes. Ein reuiger Pogromheld Aus Warschau (J. T. A.); Ein gewisser Stephan Kolcaak hat Amerika der in Warschau lebenden Witwe Meinfeld und ihren vier Kindern 10.000 Dollar überwiesen. Kolczak hatte 1919 an einem Pogrom teilgenommen, bei dem der Gatte der Frau Meinfeld den Tod fand. In einer Anwandlung von Reue beauftragte er nun den Warschauer Anwalt Leon Szliewtnski, die Angehörigen des Pogromopfers ausfindig zu machen, um sie zu entschädigen, was dem Anwalt auch gelang. ■■MMM Die antijüdischen Exzesse in Polen haben einen derartigen Umfang angenommen, daß jetzt von Zufalls-« aktlonen und Einzelagitationen nicht mehr die Rede sein kann. Es geht hier nicht mehr um die Beunruhigung der jüdischen Bevölkerung, sondern um deren wirtschaftliche und physische Existenz, deren Bedrohung von der Regierang trotz vielfacher Versprechungen der Abwehr geduldet wird. Am 17. März fand in ganz Polen ein halbtägiger Generalstreik zum Protest gegen diesen Zustand statt. Alle Schichten der jüdischen Bevölkerung leisteten der Gencralstrelkparole Folge. Es war eine grandiose Manifestation, an der auch viele Tausende nichtjüdischer Arbeiter teilnahmen. Die J.T.A. meldet über diese eindrucksvolle Kundgebung aus Warschau: Jüdische Künstlersplele. Ab Freitag, den 27. März, das chasaidische Volksstück „Sc ha, der Rebbe führt" mit Sevilla Pastor in der Hauptrolle» Rabbiner und Arbeiter, Kaufleute, Rechtsanwälte und Studenten hatten jede Tätigkeit eingestellt. Die Büros der jüdischen Gemeindeverwaltungen und der Organisationen blieben geschlossen. Im jüdischen Geschäftsviertel Warschaus herrschte vollkommene Stille, auch zahlreiche nichtjüdische Geschäfte blieben geschlossen. In den jüdischen Schulen fiel der Unterricht aus, die jüdischen Tageszeitungen waren nicht erschienen. Alle jüdischen öffentlichen und privaten Unternehmungen ruhten. In Warschau allein wurden Über tausend Kundgebungen veranstaltet. Besonders eindrucksvoll war die Kundgebung von über 100 Rabbinern, die sich in geschlossenem Zug auf den jüdischen Friedhof begaben, um an den Gräbern der großen jüdischen Gelehrten um Frieden und Gerechtigkeit für die Juden Polens zu beten. Die jüdischen Anwälte waren zwar zu ,den Gerichtsverhandlungen, die am Vormittag in Warschau stattfanden, in Amtstracht erschienen, bewahrten jedoch eine Stunde lang vollkommenes Schweigen als Ausdruck ihrer Sympathie mit dem Streik. Die jüdischen Hochschüler blieben den Vorlesungen fern;' An der Warschauer Technischen Hochschule waren Anschläge in polnischer und hebräischer Spraohe angebracht, in denen Klagereden des Propheten Jeremias zitiert und auf die gegenwärtige tragische Lage der Juden Polens angewandt wurden. Eine einzigartige. Kundgebung fand auf dem . Warschauer Hauptbahnhof statt, wo ein Transport von 400 Juden nach Palästina abging. Die Wagen des Zuges wurden spontan in Rednertribünen verwandelt, von denen aus Ansprachen an die dichten Menschenmassen auf dem Bahnsteig gehalten wurden. Die jüdischen Häuser auf Nalewki waren mit Aufschriften bedeckt, die dem Protest gegen die jüdenfeindlichen Unruhen Ausdruck gaben. Kundgebungen in der Prolins In Lodz hat eine Konferenz von 500 Delegierten, Vertretern von 100.000 polnischen Textilarbeitern, ihre Solidarität mit dem jüdischen Generalstreik zum Ausdruck gebracht. Eine Massenversammlung polnischer Arbeiter wurde einberufen, die eine Resolution gegen die Duldung der anti jüdischen Exzesse durch die Regierung annehmen sollte. Der Reglerungsvertreter ließ jedoch die Abstimmung über die Resolution nicht zu. Auch in anderen Städten veranstalteten die nichtjüdischen Arbeiter Kundgebungen der Sympathie mit der jüdischen Arbeiterschaft. In Bialystok wurde die Arbeit in den Fabriken für eine Stunde zum Zeichen der Sympathie mit der jüdischen Protestkundgebung niedergelegt. Aehnliche Sympathiekundgebungen fanden u, a. in Piotrkow, Kalysz und Czenstochaü statt. , ,-.V « 0 Riiualmordlegende . Von dem Kreisgericht in Radom hatte sich der Bauer Jan Koziol aus einem Dorf im Kreis Sandomierz wiegen Verbreitung der B.lutbeschuldigung gegen Juden zu verantworten. Koziol war der Urheber eines Gerüchtes, - daß die Juden in Tarnobrzeg ein 20jähriges christliches Mädchen „zu rituellen Zwecken" getötet hätten. Koziol, forderte die Bauern auf, Rache an den Juden zu nehmen. Er wurde zu einem Jahr Gefängnis bei vierjährigem Strafaufschub, verurteilt. Ein jüdischer Arbeiterkongreß Der Landesrat der gewerkschaftlichen Vereinigungen hat in seiner letzten Sitzung die Einberufung eines allpolnischen jüdischen Arbeiterkongresses zum Kampf gegen den Antisemitismus beschlossen. Auf dem Kongreß soll die Judenfrage in Polen in ihrem ganzen Umfang auf gerollt, werden. Die Beteiligung der großen nicht jüdischen politischen und gewerkschaftlichen Arbeiterorganisationen Polens an dieser Veranstaltung ist vorgesehen. Der Kongreß dürfte Anfang Mai stattfinden. Kompromiß in der Sdtädgffrage Die Selbstverwaltungskommission des polnischen Sejm trat am Mittwoch, den 18. März, spät abends zusammen, um über die ihr vom Plenum des Sejm zugewiesenen zwei Gesetzesvorlagen, betreffend Einführung des Betäubungszwanges bei Schlachtung von Vieh, zu beraten. Die eine Vorlage betraf einen Antrag der Frau Prystor, betreffend Einführung eines totalen Verbots des jüdischen rituellen Schächtens, den die Selbstverwaltungskommission bekanntlich vor einigen Tagen bereits angenommen hatte; die zweite Vorlage betraf einen Kompromißantrag der Regierung, bei Einführung des Betäubungszwanges ein bestimmtes Kontingent von Sohlachtvieh für rituelle Schächtung zur Deckung des Bedarfs der jüdischen, mohammedanischen und karäischen Bevölkerung freizugeben. Die Selbstverwaltungskommission nahm diesmal mit einer Mehrheit der Stimmen den Regierungsentwurf an. Als Abschluß der Schächtfrage wird uns aus Warschau unter dem 20. März gemeldet:. Heute abend nahm der polnische Sejm die Vorlage über die Einschränkung der rituellen Schächtung durch die Angehörigen des jüdischen, karaitischen und mohammedanischen Bekenntnisses in der Form des Regierungskompromisses an. Dadurch bleibt die Tierschächtung nach religiösen Vorschriften der genannten Glaubensgemeinschaften für den eigenen Verbrauch in vollem Umfanggestattet, doch, dürfen die jüdischen Schächter die nichtjüdische Bevölkerung Polens nicht mehr anit dem rituell geschächteten Fleisch versorgen. ■ * Der Regierungsbeschluß läßt erkennen, daß trotz des Kompromisses in der Schächtfrage die jüdische Bevölkerung schwer getroffen ist, da die als nicht koscher geltenden Viehstücke nunmehr unverbraucht bleiben müssen, wodurch dem jüdischen Viehhandel ein großer Schaden erwächst. Auch muß damit gerechnet werden, daß durch die Einschränkung des Schächtens zahlreiche jüdische Schächter, welche bisher für eine Bevölkerung von 3% Millionen Juden tätig waren, ihren Beruf, somit ihre Existenz verlieren werden. Für die PeutscnlAnd'FIuthfli'nge Aus Genf wird gemeldet: Der Generalsekretär des Völkerbundes hat an alle Regierungen der Mitglied Staaten des Völkerbundes sowie an die Regierungei der Vereinigten Staaten von Nordamerika und de Vereinigten Staaten von Brasilien ein Rundschreibe: gerichtet, in welchem er mitteilt, daß die Konfereri zwecks Festsetzung eines legalen Status für die F1 ü c h t linge aus Deutschland für den 2, Juli 1936 ein berufen wird. Gleichzeitig überreicht der Generalsekretär de) eingeladenen Regierungen eine vom Oberkommissar Ge neral Sir Neill Malcolm ausgearbeitete provisorisch Tagesordnung der Konferenz. In dieser schlägt der Ober kommissar vor, daß in erster Linie provisorisch; zwischenstaatliche Vereinbarungen ge troffen werden, die ohne weiteren Aufschub in Kraf treten könnten, In zweiter Linie , möge dann die Kon ferenz die Frage einer internationalen Konven tion für den rechtlichen Status der Flüchtlinge be handeln und in dritter Linie die Frage der Ausfolgung yol Identitätspapieren an die Flüchtlinge, * Aus London: Den englischen Mitgliedern de; Council for German Jewry sind von einer unte: Führung von Dr. Chaim Weizmann stehenden Delegatio) der Jewish Agency for Palestine Pläne für die Auswande rung von 12.000 bis 15.000 Juden jahrlich aus .Deutsch land und ihre Ansiedlung in Palästina unterbreite worden. In den Plänen ist sowohl die Ansiedlung von per sonen mit eigenem Kapital vorgesehen, als auch die An Siedlung von 7000 bis 8000 Menschen jährlich, denen eigene!.' Kapital nicht oder nur in ungenügendem Ausmaß zu: Verfügung steht. Die Ansiedlung der letztgenannte; Menschengruppe muß somit ganz oder zum Teil m i' Hilfe öffentlicher Mittel durchgeführt werden Die Pläne sind soeben in einer von den Mitgliedern de Council und den Vertretern der Jewish Agency ab gehaltenen gemeinsamen Konferenz erörtert worden. Keine Anstellung jüdischer Aerzte im Irak Wie die J. T. A. erfährt, besteht zwischen England und der Regierung des Irak ein Vertrag aus den: Jahre 1930, in dem sich die Regierung verpflichtet hat, ausschließlich-britische Staatsangehörige in Staatsdienst im Irak zu nehmen. Nur wenn geeignete britische Staatsangehörige nicht vorhanden sind, ist die Irak- Regierung frei in der Bestellung nichtbritischer Staatsangehöriger. Es besteht daher keine Aussicht, daß jüdische Aerzte aus Deutschland an der Universität von Bagda<T oder an den Staatskrankenhäusern von Irak angestell' werden können. Gegen Belästigung von Juden Aus London: Der Londoner Stadtrichter Herbert Metealf verurteilte den Angehörigen der Union of British Fascists, Ernest Wilhams, wegen beleidigender Aeußerungen gegen-Juden zu einer Geldstrafe von zwei Pfunc* oder einmonatigem Gefängnis. Bei der Urteilsverkündung erklärte der . Richter, er habe sich davon überzeugt( daß im Londoner East End jüdische Einwohner belästigt werden. Er richte an die Faschisten die Warnung, daß jedermann, der sich einer solchen Belästigung schuldig machen sollte, ins Gefängnis gebracht werden würde. ,,Ich werde nicht zögern", erklärte der Richter, „den Ersten, der wegen Belästigung von Juden mir vorgeführt wird, geradenwegs ins Gefängnis zu bringen. Der Belästigung ehrenwerter Leute, seien sie Juden oder Nichtjuden, wird Einhalt geboten werden." (J. T. A.) Nach Palästina, Syrien und Aegypten I Verlangen Sie Auskünfte über unsere nächsten Gesellschaftsreisen, mäßige Preise, ab S 250.—. Die Reisen führen über Triest oder Konstanza; alles Nähere bei Dr. S. Tockor,' IX, Liechtensteinstraße 2, Tel. A-14»504,