Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 548 (24.3.1936)
- Date
- 1936-03-24
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DDE NEUE WELT Nr. 643 vom 24. Mte ld36 Zum Pessach-Feste „Roth««WeSit der Bast«! P** ede'sttn Weinsorten lagernd. Von S 1.60 per Liter auf. fIeL,ns. H/,us 8e«ielit. Versuchen Sie unseren vortttg. liehen Slibowitz! Weinhandlung Roth, Wien II, Nlckelgasso Nr. S Telepion A-49-3 97 4 reich richtuagebende Kraft ist in diesen Köpfen verschwunden und da man sich nicht mehr anders helfen kann, geht man daran, sich mit betont nationaler Gesinnung abseits der katholischen Lehre noch beizeiten ein wenig politischen Einfluß zu sichern." „Eine Problemstellung, wie sie zum Beispiel die Frage beinhaltet: Wie weit darf ein Katholik in seiner antisemitischen Gesinnung gehen, ohne dabei in direkten (!) Konflikt mit der katholischen Kirche zu gelangen? beweist allein schon, wie weit die Verwirrrung in diesen Kreisen vorgeschritten ist." „Man sucht krampfhaft ein Schlagwort, das geeignet ist, die Massen zu gewinnen, und begnügt sich bei diesem Streben damit, daß die Kirche nichts werde sagen können. Daß aber reiner Russen antisemitismus bereits an der Tagesordnung ist und sich auch in katholischen Köpfen bemerkbar macht, zeigt schon der Umstand, daß plötzlich eine Doktrin verzapft wird, die sich mit den Judenkonvertiten befaßt. Mit christlicher Liebe muß der getaufte Jude wohl in die kirchliche Gemeinschaft aufgenommen werden, beileibe aber nicht in die Volksgemeinschaft. Im Gegenteil. Von dieser muß er sogar, ebenso wie der un getaufte Jude, durch eine Sondergesetzgebung tunlichst ferngehalten werden. .Spotten ihrer selbst und wissen nicht wie." Ein schöner christlicher Ständestaat, der sich über die Gebote der christlichen Nächstenliebe einfach hinwegsetzt und für sich Prinzipien arrogiert, die zugegebenermaßen von der Kirche abgelehnt werden." „Wenn man aber Opposition treibt, muß man auch Schlagworte haben, mit denen man seine Anhänger füttert, und da scheint nun diesen gewissen Herren diese Art „A n t i s e m i t i s m u s" als das geeignetste, weü primitivste und zugkräftigste Schlagwort." ,",Wir können dieser Politik nicht zustimmen. Wir glauben nicht, durch reinen Negativ Ismus, als welcher sich uns der Rassenwahn darstellt, unsere Leute zusammenhalten zu müssen. Für uns hat das Katholikentuni noch Verbindendes genug. Es erscheint uns hinreichend zugkräftig und mächtig, das katholische Oesterreich um unsere Fahnen zu scharen. Wir kennen keine R a s s e nlehre und werden uns stets dagegen wenden, daß diese zu einem Pfeiler unserer Staatsideologie werde wie im Dritten Reich; aber auch dagegen, daß Oesterreich durch einen Klüngel, der sich durch Intrigen Positionen schaffen will, um seine Stellung im europäischen Kulturkreis gebracht werde." * Damit ist dieses Wettrennen hinter Hitler treffend und ausreichend gekennzeichnet. Die ideelle Seite der Frage ist gründlich abgetan. Nicht aber die praktische Seite, nicht aber die auf die jüdischen Gewerbetreibenden vernichtend wirkende Praxis des Herrn Dr. Kresse. So kann es nicht weitergehen. Nach dem Umsturz wurde Herr Dr. Kresse in sein hohes Amt eingesetzt. Er wurde nicht gewählt, sondern ernannt. Das überhebt ihn aber nicht der Verantwortlichkeit. Im Gegenteil! Gerade Ernennung verpflichtet einen hohen Funktionär zur strengsten Einhaltung der Verfassung und des geltenden Rechtes. Der Sinn seiner Einsetzung war gewiß nicht, ihm die Möglichkeit zu geben, die jüdischen Gewerbetreibenden um ihre Existenz zu bringen und in ihrer Gesamtheit zu beleidigen. RUNDSCHAU /»Frei von jeglichem Zionismus" In der kürzlich neugewählten Repräsentanz der Pester Israelitischen Religionsgemeinde Budapest sprach der zum Präsidenten wiedergewählte Hofrat S. Stern mit besonders bedachter Betonung nicht von Juden, sondern von Mitgliedern einer Glaubensgenossenschaft, die durch Staatstreue und Opfersinn sich ihrer Rechte im Rahmen des Staates würdig erwiesen habe und im Bewußtsein ihrer Staatsbürgern chen Pflichterfülung für die Unversehrtheit dieser Rechte in die Schranken zu treten gewillt sei. Ueberau haben die Juden um die Erreichung staatsbürgerlicher Rechte gekämpft und überall ihre staatsbürgerliche Pflicht getan. Ueber diese Selbstverständlichkeiten braucht nicht erst gesprochen zu werden. Aber etwas andere» muß aus der Rede des Budapester Kultuspräsidenten hervorgehoben werden: Er stellte an die Spitze des Gememdeprogramms „die Verhinderung äer Fahnenf lucbt", und bezüglich der Palästina- Hütet die Jugend! 4» Zwei Berichte. Die „Neue Welt" hat einen Aufruf des „Gzar Hanoar" (Schatz der Jugend) gebracht, in welchem darauf hingewiesen Wird, daß es notwendig ist, die jüdische Jugend im allgemeinen und die in gewissen zionistischen Korporationen zusammengefaßte Jugend im besonderen vor den Lockungen der Assimilation in neuer Form zu bewahren. Ea heißt darin: „Da stand Theodor Herzl auf und besiegte die nationalistische Assimilation, indem er ihr die Jugend nahm. Seine Worte drangen in die jungen Herzen. Die Assimilation in ihrer nationalistischen Form war überwunden." „Nun hat sie sich wieder erhoben, in neuer Form. An die Stelle der nationalistischen Assimilation ist die klassenkämpferische getreten. Jene sprach vom Freiheitskampf der Völker, diese vom Freiheitskampf der Klassen. Ihr Ruf klingt lockend, noch lockender als früher, und viele, viele junge Juden folgen ihm. Das alte, böse Spiel setzt wieder ein, mit den gleichen Folgen: Entfremdung, Renegatentum. Oel ins Feuer des Judenhasses, welcher den Juden, und nur den Juden, in den Kampfreihen des Gegners sieht. Jüdische Selbstvernichtung." „Von der . s e e 1 i s ch e n und wirtschaftlichen Not der Zeit und ihren fürchterlichen Wirren begünstigt, dringt die Assimilation in neuer Form tief ins Judentum ein, bis zur Jugend, die man für die'jüdische Volksidee und den Zionismus endgültig gewonnen glaubte." Nachstehend seien zwei Berichte gebracht, welche der „Neuen Welt" eingesandt wurden. Sie beziehen sich auf Vorgänge in allerjüngster Zeit und Ulustrieren das im Aufrufe des „Ozar Hanoar" aufgerollte Problem. Polen Unser Berichterstatter schreibt aus Warschau: Vor einigen Tagen fand hier die Jahreskonferenz der Zionistisch-sozialistischen Partei „Poale Zion" statt. Ein Riesensaal, fast ausschließlich junge Menschen. Der erste Eindruck war erhebend, dann kam die bittere Enttäuschung. Es war keine jüdische und keine zionistische Tagung, und zwar weder äußerlich noch innerlich. Ueber der Tribüne hängen Bilder. Keines von Theodor Herzl, keines von Max N o r d a u, dafür groß und breit: Karl Marx. Kein Bild des Judenbefreiers Herzl, des Schöpfers des Zionismus, der alle diese jungen Menschen freigemacht hat. Dafür ein Bild von jüdischen Judenhasser und Renegaten Marx, der geschrieben hat: „Der Gott des Judentums ist der Schacher. — Die Gesellschaft wird erlöst sein, wenn das Judentum verschwunden ist. — Sobald es' der Gesellschaft gelingt, das empirische Wesen des Judentums, den Schacher, aufzuheben, ist der Jude unmöglich geworden..." Die b 1 a u - w e i ß e Judenfahne war nicht zu sehen, 0 s t e r - S o n tl e r f a h r t mit der Czern. Allg. Zeitung nach V~10B^B1 und Abfahrt: 31. März und 5. April. Rüchfahrt: 19 April und 4. Mai. Anmeldungen und AusKÜ^fte ausschließlich Reisebüro „Marien brücke", i. RQtenturmsfr. 26, R-24-2-8K87 Arbeit sagte er, sie sei ,,fr.ei von jeglichem Zionismus" zu unterstützen. . Die „Fahnenflucht" (d. i. der Austritt aus dem Judentum oder — anders gesagt — das Verlassen der Volksgemeinschaft), vor def*- Herr Hofrat Stern Angst hat, läßt sich auch in Ungarn nicht mit einer Geste verhindern; vielmehr scheint sie hier trotz Staatstreue und Opfersinn zu grassieren. Und was die Unterstützung der Palästina-Arbeit „frei von jeglichem Zionismus" anlangt, ist es auch mit dieser Formulierung nicht weit her. Es ist die bekannte Ausrede der Assimllanten, die sich bereits schämen, die Palästina-Wirklichkeit zu ignorieren, und sich mit ihr — wenigstens frei von jeglichem Zionismus — abfinden wollen. Was sie sich darunter vorstellen, ist nicht ganz klar. Auch der. Budapester Kultuspräsident weiß es. nicht. Später einmal wird er begreifen, daß ein Palästina-Aufbau ohne Zionismus ein Widersinn ist. Es wird ihm so ergehen wie den Juden Deutschlands, die erst als es nicht anders ging, in den „sauren Apfel" des Zionismus bissen, der ihnen allerdings dann gut schmeckte. Für jüdische Komponisten Die Palästinensische Radiogesellschaft („Palestine Broadcastlng Service") hat ihre Arbeiten bereits aufgenommen. Die erste Sendung soll am 31. März erfolgen. Die MuslkabteUung (Leiter Karl Salomon) und das Jüdische Departement (Schriftsteller und Kritiker Elleser Lubrany) sind eben daran, die eingereichten Vorschläge und die Mikrophonproben durchzuarbeiten. Auch die arabische Musikabteilung hat zu arbeiten begonnen. Das Angebot an Sängern, Sängerinnen und Instrumentallsten aus den Kreisen palästinensischer Künstler ist sehr beträchtlich. Es ist; darum für ausländische, nicht in Palästina lebende Interpreten zwecklos, sich um eine Anstellung oder um Mitwirkung zu bewerben. Ein kleines (ständiges) Kammerorchester ist bereits In Bildung begriffen. Auch hier ist das Angebot beträchtlich. Hingegen befindet sich die Ausarbeitung der musikalischen Programme noch im Anfangsstadium« - .Die . wenigen in Palästina, lebenden jüdischen Komponisten j werden nicht in der Lage sein, den Bedar* an moderner, | dafür umsäumte ein Wald von roten Fahnen de* Internationale den Saal. Rot war auch die Tribüne. Die jüdische Hymne „Tikwah" ertönte nicht ein einzige« Mal, dafür einige Male die „Internationale". Vom Zionismus wurde überhaupt nicht gesprochen und auch nicht von seinen Führern. Dafür viel von der Internationale zweiter und dritter Färbung, und frenetischer Beifall erhob sich, als man die Namen sozialdemokratischer Führer verlas, welche die Konferenz schriftlich bc« grüßt hatten. Einen Extra-Applaus erhielten Julius Deutsch und Julius Braunthal, die depossedierten und geflüchteten Führer der österreichischen Sozialdemo« kratie. Ich kenne sie von Wien her. Beide hatten das Judentum verlassen und waren grimmige Verächter und Bekämpfer des Zionismus, solange sie im Sattel saßen. Als im Jahre 1929 die Araber in Palästina über hundert jüdische Greise, Weiber und Kinder abschlachteten, schrieb der jetzt so herzlichst begrüßte Braunthal, daß das g equälte arabische Proletariat sich gegen den zionistischen Imperialismus wehre. Nun geht man her und erzieht die jüdische Jugend zur Verehrung solcher Symbole und solcher Männer. Wo wird das enden? Tschechoslowakei Aus Prag wird una berichtet: In den hiesigen zionistischen Blättern ist ein trauriger Streit entbrannt: Ein bedeutender Teil der in der größten zionistischen, unter sozialistischer Führung stehenden Jugendorganisation „Hoschom er Hazair" ist zum Kommunismus übergegangen und will von Zionismus und Palästina nichts mehr wissen. Bisher wurde die Sache krankhaft abgeleugnet. Jetzt ist sie so eklatant geworden, daß man mit Schweigen nicht mehr auskommt. Man gibt die Sache zu und streitet nur darüber, wer die Schuld trägt. Dia revisionistische ^Medina iwrit" beschuldigt die Allgemeinen Zionisten, daß sie die kommunistische Agitation unter der zionistischen Jugend gefördert haben. Die allgemein-zionistische „Selbstwehr" wiederum schreibt: „Wo haben die gewesenen (revisionistischen); Betarim, die heute den Grundstock kommunistischer Gruppen bilden, 'diese seelische und genüge Vorbereitung bekommen?" Ein unerquicklicher und heute wirklich unfruchtbarer Streit. Traurige Tatsache ist, daß die Führung der Jugend versagt hat, daß das Abweichen vom nationalen Judenstaatszionismus und das hier so beliebte Liebäugeln mit linksradikalen Ideen bewirkt haben, daß die jüdische Jugend für die Schlagworte des grimmigsten Feindes des Zionismus, des marxistischen Kommunismus, empfänglich geworden ist. jüdischer Musik zu decken. Daher haben jüdische Komponisten, die ihre Werke an die Palestine Broadcastlng service, Jerusalem, einsenden, Aussichten. Da die Radiochancen für europäische jüdische Komponisftn sehr gering sind, bietet sich in Palastina die Möglichkeit, aufgeführt zu werden. Palästina dem Kali-Pakt angeschlossen Aus London meldet die J. T. A.; Die Zeitungen melden, daß sich die Palestine Potash Ltd. in Haifa dem internationalen Kall-Kartell angeschlossen hat. Die Palästina-Regierung und das Londoner Colonial Office werden demnächst das getroffene Abkommen ratifizieren. Durch den Beitritt -Palästinas hat das Kartell eine große Stärlnmg erfahren; die palästinensische Kali-Industrie hat ihre Erzeugung aus dem Toten Meer von 30.000 auf 100.000 Tonnen Rohsalz im Jahre gesteigert. _ Jüdische Kinder in Erez Israel. Ein Photobuch. Von Nachum Gidal. Die Brä'ndua'sche Verlags-, buchhandlung, Berlin W 50, hat sich durch die Herausgabe eines Photobuches ein Verdienst erworben, das nicht hoch genug eingestellt werden kann. Das Schönste und Zukunftsreichste, das Palästina besitzt, das jüdische Kind, ist in einer Reihe entzückender Photographien festgehalten. Der Photograph hat künstlerische Arbeit geleistet; er zeigt das jüdische Kind in seinem Leben und Treiben, in seiner unbekümmerten Vitalität; das stille, schalkhafte, aufmerksame, lauschende Kind, Physiognomien aus dem Westen, die das jüdische Land zum Erez-Israel-Typ formen wird: Jola, Eva, Michael, Rüben, Mischa ... Jüdische Mutter, besieh dir die die Bilder, freu dich der Kinder (auch wenn sie nicht die deinen sind) und wünsch ihnen eine glückliche Zukunft! Abschiedsabend Ludwig Hardt. Mittwoch, 25. März, 19.15 Uhr, im Jüdischen Kulturtheater (I., Franz-Josefs- Kai 3) Rezitationsabend „Die Bibel und biblische Geschichten In der Weltliteratur". Karten in der Jüdischen Kulturstelle, I., Franz-Josefs-Kai 3, R-28-2.36. Haboneh, Bund zionistischer Ingenieure und Techniker, I., Hegelgasse 3. Mittwoch, 25. März, 20.30 Uhr, Dr. Emil O f f n er: „DieRenaissancedeaJudentums." Gäste willkommen. Osterroisen nach Polen und Oernowitz. Billigst und bequem. Je mehr Teilnehmer, desto günstigere Fahr-, preise mit den „Francopol"-Sonderzügen am 29. März und 5. . April. Rückfahrten am 15., 21.. April, .5., 19, Mai nach Wahl. Rasche Anmeldung: I., Poln. VerHehrSbÜro „Francopol", ni., Schwarzenbergplatz 7, Tel. U-16-4-90, Cedok, I., Kärntnerstraße 32, R-23-4-88, Gerngroß, ,VIL, Maria* hllferstraße 42, B-38-2-68. , 3