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Die neue Welt · 1936-03-24 · Heft 548 (24.3.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 548 (24.3.1936)
Date
1936-03-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Pr^is fOQroscitftit Dfewttg, 4w M. Miii ltM DIE NEUE 14 MwaaiM 185 REV U I HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Österreich monaUtch S 1.40, vierteljährig a 4.—, ganzjährig S IB.—; Polen monatlich Zloty 1.50, vierteljährig Zloty 4.60; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.—, vierteljährig Kc 15.—; Jugoslawien monatlich Dinar 14.—, vierteljährig Dinar 40.—; BnmSnle» monatlich Lei 40.—, vierteljährig Lei 120.—; Dentachlsad monatlich Mark 1—, vierteljährig Mark 3.—; Bulgarien monatlich Lewa SO.—, vierteljährig Lewa 80.—: Italien monatlich Lire 5,—, vierteljährig Lire 14.—; Schweix und die übrigen Länder monatlich Schweizer Franca 1.50. vierteljährig Schweizer Franca 4.60. Mit E bezeichnet« Anseigen sind entgeltlich. Redaktion u.Verwaltung: IX, Universiiätsstr.8jeLA-20-2*78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Weltpolitik der Woche Während er das Rheinland besetzt, offeriert Hitler uns Frieden für 25 Jahre. Wenn er. in Oesterreich und in die Tschechoslowakei ein- .. . . marschiert, wird sich sein Friedensversprechen auf 50 Jahre dehnen. Die Eroberung des pplni-, sehen Korridors wird den Zeitraum auf 75 Jahre verlängern, und wenn erst die Westmächte einmal besiegt sind, wird er so weit gehen, uns sogar den ewigen Frieden erhoffen zu lassen. Der englische Staatsmann Winston Churchill im März 1936. Aus London kommen Nachrichten über eine Entspannung der Lage, obwohl seitens Deutschlands noch keine Antwort auf die Vorschläge ejngelangt ist. Die Vorschläge beinhalten u. a., daß dte Londoner Konferenz vom Vertrag3brecher die Anerkennung zweier punkte —. die Besetzung eines deutschen Landstreifens in der Rheinzone durch nichtdeutsches Militär; und die Anrufung des Haager Schiedsgerichtshofes bezüglich des französischsowjetrussischen .Paktes — verlangt. Man weiß noch nicht, in welcher Weise sich Deutschland aus der Affäre ziehen wird, aber man vermutet, daß die Londoner Konferenz^ nicht auseinandergehen wird. Zurzeit, da diese Betrachtung in Druck geht, ist die deutsche '.Antwort unterwegs nach London. Ernstlich glaubt niemand, vor allem auch die' i?ög<srnden Eng- ^länd^nicl^^;des; Dritten Meiches. Frankreich hat an einer:'.eindeutigen Entscheidung das größte Interesse.- Denn es hat, um 7,ü einem positiven Resultat zu kommen, auf das Hecht, aus dem deutschen Vertragsbruch a tempo die ■ Konsequenzen zu ziehen, verzichtet. Van Zeel and, der belgische Ministerpräsident, erklärt höchst zuversichtlich in der belgischen Kammer: „Ich habe aus London den tröstlichen Eindruck mitgebracht, daß die Verletzung des internationalen Rechts nichts einträgt." Eine halbe Wahrheit! Denn sie trägt etwas ein, etwas, das die Engländer bei allen Verhandlungen anstreben: Zeitgewinn. Auch diesmal brachte London Zeitgewinn. , -Inzwischen bereiten sich-neue Konstellationen vor. Das kann, umso leichter geschehen, als die Bestrebungen in London seitens Englands wieder auf Zwischenlösungen, das ist Verlegenheitslösungen, gerichtet sind, und bei den Partnern, insbesondere Deutschland, den Eindruck erwecken, ' daß die Methode des Aufschubs von Entscheidungen noch im letzten Augenblick die Möglichkeit gibt, sich aus der Schlinge zu retten. Tatsächlich glaubt in Europa niemand, daß sogar mit der Durchsetzung der in London zu' beschließenden Maßnahmen der Friede gesichert ist. Hitlers „Wahl"-reden , erinnern allzusehr, an.; die klirrenden Wortspören des Kaiser Wilhelm IL, an die Drohungen bis anno 1914. „Entweder werden,", sagte Hitler vor einigen Tagen in Hamburg, „diej außenpolitischen Probleme so gelöst,.. wie wir es wal-, len, oder..." Diese bramarbasierende Rede mag vielleicht der Ausfluß von Schwäche sein, der Schrei eines: Rindes,-das sich im Wald . fürchtet, aber die Unbesonnenheit der neudeutschen Führer kann die besten Vorsätze der Kulturstaaten über, den Haufen werfen.; Frankreich gibt sich keinesfalls: irgendwelchen. Illusionen hin. Es rüstet. - Es hat fast ein , halbes. Dutzend Milliarden Francs für diese Rüstung bereitgestellt. Außerdem versucht es, sich gewisser Helfer gegen einen räuberischen Angriff zu versichern, ein Beweis dafür, daß es im Völkerbund, im Völkertiund"allein nicht den ausreichenden Garanten.für seine Sicherheit sieht. Die Militärallianz mit England,, die sich in Vorbereitung befindet, bezeugt die Notwendigkeit, sich anderer Elemente als der Völkerbundentscheidungen zu bedienen. Praktisch bedeutet diese Allianz nur eine Verminderung der Chance für Deutschland, nicht aber die Zunichtemachung des deutschen Angriffswülens. Die Rüstungen werden fortgesetzt. Auch England ist dabei, und zwar in einem überaus großen 'Ausmaß ~7 entsprechend, seinem Imperium. Und nun die Frage, des AUerweitsmenschen: Was wird geschehen, wenn Deutschland die Londoner Vorschläge Ablehnt? Die Antwort darauf: Es wird weiterverhändelt HWflen» p, r. Verband dar JudenateaUiionUten Oesterreich«, Wien I, Werdertorgasse 14 Samstag, den 28. März 1936, halb 9 Uhr abends, im Festsaal des Höfel „Continental'* (II, Taborstr. 2—4) GROSSE KUNDGEBUNG der J u denslaatsxi sien Oesterreichs Zu den Juden Wiens werden sprechen: Oberb. Robert Stricker« Dr. Sal. Well, Frifz Richter, Dr. J. Z. Kanner, Theodor grubner. Gegenstand: Jüdische Welllage — Palästina - Judenataat. Wettrennen hinter Hitler Vozebürgermeasfer Dr* Kresse gegen das gürfiscfie 0ewerbe Bereits vor einigen Wochen ergab sich die Notwendigkeit, den Ausführungen des Herrn Vizebürgermeisters der Stadt Wien D|\ Kresse über die Behandlung jüdischer Gewerbetreibender entgegenzutreten. Eine Zurückweisung erschien unerläßlich, denn Herr Dr. Kresse ist nicht nur mit der Leitung des Lieferungswesens der Stadt Wien betraut, sondern auch maßgebendes Mitglied des österreichischen G e werbe b u n d e s. Wenn dieser Mann judenfeindliche Thesen aufstellt, so sind das nicht leere Worte, sondern sie bedeuten — vom Vizebürgermeister gesprochen /— Ausschaltung der jüdischen. -GewerbetrBibende>;uybivL.i,e.f erlUngjsn an die Stadt Wien, /tlen g r ö ß t e n A u f t r a g g e b e r und — vom Leiter des Gewerbebundes gesprochen — mr Jeden Sonntag „Francopol"-Sonderfahrten nach Polen und Ciernowitz ■ Rückfahrten: 15, April, 5., 19.MaM936 Spezielle Ermäßigung: 14 Tage - Rundrelsekarten;n ganz Polen nur S 30.- „FRANCOPOL", Wien III, Schwafzenbergniatz 7, Telephon U-16-4-90 „CEDOK". Wi-n. 1. Bezirk, Kärntnerstraße. 32, Telephon R-2&4-83 „QERN6ROSS". Wien VII. Mariabilferstraße 42, Telephon R-33-2-68 Ausschaltung der jüdischen Gewerbetreibenden aus den ' wichtigsten; Zweigen 'des Wirtschaftslebens. Auseinandersetzung mit Herrn Dr. Kresse ist also nicht politische Zänkerei, sondern dringende Notwendigkeit, im Interesse der von ihm bedrohten Judenschaft und im Interesse der W eltstadt Wien, in deren Verwaltung er eme so' hohe Stelle bekleidet. Dehn Wien ist eine im Mittelpunkt des internationalen; Interesses stehende Stadt, kein Krähwink e'l, wo es sich der S tadtgewa 11 i g e schon .erlauben darf, beim Kegelschieben über Juden zu schimpfen, ohne damit ernste Folgen zu provozieren- . Damals hat sich Herr Dr. Kresse in öffentlicher Rede damit gebrüstet, daß sich der Gewerbebund die Juden vom Leibe hält. Er sagte: „... Wir nehmen eben nur an st ändige Leute in unsere Reihen auf und wollen unser mit Mühe gezimmertes Haus rein halten. . . . Wenn der Gewerbebund keineodernurwenigeJuden aufnimmt, so sei daran erinnert: In alten Zunftbüchern findet man solche Namen ja auch nicht. . . Die ,;Neue Welt" hat diesen unerhörten Verstoß gegen;das, was. in Oesterreich als Recht gilt, zurückgewiesen und den Herrn Vizebürgermeister daran erinnert, daß im Kultur Staat e Oesterreich die Verf assung als Richtschnur.zu dienen hat, nicht irgend ein a 11 e s Z u n f t>b u c h aus der Zeit, der Religionskriege. > Die österreichische Verfassung, auf dieauch Herr Dr. Kresse vereidigt Wurde, sichert den Juden, soweit sie nach dem Gesetze leben und dem Staate und der Stadt die Steuern entrichten, den vollen Genuß aller Rechte zu. Die jüdischen Bürger, also auch die jüdischen Gewerbetreibenden, haben so behandelt zu werden, wie es die . Verfassung und das auf die Verfassung gegründete Statut der Stadt Wien vorschreiben, nicht aber nach den Satzungen alter Zunftbücher.' Das war die: Antwort an Herrn Dr. Kresse. Er hat sie mit Entrüstung zur Kenntnis genommen, aber wie es sich -jetzt zeigt, ohne der in ihr enthaltenen., Blrinneriisg m fli« sott Ütan beschworene Wßt&mwB irgend eine Aufmerksamkeit zu schenken. Er ist vor wenigen Tagen wieder mit einer Rede hervorgetreten, die an Feindseligkeit gegen die jüdischen Gewerbetreibenden seine, frühere, soweit das möglich ist, übertrifft. Er hat sich wieder seines auf die Ausschaltung der Juden gerichteten Einflusses förmlich gerühmt. Wieder hat er darauf hingewiesen, daß viele jüdische Gwerbetreibende früher sozialdemokratisch gewählt hatten, ohne von den hunderttausenden c h r i s 11 i c h e n zu sprechen, die nicht anders votiert hatten. Neu war nur der Schluß, der allerdings die schlimmsten Erwartungen übertrifft: Herr Vizebürgermeister Dr. Kresse hat diesmal ein wissenschaftliches Blutmärchen voKgebra^ht^^^ „ , ,*Es ist mir bekannt, daß . die j.ü.d i s c h e.n Kreise einen Boykott gegen arische Geschäftsleute durchführen. Ich habe B e weis e dafür in Händen t '.. Solch giftige Ausstreuung ist geeignet, die Gemüter in einer Weise zu verhetzen, die ein friedliches Zusammenleben im Staate Oesterreich, der des Friedens sehr bedarf, schier unmöglich macht. . Was tut Herr Dr. Kresse? Er kopiert getreulich die Hake n k r e u z 1 e r, welche . den Untergang Oesterreichs mit allen Mitteln betreiben, nicht zuletzt mit empörender Verhetzung gegen die Juden. . ■ Vor wenigen Tagen wurde Wien mit Flugzetteln überschüttet, welche eine Auff orderung an dire Juden enthielten, die c h r i s 11 i c h e n G c- .schäf t s I e u t e zu b 0 y k o 11re.ren, Die Polizei konnte nach wenigen Stunden feststellen, daß es sich um eine nationalsozialistische, Fälschung und Prov.okation gehandelt hat. Und jejtzt wiederholt, der Vizebürgermeister von Wien die wirtschaftliche Blütanklage der hakehkreuzlerischen Fälscher. Was sind seine „Beweise? Sind es die vom Straßenpflaster aufgelesenen Schandzettel der Hitler-Leute? Wettrennen hinter Hitler ■ Der Herr Vizebürgermeister beruft sich; auf einen vor kurzem abgehaltenen Vortrag des Paters Bichl m a i r, den er seinen Lehrmeister in der jüdischen Frage nennt. Der Vortrag wurde in diesem Blatte besprochen; Er trug unverkennbar die Tendenz., dem Hitlerschen Rassenantisemitismus K 011 z e ss i o n e n zu machen. Unverkennbar ist das Bestreben, dem Hitlerismus wenigstens in der Judenfrage den Wind aus den Segeln zu nehmen. Unverkennbar' ist das. sonderbare Bestreben,1 der katholischen Sache dadurch zu dienen, daß-man, soweit die Juden in Frage kommen, in den Spuren Hitlers wandelt. ' Man kann es sich ersparen, diese Tendenzen vom jüdischen Standpunkte aus zu beleuchten, denn das Urteil über sie ist von einer berufenen katholischen Seite bereits gefällt worden. : „Sturm über Oesterreich", das Organ der unter Führung des Bundeskanzlers Schuschnigg stehenden OstbiärJrischen Sturmscharen schreibt über den jetzt wuchernden, den Hitlerismus kopierenden Politiker wie folgt: „Das Vertrauen in den positiven Ideengehalt des Katholizismus und in seine für Oester- NACH POLEN ZU OSTERN und sonstigen Terminen — billig und bequem — in Vorbereitung: Um s 50, - * w e 1 w o c h e nf»hrten in gonx Polen. Auskünfte: Dr. S.TOCKUR WIIN IX, IIKHTBNSTHNSTBAStB 3, Tel. A-U^

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