Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 547 (20.3.1936)
- Date
- 1936-03-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ttr. 547 vom 20. März 103Ö DIE NEUE WELT UatitekSfue^d Seit^S Indien für jfidfsdte Aerste Die Ausnahmsweise glänzende Praxis, diet der eine oder andere Einwanderer-Arzt in Bombay gewonnen hat, hat einerseits die Aussichten in Indien als Diel zu günstig erscheinen lassen — in der Tat aus ihm ein durchaus nicht existierendes „Aerzte-Eldorado" gemacht —, während gleichzeitig weit bescheidenere, aber in viel größerer . Zahl vorhandene Chancen übersehen worden sind. Ich, bin der Uebetzeugung, daß gute praktische Aerzte, die noch nicht su alt sind} um die Anstrengungen, Unbequemlichkeiten und nicht zuletzt die —. Vereinsamung einer Kolonialpraxis auf sich zu nehmen, in einer ganzen Reihe von mittleren indischen Städten ein Auskommen finden würden, das ihnen gestattet, ohne jeden Luxus doch das Leben eines Europäers zu führen, und etwas für ihre alten Tage zu erübrigen. C. Z. Klötze J, „Briefe von einer Orientreise", 1936. Wie ein Staat entsteht Die Tschechoslowakei ist im Kampfe um ihre nationalen Rechte entstanden. Schon während des Krieges Haben die Tschechen in der österreichisch-ungarischen Armee die Besonderheit ihrer nationalen Existenz begriffen. So bildeten sie eines der schwierigsten Probleme der buntscheckigen k. u. k. Armee. Masaryk und Benesch tobten als Emigranten in der Schweiz und warteten den Augenblick ab, in welchem die österreichisch-ungarische Armee geschlagen und die tschechoslowakische Republik werden könnte. Sie waren nicht untätig. Ihre Aufgabe bestand darin, die Großmächte der Welt und die Kreise in Genf von der Notwendigkeit und Bedeutung des jungen tschechoslowakischen Staates zu überzeugen. Rabb. Joachim Prinz, „Europäische Reise", 1936. lüdi'sdie Agrarwittsdiaft Der gesamte jüdische Bodenbesitz beträgt nur zirka 10 bis 11 Prozent der kultivierten Fläche Palästinas. Auf dieser produzieren die Juden nach den neuesten ScMtzungen dem Werte nach, zumindestens W Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Erzeugung des Landes. Auch ein Nicht)'achmann muß aus dieser Tatsache schließen, daß für die Agrarentwicklung, d.. i. also auch für den arabischen Bauernstand, die jüdische Kolonisation einen wngeheuren Auftrieb bedeutet. Aus der Zeitschrift „Palästina". (Fiba-Verlag, Wien). Die Rolle Palästinas Palästina hat seine Rolle [ als unbedeutende, wirtschaftlich und politisch uninteressante Provinz des Orients beendet imd ist . p} den . Kreis^ der Länder eingetreten, die in der Weltwirtschaft eine RoUe spielen, zwar noch nicht als selbständig auftretendes, aber als überaus beachtenswertes, sorgsam auf neue Entwicklungen hin beobachtetes Gebiet. A. Bonne, „Palästina, Land und Wirtschaft". Jiddisdi Nach den Ergebnissen der letzten Volkszählung leben in Warschau 352.659 Juden. Von ihnen haben 888.554als Muttersprache Jiddisch, etwa 19,000 Polnisch angegeben. Rassenlehre und Nobelpreis Den Agenten des Dr. Goebbels ist es gelungen, ein paar schwedische Gelehrte und norwegische Parlamentarier zu veranlassen, den deutschen RassenhygieniUer Prof. Alfred Ploetz für den Friedens-N'obelpreis vorzuschlagen. Ploetz habe als einer der ersten in der Welt die rassenbiologischen Erkenntnisse als Grundlage der Volkserneuerung aufgestellt und damit bewußt ein Werk den Friedens begonnen... Als Ploetz ..sein grundlegendes Werk schrieb, das die Rassenhygiene begründen sollte, lag Hitler noch in den Windeln. Selbstverständlich haben Biologie, Vererbungslehre, Eugenik, Rassenhygiene usw. ihren wissenschaftlichen Wert. Sie verlieren ihn auch nicht dadurch, daß eine Horde von Fanatikern sich auj sie beruft, aus den Werken ernster Forscher das herauspickt, was ihnen gefällt, und das fallen läßt, was ihnen nicht in den Kram paßt, und dann „auf Grund gesicherter Forschungsergebnisse" Gesetze und Maßnahmen einführt, die das größte Unheil anrichten.- Die Zeitschrift „Europa", Paris. Juden und Hitler*Wahlen Aus Berlin: Der Reichsminister des Innern hat in einem Runderlaß bestimmt, daß die Wahllisten und Wahlkarteien unverzüglich auf den laufenden Stand zu bringen sind. Die Ausscheidung der Juden und solcher Mischlinge, die als Juden gelten, aus den Wahllisten sei aus technischen Gründen nur teilweise möglich gewesen. Die Eintragung in die Wahllisten allein biete also keinen Nachweis für das Vorliegen des Wahlrechtes, Der Minister verweist dabei auf die Strafbestimmungen der Novelle zum Reichswahlgesetz, die bei unbefugter Wahlausübung Gefängnis und Geldstrafe androht. In jedem Wahllokal sollen an auffallender Stelle Plakate über die Wahlberechtigung angebracht werden, worin ausdrückUch festgestellt .wird, daß Juden und als solche geltende Mischlinge im Sinne des Reicbsbürgergesetzes nicht' wahlberechtigt sind. An den Litfaßsäulen wurden große Plakate abgeschlagen, in denen Juden und Judenmischlinge unter Androhung von Strayfan davor gewarnt .werden, an den Wahlen teilzunehmen. Solcjxe SVarnunjgen 6rgehen auch häufig durch den Rundfunlfi « , , rein Kunerol ist vollständig reines Fett (aus Kokosnüssen, esJst nahrhaft,^ 'leicht verdaulich,unbegfenzt haltbar und kannVon jedem Strenggläubigen ohne Bedenken zur Zubereitung von Milch-^und Fleischspeisen für den'Festtagstisch Verwendet'werden. Das Verschlußsiegel der Packung gibt Ihnen die Gewißheit,?daß Kuneroljunter Aufsicht Sr. Ehrwürden des Herrn Bezirksrabbi ners^S.Ahrenfeld zu^Mattersburg^hergestellt wird. CM2H3M Das 100% reihe Kokösnu ßfett Nur echt in Originalpackung! "IBÖ Reffet die Jugend! ozar Hanoar — Schatz der Jugend i.. Jüdische Männer und Frauen aus dem Kreise jener, die unerschütterlich zu Theodor Herzte Grundsätzen stehen, haben den Fonds „Ozar Hanoar :— Scliatz der Jugend" geschaffen. Einen neuen Fonds? Wofür? Um einer Entwicklung entgegenzuwirken, welche das jüdische' Volk in seinem Bestände dadurch bedroht, daß sie ihm seine Jugend entfremdet und ihm neue Feinde schafft. Ein. FondSrder es ermöglichen soll, der jüdischen Jugend Sammelpunkte zu schaffen, wo sie .-rvor fremden ^Einflüssen, und Löckungen bewahrt — lernen soll, einer Aufgabe zu dienen: Wiederaüfri.ch.tu>iig.jd^e's#.<üdisch;en Volkes! Die Sammlung der , Jugend um r das r, reine jüdische Ideal ist dringendstes Gebot der Stunde, denn die Assimi 1 ation,steht wieder drohend vor den Toren. Die Assimilation, der alte Feind in neuem Gewände! Vor vierzig Jahren waren es fremdnationaie Strömungen, die unsere Jugend erfaßten. Die jungen jüdischen Menschen stellten sich, dem klingenden Worte von der Befreiung der Völker, folgend, in die Reihen der gegeneinander kämpfenden Nationen, in die ersten Reihen der Deutschen, Polen, Tschechen, Magyaren und aller anderen. Üeberall waren die jüdischen Jungen zu finden, nur nicht im jüdischen Lager. Zwei furchtbare Konsequenzen stellten sich ein: die jungen Juden in fremdem Dienste wurden Verächter des Judentums, feindselige Renegaten. Die Nationen aber blickten nicht auf die jüdischen Helfer in den eigenen Reihen, sondern nur auf den jüdischen Gegner in den feindlichen Reihen, und der Judenhaß flammte bei ihnen mächtig auf. Da stand Theodor - Herzl auf und besiegte die nationalistische AssimÜation, indem er ihr die Jugend nahm. Er sprach von der Einheit des jüdischen Volkes und seiner Wiederaufrichtung und Befreiung durch das Bekenntnis zur jüdischen Nation und das Streben nach dem Judenstaate. Seine Worte drangen in die jungen Herzen. Die Assimilation in ihrer nationalistischen Form war überwunden. Nun hat sie sich wieder erhoben, in neuer Form. An die Stelle der nationalistischen Assimilation ist die k la s s e n k ä m pf e r i s ch e getreten. Jene sprach vom Freiheitskampf der Völker, diese vom Freiheitskampf der Klassen. Ihr Ruf klingt lockend, noch lockender als früher, und viele, viele junge Juden folgten ihm. Das alte, böse Spiel setzt wieder ein, mit. den gleichen Folgen: Entfremdung, Renegatentum. Oel ins Feuer des Judenhasses, welcher den Juden, und nur den Juden, in den Karapfreihen des Gegners sieht. Jüdische Selbstvernichtung. Von der seelischen und wirtschaftlichen Not der Zeit und ihren fürchterlichen Wirren begünstigt, dringt die Assimilation in neuer Form tief ins Judentum ein, bis sjur Jugend, die man für die jüdische Volksidee und den Zionismus endgültig gewonnen glaubte. So ist es notwendig geworden, den Kampf um das Teuerste, um die Jugend, wieder aufzunehmen. Es geht um die Seelen der Jungen, die herausgeführt werden müssen aus der gefährlichen Verwirrung und zersetzender Entfremdung. Die Jungen wieder um die Fahne Theodor Herzls, um das Symbol der Arbeit für nationale Würde und soziale Gerechtigkeit zu sammeln und dort festzuhalten, das ist der Zvf&sk des Oz»r Hangar, darum wurde e^ge^aifeiv : : ( Zei'iungskette des /Ozar Hanoar/ Schaf? der Jugend Kultusvorsteher Max Schiffmann antwortet Theodor Grubner mit S 10.— und ruft zu Spenden auf: David K 1 e i« n e r, I., Salzgries 23, N. Babäd, I., Salzgries 23, Max Frem k e 1, I., Werdertorgasse 15, Landau & K a t e i n, I„ Wipp« lingerstraße 37, Brüder Neufeld, L, Werdertorgasse 11„ Jenö Rabinek, L, Schottenring 25, N. Rifczez, Laa a. d. Thaya, Max Bisen klamm, I., Salzgries 16, Markus Seid* mann, VIII., Albertgasse 19, Jakob Wittels» I.» Eßling« gasse 18. Norbert Kleiner, Wien, I., antwortet Eduard Benedek» Pohnsdorf, mit S 5.—, und ruft zu Spenden auf: Leo Spindel, I., Biberstraße 9, Ignaz Stark, I., Gönzagagasse 12, Karl Freiberg, I., Gonzagagasse 12, Dr. Gottlieb in Fa. A. Berls Söhne, I., Neutorgasse 2, Wilhelm Appenzeller, I,, Gonzagagasse 19. 0. Fischbach, Villach, antwortet Oskar Gr über, Juden-* bürg, mit S 5.—, und ruft zu Spenden auf: Wilhelm Kohn, L, Kohlmessergasse 3, O. Klaube r,. I., Salzgries 10, N. Bottens' borg in Fa. Rottenberg & Fanta, I., Rudolfsplatz 2, H. Langer jun., I., Gonzagagasse 15. , Mendel; Hager antwortet Herrn Kasiel Glasberg mit S 5.— ■ und ruft zu Spenden auf: Dr. Friedrich Deutsch, XX.. Othmargasse 14, Elvira . Kraus, IX., Universitätsstraßft 8, Direktor Oskar Peldmann, IX., Sobieskygasse 22, Moses K a t z, II., Odeongasse 1/11, Dr. Adolf Silber, II., Ennsgasse Nr. 17, Dr. U. Schächter, .XX., Petraschgasse 4, Edmund Stockei, XX., Gerhardusgasse 20. Hugo Friedler, Leoben, antwortet Dr. Felix Klug mit S 5.— und ruft zu Spenden auf: Max B r.e n n e r, Leoben, Dbnawitzerstraße, Marcell Reitmann, Leoben, Judendorf 5, Erwin S e n s e 1, Kapfenberg, Paul Weiß, Leoben, Kärntnerstraße 12, Samuel Weinberger, IX., Porzellangasse 39, Max W e r d i s h e i m, Leoben, Kärntnerstraße 20, Friedländer Baruuh, I., Neutorgasse 4, Heinz Kohn, I., Fleischmarkt la, Josef Deutsch, VII., Richtergasse 1, Richard Sperling, IX., Währingerstraße 15. 1. Gelbart, Graz, antwortet Dr. Felix Klug mit S 5.— und ruft zu Spenden auf: Dr. Karl Braun, Graz, Hans Braun, Graz-, Bahnhofgürtel 67, Dr. Erwin L'öwy, Graz, Kinkgasse 5,' Julius Friedländer, Graz, Annenstraße 17/1, Dr. Robert Sonnenw 8.1 d, Graz, H. Popper sen., Leoben, Seiffert junior, Leoben. Salo Reinert, Knittelfeld, Bibring junior, Khittelfeld, Norbert Bauernfeld, Knittelfeld. Adolf Hahn, Wien, I., antwortet Eduard B e n e d e k, Föhnsdorf, mit S 5.—, und ruft zu Spenden auf: Isidor W o 1 f. I., Salzgries 3, Emil Hirsch, VI., Millergasse 9, Brüder Kl in gor, L, Marc-Aurel-Straße 8, Heinrich Kampf, L, Marc-Aurel-Straße 8, I. Weinsaft, I., Marc-Aurel-Straße 7. Dr. Rubin Gottesfeld antwortet Fritz .Richter mit S 5.—. Dr. Nachman'Frey, Wien, IL, antwortet-Theodor Grub* n o r mit S 5., Verband der Judenstaatszionisten Sektion Prater , II., Brlafstraße 5. Samstag, den 21. d., um 9 Uhr abends, findet die. feierliche Heimeröffnung statt. Festredner Oberrabbiner Dr. Feuchtwang, Oberbaurat Robert Stricker* Anschließend Festakademie. Mitwirkend Dr. Oskar Rosenfeld, Ober'kantor Feuer, Duno Tendler, Kurt Fuchsgelb, Sigm. Wolf sohn. Eintritt nurfür geladene Gäste. Auf fünf Todesfälle - eine Geburt Im „Statistischen Jahrbuch für Berlin" (1935), das die Ergebnisse der Statistik für das Jahr 1934 .zusammenfaßt, wird die Zahl der Berliner J u d e n mit 163.796 angegeben. Die Zahl der jüdischen Eheschließungen im Jahre 1934 betrug 1025; ihnen standen 371 Mischehen gegenüber, die 256 jüdische Männer und 115 jüdische Frauen dingegangen waren, so daß also die Zahl der Mischehen rund ein Drittel betrug. Ferner verzeichnet die Statistik 282 Ehescheidungen aus jüdischen Ehen; in 199 Fällen wurden die Männer, in 83 die Frauen als schuldig erkannt. Besonders wichtig sind die Angaben über die Zahl der Geburten und' Todesfälle. Es starben 1934 1226 jüdische Männer und 1175 Frauen, zusammen 240i; Im gleichen Zeitraum wurden nur 473 Geburten verzeichnet, davon 220 Knaben und 253 Mädchen aus rein jüdischen Ehen. Hiezu gesellen sich noch 102 Geburten aus Mischehen, davon 57 Knaben und 45 Mädchen. Noch nach der vorjährigen Statistik ergab sich ein d r e ifach er St erbe Überschuß. Aus dieser neuesten! Statistik ist zu ersehen, in welchem Tempo sich die Entj»' Wicklung fortgesetzt hat: »uf 5-Todesfälle kommt jefceff- 1 Geburt^ ' ■ *•*.: