Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 545 (13.3.1936)
- Date
- 1936-03-13
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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teK*2 ötB KEÜE WELT Nf, 545 ,vom i3:.:^ärÄ 1936 *' -'UlTr8 0 n ' •f ,Ä h L* "»iLltf^wnkil'i-?lffiin| nach POtEM und aiRNOWITZ AMttrtL.S. und 8t.'Min, & April. Mckfofirti II. AWitttfiCI .Ä l M«». AnmeidijniM und AuskOnffi tuMthllteilell RiJNlÄr» ,^»jjeri»rQcK<>", I, Wot«nturm«tf Q«*S, Tri, »315*81» Selbstfraß keine Grenzen» Der Schmach des Hakenkreuze« hat er nichts von den Ewigkeitswerten de« Judentums entgegenzustellen. Aus dem Judentum gey flüchtet in eine Welt, die ihn nicht mehr haben will, verliert er sich ins Nichts. Seine negative Haltung entstammt dem Mangel an positivem jüdischem Beetts und schließlich „dem Haß eines verschmähten Iiebha'bers", eines Liebhabers; den Deutschland zurückgestoßen hat. Wir Zionisten, die seit Jahrzehntenden Irrweg der Assimilation erkannt haben, verstehen diese schmerzliche Enttäuschung. Weil das Hakenkreuz Deutschland mit Beschlag belegt hat, weil er selbst Deutschland verlassen und als Emigrant in Schweden — fern vom gewohnten Schreibtisch — leben und vielleicht darben mußte, erscheint ihm das Judentum besiegt. Welch Twtterer Irrtum! Der Abscheu Tucholskys „vor dem gesalbten Rabbiner" ist nur die vorgeschobene Motivierung seines Austritts und seines Beiseitestehens. Der tiefinnere Grund ist ein anderer. Das Judentum stellt strenge Forderungen an seine Angehörigen, an die „Söhne des Bundes". Es ist darum leichter, sich von ihm abzutrennen,- als es wirklich zu leben. Die Schwachen und Feigen und Zerrissenen „flüchten aus dem Judentum" und enden in Selbsthaß und Selbstmord. Die Starken und Mutigen und Heldischen bleiben darin und werden schöpferisch, heldisch, groß. Das ist der Kern der Phänomene Jude sein und Assimüant sein. o. r. RUNDSCHAU Berlin ist befriedigt Immer wieder geht durch die österreichische Presse die, Nachricht, daß man vor dem Abschluß eines Film- -abkommeas mit Deutschland steht. r; Bs kehren auch die Namen der österreichischen Unterhändler _ wieder», hvon denen man weiß,, daß sie — mit Ausnahme der off izieilen Vertreter — zu den „Nichtariern" gezählt werden dürfen. Und die Öffentlichkeit wird immer wieder ■ dahin» informiert, daß . es darum gehe, die Interessen der österreichischenFilmindustrie zu wahren. . Bisher war, .wie unseren Lesern bekannt ist, .,bei der österreichischen Fiimprpduktion. (bis auf "geringe Ausnähmen von Außenseitern)..der Arierp'aragr aph 'in: . Geltung. Keine Jude konnte als Regisseur, Schauspieler/ Techniker, Statist usw.. unterkommen. Dafür sorgten die .deutsche Reichsnlmkammer und der hiesige Produzent •trotz dieser geklärten Situation gab es Reibungen. Die deutsche Filmbehörde verlangte rigoros die Einhaltung ihrer Forderungen, die österreichische Filmindustrie versuchte, Erleichterungen durchzusetzen — nicht etwa in. bezug auf die Lockerung des Arierparagraphen, sondern auf die Vergrößerung des :Filmexports nach Deutschland.: Schrieb doch sogar ,die'katholische v.Reichspost" (21. Jänner 1936), daß sich für die österreichische Filmproduktion Bindungen ergaben, „welche einem Teil der österreichischen Filmschaffenden die Mitarbeit an für Deutschland bestimmten Filmen verwehrten". Dieser Teil waren und sind die Juden. Nun sind endlich die' Filrm'verhandlungvn zwischen Deutschland und Oesterreich zum Abschluß gekommen. Die Berliner Reichsnlmkammer teilt mit daß es „z u einer grundlegenden Verständigung" mit Wien gekommen ist,-ja mehrnoch:., daß .das deutschösterreichische Filmaustauschabkommen „die Grundlage'für eine Zusammenarbeit auf lange äi-o Ii. f: bilden soll. Berlin ist also höchst befriedigt. Dr. Goebbels reibt sich die Hände. Die österreichische Filmdelegation, der zu 70 Prozent Juden angehörten, schweigt. Was ist geschehen? Wurde das Geschäft mit österreichischen Filmen wieder auf Kosten der jüdischen Filmschaffenden gemacht f Wir werden diese Sache mit der ihr gebührenden Aufmerksamkeit verfolgen. Wir werden auch nicht verabsäumen, die interessierte Öffentlichkeit zu. informieren. Klarheit ist notwendig! Hubermans Appell Gleich bei Installierung des Hitler-Regimes hat Bronislav Huberraan, der berühmte jüdische Violinvirtuose, in einem Brief an den Dirigenten Furtwängler seine Stellungnahme zum Dritten: Reich präzisiert. .Später hat Huberman durch Gründung eines philharmonischen Orchesters in Palästina der jüdischen Sache einen großen Dienst geleistet. Den Idealisten Huberman gehört die Sympathie der ganzen Kulturwelt. Jetzt veröffentlicht er im „Manchester Guardian" einen offenen Brief an die deutschen Intellektuellen, worin er schwere Vorwürfe REICHENBERGER ^tkckeuieisd ¥WvfP¥'*¥WfV II w .«*• ttit««t« aiittfMtttt gegen diese erhebt, weil sie zu den Geschehnissen in ihrem Vaterland Weher stumm geblieben seien. „Wo sind", £ührt der Künstler aus, „in Deutschland die Zolas, Clemencisaus, Painlevees, * PldtiArta in diesem Monste^Dröyftiiipfozeß gegen eine ganze Wehrlose Volksminofität wo die ka sjr-. r'yk s in diesem überdimensionalen Polnaproaeß? Vfc> erhob sich die Stimme des Blutes, wenn schon nicht der Gerechtigkeit und Vernunft, gegen die Verfolgung der. arisch-jüdischen Mischlinge und sogar rein jüdischer Judengatten? Bs ist ein wahrhaft erschütterndes Schauspiel: deutsche Geistesführer von internationaler Bedeutung und Bewegungsfreiheit, noch bis gestern das deutsche Gewissen, den deutschen Genius darstellend, zur Führung des Volkes durch Beispiel und Tat berufen, finden von altem Anfang an keine andere Reaktion auf diesen Anschlag gegen die heüigsten Güter der Menschheit,; als Kokettleren, Paktieren, Kooperieren. Soll denn die katholische und protestantische Kirche in Deutschland allein bleiben in ihrem wahrhaft heroischen Kampf um Deutschlands Ehre, Ueberlieferung und Zukunft? Deutschland, Volk der Dichter tmd Denker, die Welt, nicht nur die feindliche, eure Freunde warten in Bestürzung auf ein Wort der Befreiung!" ' Schöne, starke und mutige Worte! Leider aber die Worte eines naiven Künstlers, der noch nicht erkannt hat, daß im heutigen Deutschland Feder und Nilpferdpeitsche sich gut miteinander vertragen. * . Der lHchfjudische Major darf unhöflich sein Die Juden Englands waren — wir haben in unserer letzten Ausgabe unter dem Titel „Er wollte nicht unhöflich sein..." darüber berichtet, empört, daß der jüdische Major Brunei Cohen eine Delegation von hitlerdcutschen Frontkämpfern bei deren Besuch in London ■ ehrerbietig grüßte. Er sei erschienen, weil er nicht unhöflich sein wollte, erklärte Herr Cohen. Nun erfahren wir etwas Pikantes von einem Kollegen des Majors Cohen, vom englischen Major F a t h e r- SlNDERZUQC xu Stern«««. u. CtGMQWlU Abfahrt 1. April und 5. April „ORBIS", I. Klrntnsrstraße kl. Tel. R-21-5-7B Oesterr: .Verkehrsbüro, I, Friedrichstraße 7, Tel. B-27-500, urfd Oesterr. Verkehrsbüro,!, Graben 20, Tel. U-29-0-35 ........... Reisebüro „IRUT'S I, Karlspl. 1, Tel. U-44-5-79 stone, der namens der Vereinigung' der englischen Frontkämpfer einen Besuch im berüchtigten Konzentrationslager Dachau machte und sich.ganz,anders benahm als der höfliche jüdische Major Cohen. > Er machte nämlich, wie ein Augenzeuge erzählt; abfällige, und :bei den jüdischen Gefangenen auch antisemitische Bemerkungen über und gegen die Opfer der braunen Justiz. Als er, — so berichtet weiter der zuverlässige Augenzeuge —i aüs der Eimagrantenkompagnie ging, da sagte er, tiefen! Ekel in seinem schrumpügen Gesicht und Abscheu in der Stimme:,,Oh, ich sein gewesen, in Paris und Prag undhabe gesehen das Dreckpack von die Juden, wo hetzt gegen ihr Vaterland." Und die anderen Fronakämpfer mit spitzen und beschränkten Gesichtern standen dabei und die hohen begleitenden Herreh der SS. mit Eichenlauben und vielen Sternen auf den Spiegeln ihrer Uniformen nickten mit dem Kopf. Der englische Major brauchte nicht höflich zu sein. Im Gegenteil. Er war sehr — unhöflich, brutal, gemein. Und nicht etwa gegenüber freien und gefeierten Frontkämpfern, sondern gegenüber wehrlosen Gefangenen, unschuldigen Menschen, gepeinigten Opfern, die nicht die Macht hatten, ihm in sein schrumpliges Gesicht zu fahren« Major Fatherstone hat das Konzentrationslager Dachau; gesehen und ist nichtsdestoweniger Propagator der hltleristichen Schmach im demokratischen -England. Ineinen* England allerdings,1 wo ■• es > einen Major Cohen gibt, dei nicht u n höflich sein will... sind die . bekannten schwören viele Tausetföe auf SfRUM-MAZZOTH so ausgezeichnet runde Strum - Mazzoth M {f^tts . Trotz vieler NachMmungen sind STRUMS runde M AZZOTH unerreicht I DufamiiieHlil^iA wdet s<&: W%w '_' '• ' w ■'.-•■.« - ". •■ r unter strengster Einhaltung aller orthodoxen Kaschruth - Vorschriften erzeugt werden..... und weil sie besonders delikat schmecken! dieUmsftm UeU lo&ehd Uewoc: Besonders praktisch beim Köchen Und Backen, sehr wo h 1 schmeckend'sind STRUH-MAZZOTH Grieß und Farvel — das vorzügliche österreichische Erzeugnis — und überdies frische Ware 1936 dee Selm spickt: Ick will deshalb tute essen, weil sie mir sehr gut munden .. und vor allem, weil "sie sehr hygienisch und nur von jüdischen Arbeitern in Wien erzeugt werden! DARUM sollen auch Sie das P e s's a c fr- Fest 1936 nur mit den bei Allen beliebten vorzüglichen »■»•" H.STRU feiern und beini Einkauf auf die Stampiglie „M. STROM« achten, die jedes Paket trägt!!! STRUM- MAZZOTH Ueberau erhältlich! Wenn M a z z o t h- US W fffe R H ■>? 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Sollte sich dieser Standpunkt im Parlament durchsetzen, so würde dies zwar in religiöser Hinsicht einen Erfolg bedeuten, in wirtschaftlicher Hinsicht bliebe 'jedoch die schwere Beeinträchtigung der jüdischen Bevölkerung bestehen. Die jüdischen Fleischhändler wären dann aussc\\li e ß 1 ich auf, den Handel mit den für den jüdischen Konsum zulässigen Floischtellen im Umfang eines bestimmten Kontingents beschränkt. . Der Vorsitzende der Verwaltungskononüssion, P u c h, ha^te vor der Austinu^ung über die, Schächtvoriage erklärt,: die Regierung sei;ihrerseits an der. Schächtfrage d.ej»4 n t e r e s «i e r t. I)iese Erklärung wird nunxnehr durch .daa Innenministeriuni desavouiert; es wird mitgeteilt,-daß der Innenminister keineswegs das Desinteressement sednes Ministeriums oder des Kabinetts bekanntgegeben, sondern lediglich erklärt hat, daß zu der Frage noch nicht endgültig Stellung genommen worden sei: Auf die objektiv unrichtige Mitteilung Duchs, der als radikaler Schächtgegner die Kommissionsmitglieder geradezu terrorlserbe, war zweifellos die entscheidende Wendung in der Abstimmung zurückzuführen. Der Warschauer Rundfunk setzt seine Propaganda für ein Schächtverbot fort. Die Schächtdebatte in der Verwaltungskommission wurde durch Rundfunk verbreitet, dabei wurden die Erklärungen des jüdischen Abgeordneten Dr. Sommer stein und sämtliche anderen schächtfreundlichen Erklärungen 'fortgelassen; ja sogar die Feststellung des Vlzekultusministers, daß der Entwurf in seiner jetzigen Form verfassungswidrig sei, wurde den Hörern vorenthalten. Iii jüdischen. Kreisen herrscht über dieses Verhalten, ,dea .offiziellen Rundfunks .starke Empörung. Die Leitung des polnischen Rabbiner-Verbandes er« klärt, der „Experte" der Schächtgegner, der P.ries tet; Tsesak, habe durch seine Broschüre „Die-:ßchechita im Lichte von Bibel und Talmud" und seine Expertise in. der 'VerwaUungskommission des Sejm sich als „vollkommen e r Ignorant in r e 1 i g i ö s.e n - F r a g e n" - erwiesen; er habe die religiösen jüdischen Bücher durchaus falsch kommentiert, er beherrsche weder;die hebräische noch die aramäische Sprache und sei darum nicht in. der Lage, irgend welche. Texte aus Tora; Talmud und Kommentaren im Original zu lesen. Die Leitung „des Rabbiner- Verbandes sei bereit, vor Gericht den Wahrheitsbeweis für .die Beschuldigung der Unwissenheit Tsesaks zu\ erbringen. Gleichzeitig hat die Leitung 'des Rabbner-Verbandes beschlossen, gegen Tsesak de Anklage wegen Beleidigung der jüdischen Religion ' vor 'Gericht zu erheben. WILTRA IX, Porittllangasse 64 bester Slibowife, Pessadv Weine, Teehandlung / (Bei Fronz-Josel-Bahn)