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Die neue Welt · 1936-03-13 · Heft 545 (13.3.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 545 (13.3.1936)
Date
1936-03-13
Page
– (sequence 1)
Language
German
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18$ Preis 20 Groschen Freitag, den 13« Mitz 1936 *itl. Nr. 545 V. b. fc* Zeitung vom Verleger versende! „Journal expedie par rfiditcur" DIE NEUE fctLT REVU E HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oesterreich monatlich SIM, vierteljährig 8 4.-, «razjährlg S 16.-J Polen maaMkh vierteljährig Zloty 4.50; Tschechoslowakei monatlich Kc 6.-, yierteliährte Ka Jugoslawien monatlich Dinar 1*-^ tfertol« jährig Dinlr 40.-: Bmnanien monatlich LelJO.-. vierteljahrig Lei 120.-? Dentschland monatilch Mark 1.^ vlertebahrM Mark 3.-: Bnigarien monatlich Lewa 80.-. Tie^e«^g^wa 80.-: »^^^^ M.^ Schwei« und die übrigen Länder monatlich Schweizer Francs 1.60. vierteljährig Schweizer Francs 4.50. £j Mit B bezeichnete Anzeigen sind entgeltlich. Redaktion u. Verwaltung: IX, Universitätsstr.8;7el.A-20-2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Für 2 Schilling „Märchennacht im Galil" Das ist die Devise der schönsten PurinvRedoute im Hotel „Continental", Samstag, 14. März 1936 Ä*%<Ä-!%*%^»r^%*%'*'%<%'*<%'*r**%^ Aus dem Judentum Der Name Kurt Tucholskys, eines Schriftstellers, der auch unter Peter Panter, Kaspar Hauser, •Theobald Tiger, Ignaz Wrobel schrieb, also unter zahlreichen Verkleidungen, ist plötzlich wieder, nach fast drei Jahren der Stille, in der - Oeffentlichkeit genannt worden. Tucholsky hat nämlich, als deutscher Emigrant, in Schweden seinem Leben ein Ende gemacht. Emigrantentragödie — wird man leichthin sagen und nicht viel Aufhebens machen von einem Fall, der scheinbar, dem Alltag angehört — inmitten ungezählter „Fälle", jüdischer Seljij^^prde und .gemordeter Juden im nationalsoziatisfilchen Deutschland. Nun erfahren wir aber von einem Brief Tucholskys an den Schriftsteller Arnold Zweig,' datiert vom 15. Dezember 1935; von einem Brief, der uns Einblick in einen .. Seelen* und . Intellektszüstahd'gibt, welchen .man wohl alst" charakteristisch für.. gewisse „Jttd'eh" beträchten'kann.'""" _ _ , In diesem Brief heißt es: . ' . i' „Ich bin im Jahre; 1911 „aus dem Judentum ausgetreten', und ich weiß, daß man das gar nicht kann. . Ich habe es getan, weil ich noch aus der frühesten Jugendzeit her eine unauslöschliche Abscheu vor dem gesalbten Rabbiner hatte. . . ." . . Aus dem Judentum ausgetreten, weil ihm in der Jugend nichts positiv Jüdisches gegeben wurde! keine jüdischen. Werte durch den Religionsunterricht, der damals in den Händen liberal-assimilatorischer Lehrer und> Rabbiner lag — so begann der gebildete Tucholsky das Judentum aus . einer falschen Perspektive zu sehen, Haß gegen alles Jüdische, well es ihm unbekannt war, im Herzen und trotzdem eine Belastung für uns.. Solche Figuren wie er standen unglücklicherweise allzu zahlreich an der Spitze der Kritik alles 'Nationaldeutschen, Traditionsgebundenen, meinet- RE|SED URO Billige CRUT-Reisen nach CZCKNOWITZ mit Kollektivpaß am 2D. März und 5. April Uber KRAKAU-LEMBERG „IRUT", KARLSPLATZ 1 Ref. Rosenkranz — Telephon U-24-5-79 halben Bärenhäuterischen. Aber wo diese Kritik abgelehnt wurder war es der J u d e, der sie machte, und .wir. alle wurden für das verantwortlich gemacht, was der abgefallene Jude schrieb und sagte, und ■alles, was die Herren Ausgetretenen seinerzeit in den sogenannten'. Linksblättern ä la „Weltbühne" schrie- beri,. v/urde als' jüdische Meinung angesehen, bekämpft und — gerächt. Die Wirkung auf Literatur und Kunst war gering, groß aber der Widerstand ..der ^Bodenständigen" gegen diese sogenannten „Asphalt- ■literaten^' . „Ueber P a l ä s t i n a", schreibt in dem Brief Tuchplsky, „erlaube ich mir keine Bemerkung—: . ich;keijne dieWerhältnisse nicht. Zweierlei fällt mir auf: Das .ist kein jüdische^ Staat, sondern eine englische Kolonie, in der die Juden — wie unter Pontius Pilatus — eine Rolle iSRieien, die. mir nicht schmeckt; und wohl manchem Juden dort auch nicht..." ..... .Mit welcher Oberflächlichkeit und Leichtfertig-; Adolf Hitler und die Judenkinder Der größte Artikeldienst der Vereinigten Staaten „United Features" verbreitet den Bericht über eine Deutschlar-dreise des in U. S. A. populären nichtjüdischen Publizisten Westbrook Pegler, in welchem es u. a. heißt: „Die ärmsten Opfer des langsamen deutschen Judenmassakers sind die Kinder, die noch gar nicht wissen, was eigentlich rund um sie vorgeht. Die Kriegspropaganda hat den deutschen Soldaten bekanntlich die Ermordung von kleinen Kindern nachgesagt. Diese Propaganda war Lüge. Im mmt mjJWlUti TS O NNTA'C^lfrl.M'HH.MM^lS», FRANCOPOLhach POLEN .üi'CfcEftNOWTZ ~wmr OsterabfaUrlen "83£E^8»F Rückfahrt am 29. März m^SäSM 17., 31. März 5. April _ 14., 21. April ab Nordbahnhof Ermäßigung 5., 19. Mai „FRANCOPOl", Wien II/, Schwär zenbergplarz 7, Telephon U-16-4-90 „SEDQK", Witn, 1. Bezirk, Kärntnerstraße 32, Telephon R-23-4-88 „GERMGROSS", Wien VII, fUariahilferstraße Ai, Telephon B-3S-2-68 Gegenteil, def/fdeutsche Soldat in fremdem Land entpuppte sich meistens als ein herzensguter Gesell, der selbst seine eigene bescheidene Ration mit der Bevöike? rung, namentlich mit den Kindern im besetzten' Gebiet, teilte, wenn <ltese Not litten. ■j/Waa,,ßber. das'.deutsche Regime heute'gegen die!': Kinder * der Verf olg ten -'tij iernimmt,-ist-* in- Wirkung^ und Wirklichkeit v i e 1 ärger a l s a 11 e s;'d t ev K r i egspropagan da auf dies e m G eb iete j cm als zu erfinden vermochte. Die Grausamkeiten, die den jüdischen Kindern zugefügt werden,, werden sich niemals ableugnen lassen. Die Torturen sind deswegen so furchtbar, weü; sie die'arglose Zeit der Kindheit in eine Periode der N o t, der Angst und des Grauens verwandeln.: Die jüdischen Kinder sind zu einem Leben verdammt, das schrecklicher ist als der Tod. , . Sie müssen sich fortwährend die unflätigst^, Beschimpfungen ihrer Eltern anhören. Sobald dasind zum ersten Male mit der Umwelt in Kontakt gelangt, bekommt es zu hören, daß es gar kein menschliches Wesen ist wtei andere Kinder, sondern ein Tier, dessen Eltern auch Keii& Menschen sind, sondern abscheuliche Bestien, Lebt so ein Kind in einer kleinen Stadt, öl des nicht genug jüdische Kinder sind, damit eine eigene Schuld für sie eingerichtet wird, so sind die Grausamkeiten«; denen es ausgesetzt ist, noch viel ärger. Es muß sich den .Vortrag' des Lehrers anhören, daß die ganze JudenbruÜ ausgerottet werden sollte — was man .weltanschaulich« Erziehung im Sinne des Nationalsozialismus' nennt —• und wenn ein Lehrer vor solchen Erklärungen ein jüdi« sches Kind aus der Klasse hinausschickt, so bringen ihm seine kleinen Kameraden, die' selbst vom Haßgift des Nationalsozialismus ganz; durchtränkt werden, die nötigen Belehrungen nachher schon bei. . Will ein gutherziger kleiner Kamerad mit ihm I spielen, so werden beide zusammen verprügelt. ITeberhaupt steht das Verprügeln von jüdischen Kindern an der Tagesordnung. Schon in ihrer eigenen Kindheit wissen die Peiniger ja, daß das der Weg ist, auf dem man im. heutigen deutsche» Vaterland Karriere macht. . Jüdische Kinder im bitten Reich bekommen an* dauernd nichts, anderes , als Beleidigungen und \ Be* schimpfungen zu, hören, denen zugleich auch die einzigen Erwachsenen ausgesetzt sind, ..an. die-sie-sich .vertrau volfciwehderikönnen:..ihre-Eltern Axnd Verwandten.' D i e miknm mmttm ^xMmm .. . dt^Üd) eiuiJ '. Snuerliruhit; jüdischen Ki'nder im Dritten-Reich werden zwar nicht getötet — aber sie werden seelisch zu Tode gemartert. * Dieser Darstellung ist nichts hinzuzufügen. Vielleicht noch die Bemerkung, daß' behördlicherseits die armen Und kranken. Judenkinder vom Bezug von Milch und Heilmitteln ausgeschlossen sind. keit der ausgetretene- Tucholsky über das; große nationale Werk der Judenheit spricht! ' " X;/.' Ihn, den dem Judentum und seinen Nöten Fernen, den Kulturliteraten im gewesenen demokratischen Deutschland, berührt nicht die Tatsache, daß eben dieser „jüdische Staat" von der Gemeinschaft all der jungen Menschen hätte geschaffen werden müssen," zu denen Kurt Tucholsky gehörte, der eben aus dem Judentum austrat, um sich solche Arbeit zu ersparen, Und noch eine Stelle muß zitiert werden: > v „Was sind Sie? Angehöriger eines . geschlagenqn, aber nicht besiegten Heeres? Nein, Arnold Zw<jig, dias ist nicht wahr. Das Judentum ist besiegt.. und. $3 is\_a,u<?h nichjjjvahr, daß es seit Jahrtausenden kämpft. EJs kämpft ebeA^icht. Die Emanzipation der Juden ist nicht " das Werk von Juden. Diese Befreiung ist den-Juden'durch die Französische Revolution, also von Nicht juden, geschenkt wordensie haben nicht dafür gekämpf t.'Das. -hat sich gerächt... Mir hat schon diese flaue und;faule Erklärung, nie gefallen, mit der man mir erzählt hat; die Ghetto» juden im 16. Jahrhundert konnten nichts anderes, sie 'waren bedrückt, man ließ sie ja nichts anderes als schachern. Nein, liebe Freunde; Ghetto ist keine Folge. Ghetto ist Schicksal.' Eine HerrenrasseT wäre 3er-' brochen — diese da .müssen doch leben'." Es ist nicht , notwendig, Tucholskys Ausführungen in all ihren Einzelheiten zu analysieren.,': Sie sind!nur aufschlußreich als Gedanken eines bestimmten „jüdiachen" Typus, der sich'in allen assimilatorischen Lagern und Ländern findet. Tucholsky * verlangt von .den Juden ein — „He r.r enr ass entumu, , also Kapellmeister Otto Wacek mit seinen . tönenden Soldaten konzertiert Beginn halb 9 Uhr , Besucherkarte 60 g '''^Se?!!!^^ Cafe Weghuber hlntar dam Pauttchan Volkttheatar! etwas, das er bei der. nationalsozialistischen Ideologie nicht gerade respektvoll behandelt. Der jüdische Selbsthaß verdunkelt dem aus dem Judentum Ausgetretenen die Geschichte des eigenen Volkes; verschmiert ihm den jüdischen Heroismus, der von allen Kulturmenschen anerkannt ist; läßt ihn das Märtyrertüm vergessen, das in größartiger Manier die Existenz des Judentums ermöglicht hat. Alles, was dieser unglückliche'Emigrant zu sagen hat, berührt nicht im entferntesten die Dinge, um die es als Auswege aus jüdischer Not geht. Weil Hitler-Deutschland ihm das Weiterleben und Weiterwirken im altgewohnten Bereich unmöglich gemacht hat, kennt sein jüdischer nach PALSSTINA!8$f Hinfahrt bis 31. März 193Ö, Rücklalu.t bis. 31. Mai 1936 |. mit 50% bzw. 30% Ermäßigung von $ 35®»*"; aufwärts auf Hin- und Rückfahrkarten J FRUHLINGSREISEN Hinfahrt vom l.AprÜ bis 23. Mai 1936, Rückfahrt bis flfep 24. Juni 1936 mit 50% Ermäßigung auf Hin« und Rückfahrkarten 1 von 1350.» aufwärts mit 80% Ermäßigung auf einfache Hinfahrt von S 800.» aufwärts Auskünfte: Generalagentur, Wien I, Kärntnerring 6, Takphon U.47'M0, und alle RcUcbureaux

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