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Die neue Welt · 1936-03-10 · Heft 544 (10.3.1936) · page 3

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 544 (10.3.1936)
Date
1936-03-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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«*, m wm 10. mtz im vmsmfamm SeltÄS 1 □□□DdDDBHElEDIl Samstag, den 14. März 1936 mnnramnmm^w iraMiniHBHMHr^ <IH CA Veransfalfef vom Verband der Judensfaatszionisten in den Fesfsälen des HOTEL „CONTINENTAL" Die schönsten Gruppen und Kosfume werden prämiiert. KARTEN d S in allen Sektionen und im Verbandsheim. Das Sdiäditverbof in der Kommission angenommen Aus Warschau wird gemeldet: Die Sitzung der Verwaltungskommission des Sejm, in der der Antrag der Frau Jahina Prystor, das Schächten zu verbieten, angenommen wurde, wohnten alle SO Mitglieder der Kommission, ferner Frau Prystor und der „Experte" Tsesak bei. Auf der Regierungsbank waren der Vizekultusminister Pfarrer Jongolowicz und der Direktor des Religionsdepartements Graf Potocki zu sehen. Das Kommissionsmitglied Abg. Dr. Emil Sommerstein war der einzige Jude in der Sitzung. Deputierter Duch, der den Vorsitz führte, teilte mit, der jüdische Experte, Abg. Rabbiner Rubinstein, habe seine Expertise mit der folgenden schriftlich mitgeteilten Begründung abgelehnt: „Die Verwaltungskommission hat mich eingeladen, eine Expertise zum Scuächtverbotspfojekt vom Standpunkt der jüdischen Religion abzugeben. Gleichzeitig hat die Kommission es für möglich gefunden, auch einen katholischen Theologen hierüber zu vernehmen. Unsere einzige unerschütterliche Autorität ist das kodifizierte Gesetz, dessen allein maßgebender Interpret die j U d 1 s o h e G e i s 11 i c h k e 11 ist. Die Einladung eines katholischen Theologen als Experten hat es mir demnach unmöglich gemacht, an der Sitzung teilzunehmen." Abg. Dr. Emil Sommerstein ergriff nun das Wort zu folgender Erklärung: Ich stelle fest, daß das zur Verhandlung stehende Gesetzesprojekt bezweckt, den Juden die Ausführung einer kardinalen religiösen Vorschrift unmöglich zu machen; dies steht in diametralem Widerspruch zu den Vorschriften der Verfassung. Ich schlage vor: Rückverweisung des Projekts an den S e j m- M.a r s o h a 11 mit der Bitte, feststellen zu lassen, ob der vorgeschlagene. Text nicht der Verfassung widerspricht." Der Vorsitzende Duch antwortete, er glaube nicht, daß das zur Verhandlung stehende Projekt der Konstitution widerspreche. Der Referent Abg. Dudzynski begann sein Referat mit einer schweren Klage über die Lage des Bauern, der zu wenig für sein Vieh erhalte, was auf die Belastung durch die stadtischen Fleischabgaben zurückzuführen ist. Die Häuptschuld an der Belastung trage die rituelle S ohächtun g. . Dann ergriff die bekannte Antiseraitin Frau Prystor das Wort zu einer einstündigen Rede. Wenn auch, Sagte sie, der Schutz der Interessen des Bauern wichtig sei, so stehe dpph.das^ human^ltär e Moment in erster .Reihe. Dir Projekt habe die "einmütige Billigung der Öffentlichkeit gefunden. Es handle sich heute schon um eine Prestigefrage für die 80 Millionen polnischer Bevölkerung. Der Vizelcultusminlster Jongolowicz, ein Geistlicher, gab die folgende Erklärung im Namen der Regierung ab: Nach der Behauptung der Rabbiner würde ein Verbot dei rituellen Schächtens den Juden jeden Fleischgenuß entziehen. Da nun die Verfassung die Freiheit des Glaubens und die Durchführung der religiösen Gesetze garantiert, müßten Aenderungcn in dem Gesetzprojekt in dem Sinne durchgeführt werden, daß man den Juden die Möglichkeit gibt, Schichtungen zu eigenem Gebrauch durchzuführen. Abg. Sommerstein erklärte: Es gibt zu der behandelten Frage religiöse, humanitäre und wirtschaftliche Momente. Wegen des religiösen habe ich bereits gesprochen. Würde das Gesetz zur Annahme gelangen, so würde es eine Verletzung wesentlicher religiöser Gesetze der Juden und somit eine Verletzung der konstitutionellen Garantien der Gewissens- und Glaubensfreiheit bedeuten. Was das humanitäre Moment betrifft, so bin ich in der Lage, Gutachten von maßgebenden Physiologen und Medizinern, u. a. des Anatomen Professor Nowak in Krakau, vorzulegen, wonach das Schächten die beste, mildeste und humanste Methode dor Tötung von Tieren sei. Man sagt uns, Polen sei der letzte Staat in Europa, der das Schächten noch nicht abgeschafft hat. In Wirklichkeit haben bis jetzt nur Deutschland, Finnland und die Schweiz ein Sohächtverbot eingeführt. Was das wirtschaftliche Moment betrifft, so hat man hier ein Gewirr von Zahlen willkürlich aufgestellt, die die wirklichen Tatsachen verschleiern. Die Kosten der rituellen Schichtung zahlt einzig und allein die jüdische Bevölkerung. Wir Juden appellieren an keine ändere Instanz als an den polnischen Sejm und an die polnische Regierung. Das vorgeschlagene Projekt verletzt das jüdische religiöse Gesetz und will die jüdische Bevölkerung vergewaltigen. Ich ersuche um Ablehnung des Projekts," Bei der Abstimmung wurde das Projekt der Frau Prystor mit allen polnischen Stimmen gegen die Stimmen der zwei Ukrainer und des einen Juden angenommen. * Ueber die Abstimmung schreibt der Warschauer „Moment":;»•.. Wie ist die Stellung der Regierung? Vielleicht genügt das, was ihr Vertreter in der Kommission Jongolowiez gesagt hat, um deren Standpunkt kennenzulernen. Von unserem Standpunkt aus ist das sehr, sehr wenig. Wir haben von Polen, sowohl nach seiner Vergangenheit als auch nach seiner Gegenwart, eine andere Vorstellung gehabt. Nicht, ohne Grund haben die. Juden, in Warschau und "in Tel-Awiw und'in New" York'-'und 'in Ctiarbin den Tod des- Marschalls P ilsudsk y so sehr beweint. Sie haben ein-bitteres Vorgefühl -gehabt. Und sie habensich darin nicht getauscht. Diese Abstimmung im Sejm konnte nur m einem Polen ohne Plläudsky stattfinden. Hätte Püsudsky 'gelebt, wäre es nicht zu so einer Abstimmung,- wahrscheinlich gar nicht zu so einem Antrag gekommen. Das ist unsere Ansieht und das müssen wir sagen.. Noch intmeff die Frage des PaläsfsEia* Parlaments Die Debatten im. englischen Unterhaus und Oberhaus ließen erkennen, daß die Vertreter des englischen Volkes oder— präziser gesagt — die englische öffentliche Meiuung sich entschieden gegen die Einführung des^ Legislative "Council, des Parlaments in Palästina, unter den gegebenen Verhältnissen ausgesprochen haben.' Vor kurzem hat, nachdem die ganze Judenheit in Palästina und in den Galuthländern das Farlameent abgelehnt hatte, eine Abordnung der Judenschaft Englands dem Kolonienminister ihre negative Stellung .zum Council zum Ausdruck gebracht. < -Die".Antwort des Kölonienministers ist soeben, unmittelbar nach der großen Palästina-Debatte im Oberhaus, eingelangt. Kolonienminister Thomas erklärte, es sei die Ansicht der englischen Regierung, daß die Schaffung eines-Legislative Council in Palästina eine Notwendigkeit sei. Er fügte aber in seiner Antwort hinzu, daß'die Existenz eines Legislative Council die Position der Jewisb Agency for Palestine gegenüber der englischen Regierung nicht tangiere; diese Position sei nach wie vor gesichert. * . . . ] Mit dieser unklaren, immerhin aber verdächtigen Antwort war die Affäre aber nicht erledigt. Am 4. März gab es. wiederum Interpellationen im Unterhaus bezüglich des Palästina-Parlaments. Abg. Davidson fragte, ob die Schaffung des Legislative Council, in dem die Juden als eine Minorität verträten sein aollen, mit dem dem jüdischen Volke gegebenen yensprechen, daß Palästina zu einem jüdischen Nationalheim gemacht werden solle, zu vereinbaren sei. Minister Thomas erwiderte: „Ja. Ich bin der Ansicht, daß niemand den Council als dem Mandat widersprechend angreifen könne. Bereits im Jahre 1922 hat der damalige High Commissioner für Palästina, Sir Herbert Samuel, der Bevölkerung Palästinas den Vorschlag ziir Schaffung eines Legislative Council gemacht.. Damals wurde der Vorschlag von der jüdischen Gemeinschaft angenommen, von den Arabern aber zurückgewiesen. t Abg. Shinwell fragte, ob die relativen Positionen der verschiedenen Volksgruppen in Palästina im geplanten Council mit dem seinerzeitigen PJan Sir Herbert Samuels in Einklang seien. Minister Thomas erwiderte: Ich möchte behaupten, daß die Position der Juden eine beträchtliche Verbeas erung (!) erfahren habe. Abg. Messer fragte, ob der Kolonienminiater im Hinblick auf den Arbeitermangel in Palästina Anweisung geben wolle, daß die Zahl der Arbeiter-Etnwanderer im Rahmen der Einwanderungaschedule den jüdischen Vorstellungen gemäß erhöht werde. Minister Thomas erwiderte, er wisse nichts von einem Arbeitermangel in Palästina. Abg. Mander fragte den Kolonienministerj wie es um die .Frage des Bodenerwerbs durch Juden in.Trans« Jordanien bestellt sei und warum bisher eine Erlaubnis an Juden, in Transjordanien Boden zu erwerben, nicht erteilt wurde. Minister Thomas erwiderte» die Ansiedlung von Juden in Transjordanien hänge von den 1 o k a 1 e n B e d i n g u n g e n ab; die Regierung müsse sich hierin nach dem Rat des in* diesen Fragen zuständigen High Commisioner richten. Man kennt die Methode des Kolonialamts, sich bei Interpellationen, die der Regierung unangenehm sind, auf den Oberkommissär zu berufen und seine Entscheidung als maßgebend hinzustellen. Es . ist dies nicht nur bei der Frage des Parlaments, sondern auch bei <Jen Verordnungen bezüglich des Bodenerwerbs und der Einwanderung < der Fall. Die Zionistische Organisation hat nach wie , vor die Aufgabe, gegen alle die Entwicklung Palästinas hemmenden Maßnahmen zu kämpfen und die öffentliche Meinung zu mobilisieren. Caie fakaäk ittauA ^FWWmw^ß wwx*wwwmVwW ^fVlflflf I, KAI 39/99 Da« neuzeitliche Kaffeehtm mit den modernsten Anlegen Juden in den Berliner Autobussen •Aus Prag (J. T. A.): Der bekannte amerikanische Publizist Louis Flacher berichtet in verschiedenen Zeitungen Uber die Eindrücke seiner letzten Deutschland- Reise. Niemals, schreibt er, sah ich Berlin so pessimistisch wie 1936. Im Autobus bemerkte ich, daß Reisende sich auf der Plattform zusammendrängten, obwohl reichlich Sitzplätze frei waren. Ich fragte nach dem Grund. „Öle Juden" — so antwortete man mir — „wagen es nicht mehr, sich zu setzen, weil sie, Angst haben, angepöbelt zu werden". Verband der Judenstaatsxionisten Oeslerreichs Sektion XIII/XV, XV., Schanzstraße 32* Diensteg, den 10. d., um ^9 Uhr abends, Th. Grubneri „Kritik des Allgemeinen Zionismus." Z e n t r a 1 h e i m, I., Werdertorgasse 14. Mittwoch, den 11. d., um 149 Uhr abends, David Nebenzahl: „40 Jahre politischer Zionismus." SektionLeopoldstadt, IL, Taborstraße 21a, Donnerstag, den 12. d., um %9 Uhr abends, Schlomo Auerbach: „Allmenschliches und Nationales in Bialiks Werken." SektionPrater. Sonntag, den 15. d. M., 4 Uhr nachmittags, in Lustigs (früher Bayer) Restaurant, II., Venedigerau. Kinderpurimfeier. Jedes Kind wird beschenkt. Regiebeitrag S —.50. Judenstaatsjugend. Sonntag, den 15. d. M., 3 Uhr nachmittags, im Zentralheim, I., Werdertorgasse 14, Generalversammlung. Sonntag, den 15. d., von ^11 bis 12 Uhr vormittags, im Sekretariat, I., Werdertorgasse 14, Abrechnung des Machzit Haschekel. Am 28. und 29. März findet die 3. Landes* konferenz der Judenstaatszionisten Oesterreichs in Wien statt. DietetekH $m$d$$svMsld$u&#efr Land der Sonntag/ 15« Mänz, II Uhr vormittags ':«] h Parkring Ansprache: Dr» Egon Michael Zweig (Jerusalem) Im Beiprogramm: Der Luzerner Zionisf enkongreß Karten bei: Jüd. Kulturstelle, I, Franz-Josefs- Kai 3, Tel R-28-2-36, Bücherstube Löwit, I, , Wollzeile 6, Tel. Rr25-4-53, Buchhandlung Lanyi, I, Kärntnerstraße 44, Tel. B-26-3-33 .und an der Kinokasse, Tel R-21-2-43 i Das Ergebnis des Numerus clausus Der Numerus clausus ist ein Thema, das in Ungarn nicht von der Tagesordnung schwindet. Bald sind es die Studenten, bald die Aerzte und Rechtsanwälte, bajd — das ist die jüngste Phase — Arbeitnehmer an sich, die den Numerus clausus in ihrem Berufsgebiet verlangen. Besonders der Versuch, einen getarnten Numerus clausus für jüdische Arbeitnehmer in Industrie und Gewerbe einzuführen, enthüllte die antisemitische Tendenz gewisser Gesetzesvorlagen, die von den sogenannten Pfeilkreuzlern, einer Abart des Hakenkreuzlertums, eingebracht wurden. Der Abgeordnete Stefan Friedrich, einst christJ lichsozialer Antisemit, erklärte kürzlich im ungarischen Parlament: „Der Numerus clausus für Studenten hat in den 16 Jahren seines Bestehens überhaupt nichts erreicht. Es gelang zwar, einen Teil der jüdischen Studenten von der Universität fernzuhalten, aber was tat diese jüdische Jugend?" (Zwischenruf des Pfeilkreuzlerführers Graf Festetits: „Sie ließ sich taufen.") Stefan Friedrich: „Sie ließ sich nicht taufen, aber sie lernte im Ausland drei, vier Sprachen, kam mit einem Diplom nach Hause und wenn auch die Nostrifizierung des Diploms ihr verwehrt wurde, so gelang es ihr doch, auf Grund ihrer besseren Kenntnisse in Privatfirmen unterzukommen und dort glänzende Positionen zu erreichen. Das war das Ergebnis des Numerus clausus; Im Leben muß sich jeder die Erfolge selbst erkämpfen. Wir brauchen keine Hindernisse und Dämme. Die christliche Jugend muß zeigen, daß sie der jüdischen Uberlegen ist, dann wird sie auch bessere Resultate erzielen, ohne Numerus clausus und ohne künstliche Privilegien. " Das beweisen die letzten 16 Jahre." Eine vernünftige, dem Leben entnommene Feststellung. Eine Feststellung allerdings, die den Minderbegabten und darum Höchstfordernden nicht recht sein dürfte — weder in Ungarn, noch anderswo.

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