Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 544 (10.3.1936)
- Date
- 1936-03-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite | DIE NEUE WELT Nr. 844 vom 10. Mär« 1986 Seil tarn, sofort An die Vaterländisch© Front herangedrängt hat, weil es darin einerseits' einen Schutz gegen den nationalsozialistischen RassenantiseniiÜs. mos erblickte, andererseits aber einen geschäftlichen Torteil oder zumindest die Verhütung eine« geschält* liehen Nachteiles, so haben im Auslände J u d e n, die durchaus nicht bodenständige Oesterreicher sind, die vaterländische Idee an sich gerissen. Man kann es dem bodenständigen, ans den Alpen« ländern stammenden Oesterreicher im Anstände nicht verdenken, wenn er sich nur ungern mit den Juden zusammensetzt, die Ihm in ihrer Wesensart vollkommen fremd sind und da noch eher eine Verbindung mitDeutschen aus dem Deutsche«, Reiche sucht — und dorft freilich nationalsozialistischer Propaganda schlimmster Sorte ausgesetzt ist. Wenn man diese beiden Gründe hört, dann begreift man es, wie das Auslandsöstorreichertum in So großem Maße in das nationalsozialistische Fahrwasser kommen konnte und wie unter ihm deutschöstisrrcichische Presseerzeugnisse Abnahme finden können, die von Haß gegen das deutsche Oesterreich triefen." Hier wird also ganz offen empfohlen, mit dem Nationalsozialismus, sofern er antisemitisch ist, in Konkurrenz zu treten und den judenfeindlichen Instinkten im katholisch-österreichischen Lager jene Wirkungsmöglichkeiten zu schaffen, die ihnen Adolf Hitler in seinem Lager gewährt. Macht esdem Antisemitismus auch bei uns Katholikenbequem, dann werden die Leute bei uns bleiben! Das ist der langen, gewundenen Schreibereien kurzer und gerader Sinn. Anders ist es auch nicht zu deuten, wenn die „Reichspost" jeder Kritik der antisemitischen Greuel in Hitler-Deutschland ausweicht und sie — wörtlich — als „Auseinandersetzungen rassisch-wirtschaftlicher Natur" wertet, welche einen Dritten nicht angehen. Anders ist es nicht zu deuten, wenn gewisse Führer der katholischen Jugend Oesterreichs antisemitische Hetz- und Boykottschriften unter den Jungen verteilen und sie, um dem glorreichen Beispiele Hitler-Deutschlands ja recht nahezukommen, an Kirchenmauern und Amtsgebäuden groß und breit anschlagen. In Hitler-Deutschland prangert man den Katholizismus an protestantischen Kirchemmauern an. Und in Oesterreich glauben manche katholische Politiker und Zeitungsleute, diese Sache dadurch wettzumachen, daß sie das Judentum an katholischen Kirchen anprangern. Man weicht jeder gerechten Behandlung der Judenfrage aus und will sie so lösen, daß man den Juden jeden Lebensraum in Staat und Wirtschaft nimmt. Wieder nach dem Rezepte Hitlers. Hitleristisch ist es auch, wenn man die Juden samt und sonders als „politische unzuverlässiges" Element brandmarkt, und so tut, als hätte esnur Juden gegeben, die den ,,machthabenden Sozialdemokraten" nahe standen. Wie ist es dann zu den Millionen sozialdemokratischer Stimmen gekommen, da es doch in Oesterreich nur zirka 100.000 jüdische Wähler gibt? lieber so kleine geschichtliche Wahrheiten schweigt man sich eben aus. Wie Hitler. * Wenn von jüdischer Seite über das Verhältnis von Katholizismus, Hilerismus und Antisemitismus gesprochen wird, so wird dies vielfach — auch die „Reichspost" hat sich wiederholt in diesem Sinne geäußert — als unerwünschtes Dreinreden in fremde Angelegenheiten, als lästige Aufdringlichkeit abgelehnt. Es sei zugegeben, daß mancher jüdische Publizist in dieser Sache wenig taktvoll vorgegangen ist und eine Besorgtheit um die vom Nazismus bedrohte katholische Sache zur Schau trägt, die mit seiner jüngsten Vergangenheit nicht in Einklang steht und daher nicht gefällig wirkt. Aber jetzt redet kein aufdringlicher Jude, sondern ein katholischer Gelehrter spricht ius, daß der Antisemitismus im Grunde der gefährlichste Feind des Christentums und der mächtigste Bundesgenosse Adolf Hitlers in seinem Kampfe gegen das Christentum ist. Ihm gegenüber stehen aber katholische Politiker, die glauben, den Katholizismus und das katholische Oesterreich damit retten zu können, daß sie ein Wettrennen mit Hitler hinter den Juden her beginnen. Da kann wohl eine Meinungsäußerung von jüdischer Seite nicht mehr als Aufdringlichkeit bezeichnet werden, und es ist keine lästige Einmischung, zu sagen, daß der Katholik Liener die gute Sache vertritt und jene Katholiken, die einer loyalen Behandlung der Judenfrage aus dem Wege gehen und in Hitlers und Streichers Fußstapfen treten wollen, dem Katholizismus und vor allem dem katholischen Oesterreich schlechten Dienst erweisen. r. st. Widerliche Verhetzung Ein Leser schreibt uns: Als ich gestern die Aiserbachstraße passierte, bemerkte ich vor einer Anschlagtafel auf dem Hause Nr. 23 eine große Menschenansammlung. Ich trat hinzu und sah, daß Exemplare der Zeitschrift „Jugendwacht" dort ausgehängt sind. Das Haus gehört der Stadt Wien und dient jetzt als Heimatschutzkaserne und beherbergt auch den Jugendverein „Frohe Kindheit" und eine Kinderbücherei. Die „.Tugendwacht" wird vom „Reichsbund der katholischen, deutschen Jugend" herausgegeben. Folgende Textstellen sind unterstrichen, um die Aufmerksamkeit des Lesers besonders anzuregen; „Judenfrage": Ein Buch über jüdische Ritualraorde (Morde an Christen, von Juden aus religiösen Gründen begangen), wurde durch den Einflufl der Judenschaft vtmt Staatsanwalt beschlagnahmt. So etwas sollte in einem Staate, der sich christlich nennt, nicht möglich sein! Ich höre einen safeni „ja, da hat doch der Hitler im Dritten Reich anders drein-' gehaut!" — TJnd das fcfcl für uns: Ttotr, allem erstreben wir die Durchführung des örnndsatwes, die Juden sind ein Gastvolk, sie haben daher geminderte Rechte. Frei sind die Juden in der gottlosen Atifklarungszeit geworden, zur Herrschaft sind sie In der liberal-kapitalistischen Zelt gelangt, stark sind sie überall dort, wo die Christen sehwach sind. Daher Reform von unten: aufklären und melden, was an geistigem und wirtschaftlichem Gift von dieser Seite kommt! (Einkauf. In jüdischen Geschälten meiden!) „Jndengesette in Deutsehland": Dir Inhalt: 1. Kein Jude darf Staatsbürger sein (mit vollen Rechten also), sondern nur Staatsangehöriger. — 2. Die Vermischung deutschen und jüdischen Blutes (besonders Eheschließungen) werden staatlich nicht anerkannt und sogar strafrechtlich verfolgt, — Was sagen wir dazu: 1. Es ist gut und zu loben, wenn end« lieh ein Staat sich traut, gegen die Juden« Übermacht aufzutreten. — 2. Der eigentlich» Haupttet! des Erfolges liegt aber nur an den Leuten selber. Eine österreichische Nationalsotlalistin besuchte Ihre in München verheiratete Tochter. Sie ging, um dl« Wirkung der Antijntten-Strömnngen kennenzulernen, In ein bekanntes jüdisches Lebensmitteige« schält. Was sah sie? Kopf an Kopf standen die Lebte drinnen, die Luft kaum auszuhalten. „Ich ^ar ganz platt"» änderte sie ihre Ueberraschung. — Ja» Gesetze haben nur Kraft, wenn cfor innere Geist der Bürger damit Sehritt hält, wie sagt unier Sarialrefoimprogratttfnfj Starke Christen sein — das bricht die Judenmacht." Anm. der Red.: Wir haben uns von der Richtigkeit dieser Meldung überzeugt. Uns scheint die Sache mit einem Rufe nach Polizei und Staatsanwaltschaft nicht ab« getan. Man muß Führern, die solcherart Oesterreich zu« mindest so schaden wie den Juden, von der Jugend fern-* halten. Da reichen Polizei und Staatsanwalt nicht aus« RUNDSCHAU Die einzige Waffe Al3 das nationalsozialistische Deutschland im April 1933 den schändlichen Boykott gegen seine jüdischen Staatsbürger inszenierte, mit der Absicht, das Judentum an sich zu diffamieren, herrschte Empörung überall, wo es Gefühl für Menschenrecht gab. Man erwartete seitens des jüdischen Volkes, daß es auf die Tat des Hakenkreuzes entsprechend reagiere ... Die englischen Universitäten wurden vom Dritten Reich zur Heidelberger Jubiläumsfeier eingeladen. Die Antwort auf die Einladung? Oxford und Cambridge, die angesehensten Universitäten Großbritanniens, lehnten die Einladung ab, sie werden sich ah den Heidelberger Feiern nicht beteiligen, weil sie nicht Gäste eines Landes sein wollen, das die Freiheit der Forschung abgeschafft habe und den Gelehrten nach seiner politischen und rassischen Zuverlässigkeit einschätze. Das nationalsozialistische Deutschland hat den Engländern nichts Böses getan — es hat ihnen zum Teil geschmeichelt, um ihr Wohlwollen geworben. Und dennoch ... In einer Rede hat Hitler das Anrecht der Vorherrschaft der weißen (will sagen „germanischen") Rasse über die minderwertigen farbigen Völker verfochten. Asien fühlte sich getroffen. Diese theoretische Formulierung rief Empörung bei den Indern hervor (bei den Ariern!), die in einem Brief der Hindustan Academical Society zum Ausdruck kommt. Darin heißt es: Orig. Trachten-Kleider, Gürtel und Zubehör bei PEUA Wien I,Götfwelhergasse 1 Jftk&m Zur Messe: Burg, Saal M., Koje 5156 „In Indien haben sich alle Klassen und politischen Parteien entschlossen, diesen letzten Affront aus dem Westen mit einer großzügigen und gerechtfertigten Aktion zu beantworten; es Ist ein durchgreifender Boykott aller nazideutschen Waren im Gange; dies ist die einzig mögliche und erfolgversprechende Waffe, die Indien zu Gebote steht. Kein Inder, der einen Funken von Selbstachtung besitzt, wird ein Erzeugnis Hitler-Deutschlands erwerben oder benützen. Indien betrachtet unter den jetzigen schwierigen politischen Verhältnissen diesen Boykott ab die einzige •Waffe, um seine nationale Ehre zu verteidigen, und als die einzige würdige Antwort auf diesen verletzenden Angriff gegen seine hohe alte Kultur." Ein Theorem also hat solch eine Reaktion, die Organisierung eines durchgreifenden antihitleristischen Boykotts, hervorgerufen. Die Inder, die Dunkelfarbigen, vom hakenkreuzlerischen Haß Unberührten, haben die richtige Antwort gefunden ... Auch wir haben auf die schändlichste Attacke, die jemals gegen das Judentum inszeniert wurde, reagiert. Die linke zionistische Exekutive hat mit Hitler-Deutschland das Transfer-Ab kommen geschlossen, wodurch bekanntlich Ströme hitlerdeutsoher Waren das jüdische Palästina Uberschwemmen, wodurch das jüdische Palästina der Warenagent für hitlerdeutsche Waren im Vorderen Orient geworden ist. Die einzige Waffe zur Vor? teidigung seiner nationalen' Ehre hat das Judentum aus der Hand gegeben — auf Veranlassung gerade einer Gruppe, die die Führung der Zionistischen Organisation für sich beansprucht. Er wollte nicht unhöflich sein*«« Die Juden in London; sind Uber die Handlung eines Mannes, dem sie bisher größten Respekt zollten, empört. Major Brunei Cohen, ein Schwerinvalider, der sich }to Kriege die höchsten Auszeichnungen erwarb und/Heute im Präsidium der großen englischen Frontkäm^ferorgani« satlon „British Legion" sitzt, muß sich sagen lassen, daß er sich unwürdig benommen hat, Das kam so: Vor einigen Wochen erschien eine Delegation von Frontkämpfern aus, Hitler- Deutschland bei der „British Legion" zu Gast« und wurde feierlich begrüßt. Hatte schon dieser Umstand Kritik hervorgerufen, weil man in ihm eine Preisgabe der jüdischen Kameraden erblickte, so stieg die Erbitterung in jüdischen Kreisen aufs höchste» ato bt. kannt wurde, daß der jüdische Major Brune,} Conen an der Begrüßung der Hakenkreuzler teilgenommen hatte. Major Cohen ließ sieh, ip Paradeuniform und ordengeschmückt, in seinem Rollstuhl heran« fahren und leistete den Schändern seines Volke« ehrerbietigen Gruß! Eine Zeitlang glaubte Major Cohen, das Urteil der Juden schweigend Übergehen zu können, als er aber beständig auf Zeichen der Verachtung stieß, entschloß er sich, eine Rechtfertigimg zu versuchen. Auf einer Tagung der Londoner „British Legion" erklärte Major Cohen» daß man im Interesse des Weltfriedens den Empfang habe veranstalten müssen und daß er erschienen sei, wßil er nicht unhöflich sein wollte. Diese Antwort hat natürlich den schlechten Ein« druck nur verstärkt. Was eine Reverenz vor dem blutigen Hakenkreuz mit dem „Weltfrieden" zu tun hat, wird Wohl nirgends verstanden. Am wenigsten in England, dessen Universitäten gerade jetzt eine Einladung der Heidelberger Universität demonstrativ abgelehnt haben, weil sie mit Judenschindern keine „Höflichkeiten" austauschen wollen. Und WUrdelosigkeit vor den Schergen des Hitlerismus als „Höflichkeit" zu bezeichnen, geht wohl über klägliche« Ausreden hinaus. Es ist traurig, persönlichen jüdischen Mut durch Mangel an Gefühl für jüdische nationale Würde so überschattet zu sehen. Major Cohen hat den Ruhm, den er sich und der englischen Judenheit im Felde erwarb, durch sein Verhalten vor dem Feinde in London ausgelöscht. Aus Rumänien Aurel Jonescu, der ein Revolverattentat auf den Bukarester Oberrabbiner und Senator Dr. I. Niemi« rower verübte und ihn verletzte, wurde von den Ge« richtsärzten als geisteskrank und daher für seine Tat nicht verantwortlich erklärt. Jonescu wird in einer Heilanstalt interniert werden. Die Anstifter zu dem Mord«' attentat konnten bisher nicht ermittelt werden. * Aus Bukarest schreibt uns ein Leser: Im Jänner d. J. erschien im offiziellen Regierungsblatt „Monitorul Oficial" eine Aufforderung an die Aerzte, die eine Stelle bei der Zentralkrankenkasse erlangen möchten, sich einer Konkurs* Prüfung, die am 17. Februar abgehalten werden sollte, zu unterziehen. Im ganzen sollten 67 Freiplätze zur Besetzung gelangen. Es wurden 61 Gesuche registriert, davon 12 von jüdischen Aerzten. Am Tage der Prüfung wurde den jüdischen Kandidaten das Betreten des Prüfungssaales von einer Gruppe der Anhänger des Numerus clausus verwehrt. Die Juden mußten sich zurückziehen. Die vertriebenen Aerzte wandten sich an die kompetente Stelle mit der Bitte» eine besondere Prüfung für die jüdischen Kandidaten abhalten zu lassen. Der Bitte der jüdischen Aerzte wurde nicht stattgegeben." Es erhält daher kein einziger Jude eine der ausgeschriebenen Stellen. Telephonverbindung zwischen Palästina und dem Irak Aus Jerusalem: Am 27. November wurde die Telephonverbindung zwischen Palästina und Irak mit einem Gespräch zwischen dem Ministerpräsidenten des Irak, Jassin Pascha, und dem Chefsekretär der. Palästina- Regierung, John Häthorn Hall, in Vertretung des er« krankten High Commissioner, eröffnet. a . KINOffPROGRAMME © KREUZ-KINO I, Wollzeile 17 Telephon K-24- 2-lb Vorstellungen: *, Vit. %10 Prolongiert! Prolongiert! ZetykeiHttfattueto! (Kidnapper) SCHÄFFfcR VI, Marlahilferstraße 37 Telephon 8-20-203 . beginn: VW, %t, ftio Neues Programm! STAFA, VIS Mariahi lf erstraO« 120 Telephon B-38-0-68 Wochentag« f, 7, » Uhr DAVD COPPERFIELD mit Freddi« Bartholome* VOTIVPARK IX, Währlnserstraße 12 Telephon A-18-3-96 Beginn; *, %*, Vis, ftio DAVID COPPERFIELD mit FreddU Bartholome*