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Die neue Welt · 1936-03-10 · Heft 544 (10.3.1936) · page 1

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 544 (10.3.1936)
Date
1936-03-10
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Preis 10 Groschen Dienstag, den 16« M&n 1936 10 2V«. Üfliv« 'emtk, H'* IM* ^'^«>A„,|/ V« b« vom Verleger versendet exp&lie par l'edlteur" DIE NEUE WtLT : - ^fsr- REVUE HERAUSGEBER: ROBERT STRICKER BEZUGSBEDINGUNGEN: Oester vierteljährig Zloty 4.50; Tschecho jährig Dinar 40.—; Bumänlen mc Mark 3.—; Balgarien monatlich I Schweis und die übrigen Lander Mit B bezeichnete Anz Redaktion U.Verwaltung eich monaUlch S 1.40. vierteljährig S 4.-, ganzjährig S 16.-; Polen »o«aÄ ^oty 1.50^ lowakcl monatflcb Kc 6.-, vierteljährig Kc 15.~; Jugoslawien tnonaWch Dinar U--'*fte}* natHrh Lei 40—. vierteljährig Lei 120.—; Deutschland monatlich Mark 1.—, vierteljährig 2wa OT.-f vIerte jährig ^Le^aSO.-: Italien monatlich Lire B.-. vierteljährig Lire 14.-; monatilcb Schweizer Franca 1.50, vierteljährig Schweizer Francs 4.50. eigen sind entgeltlich. IX, Universitätssir. 8> Tel. A-20*2-78 - Erscheint Dienstag u. Freitag Hlttelmeer-Oslerfahrt & Luxusmotorschiff ivmc vom 1. bis SO. April m Mflstlna »ml Aejypten mit Besuch von RBiodus, Athen und Tripolis Luxusklasse / Touristenklasse / Dritte Klasse Gesellschaftsreise Wien -Wien „-n , in der vorzüglichen Touristenklasse.....S 73U." äandarrangement in Palastina und Aegypten . S 324." Italla-Cosulich, Wien I, Kärntner« 8, Tel. ü-47-5-60 wmmmi^mm'm . f . /In .die jR h-.e i'n-zo.n e.,,jvek^hß__ aufgrunddes Versäiiler '. Vertrages müitärfrei gehalten werden müfifye, "hat..'die" deutsche Regierung 30.000 Soldaten., einrücken lassen — .mit Maschinengewehren, Tanks, Flugzeugen, Radiostationen und all dem Material, das man. in■ einen Krieg benötigt. Die Deutschen, können jetzt "zum Beispiel Straßburg von ihren Standorten bequem beschießen. Gleichzeitig mit der Remilitarisierung, hat Hitler den L o c a r n o -Vertrag gekündigt, der den Status quo an der Westgrenze und die Beilegiing aller Konfliktemit friedlichen Mitteln festlegte... - , . .Europa ist nervös. Estfragt sich, was denn die nationalsozialistischen Machthaber zueinem Schritt veranlaßte, der. ihnen gegebenenfalls den Kragen kosten könnte. Was den militäi'ischen Einmarsch anlangt, beweister, , daß die Reichsregierung., nach so vielen, innerpolitischen - Fehlschlagen dem deutschen ■ Volk, so. etwas wie ein Aufschlagen mit der Faust vormachenwollte, um ihm einen Erfolg vorzuspiegeln, um das Bewußtsein der Macht zu markieren und in weiterer Folge die Illusion wachzurufen, daß nun wieder ein Punkt des nationalsozialistischen Programms erfüllt worden sei. Selbstverständlich ist die Remüitarisierung nicht bloß ein s y m b o 1 i s c h e r Akt, der besagt, daß Deutschland damit das Abstreifen der „entwürdigenden Fesseln des Versailler Vertrag" dokumentieren wolle! Es geht hier auch darum, den iö Millionen in der Rheinlandzone lebenden Deutschen (die bisher nicht viel von der Aufrüstung profitierten) das Geschäft zuzuschanzen, das eine Besatzung von 30,000 Mann mit sich bringt. Müitärisch fällt-das Heranrücken des deutschen Heeres an die Grenzen Frankreichs und Belgiens nicht allzu sehr ins Gewicht, Denn 50 Kilometer — so weit war bisher die deutsche Armee von den genannten Grenzen entfernt — sind, insbesondere für Flieger, keine imponierende Distanz. . Per Akt des 7. März ist weiters ein Beweis für die Höhe der deutschen Aufrüstung. Nur ein Land, das sich stark genug fühlt, Straf maßnahmen erfolgreich zu bekämpfen, kann sich solch eine Provokation erlauben, es sei denn, daß es von der politischen Entwicklung der Weltlage eine bestimmte Vorstellung hat. Und damit kommen wir zum dritten Punkt. Hitler glaubt zu wissen, daß gegen Ihn keine einheitliche Aktion zustande kommt und daß es ihm durch einen Gewaltstreich und eine militärisch bekundete Drohung vielleicht doch noch gelingen wird, den russisch-französischen Pakt zu vereiteln und das von einem wehrhaften Partner isolierte Frankreich für gewisse Verhandlungen im Westen gefügig zu machen. Der ärgste Feind des Christentums.. Diese Feststellung wirkt gewiß nicht sehr überzeugend, wenn sie von jüdischer Seite her erfolgt. Sie ist aber sicherlich der Beachtung wert, wenn sie vom christlichen Standpunkte aus gemacht wird. Nun liegt dieser Fall vor. In der katholischen Wiener „Reichspost" wird über den Vortrag des katholischen Universitätsprofessors Liener berichtet und folgendes zitiert: „Die Deutschen waren Jahrhunderte hindurch dem Christentum innig ergeben, wie kaum ein anderes Volk. Es mußte erst die große Erschütterung durch den Weltkrieg kommen, um das Schlagwort von der angeblichen „Artfremdheit" des Christentums aufkommen zu lassen. Man sah in dem Bekenntnis zu der Religion des Friedens, der Versöhnung und des Verzeihens eine Gefährdung der völkisc hen Widerstandskraft. Man kam auf den Gedanken, die konfessionelle Spaltung des Volkes durch die Vernichtung des Christentums zu überwinden, durch eine Wi^erherstellung des vorchristlichen Heidentums in neuzeitlicher Gestalt. Schließlich entdeckte man den mächtigsten /jBundcsgenOjSSen i m K a m p f g e g e n das C h r i s t e n t u m, den man im Deutschland der Gegenwart überhaupt gewinnen konnte, den An tise Iritis mus." Die Wiedergäbe t lehrten erweckt den Eindruck der Zustimmung seitens der „Reichspost", denn sie ist von jeder kritischen Bemerkung frei. Diese Zustimmung gibt aber wieder POT J ED EN S O N NT AG ~K ist der Antisemitismmus! zu einer anderen Bemerkung Anlaß, nämlich zu der, daß viele katholische Zeitungen und Politiker in Oesterreich eine Judenpolitik betreiben, welche — im Gegensatze zu Professor Liener _ dem Antisemitismus Adolf Hitlers Konzessionen macht, ja im Antisemitismus ein Mittel sieht, die Massen und insbesondere die deutsche Jügend beim Katholizismus zu halten. Eine ändere Deutung ist wohl nicht möglich, wenn man im „Linzer Volksblatt", dem zweiiiilillllililiiiiiiiiiliiiiiiliiliiiilii^ Sonderreisen mit is. dernowitz Rückfahrt: 17. und 31: März,. 14.,21. April. 5. und lü. Mai: Polnisches Verkehrsbüro „FRANCOPOl", III., Schwai zen.bergplatz 7, gegenüber dem Polnischen Konsulat, Tel.' U-16-4-90. „CEDQK'M, Kärntnerstraße 32, Tel. R-24-4-88 Reisebüro GERNGROSS, VII., Mariahilferstraße 42, Tel. B-38-2-68. .. »Francop®!« > P&lm; Jetzt, wo Italien sich von keinen neuen Sanktionen bedrängt fühlt und auf das Wohlwollen der Westmächte nach der deutschen Drohung nicht mehr gänzlich angewiesen ist, könnte sich vielleicht Frankreich dazu verstehen, eine Neuordnung der Machtverhältnisse in bezug auf Europa und koloniale Probleme auf hitleristischer Basis ins Auge zu fassen. Deutschland ging es bei seiner plötzlichen •: Ankündigung natürlich nicht darum, darzutun, daß beispielsweise der französisch-russische Pakt im Widerspruch zu Locarno und zu den anderen Verpflichtungen stehe; Deutschland wül sich seiner Natur gemäß von allen Bindungen lösen, die die deutschen Staatsmänner vor dem nationalsozialistischen Regime zur Sicherung des Friedens eingegangen sind. Hitlers samstägige Rede bedeutet also einen weiteren Schritt der Isolierung Deutschlands von der europäischen Zivilisation, von der sittlichen Auffassung jedes Vertrags. Der pathologische Haß des deutschen Hakenkreuzes gegen sittliche, völkerrechtlich beglaubigte Zustände hat nun eben auch zur Kündigung der Löcärno-Bindungen geführt. Für den Psychologen war dieser Schritt Berlins keine Ueberraschung. Was besagte also im Licht der deutschen Auffassung Hitlers Samstag-Rede? Locarno ist kein passender Vertrag mehr für die gegenwärtigen yerhäitnisse. Es muß etwas anderes konstruiert werden, etwas, das Deutschland ermöglicht, ohne Risiko lind Ohne scheinbare Verletzung von Pakten seine .Eroberungslüste zu befriedigen. Ein Vertragsbau, der deü Status quo gegenüber England, Belgien, Frankreich,. ' Italien, Tschechoslowakei und Polen (Oesterreichs Unverletzjichkeit erscheint durch ändere Verträge gesichert!), verewigen will, nimnit Deutschland die Möglichkeit, „Raum zu gewinnen1'» den Lebensraum, von dem so viel in den neudeutschen Schriften und in der neudeutschen Geographie die Rede ist. Die Methode des fait accompli, der Ueberraschung, die Europa vor; einer vollendete. Tatsache steilen wül, hatte bisher Erfolg. Es war bei der Auiyüstung. derselbe Fall. Au sich wäre weder die illlttlllllllllllllllllllllllllllllllll!llltl!lltiltlltlll!ll!ltltllllllll!lilllil!l((ll. I Verband der JudenstaatfzionSiten j | Mittwoch, den IV. März, halb 9 Uhr abends j | im Verbandsheim, I, Werdertorgasse Nr. 14 j | Vortrag J (Re<erent:David NefesnialiB ... | 1 „Vierzig fahre politischer Zionismus" ff Jj- Gäste willkommen I 1 liiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiÄ ten katholischen- Hauptorgan Oesterreichs, in einem Leitartikel „Öesterreichertum im Auslände" folgende Betrachtung findet:' „Die zweite. Klage des Auslandes betrifft die . „Vaterländische Front". Die Auslandsösterreicher . wären gerne in der Vaterländischen Front, wenn sie . ihnen das Abbild der Heimat bieten würde. Leider aber . stellt sich im Auslahde vaterländisch gleich mit j ü d i s c h. So wie sich bei uns in Oesterreich das . politisch unzuverlässige, ehedem in großen. Teilen bei , den machthabenden Sozialdemokraten stehende Ju- , Besetzung der "entmüitarisierten Rheinlandzone noch die Kündigung des Locarno-Vertrags von solcher Bedeutung, wie sie allerorts empfunden wird. Die Tat bekommt ihren gefährlicheen Inhalt erst durch ihre Stellung in der ' Kette der bisherigen herausfordernden Handlungen. Mit welcher Besorgnis auch Oesterreich den Verlauf der Dinge betrachtet, kann man aus den Ausführungen' des. Kardinals In nitzer schließen, der bei einer katholischen Kundgebung am Sonntag, den 8. März, sagte: „Die Ereignisse des gestrigen Tages haben uns gelehrt, daß wir uns keinen Tag vor Ueberraschungen oder Ueberrumpelungen sicher fühlen sollen. Wir erleben Tage und Wochen der Ent* Scheidungen und spuren förmlich, wie von außenher vulkanische Wellen an die Grenzen Oesterreichs schlagen." Man fragt sich . nun: Was wird geschehen? Werden sich die Mächte die deutsche Provokation gefallen lassen, oder sie mit Mitteln diplomatischer und müitärischer Natur abwehren? Frankreich erklärt: Keine Verhandlungen, sondern Anrufung des Völker- , bundes, der über die erforderlichen Maßnahmen entscheiden wird. Im allgemeinen steht man. heute der Wirksamkeit der Völkerbundentscheidungen skeptisch gegenüber. Alles blickt nach London. Was wird England tun? Wird es wiederum, wie im Fall der deutschen Aufrüstung, sich mit theoretischen Auseinandersetzungen begnügen und den Dingen ihren Lauf lassen? . , Die Antwort: England wird nur dann etwas unternehmen, wenn es an seinem Lebensnerv getroffen wird. Nur dann. Es besteht also für uns keine andere Hoffnung als die Erkenntnis Englands, daß die deutsche Herausforderung über kurz oder lang mit Englands Interessen auf dem Kontinent kollidieren wird. p. r.

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