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Die neue Welt · 1936-03-06 · Heft 543 (6.3.1936) · page 6

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Journal
Die neue Welt
Volume
10 (1936)
Issue
Heft 543 (6.3.1936)
Date
1936-03-06
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIB IföÜS WELT Nr. 543 vom 6. März 1036 Pv t WM w iwwr pel äßt cä jqk- JHL M IwM WB mW WM Eine arabische Purim* legende Prof. Dr. W. Fischel (Jerusalem) führt aus, daß jüdische Legenden in die islamitische Literatur und sogar in die Werke der islamischen Historiker Eingang gefunden haben. In dem Werk „Die Chronologie der alten Völker" von AI-B i r u n i, einem arabischen Schriftsteller des 11. Jahrhunderts, ist ein Kapitel den jüdischen Fest- und Fasttagen gewidmet. Man kann unschwer einen literarischen Niederschlag der Purimlegende darin finden. Prof. Fischl gibt folgendes wieder: Unter dem 13. Adar II heißt es: 13. Adar: „Das Fasten von Alburi (Purim)', d. i. das Werfen von Losen. Sein Ursprung ist dieser: Einst reiste ein Mann namens Haman, der ganz unbedeutend war, nach Tustar, um ein bestimmtes Amt anzutreten. Auf dem Weg nach Tustar wurde er jedoch aufgehalten, was ihn verhinderte, das Ziel seiner Reise rechtzeitig zu erreichen. Dies geschah am selben Tage, an dem die Aemter in Tustar verteilt wurden. So verpaßte er die Gelegenheit und geriet in große Not Er begann dann, sich in die Nähe der Grabstätten zu setzen, und verlangte für jeden Toten, der dort beerdigt werden sollte, 31/» Dirham. Dies tat er, bis die Tochter des Königs Ahasveros starb. Als die Leute mit ihrem Leichnam kamen, verlangte Haman eine gewisse Summe von den Trägern und als diese sich weigerten, erlaubte er ihnen nicht, weiterzugehen, bis sie willens waren, seine Forderung zu erfüllen. Aber Haman war mit seiner ersten Forderung nicht mehr zufrieden und verlangte immer mehr, bis sie ihm schließlich eine enorme Summe bezahlen sollten. Der König erfuhr von dieser Sache und befahl, man möge die Forderung dieses Mannes erfüllen. Nach einer Woche lud der König diesen Mann (Haman) zu sich und fragte ihn: ,Wer hat dich mit einem solchen Amt betraut?' Haman antwortete einfach: ,Wer hat es mir verboten, es auszuüben?' Als der König seine Frage wiederholte, sagte Haman: »Wenn mir die Ausübung dieses Amtes jetzt verboten wird, werde ich aufhören, und ich würde dir mit dem größten Vergnügen soundso viel Zehntausende von Dinars geben.' Der König war, als er die ungeheure Geldsumme horte, überrascht, weil er bei all seiner Machtfülle solche Summen selbst nicht besaß. Da sagte der König zu sich: ,Ein Mann, der durch die Herrschaft über die Toten soviel Reichtümer aufspeichern konnte, ist würdig, zu meinem Wesir und Ratgeber ernannt zu werden.' So übertrug ihm der König all seine Angelegenheiten und verlangte von seinen Untertanen, ihm (Haman) zu gehorchen. Dieser Haman war ein Feind der Juden. Er fragte die Zeichendeuter, welches die verhängnisvollste Zeit für die Juden sei. Sie sagten, im Monat Adar ist ihr Meister Musa (Moses) gestorben und der 14. und 15. dieses Monats ist für sie diee unglückseligste Zeit. Daraufhin schrieb Haman an alle Provinzen des Reiches, und befahl, an diesem Tage die Juden zu ergreifen und zu töten. Die Juden des Reiches erschienen vor ihm, fielen vor ihm nieder,, die Hände über die Brust gekreuzt, außer einem, Mordechai, dem Bruder Esthers, des Königs Frau. Haman haßte sie und zielte auch auf ihr Ende an diesem Tage ab. Doch des Königs Frau verstand ihn. Sie lud den König und seinen Wesir zu sich in ihren Palast und unterhielt sie drei Tage lang. Am vierten Tage fragte sie den König um Erlaubnis, ihm ihre Wünsche äußern zu dürfen. Und so bat sie ihn, ihr und ihres Bruders Leben zu retten. Der König fragte: ,Wer wagt es, gegen euch beide etwas zu unternehmen?' Sie zeigte auf Haman. Der König erhob sich in großem Zorn. Haman jedoch näherte sich der Königin, warf sich ihr zu Füßen und. küßte ihr dann das Haupt, aber sie stieß ihn zurück. Der König gewann den Eindruck, daß Haman sie verführen wollte, und wandte sich an ihn: „Bist du in deiner Unverschämtheit so weit gekommen, auch noch sie zu begehren?' Der König ordnete seinen Tod an und Esther empfahl, ihn an demselben Baum aufzuhängen, den Haman für ihren Bruder vorbereitet hatte. So verfuhr der König, und er schrieb an alle Provinzen des Reiches, daß die Anhänger Hamans getötet werden sollten. So wurden sie getötet an dem Tage, an dem Haman die Juden vernichten wollte, d. h. am 14. Adar, Deshalb herrscht bis zum heutigen Tage große Freude wegen des Todes von Haman. Dieses Fest heißt auch ,Pas Pest der Mfr gilla* und auch ,Haraan-Sus' (Verbrennung von Haman). Denn an diesem Tage machen die Juden Juden»taaU»lonUt«n, Ortsgruppe l«ob«n Lustige Purim-Nacht JlUmi« Sonntag, den 8. Mär» 1936« 20 Uhr abends, im Festsaal des Hotel „Zum Mohren" (Homanngasse -Straußgasse) L e o b e n. Figuren, die sie schlagen und dann verbrennen, die Verbrennung von Haman imitierend. Dasselbe tun sie auch am 15. Adar." Ohne hier die Frage nach dem Ursprung der Legende über Haman aufzurollen und Parallelen aus dem jüdischen Midrasch vorzutragen, sei nur noch erwähnt, daß auch der ägyptische Gelehrte Maqrizi des 15. Jahrhunderts in seinem grundlegenden Werk über Kairo diese von al-Biruni erwähnte Verbrennungszeremonie Hamans schildert und. daß dieser Brauch bis heute noch bei den Juden Persiens und des Orients überhaupt üblich ist. Für :f fchlMing ~~ „Härchennacht im Galil" Das ist die Devise der schönsten Purim*Redoute im Hotel „Continental", '~ . 14. März 1936?mm~$6dd*M$> Wödtt sUU Palästina hocU utdewtheidet Ertönt eine Straßenbahnglocke — so kommt ein Müllwagen. Ertönt eine Feuerwelirglocke — so kommt ein Sanitätswagen. Ertönt eine Zweiklangfahrradglocke — so kommt eine Droschke. Ertönt eine gewöhnliche Fahrradglocke — so kommt ein Schuhputzer. Ertönt eine Hupe — so kommt ein Badfahrer. Ertönt eine Fabriksirene — so kommt ein Schiff. Ertönt eine Kuhglocke — so kommt ein Kamel. Ertönt eine Schlittenglocke — so kommt ein Esel. Ertönt die Hausglocke — so kommt Besuch aus Deutschland. Robert Baer (Haifa) Ifiet pAtim-ftyimek kok Uritt Bictofafan ~>jj&JL £dU& ttlwdecUai fZoSL AcUauUwzcottU Pmiuh im Sfrtidtwod Von Dr. Israel Zwi Kann er Rabbiner Dr. Israel Zwi Kanner, der sich! schon seit längerer Zeit mit der Herausgabe einer Schrift „Der Feiertag im Sprichwort" beschäftigt, hät uns in Hebenswürdiger Weise den nachstehenden Abschnitt zur Verfügung gestellt. Wie andere Völker an die verschiedenen Monatstage Bauernregeln, binden, so haben die Juden durch markante Sprichworte die einzelnen Feiertage charakterisiert. In jedem Sprichwort sind Ethik, Klugheit, Wahrheit, Humor und Satire enthalten. Viele richtige Bilder jüdischen Lebens befinden sich in diesen jüdischen Bauernregeln für die Feiertage. Die hauptsächlichsten, die auf Purim Bezug nehmen, sind hier in bunter Folge zusammen-' gestellt. Ä Drei Paar Fasttage gibt es: Mann und Weib, ein langer und ein kurzer, ein schwarzer und ein weißer. (Die jüdischen Fasttage sind folgende: Fasten Gedalja und Fasten Esther; der 17. Thammus, wo die Tage am längsten sind, und der 10. Thebeth, wo die Tage am kürzesten sind; der 9. Ab, der ein Trauertag ist, und der Versöhnungstag, an welchem weiße Gewänder getragen werden.) .»v Wenn Purim kommt, oergißt man alle Sorgen. .* Wenn man zu Purim Sorgen hat, herrscht Pessach Trostlosigkeit. (D. h. wer schon zu Purim keine Mittel hat, der wird zu Ostern, die um so viel kostspieliger sind, erst recht Not leiden.) Variante: Wenn man zu Purim Aergernis hat, ist der Pessach finster. « Purim dankt man nicht. (Die Armen glauben, für die am Purim empfangenen Almosen nicht danken zu müssen, weil die Geber damit nur ein biblisches Gebot erfüllen-) n. Ein schlechter Purim ist ein guter Schuschan Purim. (Arme Leute haben Purim keine Zeit, fröhlich zu sein; sie müssen Geld sammeln, und deshalb machen sie sich ein gutes Fest zu Schuschan~Purim.) « Chanukah und Purim werden die Armen reich. M Heute ist Purim, morgen ist aus, gebt mir einen, Kreuzer und werft mich hinaus. ä Alle Feiertage, werden aufhören, nur Purim nicht. * Purim ist kein Feiertag, Fieber keine Krankheit. . *r. Am Purim verkleiden sich die Juden ala Gojim, am Jörn K'purim die Gojim ah Juden. (D. h., Leute, die das ganze Jahr nicht beten gehen, werden am Jom Kippur fromm. Jörn K'purim Tag wie Purim, an dem man nicht jüdische Masken anzulegen pflegt.) * Am Purim katan darf man sich betrinken, am Jom Kippur katan darf man nicht fasten. :*, Am Purim sind alle Betrunkenen nüchtern. Variante: Ein ganzes Jahr besoffen und Purim nüchtern. (Von einer verkehrten Handlungsweise. Am Purimfeste erlaubt man sich nämlich, ein Gläschen über den Durst zu trinken. Mancher sonderbare Kauz macht es umgekehrt: Er trinkt das ganze Jahr, und geradean Purim bleibt er nüchtern.) * Wenn man schlägt, kocht man Krapfen. (Es ist Volksbrauch, dreimal im Jahre Krapfen zu essen, und zwar an den Tagen, an welchen „geschlagen* wird, nämlich am Küsttage des Jom Kippur beim Kapparath - Schlagen, am Hoschanarabba beim Höschanoth-Schlagen und am Purim beim Haman* Schlagen. Der Volkswitz kennt noch eine vierte Gelegenheit — wenn man die Frau schlägt,) * Am Purim nach der Mahlzeit ist selbst ein, Hund nicht hungrig, , * Nicht an jedem Purim ereignet sich ein Wunder. * Wenn alle Tage. Purim wäre, würden die Eltern nicht um ihre Töchter besorgt sein. (Man würde in diesem Falle die Mädchen, wie einst Esther, in den Harem nehmen Unddie Eltern würden der Sorge um die Mitgift: überheben sein.l

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