Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 543 (6.3.1936)
- Date
- 1936-03-06
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 BIS NEUE WEtV Nr. 543 vom 6. März 1934 Essef täglich olra ORANGEN Jaffa-Orangen sind die extra großen Orangen, immer voll süßem, delikatem Saft, Sie werden sich immer wohl fühlen. Jaffa-Orangen hellen Ihnen zur Erhaltung Ihrer Gesundheit, hallen Ihren Organismus rein und geben Ihnen irisches Aussehen. Essen Sie daher viel Jaffa-Orangen. „Jaffa" sind überall erhältlich. Verlangen Sie aber ausdrücklich Jaffa Orangen und Grapefruit „Jaffa' sind saftiger Ein Produkt aus Palästina schaftsgruppen Gaststätten und Beherbergungsgewerbe hatten, sich gegen den entsprechenden Antrag ausgesprochen, da kein Bedürfnis vorliege. Die Antragstellerin erklärte, sie sei Jüdin und habe nur jüdische Kundschaft. Jüdische Familien ziehen aber jetzt sehr viel in volle Pension, weil sie nicht mehr in der Lage seien, sich Dienstboten zu halten. . Verb* d* Juden§taafsxioriisten öesferteichf Sektion XIII/XV, . XV., Schanzstraße 32. Dienstag, den 10. d., um 149 Uhr abends, Th. Grubner: „Kritik des Allgemeinen Zionismus." Z e n t r a 1 h e i m, I., Werdertorgasse 14. Mittwoch, den 11. d., um Uhr abends, David Nebenzahl: „40 Jahre politischer Zionismus." Sektion Leopoldat6.6.X, n., Taborstraße 21a. Donnerstag, den 12. d., um #9 Uhr abends,. Schlomp Auerbach: „Allmenschliches und Nationales in Bialiks Werken." . Am 8. März findet in Leoben eine große Purim- Veranstaltung statt, zu der Gg. aus verschiedenen Orten der Umgebung ihren Besuch zugesagt haben. Sonntag, den 15. d., von Vall bis 12 Uhr vormittags, im Sekretariat, I., Werdertorgasse 14, Abrechnung des Machzit Haschekel. Am 28. und 29. März findet die 3. Landeskonferenz der Judenstaatszionisten Oesterreichs In Wien statt. Frauengruppe der Neu-Zionistischen Organisation . Samstac, den 7. März 1936, 9 Uhr abends, im l'estsaal des Hotel de France, I, Schottenrine 3 Purlfflfett Eine Nadit am Strand von Tel »Aviv Jazz / Mitternachtskabarett / Tanz / Sommer- oder Strandkleidung Karten im Sekretariat, I, Biberstraße 17, Tel. R-2.*C04. Kunstwefkstätte, VI. Mariahilferstr. 101 Tel. B-2V0-10, Soortbaus l.azär, IX, Koll"KasBC- Zrftungskette des Oiar Hanoar Seilst* der Jtaffcnd. Frit« Richter antwortet Herrn Moses Goldhlrsch mit S 10.— und ruft au Spenden auf: Ing. Robert Ab eil s. IX., Georg-Sigl-öasse 8; Isidor Herbst, I., Morzinplatz 3; Rudolf W 0 % a s e k, Amstetten; ßr. Rubin Gottesfeld, X., Favoritenstraße 101; Leopold Treichllnger, Linz. Landstraße Nf. 47; Erwin S 6 g a 11, Linz, Niederreithstraße 6; Dir. Oslcar Weinstein, Linz, Niederreithstraße 6. Theodor Gtnbner antwortet Herrn M. Goldinrsch mit S 5.— und ruft zu Spenden auf: Kultusvorstand Siegfried Graubart, I., Schottenring 31; Kultusvorstand Dr. J. H. Körner, VIII., Alserstraße 51; Kultusvorstand Max Schiffmann. IL, Taborstraße 48; Dr. Alois Röthenberg, III., Ungargasso 24; Dr. Jakob Wein er. IX., Sefvitengasse 13; Dr. Schalom L i 1 i o n f e 1 d, IX., Liechtensteinstraße 130a; Dr. Nnehman Frey, IL, Ausstellungsstraße 46; Dr. Eduard Paehtmann, VIII., Daungasse 1: Oskar M o n c z e 1, VI., Marlahllferstraße 105. Dr. Salomon Wolf antwortet Herrn Moses Goldhirsch mit S 5.— und ruft auf: Dr. Adolf Loser. XXI.. Hofzellc« 12; Hans Kolb, VIII., Lammgasse t: C!i. Ederer, XX.. Karl- Melsl-Straße 4; S. Gel mann. II., Praterstraße 78; Salomon Weizen borge r, III., Hauptstr. 123; Dr. Josef S c h n e i e r, IL, Praterstraße 22; Leo K o h n, HL, Hauptstraße 2t. Kasrtel Giftsberg antwortet Moses Goldhlrsch mit S 5.— und ruft auf: Julius Katz, IL, Ybbsatraße 30; Richard Hauben, IL, Erlafstraße 7; Dr. Ernst Max. Wien, IT,. zirkusgasse; Ing. Fedor Ackermann, L, Elisabethstraße 2; Dr. Friedrich Klein, VL, Gumpendorferstraße 22; Moses Lutzky, IX., Sensengasse 8; Mendl Hager, IL, Erlafstraße 5; Möschen. Koraner, Ii Schiffamtsgasse 12; Salomon Körner, III., Hießgasse 13; Loop. Gold. V., Arbeltergasse 40. Oskar Grubner, Judcnburg, antwortet Kommer zlal rat Benedek mit S 5.— und ruft folgende Herren zu Spenden auf: Paul Fried, Leoben: Julius Gruber, Feldkirchen, Kärnten; Max Ftschbach, Klagenfurt; Oslos F i s c h b a c h, Villach; Leopold 25 u c k e r. Obdach, Steiermark. Eduard Benedek (Folmsdorf) antwortet Kommerzialrat Franz Benedek mit S 5.— und ruft zu Spenden auf: Moritz Braun (Firma Braun & Lustig), L, Postgasse 1; Kommerzialrat Moritz Heinrich, Tatzmannsdorf; Kommerzia'rat Bela Holz er, Plnkafeld, Bufgenlandr Hugo K o h n, Leoben: Norbert Kleiner, L, Gonzagassö 8; Adolf Hahn, I,. Marc-Aurel- Straße 10. bert Kleiner, I., Gonzagagasse 8; Adolf Hahn, L, Marc- Aurel-Straße 10. Arnold Netter gestorben Aus Paris: Professor Arnold Netter, der berühmte Kliniker, der erst vor kurzem als Nachfolger von Prof., Sylvain Levy zum Präsidenten der Alliance Israölite UniverseJle gewählt worden war, ist am 1. März in Paris während eines Vortrages, den er in der Pariser Aerzte-Gesellachaft über sein Spezialgebiet, die Bakteriologie, gehalten hat, plötzlich gestorben. Er erreichte ein Alter von 81 Jahren. Prof. Arnold Netter, ein Neffe des 1882 in Mücwe Israel, Palästina, verstorbenen jüdischen Philanthropen und Mitschöpfers der neuen jüdischen Kolonisation. Charles Netter, entstammte einer Familie elsägsischer Rabbiner. Er wurde in Straßburg i. J. 1855 geboren, 1889 wurde er außerordentlicher Professor an der Sorbonne, 1898 Mitglied des Gesundheitsrates von Frankreich. Er war Großoffizier der Ehrenlegion und "Mitglied der Medizinischen Akademie. Er schrieb grundlegende Werke über Kinderkrankheiten, die Schlafkrankheit, über Präventiv-Impfungen bei Diphteriegefahr und über Bakteriologie überhaupt, Im Leben des französischen Judentums spielte Prof. Arnold Netter eine führende Rolle. Im Jahrs 1905 wurde er zum Vizepräsidenten der Alliance Israelite Universelle und zum Mitglied des Direktoriums der Jewish Colonisatlon Association gewählt. GrammophonNaus »KKCELSSOR« Wien i, Frans-Josefs-Kai 15 Jüdische Künstler auf Schallplatte« Das Emeklied aus dem Tonfilm „Land der Verheißung" und viele palästinensische Horras, hebräische und jüdische Lieder. Erstklassige muslkalischo Aufnahmen. Aus dem neuen Programm: 1184 Shuw Adonai (Psalm 126) Peter Upcher (Baß) . a) Awinu Malkelnu — b) Hava Nagilah. 1135 a) Hajeta Ts" eera — b) Unser Ribblnu — c) Der Rebbe hat geheißen — d) Hienah Mah Tov — e) Bokor. 1136 Selectlon of Palestina Folk-Song 11. Teil, gesungen M. Roth, Tenor, mit Orchester. 1137 llatlkwa, Großes Lukraphonorchester mit MHnnerchor, techoSftknah, unter Leitung von Werner Soellg-Bftß. 1138 a) Ne/er Chasen — b) Am Maschiach — c) Ballagule — d) A din Toyre mit Got, ges. von Alexander. Tenor m. Orgel, ferner, neue Aufnahmen von Oberkantoren Kupfer, Pinkas und Schwarzmer usw. Filme der Woche (Nachdruck nur mit Genehmigung des Blattes) Oesterreich: Katharina die Letzte — Hoheit tanzt Walzer — Csärdäa — Tagebuch der Geliebten. Palästina: Land der Verheißung — Luzerner Kongreß. Frankreich: Die klugen Frauen — Fräulein Josetto, meine Frau — Schwarze Augen. England: Les Miserables. Italien: Bezaubernde Augen. Amerika: Casino de Paris — Falsche Gesichter — Informer — Anna Karenina — Land - des Grauens — Golgotha — Die letzten Tage von Pompeji — Der Polizeibericht meldet — Ruf der Wildnis — Die ganze Stadt spricht davon — Es geschah in einer Nacht — David Copperfield — Gespenst auf Reisen •— Zeig kein Erbarmen — Moralisch nicht einwandfrei — Spezial¬ Agent. Filme unter Arferparagraph Stützen der Gesellschaft — Michael Strogoff, der Kurier des Zaren — Die Leuchter des Kaisers — Der zuletzt küßt — Rendezvous in Wien — Donogoo Tonkft — Der Favorit der Kaiserin — Mädchenjahre einer Königin — Liebe fängt beim Walzer an — Rendezvous in Wien — Kirschen in Nachbars Garten — Die letzten Vier von Santa Cruz — Dschungel — Viktoria — Ich sehne mich nach dir — Und es flüstert die Liebe — Seine letzte Nacht — Nur ein Komödiant — Traumulus — Der Ammenkönig — Der Mann mit der Pranke — Henker, Frauen und Soldaten — Mazurka — Im weißen Rössel — Familie Schlmek — Herbstmanöver -— Mädchen vom Moorhof — Die blonde Carmen — Unsterbliche Melodien — Ich Hebe alle Frauen — Zirkus Saran — Frauen um den Sonnenkönig — Der höhere Befehl — Vergißmeinnicht. // Deut$dh?affi$thes Adreßbuch" Zu obigem Gegenstande erhalten wir von der Firma Carl Kuhn & Co. A. G. Erste Oesterreichische Schreibfedern- und Federhalterfabrik in Wien, IV., Thcresianumgasse 7, nachstehende Zuschrift: „Bezugnehmend auf Ihre redaktionelle Anmerkung in der Num» mer 529 vom 17. Jänner 1936 unter der Ueberschrift Mäßigste Preise — Große Auswahl Kataloge kostenlos HERMANN TUCHNER, Wien II, Ecke Taborslraße 52 Moderne teihbfleh T~r e 1 Gebühr 10 Gr. pro Tag, sonst nichts — Anfragen: Tel. R-41-4-20 .Deutsch-arisches Adreßbuch* des Wortlautes: „Erst im ,Deutsch-arischen' Adreßbuch inserieren, dann unter Berufung auf das Pressegesetz die p. t. jüdischen Kundschaften beruhigen und einladen. Die Herrschaften wollen auf zwei Hochzeiten tanzen, auf der deutsch-arischen und der jüdischen" ersuchen wir Sie um freundliche Aufnahme nachstehender Erklärung: Unser seit dem Jahre 1843 bestehendes Unternehmen hat niemals zwischen Kunden jüdischer und arisch zv Rasse unterschieden. Wir sind vielmehr bestrebt, alte unsere Kunden in gleicher Weis© zufriedenzustellen, und liegen uns nationalsozalistische Tendenzen fern, wie wir uns überhaupt als Geschäftsleute mit Politik. grundsätzlich nicht befassen. Aus der Tatsache eines Inserates kann nicht auf die Gesinnung und Tendenz der Leitung eines Unternehmens, geschlössen werden.!'. i## „die Qot&m Helte4 Zur Aufführung im „Jüdischen Kultur Hieater" Perez steht nicht in einer Reihe mit den jüdischen Dramatikern. Er berücksichtigt nicht die Gesetze der Bühne, begibt sich nicht in den Zwang bühnentechnischer Forderungen. Das maoht ihn zu einem harten Patron für alle Theater und alle Regisseure. Man muß ihn — umdichten. Nicht in philo«, logischem Sinn. Man muß mit ihm so verfahren, wie Granowsky mit seinem „Bei Nacht auf dem alten Markt" verfuhr. Zum Glück ist die dichterische Substanz Perez' so stark, daß Erz auch unter Weißglut Erz bleibt ... Wer den Mut hat, Perez aufzuführen, muß den Wagemut haben, außerhalb der Pfade des Alltags» Üheaters zu wandeln, sogar auf die Gefahr hin, daß die Dichtung zugunsten der lebendigen Bühnenwirkung vergewaltigt werde. Das Jüdische Kulturtheater hatte den Mut. Will sagen — der Regisseur J u b a 1 hatte ihn, Den Mut, leider nicht den Wagemut. Respekt vor der Arbeit, der Energie, dem Verantwortungsbewußtsein, und ein Glückauf zu weiteren Taten! Aber gerade dieser Respekt verpflichtet. Verpflichtet, - dies und das zu sagen. Zunächst: Hier wurde der Versuch gemacht, mit den Mitteln engseeliger AUerweltsregi© ein Werk zu gestalten, das sich gerade solchem Tun ver» sagt. Man konnte im Lyrisch-Deklamatorischen bleiben, dem dramatischen Gedicht alle Ehre antun, Es war andererseits möglich, die dramatischen Keime zum Sprießen zu bringen. Es gab aber beides, also keines von beiden. Chassidismus ist nicht Askese,' nicht Stille und nicht Starrheit. Hier, in der „Goldenen Kette", war1 es so: alles irdisch, ohne ekstatische Gebärden und Stimmen ... Die Gestalten krochen, statt zu fliegen, sogar beim Tanz klebten sie am Boden. (Der Mut war vorhanden, leidernicht der Wagemut.) Darum auch konnte die Idee der „Goldenen Kette"* die im. Perez-Stück selbst ziemlich hilflos herauskommt, nicht klar genug versinnbildlicht werden. Denn der in sein Stück verliebte Perez feilte so lange an den Nietstellen, den Uebergängen von Geschlecht zu Geschlecht, daß das Abrupte, oft Kennzeichen dramatischer Erkenntnis, verlorenging. Die, Verdeutschung der „Goldenen Kette" durch Siegfried Schmitz, einen sonst gewiegten und bühnensicheren Uebersetzer, verführte den Regisseur Juba! zu Fehlbeset2ungen. Sie spiegelt eine Poesie vor, die dem deutschen Sprachschatz der Vorkriegszeit die Stichworte lieferte; eine Allerwetlsdiktlon, von der uich Perez zweifellos ernüchtert abgewendet hätte; eine Transportierung, an der nicht die Spur des mystischen Geschehens zu entdecken ist, das dem Stück die Wärme und Keusohheit gibt. (Wie schön und reif hat Schmitz Aschs „Trost des Volkes" übersetzt!) „Zwischen den Stämmen unten 7 Rast ein schrecklich Geheimnis einher, / Wie ein hungernder Wolf ... Brennende Hungoraugen / Stieren aus dem Wald Wenn das Dichtung ist, dann sind die Zusende Jahre Dichtung von Litaipe bis Heine vertan. Von Einzelheiten wäre zu bemerken, daß im etrsten Akt die ekstatische .Forderung dee Rabbi Salomo keinerlei Reflex in Antlitz und Gebärde der Chassidim hervorruft, daß die kollektivistische Form des Ghassidismus regiemäßig ünbeachtet bleibt; daß Rabbi Mosches■ Gebet kein Monolog, sondern ein Gespräch mit Gott sein muß, inbrünstig auch im Anruf: „Ich rufe dich! Gib mir ein Zeichen, daß dein Auge Sieht. Zeige, daß du bist! schließlich noch eine — allerdings unumgängliche — Feststellung: Die Regie unterließ es, den zu solcher Aufgabe nicht prädestinierten Schauspielern beizubringen, daß man ohne „Nerven" ein metaphysisches Stück nicht spielen kann. Ein paar gelungene Szenen : die Gespräche ' der Jeschiwa-Bucherim im ersten Akt, Jonathans Vision im zweiten Akt, Leaha Reue im Schlußakt. ... Die vier Glieder der Goldenen Kette: : Salome» (Fr. Hermann), Pinchas (J. Laatz),- Mosche (R. Weiß), Jonathan (M. L e r n e r), zeigten Gesichter und Gesichte, verließen sich auf ihre eigene Phantasie. Leah (Ber^l Eisenberg) riß mit, rettete das Stück durch einen starken Schlußakkord, setzte die Hände des verlassenon Publikums in Bewegung. Artur Hoff als Gabbo arbeitete anerkennenswert, „in eigener Regie",. Bühnenbild M.,Eisler: Stilstark und vernünftig. Was blieb übrig? Die Freude an einem Werk, das zum erstenmal dem jüdischen Wien dargeboten wurde, und der Wunsoh, das Jüdische Kulturtheatier und der Regisseur Jubal möohtön den eingeschlagenen Goldenen-Ketten-Weg nie mehr verlassen. Es blieb also viel Übrig, viel Gutes und Zukunftsfreudiges. Oskar Rpaenf eld,