Die neue Welt
- Journal
- Die neue Welt
- Volume
- 10 (1936)
- Issue
- Heft 543 (6.3.1936)
- Date
- 1936-03-06
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 DIE NEUE WELT Hr. 843 vom 6\ mn im RUNDSCHAU Makenkreuzlerlsdae Fälsdnmg enflaft« Die vom Vorstand der Wiener Judengemeinde in ihrer Aussendung Ausgesprochene Vermutung, daß die Streuzettel,. „Juden,, kauft nur bei Glaubensgenossen" aua dem nationalsozialistischen Lager stammen, hat sich bestätigt. Die Polizei ist nach kurzer Zeit de3 Herstellers habhaft geworden — es ist dies ein Wiener Druclter. namens Gu3tav Fleischer, Mitglied des aufgelösten nationalsozialistischen Gewerberinges. Obwohl Text und Absicht ganz deutlich auf den 7mti?fmitischentffspfuhg hinwiesen, hat bekanntlich die „Reichspost" (und mit ihr die antisemitische' Gesellscnaft) •die- Möglichkeit, daß diese Propaganda von jüdischer Seite stamme, offengelassen. Wir haben in unserer Ausgabe vom 28. Februar die antisemitische Provenienz der Streuzettel als gegeben erklärt und an die Verdächtiger die Frage gerichtet, was sie denn mit diesem Manöver bezwecken, ob sie gar die Hakenkreuzler in Schutz nehmen wollen. Nun,'die Fälschung ist amtlich festgestellt. Darüber muß man-kein Wort mehr verlieren. Aber es bleibt die Variante des Sprichworts, daß nicht nur Lügen, sondern auch Verdächtigungen kurze Beine haben — der .Reichspost" ins Stammbuch. CSSHBtftaBQBNBHftHVflMRBBHHnribKHnHHHHHnMHMMBHnnlHHHBHBBMnBl $OND£imi<aE SU wach WWilmM u. Czernowilz Abfahrt L April und 5. April „ORBIS", I, Kärntnerstraße 41, Tel. R-21-5-70 Oesterr. Verkehrsbüro, I, Friedrichstraße 7, Tel. ß-27-500, und Oesterr. Verkehrsbüro, I, Graben 20, Tel. U-23-0-35 Reisebüro „IRUT", 1, Karlspl. 1,Tel.U-44-5-79 . Noth immer //Teffriforiafläsfen" l .Versunken .und vergessen ist Territorialismus, die vom Zionismus abgesplitterte und seine Erfolge ignorie rende.Bewegung — ..es sei denn* daß er von Zeit zu Zeit jedes Jahrfünft einmal, ein kurzes Lebenszeichen von sich gibt. ■; ■ •. - ' In den Tagen, wo für die deutschen Juden Emigrationsländer gesucht werden — Palästina kann selbstverständlich nicht alle Auswanderungsbedürftigen aufnehmen —, tauchen die Territorialisten mit. Plänen für die Juden aus Polen auf. In Warschau. fand, wie :die J. T. A. meldet, kürzlich eine Territorialistenkonferenz statt, an der zum größten Teil Mitglieder der -ehemaligen ziönistisch-soaialistischen--- Partei Rußlands teilnahmen. Eine positive Aktion wurde nicht unter nömmen.- Es wurde bloß beschlossen, eine Delegation nach Mittel-- und Südamerika zur Erforschung von Ein- Wir empfehlen nur: ^ÄÄflli^:^t€n'- billigen: . ifiMiÄ in» Wien 8. Heudcggergasse 18 fei.' 8-46-5-72 «nd fniersdötf; M.-Ö. wanderungs- und Niederlassungsmöglichkeiten zu schicken. Eine' überflüssige Sache. Denn solche Erhebungen werden bereits seit langem von zahlreichen jüdischen Organisationen durchgeführt. Hingegen erfahren wir aus dem J.-T.-A.-Bericht, daß die Konferenz der Territorialisten die Entstehung (!) eines jüdischen autonomen Rayens in Biro Bidschan begrüße und neue Territorien In Rußland für polnische Juden suche. . Das. Kompliment für Biro Bischan, das nach zehnjähriger sowjetrussischer .Bemühung noch immer keine jüdische Republik ist, sondern eine Pein für dorthin kommandierte arme Juden, ist nicht sehr am Platz, wenn man nämlich — neue Territorien in Rußland für polnische Juden suchen muß. Also viel Schaumschlägeret und wenig Kuchen \ Versunken und vergessen ... Der „alte" Süderbusch I Aus Jerusalem kommt die Nachricht, daß dort der hebräische Schriftsteller D. J. Silberbusch gestorben se'i. Silberbusch verbrachte den größten Teil seines Lebens in Wien, wo er eine populäre Persönlichkeit war. Aus Ostgalizien stammend, kam Silberbusch als junger Mann nach Lemberg, wo er die hebräische Monatsschrift „Ha'br" (Das Licht) herausgab. Viel gelesen war seine Erzählung „Dim* at aschukim" (Tränen der Bedrückten) aus der Leidensgeschichte der Juden Rumäniens. Aus der Feder Silberbusch' stammt eine Reihe von Novellen ' und "Skizzen, darunter ,*,Mafasse"be'lscha achat" (Geschichte einer,Frau). Während des Weltkriegs erschien in Wien in jiddischer Sprache eine Sammlung „Streche- :ach", worin das Leben der Kriegsflüchtlinge geschildert wird. Von hohem literarischen und historischen Wert 1Ä äeine Selbstbiographie. In ihr wird dargestellt, wie das chassldische Leben alle Strömungen des jüdischen Lebens gestreift hat und wie die Haskala (die Aufklärungsiendenz) vom nationalen Impuls verdrängt wurde. Silber-;>Us.ch legte, sein D.ebjtft als- Mitarbeiter von Per«« Smolenskins „Hascbachar" ab. Ein wertvoller Schrift steller, ein prächtiger origineller Mensch» wird Silber bttsch in der Erinnerung der jüdischen Welt bleiben. Der Verstorbene hat eis Alter von 82 Jahren erreicht. Die „verfudele" Schweix Mit Hinblick auf die in letzter Zeit erhöhte, von Deutschland aus betriebene antisemitische Kampagne in der Schweiz, welche mit dem Schlagworte der „Verjudung* des Landes arbeitet, werden in der Schweizer Presse folgende Zahlen bekanntgegeben: „Die Schweiz zählte im Jahre 1860 zirka 2,5 Millionen Einwohner. Neben den in der Schweiz lebenden zirka 1K Millionen P r o t es t a n t e n und rl Million Katholiken gab es damals nur 4216-Israel Ken gleich 0,2 Prozent, davon ungefähr 200 bis 300 in Zürich Um die Jahrhundertwende wurden bei einer Totalbevölkerung von 3,3 Millionen schon zirka 12.000 Juden gezählt. Daher betrug im Jahre 1900 der Anteil an.der Ge samtbevölkerung 0,4 Prozent. Seither hat sich der, jüdische Bevölkerungsanteil nicht geändeitr das heißt, er betrug auch 1930 wieder 0,4 Prozent, das heißt 18.000 Juden auf eine damalige Totalbevölkerung von zirka 4 Mülionen. Eine wesentliche Aenderung in den letzten Jahren ist nicht zu verzeichnen. Es ist festzustellen, daß dieser Prozentsatz mir die Hälfte der Verhältniszahl beträgt, die der jüdische Anteil an der Gesamtbevölkerung der ganzen Wel.t erreicht. Es leben 16 Millionen Juden 0,8 Prozent bei einer Totalbevölkerung von zirka 2 Milliarden.. Wenn man bei diesen Zahlen von Indien, vom Fernen Osten, von Zentralafrika, das heißt von Gebieten absieht, in denen es praktisch fast keine Juden gibt, und nur die Teile und Länder der Welt in Betracht zieht, in denen die europäische Kultur und sogenannte weiße Rassen vorherrschen, erhöht sich der jüdische Anteil auf 1,6 Prozent, das heißt bei einer entsprechenden Totalbevölkerung von 1 Milliarde. Der jüdische Beyölkerungsanteü . der .Schweiz mit 0,4 Prozent ist also ganz beträchtlich unier dem entsprechenden Durchschnittsverhältnis der Weltbevölkerünff." I, K A I 29/31 % Das neuzeitliche Kaffeehaus^mit den modernsten Anlagen^ Eine neue Hetzschrift Aus Wien (J.. T. A.): Im Verlage „Oesterreichische Volksgesellschaft M. O. Groh, Wien", ist ein Buch erschienen: „Antisemitismus der Welt In Wort und Bild. — Der -Weltatreit um die Judenfrage." Das Buch, das schön ausgestattet ist, gibt sioh den Anschein „wissenschaftlicher" Arbeit. In Wahrheit stellt es nichts anderes dar als eine Propagierung . des blutrünstigen Antisemitismus im nationalsozialistischen Stil. Es heißt darin unter anderem: „Die Dissimilation hat die Ausscheidung der Juden aus den Lebensbezirken als Gesetz zur Folge: Aus dem Blutgefüge durch Verbot von rassischen Mischehen; aus dem gesamten Kultur- und Kunstleben durch Einführung des Arierparagraphen; aus dem polltischen Leben durch Aufstellung des Grundsatzes von der artgemäßen und blutverwandten Führung in Staat, Verwaltung und Politik; wirtschaftlich .durch die allmähliche Ueberleitung der spekulativ erworbenen jüdischen Vermögenswerte "in die Hand des deutschen Wirtschaftsführers des deutschen Volkes." — Eine ganze Reihe greulicher Bilder aus der St reicher sehen Rltualmordllteratur ist dem Buche beigegeben. Die Behörden haben bis jetzt nichts gegen den Vertrieb dieses Buches unternommen. Zahl der Juden in der Weh Im März-Heft der vom Jiddischen Wissenschaft? liehen Institut in Wilna herausgegebenen „Iwo-Bl&tter" veröffentlicht der wissenschaftliche Sekretär der wirtr schaftlich-statistischen Abteilung des Instituts, Jakob Lestschinsky, eine umfangreiche Arbelt über die Zahl der Juden in der Welt. Lestschinsky errechnet auf Grund des von ihm erarbeiteten Materials die Zahl 4er Juden Anfang 1936 mit 16,240.000. In den Rfshon le nur dieser Name bürgt für Echtheit und Güte beim Einkauf von PalästinaffWein VEREINIGTE GROSSKELLEREIEN RISHON LE ZION letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Juden in der Welt um 1,300.000 erhöht. Der Zuwachs betrug in der ersten Hälfte des Jahrzehnts, von 1921 bis 1930, 700.000» d. h. durchschnittlich 140.000 Seelen jährlich, in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts dagegen nur 600.000, somit bloß. 120.000 jährlich. Der natürliche Zuwachs der Juden geht wie bei allen Völkern zurück. Die Verringerung des Bevölkerungszuwachses ist nicht auf erhöhte Sterblichkeit, sondern auf das Sinken der Geburtenzahl zurückzuführen. Die Verteilung der Juden in der Welt blieb im großen ganzen in dem abgelaufenenen Jahrzehnt fast unverändert. Ueber 60 Prozent aller Juden, annähernd 10 Millionen, leben in Europa; über 30 Prozent, rund Millionen, leben in Amerika, über 5 Prozent, mehr, als eine halbe^Jtfillion, in As.ien; in^Australlen gibt es im ganzen etwa 30.000 Juden/ "Zwei Drittel des jüdischen Volkes, Über 10 Millionen Seelen, sind in dem drei Ländern: Vereinigte Staaten von Nordamerika (4,400.000),.-. Polen :. (3,1:50.000) ... und Sowjets-Rußland (3*080.000) konzentriert* - Im.: übrigen verteUenv; siedle Juden 4er Welt: auf über 8 0 S t a a t e n u n d L» 8, n d e-r« Nur 'vier Staaten;haben eine Bevölkerung , von m e h r als einer Million Juden, nämlich die drei bereits genannten Länder und Rumänien^ Eine jüdische Bevölkerung* von. über 100.000 Seelen gibt es in siebzehn Staaten, die zusammen 15 Millionen Juden öder 92 Prozent der gen samten Judenheit umfassen.. Die absolute Zahl der, Juden ist überall gestlegen mit Ausnahme von Deutschland, Oesterreich, Ungarn, Italien, der Schweiz und der Türkei. Wieder die Klagemauer*frage Aus Jerusalem: Die arabische Zeitung „B1 Liwaa" hat in einem Artikel behauptet, der Aguda- Führer Rabbi Blau hätte in einer In Tel-Aviv gehaltenen Rede erklärt, die Judenheit halte Ihren An« Spruch auf das Eigentum an der Klagemauer fest. Mit RUcksieht auf die Erregung, die diese Veröffentlichung des arabischen Blattes in mohammedanischen Kreisen ausgelöst hat, und auf die Möglichkeit einer auf diese; Veröffentlichung sich stützenden gefährlichen Propaganda hat die Palästina- Regierung Rabbi Blau aufgefordert» einen ausführlichen Bericht über seine Aeußerungen Jn bezug auf die Klagemauer vorzulegen. Gegen den Oberkommissav . Aus Tel-Aviv: Nach Schluß der Eröffnung dei jüdischen Museums kam es,; wie bereits gemeldet, zu einer ^Demonstration gegen den als Protektor und Gaat anwesenden Oberkommissär Sir vVaüchope. Es würde^ nicht nur feindliche Rufe laut, sondern auch Flug* ze tte 1 nachstehenden Inhaltes1 ausgeworfen: ,,Der Higtt Commissioner sorgt für unseren G e ia t, für Fragen dea ewigen Lebens. Seih Herz ist Jedoch verschlossen' den Lebensinter essen des Jischuw. Der High Com«« missiöner Ist her unseren Feiern stets freundlich« steht jedoch unseren Sdrgen und Schmerzen fremd gegenüber." Die Sensation des PESS ACH FESTES sind die weltberühmten MAZZ0TH der PESTER israelitischen KU LTU S G E ME 1N DE Unerreicht an Qualltlt und Geschmack! Nach einem Versuch kauft Jeder die gute Pester Qiialltätsmazzoth, dünne und (runde) dicke, sowie Mazze - Grieß, Farvel und Mazze -Mehl In allen einschlägigen Geschäften erhältlich ALLEINYJ RTRfTUNQ FÜR ö ST EHR EICH: IGNAZ FROST, lebensmittelhandlung, II, Haidgasse 9, Tel. A-49-3-84